As der Schwerter

28. November 2011

Büchsen-Licht (2): Unterhebelrepetiergewehre

Dieser dritte meiner „ballistischen“ Krisenvorsorgeartikel wird Licht auf das Thema Unterhebelrepetiergewehre werfen. Bezüglich der waffenrechtlichen Situation für Waffen der Kategorie C (Meldepflichtige Waffen) in Österreich sowohl nach dem derzeit noch gültigen Waffengesetz 1996 als auch nach der schon beschlossenen Waffengesetz-Novelle 2010, die erst nach Inbetriebnahme des elektronischen zentralen Waffenregisters per Ministerverordnung in Kraft treten wird, siehe nochmal den Anfang von Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre.

Zunächst einmal einige Grundregeln betreffend Unterhebelrepetiergewehre:

Ungeachtet Kaliber und System gilt für alle Unterhebler mit Röhrenmagazin eine unumstößliche Vorschrift: Sie verschießen ausschließlich Patronen mit abgeflachten Geschoßspitzen, also Projektile der Typen Flachkopf (englisch: Flat Nose, Flat Point, Flat Head) oder Kegelstumpf (Truncated Cone). Bei Waffen für Revolverpatronen kommen noch Hohlspitzgeschosse (Hollow Points) hinzu. Nur das verhindert, daß bei der Erschütterung im Schuß oder bei hartem Aufstoßen mit dem Kolben eine Geschoßspitze das Zündhütchen der davorliegenden Patrone auslösen kann. Aus dem gleichen Grund darf die Munition bei den von vorn zu ladenden Henry-Versionen nicht ungebremst von oben ins Magazin fallen. Auch sollte deswegen bei teilgeladenem Henry—Magazin nie die Taste der Magazinfeder samt Zubringer ungebremst nach hinten schnellen – statt dessen immer nur langsam und kontrolliert vorlassen. Ich vermute auch, daß die Produktion der Geco Metal Piercing in .357 Magnum (mit Stahlmantel-Kegelspitzgeschoß) eingestellt wurde, um zu vermeiden, daß jemand aus Unwissenheit oder leichtsinnigerweise solche Patronen ins Röhrenmagazin eines Unterheblers in diesem Kaliber lädt.

Nicht alle Unterhebel-Repetierer haben gleichstarke Systeme. Faustregel: je älter das Design, desto schwächer. Das betrifft vor allem den mit den Volcanics und Henrys eingeführten Kniegelenk-Verschluß (toggle action). Der steckt auch in den Winchester-Modellreihen M 1866, M 1873, M 1876 und natürlich in den 1866er- und 1877er-Repliken der Marken Uberti, Armi San Paolo sowie Euroarms. Bei den Waffen reichen unter Umständen ein paar Dutzend strammer Ladungen aus, um den Verschluß irreversibel zu beschädigen, auch denjenigen einer brandneuen Waffe. Das ist dann kein Materialfehler, sondern die Folge davon, daß eine alte Konstruktion über Gebühr belastet wurde. Besitzer von Waffen mit Kniegelenk-Verschluß sollten – ungeachtet deren Alters – daraus prinzipiell nur Standardlaborierungen und nie Hartgeladenes verschießen. Wenn bei gebrauchten Waffen mit toggle action die Mechanik schlackert, anstatt nur glatt und sauber zu laufen, dann ist das ein Indiz dafür, daß das Gewehr den Dauereinsatz starker Laborierungen erlebt hat.

Beim Repetieren befindet sich der Zeigefinger nicht im Abzugsbügel, sondern bleibt außerhalb davon. Nur das verhindert sicher, daß sich beim Schließen ungewollt ein Schuß löst. Und es sorgt dafür, daß einer der peinlichsten Schießunfälle nicht passieren kann – sich in der Hitze des Wettkampfes (oder eines realen Feuergefechts) den Zeigefinger empfindlich zwischen Abzug und Repetierhebel zu quetschen.

Der Witz beim Lever-Action-Schießen besteht in der Schnelligkeit des Durchladens. Das spielt vor allem bei dem auf Zeit angelegten Western-Schießen sowie im Ernstfall eine Rolle. Dieses Tempo läßt sich durch die Vermeidung eines Grundfehlers steigern – zum Repetieren die Waffe von der Schulter zu nehmen. Oft erzwingt eine ruppige Mechanik aber ein derartiges zeitintensives Absetzen. Dann gehört das Gewehr in die Hand des Büchsenmachers, um die Gleitflächen im System der Waffe zu überarbeiten.

Anfänger sollten das Repetieren und das damit verbundene Zielerfassen zu Anfang langsam und gründlich üben. Wer ohne das entsprechende Gefühl hektisch und rasch am Lever hebelt, wird oft nicht richtig durchladen und so durch Zuführstörungen Zeit verlieren (und in einer realen Verteidigungssituation womöglich sogar das Leben). Für die störungsfreie Zuführung bei Unterheblern muß zwar nicht das Öffnen und Schließen rasch aufeinanderfolgen, aber jede einzelne dieser Bewegungen sollte zügig ausgeführt und ganz durchgezogen werden. Hier lautet die Faustregel: Zuerst muß die Sicherheit der Bewegung sitzen. Das Tempo steigert sich dann meist von selbst. Oder wie es dieser alternde Revolverheld in „In einem Sattel mit dem Tod“ gegenüber seiner Schülerin Raquel Welch (Hannie Caulder) ausdrückte: „Erst üben wir’s richtig, dann üben wir’s schnell.“

DIE MUNITION: REVOLVERPATRONEN UND GEWEHRPATRONEN

Da es Unterhebelrepetierer sowohl für Revolver- als auch für Gewehrmunition gibt, ist es wichtig, sich zunächst einmal mit diesen beiden Patronenkategorien zu befassen. Denn Unterhebler in Revolverkalibern sind zwar genauso Kategorie-C-Waffen wie die anderen, das heißt (in Österreich) ohne Waffenbesitzkarte ab 18 Jahren zu erwerben (derzeit meldepflichtig nach dem alten Käsezettel-System, ab ca. Mitte 2012 mit zentraler elektronischer Registrierung); das gilt aber nicht für die Patronen, da diese eine Faustfeuerwaffenmunition sind und daher nur mit Waffenbesitzkarte oder Waffenpaß erworben werden dürfen (beide waffenrechtlichen Dokumente bekommt man erst ab 21 Jahren).

Die Revolverpatronen:

.44-40 Winchester: Bei der auch als .44 Winchester Center Fire (WCF) bekannten Patrone handelt es sich um die älteste Zentralfeuerlaborierung für Unterhebler überhaupt. Winchester führte sie mit dem Gewehrmodell 1873 ein. Ihre Wiedergeburt verdankt die .44-40 dem Western-Schießen. Da viele Modelle ursprünglich dafür eingerichtet waren, läuft sie auch aus deren Repliken sehr gut. Dank ihres breiten Hülsenrandes und der konischen Form läßt sie sich besser ausziehen als etwa die schmalrandige und gerade .45 Colt. Sie hat einen Geschoßdurchmesser von 10,85 mm und ein Geschoßgewicht von 14 – 17 g. Aus Gewehrläufen verschossene 200-grains-Geschosse (12,9 g) erreichen eine Mündungsgeschwindigkeit bis 400 m/s, was eine Energie von 1032 Joule ergibt.

Beispiel: Magtech 200 grs Blei-Flachkopf, 360 m/s, 840 Joule, € 37,50 / 50er-Packung

.45 Colt: Von allen klassischen Western-Patronen zählt heute neben  der .44-40 Winchester eine zu den wichtigsten im Unterhebel-Feld, die ursprünglich gar nicht dafür bestimmt war: die .45 Colt. Das Kaliber kam 1873 mit dem als „Peacemaker“ bekannten Colt-Revolver Single Action Army heraus und war als reine Revolverpatrone gedacht. Sie blieb die Standardmunition der US-Armee, bis das Militär 1892 auf die .38 Long Colt umstieg.

Doch gab es in der Zeit der Viehtrecks und Indianerkriege keinen einzigen Unterhebler für dieses Kaliber. Die ersten Lever-action-Modelle in .45 Colt kamen erst am Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Cowboy-Action-Shooting auf. Das hängt mit dem Einsatzzweck der .45 Colt zusammen. Bei deren Entwicklung dachte niemand daran, sie je in ein Gewehr stopfen zu müssen – die Colt-Werke stimmten die Patrone nur auf den Peacemaker ab. Bei dem saß neben dem Lauf ein Ausstoßer. Und der bugsierte die abgeschossenen Patronen aus der Trommel, indem er mit seiner Spitze von vorn in die Hülsen hineinfuhr. Daher hielten die Colt-Leute den Rand der Patronenhülsen bewußt schmal. Denn es gab an ihrem Revolver ja keinen Auszieher, dessen Kralle einen breiten Hülsenrand benötigt hätte. Doch hätte es die schmale Krempe um 1880 unmöglich gemacht, die Patrone aus einem mit Auszieher arbeitenden Repetiergewehr zu verfeuern. Erst zur Zeit der Moro-Aufstände auf den Philippinen, für die ein anderes Revolvermodell in diesem Kaliber eingesetzt wurde, erhielt die .45 Colt einen breiteren Rand.

Die .45 Colt hat ein Geschoßkaliber von 11,48 mm und ein Geschoßgewicht von 13,0 – 16,2 g. Aus Revolvern kommt sie auf 270 – 315 m/s und 650 – 700 Joule; aus Gewehren ist wegen des längeren Laufes und ohne den Druckverlust aus dem Trommelspalt deutlich mehr zu erwarten. Im Kaliber .45 Colt gibt es auch Schrotpatronen von CCI, die unter .357 Magnum näher beschrieben werden.

Beispiel: Magtech 16,2 g Blei-Flachkopf, 232 m/s, 436 Joule (aus Revolver); € 29,00 / 50er-Pk.

.38 Special: Um 1900 eingeführt, handelte es sich bei der Patrone jahrzehntelang um ein reines Revolverkaliber. Bei Lever-Action-Repliken zählt die .38 Special dennoch zu den Oldtimern. Firmen wie Uberti legten ihre Winchester-M1866-Nachbauten zuerst dafür aus. Natürlich läßt sich die Patrone auch aus Mehrladern in .357 Magnum verfeuern. Nach wie vor ist sie die günstigste und damit effektivste Patrone zum Cowboy-Action-Schießen – dem Haupteinsatzgebiet von .38er-LA-Repetierern. Allerdings neigt die .38 Special etwas häufiger zu Zuführstörungen als etwa die .44-40 oder .38-40, vor allem aus den Gewehren von Rossi. Das tut sie auch bei den älteren 1866er Yellow Boys von Uberti, wenn die Gesamtlänge nicht genau paßt (letzteres betrifft Wiederlader, die ihre Patronen selber laden). Auch wenn .38 Spl.-Unterhebler einen recht milden Rückstoß produzieren, gilt als oberste Regel, nur Flachkopfgeschosse zu verladen.

Die .38 Special hat einen Geschoßdurchmesser von 9,07 mm; es gibt sie mit Geschoßgewichten von 6,16 – 13 g. Aus Gewehren kommt sie auf eine Mündungsgeschwindigkeit von bis zu 470 m/s und eine Energie von 680 Joule. Von Magtech gibt es günstige Blei-Flachkopfpatronen zu € 24,00 / 50er-Packung, aber auch die teureren First Defense FD38A mit 6,13 g schwerem Kupfer-Hohlspitzgeschoß, für die ich keinen aktuellen Preis zur Hand habe. Beim Verschießen von Magtech-Patronen ist es jedoch ratsam, den Lauf möglichst bald zu reinigen, da mir zumindest von den Revolverpatronen dieses Fabrikats Erfahrungen bekannt sind, daß deren Verbrennungsrückstände in ungereinigten Läufen Flugrostansatz bewirken! Im Kaliber .38 Special gibt es auch Schrotpatronen von CCI, die unter .357 Magnum näher beschrieben werden.

.357 Magnum: Die Ernstfallpatrone für Besitzer von Gewehren in .38 Spec./.357 Magnum. Dies ist im Wesentlichen eine .38 Special mit ca. 3,4 mm längerer Hülse und deutlich stärkerer Ladung. Wie die .38 Special hat sie einen etwas ausgeprägteren Rand als die .45 Colt, aber wie diese eine zylindrische Hülsenform, wodurch sie nicht ganz so glatt ins Patronenlager schlüpft wie die .44-40. Ein paar gemessene ballistische Werte aus einem Marlin 1894 CS:

Magtech 158 grs Teilmantel SJSP:          453 m/s,   1046 Joule
Fiocchi 158 grs Teilmantel:                    544 m/s     1195 Joule
GECO 158 grs Teilmantel-Flachkopf:        448 m/s   1024 Joule
Fiocchi 158 grs Teilmantel SJSP:             509 m/s   1321 Joule
Magtech First Defense 95 grs / 6,12 g Kupfer-Hohlspitz:  632 m/s   1222 Joule
Federal Hydra-Shok 158 grs Teilmantel-Hohlspitz:   511 m/s   1332 Joule

Magtech Teilmantel-Flachköpfe (158 grs) kosten € 20,80 / 50er-Pk.; Sellier & Bellot 158 grs Teilmäntel kosten € 22,10 / 50; Magtech First Defense sollen schon knapp 40 Euro pro 50er-Pack kosten.

Für Waffen in den Kalibern .38 Special / .357 Magnum (sowie einige weitere Revolver- und Pistolenkaliber) gibt es übrigens auch Schrotpatronen von CCI:

Diese verfeuern jeweils 135 Schrotkörner mit einem Durchmesser von 2 mm und einer Gesamtmasse der Schrotladung von 6,35 g. Hier eine gekürzte Fassung des Artikels „Schrotmunition in Faustfeuerwaffen“ von Dipl.-Ing. Manfred Ertl im „Internationalen Waffenmagazin“ 9/1990, worin diese Patronen in einem Revolver Smith & Wesson Mod. 36 „Chief’s Special“ im Kaliber .38 Special, Lauflänge 2“ / 5 cm, getestet wurden:

Vergleichende Versuche mit anderen Kalibern und Lauflängen erbrachten folgendes:

- Die Lauflänge hat nur geringen Einfluß auf die Streuung und die Durchschlagsfähigkeit der Schrote.

- Patronen im Kaliber .45 ACP entsprechen in der Durchschlagsleistung ungefähr dem Kaliber .38 Special, erzielten aber etwas engere Streukreise.

- Das Kaliber .44 Magnum bringt aufgrund der größeren Schrotzahl (ca. 170 Kügelchen) eine bessere Deckung als die .38er-Patronen, Durchschlagsleistung und  Streukreise sind ungefähr gleich.

Bei einer Schußentfernung von 5 m zeigten sich auf der Zehner-Ringscheibe (Durchmesser der Zehn: 100 mm) folgende Ergebnisse:

- Der Haltepunkt der Schrotmunition ist nahezu identisch mit dem der Kugelmunition.

- Durch den gezogenen Lauf und die lockere Packung der Schrote ergeben sich leichte Hohlschüsse.

- Seitliche Asymmetrien waren nicht zu beobachten.

- Rund zwei Drittel aller Treffer lagen in einem Kreis von ca. 50 cm Durchmesser.

Um sich von abstrakten Rechenwerten der Streuung zu lösen, wurden für die praktischen Versuche keine Schrotschußprüfscheiben, sondern lebensgroße Mannscheiben beschossen. Mündungsgeschwindigkeit der Schrotladung ca. 305 m/s, Mündungsenergie des einzelnen Schrotkorns 2,2 J [x 135 = 297 Joule].

Bei Haltepunkt Körpermitte ergaben sich die folgenden durchschnittlichen Trefferzahlen aus je drei Schuß auf der Mannscheibe:

2 m Entfernung: 111 Treffer (teilweise Einzeltreffer nicht trennbar);  5 m: 105 Treffer;  10 m: 48 Treffer.

Schüsse aus 2 – 3 m Entfernung auf die Beine zeigten die gute Kontrollierbarkeit der Schrotgarbe auf kurze Entfernungen. Schüsse auf kurze Distanz auf den Kopf des Angreifers führen zu verheerenden Verletzungen.

Durch diese Versuche läßt sich die Ausbreitung der Schrotgarbe relativ gut ermitteln. Schwieriger ist es, die zielballistische Wirkung eines derartigen Schrotschusses mit einer Faustfeuerwaffe abzuschätzen. In feuchten Ton dringen die 2 mm-Schrotkörner ungefähr 3 – 4 cm tief ein. Die Beurteilung von Schrotschußverletzungen in Bezug auf Mannstoppwirkung und eintretende Handlungsunfähigkeit ist schwierig, da solche Werte zwar für die Jagd bekannt sind, aber mangels eindeutiger Modelle und Berechnungsgrundlagen nicht auf den Menschen hochgerechnet werden können.

Kurz zur Erinnerung: Die Wirkung von jagdlichen Schrotschüssen beruht nicht auf der Zerstörung lebenswichtiger Organe, sondern auf einem Schock durch einen großflächigen Reiz auf das gesamte Nervensystem durch eine Vielzahl kleiner Verletzungen. Ein derartiger Schockeffekt tritt sicher auch beim Menschen auf, unterliegt in seiner Größenordnung aber erheblichen Schwankungen, wie die Auswertung von Jagdunfällen und Straftaten mit Schrotmunition zeigt.

Einen erheblichen Einfluß auf die Wirkung haben Trefferzahl, psychischer Zustand und Bekleidung. Dünne Sommerbekleidung wie Lederjacke mit T-Shirt verringert die Eindringtiefe um ca. 1 – 2 cm. Dickere Winterbekleidung oder Motorradkombis wurden teilweise gar nicht durchdrungen. Nicht zu unterschätzen ist aber der psychologische Schock, von einer Schußwaffe getroffen worden zu sein, der in manchen Fällen ausreichen dürfte, um einen Angriff zu beenden.

Wenn auch nicht davon auszugehen ist, daß die Attacke eines wild entschlossenen Angreifers durch einen derartigen Schrotschuß sofort gestoppt wird, so hat diese Munition doch einige Vorteile gegenüber normalen Einzelgeschossen:

- Treffer zumindest mit einem Teil der Schrotladung werden auf kurze Entfernungen (bis 10 m) auch für ungeübte Schützen in Streßsituationen wahrscheinlicher.

- Die Gefährdung des Hinterlandes wird aufgrund der geringen Reichweite der Schrote (unter 100 m) deutlich reduziert.

- Beschossene Angreifer werden nicht lebensgefährlich verletzt.

- Durch die Wahl des Haltepunktes läßt sich die Wirkung bei kurzen Kampfentfernungen gut variieren. Haltepunkt Kopf = schwere Verletzungen, vermutlich sofortige Kampfunfähigkeit. Haltepunkt Beine = keine irreversiblen Verletzungen, jedoch starke Einschüchterungswirkung.

Neben diesen Vorteilen hat die Schrotmunition aber auch Nachteile:

- Keine Durchschlagsleistung gegen Deckungen.

- Starke Bekleidung wie Motorradkombi oder dicker Wintermantel werden teilweise gar nicht durchschlagen.

- Bei Schußweiten über 5 m läßt sich die Schrotgarbe nicht mehr auf einen bestimmten Punkt des Ziels konzentrieren.

Da sich Notwehrsituationen meist unter 10 m, häufig sogar unter 5 m, abspielen, steht mit diesen Schrotpatronen eine Munition zur Verfügung, die eine Lücke zwischen der reinen Drohung mit der Waffe und dem Schußwaffeneinsatz schließt.

Ein Schuß mit dieser Munition auf die Beine des Angreifers verletzt diesen zwar, aber dennoch nicht so schwer, daß mit irreversiblen Schäden oder gar Tod zu rechnen ist. Das heißt, es steht ein Mittel zur Verfügung, einem gefährlichen Angreifer die Ernsthaftigkeit des Verteidigungswillens  schmerzhaft zu verdeutlichen, ohne ihn lebensgefährlich verletzen zu müssen. Ist eine derartige Schrotpatrone in der ersten Kammer des Revolvers geladen, und die folgenden mit normaler Munition, so hat der Verteidiger die Option, mit einer Art gestaffelter Eskalation seiner Verteidigungsmittel zu reagieren. Dies ist vor allem auch deshalb wichtig, da die Rechtssprechung in Notwehrlagen fordert, das schwächstmögliche wirksame Mittel der Verteidigung einzusetzen. Vor Gericht besteht immer die Gefahr, daß ein tödlicher Notwehrschuß als überzogene Notwehr ausgelegt wird. Jeder Staatsanwalt wird aber einsehen, daß ein scharfer Schuß das letzte Mittel der Verteidigung ist, wenn sich zuerst einmal ein Schrotschuß als wirkungslos erwiesen hat.

Somit ist es sicher eine sinnvolle Alternative, wenn die erste Patrone in der Trommel oder im Magazin eine Schrotpatrone ist, und damit der erste Schuß ein zwar gefährliches und wirkungsvolles Verteidigungsmittel ist, die Tötung des Angreifers jedoch – nach normalen Maßstäben gerechnet – noch ausschließt.

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So weit Dipl. Ing. Ertl. Aus einem Gewehr werden die ballistischen Leistungen dieser Patronen noch höher sein; weil es hier keinen Gasdruckverlust durch einen Trommelspalt gibt, dürfte auch die größere Lauflänge noch mehr bringen als bei längeren Faustfeuerwaffen. Dies wirkt sich sowohl auf die taugliche Einsatzreichweite als auch auf den maximalen Gefährdungsbereich aus. Auch dürften die Schrotgarben aus Gewehrläufen enger beisammenbleiben als aus Kurzwaffen. Ich habe vor, das bei Gelegenheit in der Praxis auszuprobieren, und werde dann im Kommentarstrang darüber berichten (oder vielleicht auch in einem kurzen Ergänzungsbeitrag). Bei der Gelegenheit wird sich auch zeigen, wie sich gezogene Gewehrläufe hinsichtlich Hohlgarben (ringförmige Zonen maximaler Trefferdichte mit schwächer abgedecktem Zentrum, bedingt durch den Drall des Laufs) auswirken. Ebenso wird anhand der Streukreise auf größere Entfernungen zu sehen sein, wie weit sich diese Munition in Notzeiten für die Kleinwildjagd eignen würde. Dipl. Ing. Ertls Anmerkungen zur Wirkung jagdlicher Schrotschüsse decken sich mit Aussagen eines anderen Artikels (in einer älteren Ausgabe des Deutschen Waffenjournals, die ich nicht mehr finde), wo es hieß, daß die Schrotkörner den Balg z. B. eines Hasen nicht sehr weit durchschlagen und vielmehr durch den Nervenschock wirken, der durch die vielen fast gleichzeitigen Einschläge ausgelöst wird. Für einen Hasen werden solche Schrotpatronen in Faustfeuerwaffenkalibern wohl nicht reichen, aber für Vögel in Drossel- bis vielleicht Krähengröße wohl schon, wenn die Entfernung nicht zu groß ist. (NACHTRAG: Siehe dazu meinen Kommentar Nr. 34 zu “Teilchenbeschleuniger“; nach aktuelleren Erkenntnissen durchschlägt 3 mm starkes Jagdschrot auf 40 m einen Fuchs, und 4-mm-Schrot durchschlägt Rehe auf 30 m. Dagegen trifft die Nervenschock-These offenbar doch nicht zu!) In VISIER 12/2011 schreibt ein Leser über die Verwendung solcher Schrotpatronen aus Faustfeuerwaffen:

… ich verwende selbst seit (Jagd-) Jahrzehnten in meinem Revolver S & W Mod. 13-5 Schrotpatronen von CCI im Kaliber .38/.357, in meiner 1911 A1 benutze ich ebensolche Patronen im Kaliber .45 ACP. […] Diese Ladungen reichen locker aus, um kleineres Raubwild zu bejagen, auch bei der Fallenjagd sind sie sehr bewährt. Wir haben vor vielen Jahren einmal unter Jägern die Selbstverteidigung mit dieser non-letalen Munition besprochen und interessehalber ein paar Versuche durchgeführt. Der Schuß aus dem Revolver auf eine lederne Motorradjacke zeigte, daß aus einer Distanz von zwei Metern alle Stahlschrote die Vorderseite der Jacke durchschlagen hatten, etwa 30 % schafften es noch, an den nicht verstärkten Stellen der Jacke auch die Rückseite zu durchdringen. Der Schuß aus demselben Revolver auf eine Schweineschwarte zeigte in Handtellergröße eine kraterartige Wunde, aus der auch etliche Fleischpartikel herausgerissen wurden.

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Hier noch zur Ergänzung ein Bild aus dem VISIER-Sonderheft „Taschenpistolen, Taschenrevolver“ von einem Beschußversuch ballistischer Seife mit CCI-Schrot Kaliber .45 ACP aus einer Glock 30:

Falls man die von Manfred Ertl beschriebene Alternative nutzen will, für Verteidigungssituationen bei noch einigermaßen vorhandener staatlicher Justiz eine Schrotpatrone in den Lauf eines Unterhebelrepetierers zu laden und normale Patronen im Röhrenmagazin bereitzuhalten, falls die Schrotladung nicht ausreicht, so sollte man unbedingt daran denken, daß die jeweils zuletzt in die Röhre geschobene Patrone als erstes in den Lauf repetiert wird! Das ist zwar naheliegend und logisch, könnte aber von wenig Geübten im Streß einer Ernstfallsituation vergessen werden.

Die CCI-Schrotpatronen gibt es in mehreren Revolver- und Pistolenkalibern (bei den Pistolenpatronen ist die blaue Schrotkapsel vorne abgerundet). Hier eine Übersicht mit Preisen für 10er-Packungen (alle bei Jagd & Sport):

9 mm Luger / Parabellum:          € 19,10  (Kettner:  € 16,90)
.40 S & W:                             € 19,80
.45 ACP:                                € 20,60  (Kettner:  € 17,50)
.38 Special / .357 Magnum:        € 16,10  (Kettner:  € 13,50)
.44 Special / .44 Magnum:          € 21,30   (Kettner:  € 17.50)
.45 Colt:                                 € 21,30

.44 Magnum: Für die Revolverpatrone .44 Magnum gibt es ebenfalls  Unterhebelrepetierer, in denen auch die kürzere, schwächere .44 Special verwendet werden kann. Da sie eine gleich lange Hülse hat wie die .357 Magnum, haben .44er-Unterhebler mit Röhrenmagazin bei gleicher Länge dieselbe Magazinkapazität, verfeuern aber dickere, schwerere Geschosse mit deutlich mehr Mündungsenergie (bis zu 500 m/s und 1500 Joule). Im Unterschied zur .38 Special, .357 Magnum und .45 Colt ist die Hülse der .44 Magnum zwar nicht ganz zylindrisch, aber die 0,03 mm Durchmesserunterschied zwischen vorne und hinten wird beim Zuführen kaum einen Unterschied machen. Für dieses Kaliber gibt es ebenfalls die unter .38 Spec./.357 Mag. beschriebenen Schrotpatronen:

Ein paar beispielhafte Patronenangebote in .44 Magnum von Frankonia (jeweils für 50er-Packungen):

Magtech 240 grs / 15,6 g Teilmantel-Flachkopf:    € 29,50
Magtech 240 grs / 15,6 g Vollmantel-Flachkopf:   € 29,50
Sellier & Bellot 240 grs / 15,6 g Teilmantel:          € 29,80

.38-40 Winchester:  Bei der .38-40 WCF handelt es sich um eine auf einen kleineren Durchmesser eingezogene .44-40, seinerzeit laboriert mit 180-Grains-Bleigeschoß und 38 Grains Schwarzpulver (heute wird sie mit rauchlosem Nitropulver geladen). Ihrem Namen zum Trotz verschießt die .38-40 Winchester keine Geschosse in .38, sondern in .40, d h. 10,17 mm (der Name bezieht sich auf die ursprünglichen 38 Grains Pulver und das Kaliber .40). In der Präzision liegt sie etwas über der .44-40, auch schießt sie sich sehr angenehm. Aus Gewehrläufen verschossene 180 grs-Geschosse in diesem Kaliber erreichen eine Mündungsgeschwindigkeit von 406 m/s (= 957 Joule) und haben bis 200 m Schußdistanz eine gestrecktere Flugbahn als die .44-40.

Es gibt inzwischen Fertigpatronen (WM Bullets: 175 grs Blei-Flachkopf), dennoch gehört die Patrone zu den Exoten, weil es dafür lange an Neuwaffen mangelte. Für Nicht-Wiederlader ist sie daher weniger interessant.

Die Gewehrpatronen:

.45-70 Government: 1873 als Militärpatrone für die Springfield-Trapdoor-Hinterlader M 1873 der US-Armee vorgestellt, gibt es seit dem Ende der 1870er-Jahre Lever-action-Gewehre für die .45-70, die einen Geschoßdurchmesser von 11,6 mm hat. Wie bei allen Röhrenmagazin-Waffen gilt auch hier die eiserne Regel, nur Flachkopfgeschosse zu verladen. Wichtig auch: Patronen mit einer Länge von mehr als 67 mm passen nicht bei allen Waffen durch die Ladeöffnung. Zwar existieren reichlich Fabrikpatronen, aber die eignen sich vor allem für die Jagd (und die Selbstverteidigung); manche davon könnten auch aufgrund der Geschoßform bedenklich sein für die Verwendung in Röhrenmagazinen. Europäische Patronen für Sportschützen gibt es kaum (Ausnahme: WM Bullets). Hier ein paar Patronensorten als Beispiele:

Federal Premium Teilmantel-Flachkopf 19,4 g / 300 grs:   573 m/s,  3162 Joule,   € 38,00 / 20 Stk.
Magtech Blei-Flachkopf 26,3 g / 405 grs:   405 m/s   2152 Joule,   € 98,00 / 50 Stk.
Winchester Super-X Jacketed Hollow Point 19,44 g / 300 grs:   573 m/s,   3193 Joule,   € 67,00 / 20 Stk.(!) – hier müßte man sich z. B. ansehen, wie breit die Hohlspitze im Verhältnis zu den Zündhütchen ist (Röhrenmagazin-Situation!)

.30-30 Winchester: 1895 für das Modell Winchester M 1894 eingeführt, war die .30-30 Winchester (auch .30-30 WCF genannt) die erste US-Nitropatrone in einem Kaliber der Kategorie „smallbore“. In den USA gelten .30-30er Waffen als ideal zur Jagd auf Weißwedelhirsche, in Deutschland sind sie auf Rehwild beschränkt. Der Geschoßdurchmesser beträgt 7,74 mm, die Geschoßgewichte variieren zwischen ca. 7 – 11 g. Beispiele:

Sellier & Bellot Teilmantel-Flachkopf 9,7 g / 150 grs:   728 m/s,   2570 Joule,   € 19,50 / 20 Stk.
Winchester Super-X Hollow Point  9,7 g / 150 grs:    728 m/s,   2570 Joule,   €  34,10 / 20 Stk. (hier müßte man sich wieder die Hohlspitze in natura ansehen!)
Federal Premium Hollow Point 8,10 g / 125 grs:   783 m/s   2486 Joule,   € 26,60 / 20 Stk.
Federal Premium Soft Point FN (Flat Nose) 9,72 g / 150 grs:   728 m/s   2580 Joule,   € 26,60 / 20 Stk.
Federal Premium Soft Point FN 11,02 g / 170 grs:   671 m/s   2478 Joule,   € 26,60 / 20 Stk.
Remington Core Lokt Soft Point 9,7 g /150 grs:   728 m/s   2576 Joule,   € 20,00 / 20 Stk.

.444 Marlin: 1964 von Marlin Firearms und Remington Arms entwickelt, um die zu dieser Zeit nicht erhältliche ältere .45-70 zu ersetzen. Die .444 Marlin, die einen Geschoßdurchmesser von 10,9 mm aufweist, sieht wie eine verlängerte .44 Magum aus und bringt einen bedeutenden Zuwachs an Mündungsgeschwindigkeit. Mit einem 240 grs / 16 g schweren Geschoß erreicht sie 730 m/s und 4160 Joule. Auf kurze Entfernungen mangelt es dem Marlin-Design nicht an Lesitung: Von der Mündungsenergie bleiben je nach Geschoßgewicht auf 100 m immer noch rund 2700 Joule übrig. Die von Kettner angebotene Hornady „Light Magnum“ mit 265 grs / 17,2 g schwerem Interlock-Geschoß kommt auf 732 m/s und 4595 Joule und kostet € 45,00 / 20 Stk.

.410: Diese kleinste Flintenpatrone kann aus jedem Gewehr im Kaliber .45-70 verschossen werden. Sie ist zwischen 2 ½“ und 3“ (63 bis 76 mm) lang und verfeuert eine relativ kleine Schrotladung von 14 – 19 g, je nach Patronenlänge.

Es gibt zwar keine Unterhebelrepetierer dafür, aber als „Zweitoption“ aus Büchsenläufen im Kaliber .45-70 bieten diese Patronen eine deutliche Steigerung dessen, was unter „.357 Magnum“ über die in diversen Faustfeuerwaffenkalibern erhältlichen Schrotpatronen von CCI steht. Wie der Autor J. B. Wood im „Internationalen Waffenmagazin“ 8-9/1995 über seinen Test eines Sidewinder-Revolvers (Kal. .410/.45 Colt) mit 19 cm langen Lauf schreibt, probierte er verschiedene .410er-Patronen auf 4,5 m und 23 m aus, wobei die Schrotdeckung in allen Fällen schön regelmäßig war und es trotz des gezogenen Laufs keine Hohlgarben gab. Und in einer anderen Ausgabe des IWM (7-8/1991) schreibt Redakteur Martin Schober in seinem Testbericht der einschüssigen Schrotpistole CBC Mod. 551 im Kaliber .410 (Lauflänge 305 mm):

Der Hauptverwendungszweck der Short Single Shotgun ist unserer Meinung nach jedoch der Selbstschutz. Die Wirkung der Schrotpatronen im Nahverteidigungsbereich ist nicht zu verachten. Die 2 ½“ lange Eley-Schrotpatrone (410/65) mit der Schrotgröße BB (4,1 mm) bewirkt auf 2 Meter Schußdistanz einen Streukreisdurchmesser von 20 – 25 cm Durchmesser. Dieses Streubild öffnet sich auf 7 Meter bereits auf 50 – 60 cm. Die Schrotladung dieser Patrone wiegt 12,4 g, was ca. 30 Schrotkörnern entspricht. Auf kurze Schußentfernung kann eine solche Schrotladung im Kaliber .410 für Menschen eine letale Wirkung haben oder zumindest solche Verletzungen verursachen, daß ein Angriff erfolgreich abgewehrt werden kann.

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Mit diesen Patronen dürfte eine Kleinwildjagd mit Schrot (natürlich nur in Notzeiten!) deutlich aussichtsreicher sein als mit den CCI-Schrotpatronen für Faustfeuerwaffen.

Beispielhafte Patronenangebote bei Jagd & Sport:
Winchester Super-X High Brass Game Load .410 2 ½“ / 63,5 mm:    14 g Schrotladung,  379 m/s,   ca. 1000 Joule,  Schrotkorngröße wahlweise 2,41, 2,70 oder 3,10 mm,   € 25,30 / 25 Stk.
Winchester Super-X High Brass Game Load .410 Mag. 3“ / 76 mm:   19 g Schrotladung, 346 m/s,  1137 Joule,  Schrotkorngröße wahlweise 2,41, 2,70 oder 3,10 mm,  € 26,50 / 25 Stk.

DIE WAFFEN:

Winchester 1894 „Legacy“ .357 Mag. mit 16“-Lauf (unten) und Rossi EMF 1892 mit 20“-Lauf

Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin bieten – vor allem in den kurzpatronigen Kalibern und mit längeren Läufen – eine relativ hohe Magazinkapazität in Kombination mit einer schlanken Form ohne abstehendes Magazin. Zwar muß man sie – anders als Waffen mit abnehmbaren Kasten- oder Stangenmagazinen – mit einzelnen Patronen laden, wenn sie leergeschossen sind, statt einfach das Magazin auszutauschen, aber dafür kann man sie in Feuerpausen (bei einem Feuergefecht) immer wieder ohne Unterbrechung der Schußbereitschaft mit einzelnen Patronen nachladen, indem man diese durch die Ladeklappe rechts unterhalb der Auswurföffnung ins Röhrenmagazin schiebt.

Unterhebelrepetierer ermöglichen auch eine recht hohe Feuergeschwindigkeit, wenngleich diese in Wirklichkeit nicht so hoch ist wie von Chuck Connors als John McLean in der Serie „Westlich von Santa Fe“ (Original: „The Rifleman“) vorgeführt, an die ältere Leser sich noch aus dem Vorabendprogramm des ZDF bzw. ORF Anfang der 1970er-Jahre erinnern werden. Die Winchester 92 des Serienhelden war nämlich für dessen Schnellfeuereinlagen präpariert: eine im Unterhebel angebrachte Schraube betätigte beim Schließen der Waffe automatisch den Abzug, sodaß John McLean nur durchzuladen brauchte, ohne den Abzug separat zu betätigen, wodurch er in weniger als 5 Sekunden 12 Schuß abfeuern konnte.

Auch die vergrößerten Repetierbügel des Unterhebels („large loop“), wie besonders von John Waynes Filmwaffen bekannt, waren eine bloße Erfindung der Filmrequisiteure, damit die Westernhelden ihre Waffen spektakulär herumwirbeln konnten. Bei den Originalwaffen gab es diese großen, in der Praxis eher nachteiligen „large loops“ nicht; an manchen „Commemorative“-Modellen werden sie jedoch angeboten.

Da es mir unmöglich ist, das viele mir vorliegende Material über Unterhebelrepetiergewehre so schnell zu einem Artikel „aus einem Guß“ zu kondensieren, daß im Zeitraum bis zum waffenrechtlichen „Systemwechsel“ in Österreich (mutmaßlich nur noch bis 2. Quartal 2012) möglichst viele Leser die darin enthaltenen Anregungen noch praktisch umsetzen können, und ich schon gar nicht die Möglichkeit habe, all die verschiedenen Modelle selber zu testen, bringe ich nachfolgend eine Reihe mehr oder weniger gekürzter Testberichte aus dem leider nicht mehr existenten Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ sowie aus dem „Deutschen Waffenjournal“ (DWJ). Hier ist gleich der erste davon:

Lever-Action-Gewehre aus den USA

Artikel von Hans J. Heigel aus dem „Internationalen Waffenmagazin“, 10/1998 (Bilder von mir eingefügt):

Es ist an dieser Stelle nur möglich, einige grundsätzliche Überlegungen für eine Kaufentscheidung anzustellen. Wenn es um die Anschaffung einer Lever-Action-Büchse geht, spielen für den Sportschützen ganz andere Faktoren eine Rolle als bei der Jägerschaft. Wie die Erfahrung der Sportschützen in den zurückliegenden Wettkämpfen im Western-Schießen bewiesen hat, gewinnt das verwendete Kaliber eine wichtigere Bedeutung als die Wahl des Waffenherstellers. Aus theoretischer Sicht wird eine Zentralfeuerpatrone mit guter Präzision bis zur Entfernung von 100 Meter bei möglichst geringem Rückstoß gesucht. Insbesondere wenn es in die Finalschießen geht, bei denen binnen 30 Sekunden fünf Schüsse abzugeben sind, wird man eine rückstoßarme Waffe schätzen lernen. Betrachtet man das Angebot an Waffen, so fallen einem neben den Preisunterschieden verschiedene, in ihren Eigenschaften sehr ähnliche Kaliber ins Auge.

Da sind zunächst einmal die Patronen, die seit ihrer Entwicklung sowohl in Gewehren als auch in Revolvern Verwendung finden. Allen voran ist hier die .44-40 Winchester zu nennen. Ihre Treffgenauigkeit reicht durchaus bis auf 100 m, und die aus heutiger Sicht relativ schwache Leistung geht mit einem gut beherrschbaren Rückstoß einher. Das Waffenangebot erstreckte sich bis vor einigen Jahren noch vorrangig auf Replikas der Winchester-Modelle 1886, 1873 und 1892.

Winchester 1886 Short Rifle

 Diese Marktlücke haben inzwischen auch Marlin und Winchester erkannt. So liefert Marlin mit dem zehnschüssigen Modell 1894 „Cowboy“, das über einen 24“-Achtkantlauf verfügt, eine ideale Schießstandwaffe. Von Winchester gibt es als Alternative das Modell 94 „Trail’s End“ in der bekannten 20“-Karabinerversion. Für Sportschützen und Sammler gleichermaßen interessant ist das 1998 aufgelegte Modell 1892 mit 24“-Lauf und aufwendiger Ausstattung. Neben dem Kaliber .44-40 Win. ist dieses Modell auch im Kaliber .45 Colt zu haben.

Winchester 94 Trail’s End in .357 Magnum

In die gleiche Kategorie gehören die klassischen Patronen .25-20 Win. und .32-20 Win., die gegenüber der .44-40 Win. den Vorzug haben, einen noch milderen Rückstoß aufzuweisen, und dies mit einer guten Präzision zu verbinden.

In den Kalibern .357 Magnum und .44 Magnum gibt es ein breites Angebot an Lever-Action-Gewehren zu recht günstigen Preisen. Die Munition steht durch die Verbreitung der beiden Revolverkaliber ebenfalls zu vertretbaren Kosten zur Verfügung. Während die .357 Mag.-Gewehre auch bei rascher Schußfolge noch angenehm im Anschlag liegen, spürt man die .44 Magnum bei voller Leistung schon mehr.

Gemeinsam ist den für Revolver und Gewehr gleichermaßen tauglichen Kalibern die gekrümmte Flugbahn, die besonders beim Wechsel von der 100 Meter- auf die 50 Meter-Distanz ihre Probleme hat. Zum Renner bei den Sportschützen wurden die Marlin „Cowboy II“ und die Winchester 94 „Legacy“, die beide 24“/610 mm lange Läufe haben. Sportschützen schätzen an diesen beiden Modellen besonders die damit verbundene, im Vergleich zu den Karabinern längere Visierlinie sowie das etwas höhere Waffengewicht.

Die .30-30 Winchester hat ihre Anhänger sowohl unter den Sportschützen wie unter den Jägern. Aus europäischer Sicht ist sie eine ideale Rehwildpatrone. Waffenseitig gibt es ein riesiges Angebot von den beiden US-Großherstellern Marlin und Winchester.

Die Sportschützen, die zur .30-30 Winchester statt zu den schwächeren Revolverpatronen greifen, schätzen die bessere Rasanz dieser Patrone, wenn auf unterschiedliche Distanzen, insbesondere auf 100 m, geschossen wird. Allerdings kommt mancher Schütze bei den raschen Serien mit dieser klassischen amerikanischen Weißwedelhirsch-Patrone ganz schön ins Schwitzen. Übertragen kann man diese Feststellungen auch auf die weniger verbreiteten Kaliber .32 Win. Special, .35 Remington sowie .38-55 Win.

Wenngleich in der ballistischen Leistung nicht besonders hoch angesiedelt, entwickelt die .45-70 mit ihren bis zu 405 grs / 26,2 g schweren Geschossen einen beachtlichen Rückstoß, und bedingt durch ihre Abmessungen auch schwerere Gewehre, die dem Benutzer einige Kondition abverlangen. Typisch für diese Kaliber sind die Marlin 1895, von der es jetzt auch eine besonders führige Kurzversion gibt [die Marlin 1895 Guide Gun], sowie die verschiedenen Ausführungen der Winchester 1886. Während in den USA noch viele Jäger die .45-70 in der Praxis verwenden, interessieren sich hierzulande vor allem die Sammler und Sportschützen für Lever-Action-Gewehre im Kaliber .45-70.

Marlin 1895 Guide Gun

Durchweg am jagdlichen Einsatz orientiert sind die Versuche, den aus heutiger Sicht schwachen Lever-Action-Patronen, wie etwa der .30-30 Win., .38-55 Win. und .45-70 Win., neues Leben einzuhauchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte es Marlin mit der .444 Marlin, für die es lange nur eine einzige Waffe (von Marlin) gab. Allerdings gewinnt dieses Kaliber zunehmend an Bedeutung, so daß jetzt auch Winchester zwei Modelle der 1894er für das Kaliber .444 Marlin einrichtet, darunter die extrem pflegeleichte „Black Shadow Big Bore“ mit Kunststoffschaft. Winchester setzte mit dem Modell 94 „Big Bore“, für das die Kaliber .307 Win., .356 Win. und .375 Win. entwickelt wurden, ebenfalls vorrangig auf die Käuferschicht der amerikanischen Jäger.

Zum Angebot an Lever-Action-Gewehren mit klassischem Röhrenmagazin tritt seit kurzer Zeit das Modell Ruger 96/44 mit seinem vierschüssigen Trommelmagazin.

Der handliche Ruger-Karabiner, der sehr gut via Ruger Integral-Montage mit einem Zielfernrohr ausgerüstet werden kann, schießt ausgezeichnet, hat aber für die Sportschützen den Nachteil des nur vier Patronen fassenden Magazins. Bekanntlich werden bei den meisten sportlichen Wettbeweben Fünferserien geschossen.

Die Lever-Action-Büchsen waren bis zum Auftauchen der ersten zivilen Selbstlader neben den Vorderschaftrepetierern die Gewehre mit der stärksten Feuerkraft. Bereits sehr früh wurden neben den leichten Sattelgewehren auch Jagdrepetierer auf Lever-Action-Basis entwickelt. Seit den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist der Name John M. Browning untrennbar mit einigen der erfolgreichsten Winchester-Büchsen verknüpft. 1886 konstruierte Browning die Winchester 1886 als Nachfolger der überalterten 76er-Modellreihe. Allerdings ist auch das Modell 1886 mit den für die meisten Lever-Action-Gewehre typischen Nachteilen behaftet. Da ist zunächst einmal die Verschlußkonstruktion, die den Gasdrücken heutiger Patronen nicht gewachsen ist. Ferner verhindert das Röhrenmagazin das Verwenden von Spitzgeschossen, die für Weitschüsse jedoch unverzichtbar sind. Der nach oben ausgelegte Hülsenauswurf behindert auch noch die Zielfernrohrmontage, aus heutiger Sicht ein schwerwiegender Mangel. Seitliche Auswurfanordnungen, wie bei der Winchester 94 AE [Angle Eject] und den Marlin-Modellen, behoben zwar diesen Schwachpunkt, führten aber bei den anderen Problemen – bedingt durch das Grundkonzept – zu keiner Weiterentwicklung.

Bei Winchester erkannte man die Problematik der bisherigen Lever-Action-Modelle in Bezug auf die neue Munition mit Nitropulver und Spitzgeschossen. Das Röhrenmagazin mußte weg, und die Verschlüsse mußten verstärkt werden. Auch diese Aufgabenstellung löste John Moses Browning für Winchester ohne Mühe und konstruierte die Winchester 1895 mit einem nicht abnehmbaren Kastenmagazin.

Das Problem mit dem Röhrenmagazin löste auch die amerikanische Firma Savage Repeating Arms Co., die 1895/96 das Modell Savage 1895 mit einem sechsschüssigen Trommelmagazin auf den Markt brachte. Ferner besitzt die Savage 1895, anders als die Mitbewerber von Marlin (die Marlin 1895 verfügt über ein Röhrenmagazin) und Winchester aus dem gleichen Jahr, keinen außenliegenden Hammer.

Produziert wurden vom Modell Savage 1895 im Kaliber .303 Savage nur 5000 Exemplare. 1899 kam dann die bekannte, in zahlreichen Versionen gefertigte Savage 99 auf den Markt. Auch sie wurde wie das Vorgängermodell 1895 zunächst für die .303 Savage eingerichtet. Berücksichtigt wurden auch moderne Kaliber wie .243 Winchester und .308 Winchester. Ferner wurde das Trommelmagazin in den Nachkriegsjahren durch ein herausnehmbares Kastenmagazin ersetzt. Savage nahm die vor einigen Jahren eingestellte Produktion des Modells 99 C jetzt wieder auf.

Das mit einem vierschüssigen, herausnehmbaren Kastenmagazin ausgerüstete Modell 99 C wird im Kaliber .308 Win. produziert. Die Savage 99 C verfügt über ein solide ausgeführtes Stahlgehäuse, in das der 560 mm lange, birnenförmige Lauf eingeschraubt wird. Dieser trägt ein in Höhe und Seite justierbares Williams-Visier, dessen U-Kimme zum Perlkorn auf einem Sattel gut paßt. Das Savage-System ist nach oben und zur rechten Seite hin geöffnet. Der Magazinlöseknopf sitzt auf der rechten Systemkastenseite. Bei der hammerlosen Savage-Konstruktion wird durch Betätigen des Unterhebels der Verschlußblock nach hinten abgekippt und in der zweiten Phase des Repetiervorgangs nach rückwärts bewegt. Die Verriegelung erfolgt mittels dieses Blocks – der Schlagbolzen und Auswerfer enthält – im Auswurffenster.

Hinter dem Verschlußblock sitzt ein Signalstift, der den gespannten Zustand des Schlosses anzeigt. Die ebenfalls auf dem Kolbenhals sitzende Schiebesicherung wirkt auf den Abzugsmechanismus und blockiert gleichzeitig den Unterhebel. Die Verschlußhülse ist für die üblichen Montagegestecke vorgebohrt. Sowohl von den europäischen wie von den nordamerikanischen Montageherstellern stehen Gestecke zur Verfügung.

Den aufgezeigten Schwachstellen herkömmlicher Lever-Action-Konstruktionen ging es 1971 an den Kragen, als die Browning-Konstrukteure mit ihrem Modell BLR auf dem Büchsenmarkt auftauchten. Ziel der Browning-Waffenbauer war es, moderne Technik mit klassischem äußerem Erscheinungsbild zu verbinden. Eine Aufgabenstellung, die auch bei näherem Betrachten uneingeschränkt erfüllt wurde.

Es wurde mit einer mittels Warzen verriegelnden Schloßkonstruktion der Grundstein für die Bewältigung hoher Gasdrücke gelegt. Ein herausnehmbares Steckmagazin gestattet das Verwenden moderner Jagdpatronen, und der seitliche Hülsenauswurf kommt nicht in Konflikt mit einer denkbar niedrigen Zielfernrohrmontage. Nostalgie war dagegen bei der Schaftform ohne Pistolengriff und der Gestaltung des Unterhebels angezeigt. Orientiert wurde die Browning BLR ursprünglich in ihren Abmessungen an der Patrone .308 Winchester. 1991 folgte mit der „Long Action“-Version die Erweiterung auf die Patronen .270 Winchester, .30-06 und 7 mm Remington Magnum. Während die ersten Gewehre im Jahr 1971 in Belgien bei FN produziert wurden, wird die BLR seit 1972 für Browning bei Miroku Arms of Japan gefertigt.

Bei den großen Frühjahrsmessen 1996 stellte Browning sein neues Modell BLR Lightning vor. Die BLR Lightning löste im Browning-Programm das bisherige Modell BLR 81 ab und unterscheidet sich bereits äußerlich von der Vorgängerlinie. So erhielt die BLR Lightning einen Schaftkolben mit Pistolengriff sowie einen breiteren Vorderschaft. Das bisherige Stahlgehäuse wurde zur Gewichtsreduzierung durch eine Leichtmetallkonstruktion ersetzt. Durch Führungsrillen im Verschlußzylinder wurde gleichzeitig die Leichtgängigkeit beim Repetieren weiter verbessert. Das von der BLR 81 stammende technische Grundkonzept wurde jedoch beibehalten.

Herzstück der BLR Lightning, die in den Kalibern .22-250 Remington, .243 Winchester, 7 mm-08 Remington, .308 Win., .270 Win., .30-06, 7 mm Rem. Mag. und .300 Winchester Magnum angeboten wird, ist das weitgehend geschlossen ausgeführte Leichtmetallgehäuse, das sämtliche Funktionsteile aufnimmt, und in das auf der Stirnseite der Lauf eingeschraubt wird. Auf der rechten Systemkastenseite befindet sich das recht schmal ausgeführte Auswurffenster. Auf der Systemkastenoberseite sind vier Bohrungen für handelsübliche Zielfernrohrmontagen angebracht.

Der eigentliche Verschlußzylinder besteht aus zwei Grundelementen. Der über seine gesamte Länge geflutete und in entsprechende Ausfräsungen im Systemkasten geführte Hauptteil nimmt den Schlagbolzen sowie die Steuerung des sich drehenden Verschlußkopfs, der das zweite wesentliche Element darstellt, auf. Die Verriegelung erfolgt mit sechs kräftigen Warzen am Kammerkopf, der beim Schließen der Waffe zwangsgesteuert in die Verriegelung geführt wird. Angetrieben wird der Verschlußzylinder mittels eines Zahnkranzes, der auf der Unterseite des Verschlußzylinders in eine passende Zahnung greift.

Der außenliegende Hammer kann in eine Ruherast, in der er einige Millimeter Abstand zum Schlagbolzen hat, gebracht werden. Aus dieser Position führt der Weg nur rückwärts in die Spannrast. Weitere manuell handhabbare Sicherungsvorkehrungen sind nicht vorhanden. Der Abzugsbügel und der Abzugsmechanismus bilden eine verbundene Einheit, was zur Folge hat, daß beim Ladevorgang der Abzug im Bügel bleibt und somit bei einem schnellen Nachladen Verletzungen, wie man sie beispielsweise von der Winchester 94 her kennt, vermieden werden.

Betrachtet man die von den nordamerikanischen Herstellern angebotenen Lever-Action-Gewehre, so muß man feststellen, daß zur Zeit eine Vielfalt entstanden ist, wie sie kaum zur Entstehungszeit dieses Waffentyps im vorigen Jahrhundert angeboten wurde. Neben den zuvor logisch begründeten Überlegungen wird beim Kauf natürlich stets auch die persönliche Vorliebe für eine bestimmte Marke oder ein bestimmtes Modell vorherrschen. Allen genannten nordamerikanischen Anbietern kann eine ordentliche Verarbeitung und eine sichere Funktion der verschiedenen Modelle bescheinigt werden.

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Nachbemerkung zu diesem Artikel: Die Winchester 94 wird seit 2006 nicht mehr produziert, und die Fertigung des Ruger Model 96 ist Anfang 2011 eingestellt worden. Auch die Savage 99 ist inzwischen wieder aus dem Neuwaffenangebot verschwunden.

UNTERHEBELREPETIERER FÜR REVOLVERPATRONEN

Die Lever-Action-Repetierer setzten sich im Wilden Westen erst richtig durch, als Colt 1878 den Revolver Single Action Army auch für das Winchester-Kaliber .44-40 einrichtete. Damit gab es praktischerweise eine Patrone für Kurz- und Langwaffe. Diesem Vorbild folgten alle Lever-Action-Hersteller jener Zeit. Und heute wie vor 100 Jahren verkaufen sich diejenigen Unterhebler am besten, deren Munition sich auch in die Trommel eines Revolvers schieben läßt.

Welches Kaliber? Bei der Winchester 1873 und ihren Replikas entscheidet man sich am besten für eine Ausführung in .44-40 Winchester, denn die dafür ausgelegten Waffen funktionieren besser als die 73er in den anderen gängigen Kalibern. Und die .44-40 schießt präziser als gemeinhin angenommen. Außerdem verträgt der Kniegelenkverschluß („toggle action“) des 73er-Systems keine harten Ladungen; wie VISIER im Sonderheft „Schießen mit Unterhebelrepetierern“ schreibt, ist dieses System schon beim Dauergebrauch von .357er-Fabrikpatronen überfordert. Im günstigsten Fall leiert der Verschluß aus, im schlimmsten Fall bricht er. Bei 73ern in .357 Magnum empfiehlt sich daher die hauptsächliche Verwendung von Patronen in .38 Special.

Bei den 1892er-Winchesters in Revolverkalibern sollen auch die .44-40er-Versionen am besten funktionieren; auch die .38-40 soll darin gut laufen. Dagegen machten die modernen Revolverkaliber wie .357 Magnum in den Tests von VISIER häufig Mucken, was an der zylindrischen Form dieser Patronen liegen dürfte. Mehrfach schon zeigte sich bei den .357er-Rossis, daß sie zu Zuführstörungen neigen. Selbst gängige Patronen ruckelten sich ins Lager, anstatt hineinzugleiten. Auch mit den Repetierqualitäten 1894er-Winchesters in .357 Magnum, .44 Magnum und .45 Colt waren die VISIER-Tester nicht zufrieden. Ich persönlich habe zwar keine praktischen Erfahrungen mit Unterhebelrepetierern in Büchsenkalibern oder in .44-40, sodaß ich keinen Vergleich mit deren diesbezüglichen Eigenschaften habe, sondern nur mit einem Marlin 1894 in .357 Magnum, über dessen Repetierverhalten ich durchaus nicht klagen kann. Zu diesem Modell schreibt VISIER:

Heute schießen die meisten Cowboy-Action-Schützen mit einer Marlin. Denn das Werk reagierte lange vor Winchester auf die neue Sportart und brachte mehrere darauf zugeschnittene Modelle wie die in .45 Colt lieferbare 1894 Cowboy Limited heraus. Doch im Unterschied zu anderen Firmen baut die Firma aus North Haven in Connecticut ihre Lever-Action-Gewehre weniger für Cowboy-Nostalgiker als vielmehr für jeden, der einen preisgünstigen, robusten Mehrlader sucht. Dazu paßt auch dieses Indiz: Marlin liefert als einziger keine Lever-Action-Büchsen in .44-40 Winchester, hält aber Varianten in sonst eher raren Kalibern wie .41 Magnum oder .32 Harrington und Richardson Magnum parat. Gemäß seiner Firmenphilosophie achtet Marlin nur bedingt auf das historisch akkurate Äußere der Waffen. Statt dessen stehen praktische Aspekte im Vordergrund. So besitzen die Marlins mit Ausnahme des Modells Cowboy alle verbreiterte Vorderschäfte – handgerecht, aber nicht authentisch. Denn bei den Marlins des 19. Jahrhunderts schlossen diese Elemente bündig mit den Seitenflanken des Systems ab.

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Mit dem Durchladen der .45 Colt-Marlins war VISIER recht zufrieden, nicht aber mit den .44ern und .357ern, was ich wie oben erwähnt nicht bestätigen kann.

Zwei Aspekte sind bei der Modellauswahl noch zu bedenken, falls man damit bei Cowboy-Action-Disziplinen mitschießen will:

- Die Magazine kurzer Ausführungen fassen oft nur 9 Patronen oder weniger. Viele Parcours-Abschnitte beim Western-Schießen verlangen aber 10 Patronen im Magazin. Natürlich kann man da auch mit den kurzen Trapper-Varianten starten. Doch verliert der Schütze Zeit, weil er die benötigte zehnte Patrone von Hand nachladen muß.

- Marlin hat 1953 „Micro-Groove“-Läufe eingeführt, die eine höhere Gasabdichtung gewährleisten und das Geschoß weniger verformen sollten. Dazu weisen sie hauchfeine Züge auf (je nach Modell und Kaliber zwischen 8 und 22). Was sich bei Mantelgeschossen tempo- und präzisionssteigernd auswirkt, taugt nicht für das bei den Cowboy-Action-Turnieren übliche Blei. Wer hier startet, sollte von .45er und .44er Marlins aus den 1980er Jahren die Finger lassen, da die in der Regel alle Micro-Grooves haben. Eigens für diese Klientel bietet Marlin seit einigen Jahren Unterhebler mit einem sechszügigen Lauf auf, der besser zu den Bleigeschossen des Westernschießens paßt.

Hier ein paar Modellvorstellungen von Lever-Action-Gewehren für Revolverpatronen:

Winchester 92 Takedown:
Von Hans J. Heigel im „Deutschen Waffenjournal“ (DWJ) 12/2011 (Bilder aus dem Artikel):

Die Produktion der Winchester 1892 lief bis zum Jahr 1941. Es wurden 1.004.067 Stück davon produziert und verkauft. Die auf dem 92er-System basierende Winchester 65 gab es in kleinen Stückzahlen noch bis 1947.

Heute sind es hauptsächlich italienische Replika-Hersteller, die das Modell 92 wieder beleben. Bekannt sind auch die Varianten des brasilianischen Herstellers Rossi. Browning fertigte in den 1980er-Jahren bereits eine Neuauflage der Winchester 1892 als Modell Browning 92. Die Browning 92 wurde Ende der 1990er-Jahre wieder zur Winchester 92. Beide Waffen kommen aus der japanischen Waffenschmiede Miroku, wo man auch die Winchester-Lever-Action-Modelle 1886 und 1895 sowie die Blockbüchse Modell 1885 wieder in vielen Varianten unter dem Winchester-Label herstellt. Leider gelangen nicht alle diese Modelle auf der regulären europäischen Vertriebsschiene auf den europäischen Markt. Seit einigen Jahren gehören Takedown-Ausführungen zum Winchester-Programm von Miroku.

Die Gründe für die Anschaffung einer Büchse mit Takedown-Vorrichtung sind vielschichtig. Im Vordergrund steht der bequeme Transport in Koffern oder Futteralen, die etwa 70 cm lang sind. Aber auch bei Märschen in schwierigem Gelände ist es durchaus von Vorteil, wenn die in zwei Teile zerlegte Waffe im Rucksack mitgeführt werden kann. Für die heute überwiegend von Sportschützen verwendeten Varianten der Winchester 92 sind diese Gründe kaum relevant. Was die Takedown-Vorrichtung für den Sportschützen interessant macht, ist die einfache Zerlegung für die gründliche Laufreinigung. Auch läßt sich die eine oder andere Funktionsstörung mit dem Takedown-System zuweilen leichter beheben.

Für diesen Beitrag kamen gleich drei Versionen der Winchester 92 aus der Miroku-Neuauflage in Takedown-Version von der auf amerikanische Waffen spezialisierten Firma The Duke in Remscheid. Es handelt sich zum einen um die weltweit verriebene Winchester 1892 Trapper Takedown im Kaliber .45 Colt, die es auch in den Kalibern .357 Magnum und .44 Magnum gibt. Für die amerikanische Firma Davidsons Firearms stellte Miroku 2009 das Modell 1892 Takedown Deluxe in einer streng limitierten Auflage her.

Aus Remscheid erhielten wir dieses Modell in der Version mit 20“ (508 mm) langem Achtkantlauf, eingerichtet für den Klassiker .44-40 Winchester. Alternativ gibt es dieses Modell auch in .45 Colt. Es wurden jeweils 501 Exemplare hergestellt. Die 24“-Version kam im Kaliber .32-20 Winchester. Alternativ gibt es diese Variante auch für die Patronen .45 Colt, .38-40 Winchester und .44-40 Winchester. Die Auflage beträgt bei den Kalibern .45 Colt und .44-40 Winchester ebenfalls jeweils 501 Stück. Von den beiden seltener anzutreffenden Kalibern -32-20 Winchester und .38-40 Winchester gab es gar nur 251 Exemplare.

Gemeinsam sind allen drei Testwaffen der über die gesamte Länge reichende Achtkantlauf sowie der Vorderschaftabschluß mit einer Stahlkappe. Diese früher primär bei Rifle-Varianten anzutreffende Lösung findet sich statt eines Laufbandes auch bei den beiden Karabinern. Alle drei Testkandidaten verfügen über die nach innen gewölbte Stahlschaftkappe, über einen Schaftkolben mit Pistolengriff sowie tadellos geschnittene Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft. Auch bei der Visierung setzte man auf Bewährtes. Es kommt das übliche Treppenstufenvisier in der Semi-Buckhorn-Ausführung zusammen mit einem Perlkorn zum Einsatz.

Anders als beim Original verfügen die neuen Winchester-92-Modelle über eine auf dem Kolbenhals sitzende Schiebesicherung, welche die Sammler zwar stört, jedoch der strengen amerikanischen Herstellerhaftung Rechnung trägt. Bei gesicherter Stellung des Schiebers wird wirksam verhindert, daß der Hahn den Schlagbolzen treffen kann. Ansonsten hält man sich in der Konstruktion an das Original, dessen System durch die beiden im Verschlußstück vertikal geführten Verriegelungselemente sowie den schwenkbaren Ladelöffel geprägt wird.

Die drei hier vorzustellenden Winchester-Gewehre gehören zu den klassischen Takedown-Modellen. Die Takedown-Vorrichtung der Winchester 92 aus japanischer Neuauflage entspricht der beim Original. Der Stahlbund am Vorderschaft und der umklappbare Hebel am Ende des Röhrenmagazins sind die äußerlich ins Auge fallenden Abweichungen gegenüber der Standardkonstruktion.

Der Hebel wird von der Magazinunterseite abgeklappt und das Röhrenmagazin aus seiner Fixierung im Systemkasten durch Herausdrehen gelöst. Durch eine Drehung um 90° läßt sich die vordere Einheit, bestehend aus Lauf, Magazin und Vorderschaft, vom Systemgehäuse abnehmen. Zum Vorschein kommt das an beiden Seiten unterbrochene Laufgewinde. Durch diese flachen Stellen ist die Gewindeverbindung nach 90°-Drehung gelöst. An unseren Testwaffen waren diese Passungen tadellos ausgeführt. Der bei Takedown-Konstruktionen bekannte Setzschuß trat bei den vorliegenden Testwaffen nicht auf, was nicht verwundert, befindet sich doch die Visierung auf dem Lauf, sodaß es beim Zerlegen keine Trennung zwischen Visierung und Lauf gibt.

Allen drei Testwaffen ist der aus schönem Maserholz gefertigte Nußbaumschaft mit einem makellosen matten Lackfinish gemeinsam. Lob verdient auch die griffige Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft. Alle Stahlteile präsentieren sich poliert und brüniert. Die Passungen zwischen Holz und Stahl sind für eine Serienwaffe tadellos ausgeführt, wie man das seit vielen Jahren von den Miroku-Winchester-Modellen gewohnt ist.

Die handwerklich ordentliche Verarbeitung zeigt sich auch beim weichen Schloßgang aller drei Testwaffen. Die bei italienischen Replikas der Winchester 1892 oftmals notwendigen Nacharbeiten für eine perfekte Funktion sind bei der Miroku-Lösung nicht notwendig. Sicherlich liegt die Winchester 92 aus Miroku-Fertigung im Preis spürbar über den Anschaffungskosten der meisten Nachbauten aus Italien und Brasilien. Dafür gibt es jedoch eine uneingeschränkt einsatzfähige Waffe direkt vom Hersteller. Um die meisten der billigeren Replikas auf diesen Stand zu bringen, fallen bekanntlich nochmals einige Euro an Büchsenmacherkosten an. Aus Sammlersicht kommt dazu, daß die hier vorgestellten Modelle auch noch berechtigt den Originalnamen „Winchester“ auf dem Lauf aufweisen.

Geschossen wurde auf die für diesen Waffentyp übliche Distanz von 50 m. Im Kaliber .45 Colt wurde die Magtech-Laborierung mit 250 grs (16,2 g) schwerem Blei-Flachkopfgeschoß verwendet. Für den Test der Waffe im Kaliber .44-40 Winchester stand die Winchester-Laborierung mit 20 grs (13 g) schwerem Teilmantel-Flachkopfgeschoß zur Verfügung. Im Kaliber .32-20 Winchester wurde mit der Remington-Laborierung mit 100 grs (6,5 g) schwerem Bleigeschoß geschossen. Verwendet wurden Benchrest-Auflagen. Alle drei Testwaffen lieferten Schußgruppen, welche die „10“ (Durchmesser 50 mm) der DSB-Sportpistolenscheibe gehalten haben. Natürlich ist angesichts der offenen Visierung und auch trotz des aufgelegten Schießens noch Schützenstreuung in den erzielten Werten enthalten. Die engsten Gruppen wurden mit der Rifle-Version in .32-20 Winchester erzielt. Hier ergaben sich Schußgruppen von regelmäßig unter 40 mm. Die Treffpunktlage war bei der 24“-Rifle nahezu perfekt. Der Karabiner in .44-40 Winchester hatte eine kleine Seitenabweichung nach rechts von etwa 30 mm. Bei der Trapper-Version in .45 Colt waren es mit der verwendeten Laborierung 35 mm ebenfalls nach rechts. Diese minimalen Abweichungen lassen sich leicht korrigieren und sind auch der Tatsache geschuldet, daß jede Waffe auf jede Laborierung mit einer etwas anderen Treffpunktlage reagiert. Die Höhenjustierung vorzunehmen, ist mit den Treppenstufen-Visieren ohnehin kein Problem.

Daten Winchester 1892 Trapper Takedown
Kaliber:   .45 Colt (wahlweise auch .357 Magnum oder .44 Magnum)
Lauflänge:     16“ (406 mm)
Magazinkapazität:   7 Patronen
Gesamtlänge:      845 mm
Gewicht (ungeladen):   2,9 kg
Preis (Deutschland):   1450 Euro

Daten Winchester 1892 Takedown Deluxe 20“
Kaliber:   .44-40 Winchester (wahlweise auch .45 Colt)
Lauflänge:     20“ (508 mm)
Magazinkapazität:   9 Patronen
Gesamtlänge:      946 mm
Gewicht (ungeladen):   3,1 kg
Preis (Deutschland):   1690 Euro (.44-40 Win.) bzw. 1650 Euro (.45 Colt)

Daten Winchester 1892 Takedown Deluxe 24“
Kaliber:   .32-20 Winchester (wahlweise auch .38-40 Winchester, .44-40 Win. und .45 Colt)
Lauflänge:     24“ (610 mm)
Magazinkapazität:   10 Patronen
Gesamtlänge:      1047 mm
Gewicht (ungeladen):   3,7 kg
Preis (Deutschland):   1690 Euro (.32-20 Win., .38-40 Win, .44-40 Win.) bzw. 1650 Euro (.45 Colt)

Das Redaktions-Fazit: Die Gewehre konnten sowohl hinsichtlich ihrer Verarbeitung als auch der zuverlässigen Funktion und der gezeigten Präzision voll überzeugen. Angesichts der geringen Auflage der Deluxe-Varianten sprechen sie neben den Sportschützen auch den Winchester-Sammler an. Aus der Sicht der heute primären Käufergruppe dieses Waffentyps, den Sportschützen, erhält man ein aus der Box einsatzbereites Sportgewehr. Angesichts der längeren Visierlinie ist die Rifle-Variante mit 24“ langem Lauf sicherlich der Favorit, zumal wenn man auch noch eine so rückstoßmilde Patrone wie die .32-20 Winchester dabei wählen kann. Auch die Präzision ist ausgezeichnet.

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Marlin 1894 P in .44 Magnum

Testbericht von Hans J. Heigel im „Internationalen Waffenmagazin“ 6-7/2000 (Bilder von mir eingefügt):

Ausgangsbasis für das neue Modell 1894 P ist das bewährte System 1894 in der aktuellen Konstruktion mit seitlicher Druckknopf-Sicherung, die wirksam ein Erreichen des Schlagbolzens durch den Hammer in gesichertem Zustand verhindert. Die bereits früher ausführlich besprochene Konstruktion der Marlin 1894 führt zurück in die späten Jahre des 19. Jahrhunderts.

Das Marlin-Modell 1894 erfuhr im Laufe der Jahre zwar einige Änderungen, die Grundkonstruktion blieb jedoch bis heute erhalten. Der aktuelle Marlin-Katalog 2000 verzeichnet für den leichten Karabiner die Kaliber .357 Magnum und .44 Magnum sowie für die „Cowboy“-Büchsen die Kaliber .357 Mag., .44 Mag. und .45 Colt.

Äußerlich geprägt wird das Erscheinungsbild des Modells 1894 P durch den nur 16 ¼“/413 mm langen Lauf und das darunter liegende, fast bis zur Laufmündung reichende, acht Patronen des Kalibers .44 Magnum fassende Röhrenmagazin sowie den aus amerikanischem Nußbaumholz gefertigten, typischen Westernschaft ohne Pistolengriff.

Abgeschlossen wird der Schaftkolben durch eine schwarze Gummikappe. Den Vorderschaft schließt eine Metallkappe ab, die auf ihrer Unterseite die vordere Riemenbügelöse trägt. An Vorderschaft und Kolbenhals befindet sich sehr sauber geschnittene Fischhaut. Die Stahlteile sind tiefschwarz brüniert und poliert. Die Ober- und Unterseite des Systemkastens ist sandgestrahlt. Das matte Satinfinish des Schafts trägt zum gelungenen Erscheinungsbild des Modells 1894 P wesentlich bei.

 Mit dem Modell 1894 P rundet Marlin sein Programm an besonders führigen Lever-Action-Karabinern hinsichtlich der Kaliberwahl nach unten ab. Taugt doch die .44 Magnum aus nordamerikanischer Sicht beim Schuß auf kurze Distanzen bis hin zum Schwarzbären. Die 1894 P ist somit nichts anderes als der kleinere Bruder der Modelle 1895 „Guide Gun“ im Kaliber .45-70 Gov’t sowie der 444 P „Outfitter“ im Kaliber .444 Marlin. Das Konzept von „Guide Gun“ und „Outfitter“ wurde auf das Modell 1894 übertragen, und so präsentiert sich auch die neue 1894 P mit einem extrem kurzen Lauf. Aufgrund der im Vergleich mit der .45-70 Gov’t und .444 Marlin schwächeren Patrone .44 Mag. wurde der Lauf von 18 ½“/470 mm auf bloße 16 ¼“/413 mm verkürzt. Der an der Laufmündung einen Außendurchmesser von 16,8 mm aufweisende Rundlauf verfügt zur besseren Bewältigung des beachtlichen Rückschlags der lediglich 2,6 kg schweren Waffe über eine integrale Mündungsbremse.

Diese insgesamt 14 Bohrungen enthaltende, direkt ins Laufprofil mit sechs Zügen führende Mündungsbremse besteht aus jeweils fünf Bohrungen an den Seiten des Kornsattels, die nach oben weisen, und aus je zwei Bohrungen, die nach links und nach rechts gerichtet sind.

Die Visierung setzt sich aus einem Perlkorn mit Kornschutz sowie dem üblichen, in der Höhe verstellbaren Semi-Buckhorn-Visier zusammen, das umgeklappt werden kann. Bohrungen für die Montage eines Zielfernrohrs sind auf dem Systemkasten vorhanden.

Auf dem Schießstand zeigte sich unsere Testwaffe ohne Funktionsstörungen sowie mit einem durch die Mündungsbremse deutlich gemilderten Rückstoß, was beim Vergleichsschießen mit einer Marlin 1894 S deutlich spürbar wurde. Geschossen wurde über die offene Visierung auf 50 Meter sitzend aufgelegt. Dabei wurden mit allen in der Datenübersicht verzeichneten Patronen 5-Schuß-Trefferguppen von unter 60 mm erzielt. Die engsten Gruppen ergaben die Laborierungen von PMC und Winchester mit 45 mm und 43 mm. Während die Marlin 1894 P in ihrer nordamerikanischen Heimat primär für die Jagd gedacht ist, dürfte sie hierzulande mehr die Lever-Action-Fans auf dem Schießstand begeistern.

Leistung einiger .44 Magnum-Patronen in Marlin 1894 P:
GFL 240 grs / 15,6 g Soft Point:   461 m/s,   1653 Joule
PMC 240 grs / 15,6 g Soft Point:   492 m/s, 1882 Joule
Remington 240 grs / 15,6 g Semi-Wadcutter:   526 m/s,   2151 Joule
Speer 240 grs / 15,6 g Soft Point:   503 m/s,   1967 Joule
Winchester 240 grs / 15,6 g Soft Point: 489 m/s,   1859 Joule

Daten der Marlin 1894 P:
Lauflänge:   413 mm
Gesamtlänge:   845 mm
Gewicht (ungeladen):   2,6 kg
Magazinkapazität:   8 Patronen

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Ende des Artikels von Hans J. Heigel über die Marlin 1894 P in .44 Magnum. Das darin auch erwähnte Modell Marlin 1894 S gibt es in Stainless-Ausführung Marlin 1894 SS, z. B. bei Frankonia:

Kaliber .44 Magnum, Stainless Steel, Rundlauf 20“/51 cm, Gesamtlänge 95 cm, 10-schüssiges Röhrenmagazin, um € 1.099,–

Marlin 1894 „Cowboy“ und Winchester 1894 „Legacy“ für Revolverpatronen

Testbericht von Hans J. Heigel im „Internationalen Waffenmagazin“ 11/1997 (Bilder von mir eingefügt; Anmerkung: wie bereits erwähnt, wurde die Produktion der Winchester 1894 2006 eingestellt; interessierte Leser könnten jedoch an gebrauchte Exemplare kommen, und eventuell kommen zumindest Sondermodelle der Winchester 94 wieder auf den Markt):

Marlin 1894 Cowboy in .45 Colt; hier mit 20“-Lauf

Cowboy-Schießen in Nordamerika und neue Lever-Action-Disziplinen in Mitteleuropa ließen in jüngster Zeit die Nachfrage nach Unterhebelrepetierern in rückstoßschwachen Revolverkalibern ansteigen. Besonders beliebt bei den Schützen sind Rifle-Ausführungen mit langen Läufen. Marlin bietet dafür das Modell 1894 „Cowboy“ an, und Winchester drängt mit dem 94er-Modell „Legacy“ auf den Markt.

Winchester 1894 Legacy in .44 Magnum mit 24″-Lauf

Die Entstehung des Marlin-Modells 1894 reicht zurück bis in die Zeit des harten Wettbewerbs zwischen den beiden amerikanischen Traditionsfirmen um die Vormachtstellung auf dem Gebiet der Lever-Action-Büchsen. Während die Winchester 1894 von John M. Browning als Repetierer für mittlere Büchsenpatronen  wie etwa die .38-55 Win. und .30-30 Win. ausgelegt war, antwortete Marlin im selben Jahr mit einem für kurze Patronen konzipierten Modell, das auch für die in Revolvern gebräuchlichen Kaliber .44-40 Win., .38-40 Win. und .32-20 Win. eingerichtet wurde.

Beide Modelle blieben bis in unsere Tage erhalten. Während die Marlin-Konstruktion zwingend an die kurzen Patronen gebunden ist, ermöglicht das Modell Winchester 94 sowohl die Einrichtung für mittlere Büchsenpatronen als auch für Revolverkaliber.

Gerade die Revolverpatronen haben es den Schützen auf beiden Seiten des Atlantiks angetan. Kostengünstige Munition und ein im Vergleich zu den Büchsenpatronen deutlich geringerer Rückstoß machen sich bei den Wettbewerben positiv bemerkbar. Angeboten werden Lever-Action-Gewehre in .357 Magnum und .44 Magnum sowohl von Marlin als auch von Winchester seit vielen Jahren, allerdings stets in Karabinerausführungen mit 16“/406 mm bis 20“/510 mm langen Läufen. Für das sportliche Schießen sind jedoch die längerläufigen Rifle-Versionen von Interesse. Der längere Lauf führt zwangsläufig zur längeren Visierlinie, die ein präziseres Schießen erlaubt, und das höhere Waffengewicht mindert den Rückstoß noch weiter.

Diesen Wünschen trägt Marlin bereits seit 1996 mit dem Modell „Cowboy“ im Kaliber .45 Colt Rechnung. Der große Erfolg der 1894 „Cowboy“ führte dieses Jahr zur „Cowboy II“ in den Kalibern .357 Mag., .44 Mag. und .44-40 Win. Bei Winchester baut man auf dem bereits seit einigen Jahren mit einem 20“-Lauf hergestellten Modell 1894 „Legacy“ auf. Ein 24“/610 mm-Lauf bringt die „Legacy“ auf Rifle-Format. Neben der klassischen Büchsenpatrone .30.30 Win. gibt es die 24“-„Legacy“ in den Revolverkalibern .357 Mag., .44 Magnum und .45 Colt.

Angesichts der Welle neuer Lever-Action-Wettbewerbe entschieden wir uns für einen Test mit der Marlin „Cowboy“ bzw. „Cowboy II“ sowie der Winchester 1894 „Legacy“ in den Kalibern .357 Mag., .44 Mag. und .45 Colt.

Die bereits früher ausführlich besprochenen Grundkonstruktionen der Marlin 1894 sowie der Winchester 1894 wurden in den beiden neuen Ausführungen in der jeweils aktuellen Form mit der seitlich angeordneten Hammersicherung übernommen. Während die Marlin 1894 traditionsgemäß einen seitlichen Hülsenauswurf besitzt, wurde dies für die Winchester 1894 mit der erst jetzt durchwegs verwendeten Angle-Eject-Lösung erst Mitte der 1980er-Jahre eingeführt.

Äußerlich geprägt wird das Erscheinungsbild der Marlin 1894 „Cowboy II“ durch den 610 mm langen Achtkantlauf sowie das darunter liegende, 10 Patronen fassende Röhrenmagazin. Die Systemkastenoberseite weist die üblichen Bohrungen zur Aufnahme einer Zielfernrohrmontage auf. Die Visierung besteht aus einem Perlkorn sowie dem für Westernwaffen üblichen Buckhornvisier, das sich in der Höhe justieren läßt und eine U-Kimme aufweist.

Der aus amerikanischem Nußbaumholz gefertigte zweiteilige Schaft ist gerade, ohne Pistolengriff. Abgeschlossen wird der Schaftkolben durch eine schmale Kunststoffkappe. Den Vorderschaft schließt eine Metallkappe ab. An Vorderschaft und Kolbenhals befindet sich sehr sauber geschnittene Fischhaut [Anm. D.R.: die bei der oben abgebildeten 16“-Version fehlt]. Die Stahlteile sind tiefschwarz brüniert und poliert. Die Ober- und Unterseite des Systemkastens ist sandgestrahlt. Das matte Satinfinish des Schafts trägt zum eleganten Erscheinungsbild der „Cowboy“ bzw. „Cowboy II“ wesentlich bei.

Winchester stattet die 1894 „Legacy“ mit einem 24“/610 mm langen  Rundlauf aus, der die typische Visierung des Modells 1894 trägt. Das bis zur Laufmündung reichende Röhrenmagazin nimmt bei den Revolverkalibern 12 Patronen auf. Wie alle 1894-AE-Systeme ist auch die „Legacy“ für die Montage eines Zielfernrohres vorbereitet.

Der aus amerikanischem Nußbaumholz gefertigte zweiteilige Schaft präsentiert sich mit einem matten Finish. Geprägt wird die Form der „Legacy“ durch den Schaftkolben mit Pistolengriff. Sauber geschnittene Fischhaut an diesem Pistolengriff und am Vorderschaft ergänzt das harmonische Erscheinungsbild. Die Stahlteile sind poliert und brüniert. Der Schaftkolben wird mit einer schwarzen Kunststoffkappe abgeschlossen. Der Vorderschaft wird mittels Laufband fixiert.

Wie nicht anders erwartet, gab es mit den sechs Testwaffen keinerlei Funktionsprobleme. Geschossen wurde auf die bei den Lever-Action-Wettbewerben übliche Distanz von 50 Metern auf die DSB-Sportpistolenscheibe (die Zehn hat einen Durchmesser von 50 mm), sitzend aufgelegt.

Die Streukreise aller Laborierungen und Kaliber lagen mit jeweils 10 Schuß zwischen 35 mm und 55 mm. Die präzisesten Gruppen konnten sowohl bei der Marlin wie bei der Winchester mit den .357 Mag.-Patronen erzielt werden.

Die Schußbilder lagen dabei zwischen 35 mm und 47 mm. Während sich die .45 Colt und die .44 Mag. hinsichtlich der Präzision gegenseitig nichts vergaben, spürte man den Rückstoß der leistungsstärkeren .44 Mag.-Patrone jedoch deutlicher.

Allen drei Kalibern und beiden Waffenmodellen muß bescheinigt werden, daß sie für das Lever-Action-Schießen eine ausgezeichnete Alternative bieten. Die Frage: Winchester oder Marlin? kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Aus der Sicht des Autors sind beide Modelle von gleicher Qualität. Die Schußleistung ist gleichwertig und die Preise beider Hersteller sind vegleichbar. Ein kleiner Vorteil der Winchester: Das Magazin nimmt hier 12 Patronen auf, bei Marlin sind es lediglich zehn.

.45 Colt-Patronen aus Winchester 1894 Legacy:
Remington 225 grs / 14,6 g Blei-Semi-Wadcutter:   319 m/s,  742 Joule
Remington 250 grs / 16,2 g Blei-Rundkopf:   311 m/s,   783 Joule
Winchester 255 grs / 16,5 g Blei-Rundkopf:   305 m/s,   769 Joule

.45 Colt-Patronen aus Marlin 1894 Cowboy:
Remington 225 grs / 14,6 g Blei-Semi-Wadcutter:   317 m/s,   733 Joule
Remington 250 grs / 16,2 g Blei-Rundkopf:   309 m/s,   773 Joule
Winchester 255 grs / 16,5 g Blei-Rundkopf:   303 m/s,   759 Joule

.44 Magnum-Patronen aus Winchester 1894 Legacy:
GFL 240 grs. / 15,6 g Soft Point:   476 m/s,   1762 Joule
PMC 240 grs / 15,6 g Kegelstumpf:   509 m/s,   2015 Joule
Remington 240 grs / 15,6 g Blei-Semi-Wadcutter:   548 m/s,   2335 Joule

.44 Magnum-Patronen aus Marlin 1894 Cowboy:
GFL 240 grs. / 15,6 g Soft Point:   481 m/s,   1788 Joule
PMC 240 grs / 15,6 g Kegelstumpf:   507 m/s,   1999 Joule
Remington 240 grs / 15,6 g Blei-Semi-Wadcutter:   539 m/s,   2259 Joule

.357 Magnum-Patronen aus Winchester 1894 Legacy:
PMC 125 grs / 8,1 g Soft Point:   627 m/s,   1592 Joule
Dynamit Nobel 158 grs / 10,2 g Soft Point:   486 m/s,   1209 Joule
Norma 158 grs / 10,2 g Vollmantel:   502 m/s,   1290 Joule
Remington 158 grs / 10,2 g Soft Point:   541 m/s,   1498 Joule
Winchester 158 grs / 10,2 g Soft Point:   521 m/s,   1390 Joule

.357 Magnum-Patronen aus Marlin 1894 Cowboy:
PMC 125 grs / 8,1 g Soft Point:   625 m/s,   1582 Joule
Dynamit Nobel 158 grs / 10,2 g Soft Point:   481 m/s,   1184 Joule
Norma 158 grs / 10,2 g Vollmantel:   498 m/s,   1270 Joule
Remington 158 grs / 10,2 g Soft Point:   537 m/s,   1476 Joule
Winchester 158 grs / 10,2 g Soft Point:   509 m/s,   1326 Joule

Daten der Winchester 1894 Legacy:
Erhältliche Kaliber:  .30-30 Win., .357 Magnum, .44 Magnum, .45 Colt
Magazinkapazität:  12 Patronen (in .30-30 Win.: 7 Patronen)
Gesamtlänge:   1070 mm
Gewicht (ungeladen):   3100 g

Daten der Marlin 1894 „Cowboy“:
Erhältliche Kaliber:   .357 Magnum, .44 Magnum, .44-40 Winchester, .45 Colt
Magazinkapazität:   10 Patronen in allen Kalibern
Gesamtlänge:   1050 mm
Gewicht (ungeladen):   3350 g

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Ende des Testberichts von Hans J. Heigel. Die Marlin 1894 „Cowboy“ gibt es in den drei getesteten Kalibern bei Jagd & Sport um € 1.318,– und bei Frankonia (mit 20“-Lauf, ebenfalls 10-schüssig) um € 1.249,–. Bei Frankonia gibt es im Revolverkaliber .357 Magnum noch das Modell

Marlin 1894 C:

Kaliber .357 Magnum / .38 Special, Rundlauf 47 cm, Gesamtlänge 91,5 cm 9-schüssiges Röhrenmagazin,  um € 879,–

Siehe übrigens, was ich weiter unten unter “Waffenpflege und Zubehör” im Zusmmenhang mit der Laufreinigung über meine Erfahrungen bezüglich der unterschiedlichen Fertigungsqualität von Marlin-Läufen (konkret: 1894 CS) geschrieben habe!

Noch ein Modell aus anderem Hause für Revolverpatronen (bei Frankonia):

Henry „Big Boy“:

Kaliber .357 Magnum, 10 Schuß, Lauflänge 51 cm, Gesamtlänge 98 cm, Gewicht ca. 4 kg, messingfarbenes Systemgehäuse;  € 999,00

Rossi Modell 67 „Puma“: Lever-Action-Karabiner in Stainless-Steel-Ausführung

Testbericht von Hans J. Heigel im „Internationalen Waffenmagazin“ 6-7/1997 (Bild von mir eingefügt):

Zu Beginn der 1890er-Jahre suchte man bei Winchester ein Nachfolgemodell für den ins Alter gekommenen 73er-Unterhebelrepetierer. Ein leichter Karabiner, der vor allem der Selbstverteidigung dienen sollte, war das Ziel der Konstruktion, mit der John M. Browning beauftragt wurde. Der löste die Aufgabe binnen kürzester Zeit, indem er die ebenfalls von ihm konstruierte Winchester 1886 verkleinerte und an die Patronen .32-20 Win., 38-40 Win. und .44-40 Win. anpaßte. 1895 folgte noch die Patrone .25-20 Winchester. Gefertigt wurde das Modell 1892 bis ins Jahr 1941, als die Produktion bei 1.004.067 Waffen eingestellt wurde. Zwar gab es die Winchester 1892 in zahlreichen Ausführungen, wirklich verbreitet war jedoch vor allem der Sattelkarabiner mit 20“-Lauf. Beachtliche Stückzahlen der Winchester 1892 gingen nach Südamerika, wo diese Waffen bis heute im täglichen Gebrauch anzutreffen sind.

So verwundert es nicht, daß man sich in Brasilien bei der Firma Rossi vor einigen Jahren entschloß, eine an die Winchester 92 in der Konstruktion angelehnte Lever-Action-Waffe ins Programm aufzunehmen. Es entstand das Rossi-Modell „Puma“, das es in den Kalibern .38 Special, .357 Magnum, .44-40 Winchester und .44 Magnum mit 20“-Lauf in der klassischen Karabinerform mit brünierten Stahlteilen und Hartholzschaft schon seit geraumer Zeit auch auf dem europäischen Markt gibt.

Während Winchester und Marlin alle möglichen Modellvarianten ihrer Lever-Action-Gewehre fertigen, ist man dort jedoch am bisher immer beliebter werdenden Stainless Steel vorbeigegangen [Anm. D.R.: das hat sich inzwischen geändert]. Ob zur Vermeidung eines Stilbruchs oder aufgrund verfehlter Programmpolitik, kann von dieser Stelle aus nicht beurteilt werden. Tatsache dagegen ist, daß Rossi die beim Revolverbau florierende Verwendung von rostträgem Stahl jetzt auch in die Lever-Action-Produktion übernahm, und es scheint, daß die Firma damit genau richtig liegt.

Technisch entspricht der Rossi-Unterhebelrepetierer „Puma“ weitgehend dem großen Vorbild Winchester 92, was an der Anordnung des im Kaliber .357 Magnum zehn Patronen fassenden Magazins ebenso zu erkennen ist, wie am Verschluß, der seitlich durch zwei vertikal bewegte Verriegelungselemente geprägt ist. Der Hammer liegt in abgeschlagenem Zustand auf dem Schlagbolzen auf, verfügt jedoch über eine Sicherheitsrast, in die er zurückgezogen werden kann. Die in Nordamerika üblichen zusätzlichen Druckknopfsicherungen sind bei der Rossi unbekannt.

Die Ladeöffnung liegt wie üblich rechts. Auf die bei der brünierten Version im Kaliber .357 Mag. zusätzlich vorhandene Lademöglichkeit durch Herausnahme des Röhrenmagazineinsatzes hat man bei der Stainless-Steel-Version verzichtet. Eine Maßnahme, die zu begrüßen ist, stellte doch die zusätzliche Ladevariante einen Stilbruch dar und erinnerte an Kleinkalibergewehre.

Der Lauf des Rossi „Puma“ hat an der Laufmündung einen Außendurchmesser von 16,5 mm. Lauf und Röhrenmagazin sind vorn durch ein Laufband fixiert. Ebenfalls mit Laufband wird der Vorderschaft gehalten. Der Schaftkolben weist mit seinem abgeflachten Schaftrücken und der ebenfalls aus rostträgem Stahl gefertigten Schaftkappe die typische Karabinerform auf.

Die Visierung des Rossi „Puma“ besteht aus einem verstifteten Balkenkorn und einer in der Höhe verstellbaren Rechteckkimme. Bis auf die brünierten Visierteile sind sämtliche Metallteile aus poliertem rostträgem Stahl. Äußerlich ergibt das relativ dunkle Schaftfinish und der helle Stainless-Stahl ein durchaus elegantes Erscheinungsbild.

Auf dem Schießstand zeigte sich die Rossi-Lever-Action-Büchse ohne Funktionsstörungen. Auf die Distanz von 50 Meter wurde sitzend aufgelegt geschossen, wobei mit allen verwendeten Laborierungen die Zehn der Sportpistolenscheibe (50 mm Durchmesser) gehalten werden konnte.

Erstaunliches brachte die mit einer Weinlich-Anlage durchgeführten Geschwindigkeitsmessungen ans Tageslicht. Gegenüber den Leistungen aus einem Revolver mit 6“-Lauf legte zum Beispiel die 125 grs-PMC-Laborierung bei der Mündungsgeschwindigkeit um 32,8 % zu. Bei der 158 grs-Patrone von Remington waren es noch beachtliche 29,4 %.

Neben den getesteten .357 Mag.-Patronen (es dürfen wegen des Röhrenmagazins nur Flachkopfgeschosse verwendet werden) funktioniert der Rossi „Puma“ im Kaliber .357 Magnum auch tadellos mit .38 Special-Patronen. Mit diesen weicht die Treffpunktlage jedoch erheblich ab.

Insgesamt bietet Rossi mit dem jetzt vorgestellten Modell „Puma Stainless“ in .357 Magnum eine interessante und im Preis/Leistungsverhältnis gut liegende Alternative zu den Mitbewerbern.

.357 Mag.-Patronen aus Rossi „Puma“:
PMC 125 grs / 8,1 g Soft Point:   623 m/s,   1572 Joule
Dynamit Nobel 158 grs / 10,2 g Soft Point:   472 m/s,   1140 Joule
Norma 158 grs / 10,2 g Vollmantel:   481 m/s,   1184 Joule
Remington 158 grs / 10,2 g Soft Point:   536 m/s,   1471 Joule
Winchester 158 grs / 10,2 g Soft Point:   512 m/s,   1342 Joule

Daten der Rossi Modell 67 „Puma“:
Lauflänge:   510 mm
Gesamtlänge:   949 mm
Gewicht (ungeladen):   2,8 kg
Magazinkapazität:   10 Patronen
Schaft:   Hartholz mit Nußbaumfinish

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Ende des Artikels von Hans J. Heigel. In brünierter Ausführung gibt es bei Frankonia das Modell Rossi 67 M im Kaliber .357 Mag. oder .44 Mag. (als 65 M auch in .44-40), Lauflänge 50,8 cm, Gesamtlänge 95 cm, Gewicht 2,7 kg, alle Ausführungen um € 549,00

Der Rossi 67 „Puma Stainless“ dürfte heute das Modell Rossi 65 MI entsprechen: wie 67 M, jedoch Stainless; bei Frankonia € 599,00

Daneben gibt es bei Frankonia noch zwei weitere Rossi-Unterhebler mit längerem Achtkantlauf:

Rossi M 175:

Kaliber .357 Magnum, .44 Magnum oder .45 Colt, Stainless Steel, Achtkantlauf 61 cm, Gesamtlänge 106 cm, Gewicht 3,8 kg, Preis für alle Kaliber € 699,00
Rossi 175 M:  wie vor, jedoch brüniert; Preis für alle Kaliber € 659,00

UNTERHEBLER FÜR GEWEHRPATRONEN

Marlin Modell 336 Cowboy

Testbericht von Hans J. Heigel im „Internationalen Waffenmagazin“ 6-7/1999 (Bild von mir eingefügt):

Die erste Lever-Action-Büchse von Marlin, die speziell an den mittleren Kalibern für Unterhebelrepetierer orientiert wurde, geht zurück in die Zeit des vorigen Jahrhunderts, als der Wettlauf zwischen Winchester und Marlin seinen Höhepunkt erreicht hatte und die Konstrukteure fast jährlich neue Modelle entwickelten.

Nach Einführung der Nitropatrone .30-30 Win. durch Winchester im Jahr 1895 ließ Marlin mit der Übernahme dieses neuen Erfolgskalibers nicht lange auf sich warten. Der nächste Schritt kam 1936 mit dem Marlin-Modell 36, das als Nachfolgemodell für die Marlin 93 kam und für die Kaliber .30-30 Win. und .32 Win. Special eingerichtet wurde.

Den letzten großen Schritt in diesem Marktsegment machte Marlin nach dem Zweiten Weltkrieg, als die zivile Waffenproduktion wieder anlief. Man stellte 1948 das bis heute im Programm befindliche Modell 336 vor. Das bei den Vorgängermodellen 93 und 36 noch kantige Verschlußstück wich einem runden Element. Durch diese Änderung wurde eine seitliche Ausfräsung für das Ladefenster notwendig. Die Verriegelung erfolgt in der auf der Unterseite des Verschlußstücks vorhandenen Ausfräsung, in welche das senkrecht bewegte Verriegelungsstück bei geschlossener Waffe eintritt.

Im Verlauf der 51 Jahre kamen unzählige Versionen des Modells 336 auf den Markt, vom kurzen Karabiner bis hin zur langen Rifle mit Achtkantlauf. Die letzte bekannte Änderung erfuhr das System 336 mit der Einführung der seitlichen Druckknopf-Sicherung, die ein Zugeständnis an die strengen US-Gesetze bezüglich der Herstellerhaftung ist.

Das letzte Rifle-Modell mit Achtkantlauf geht bei der Marlin 336 zurück ins Jahr 1973 und ist heute eine Sammlerrarität. Entsprechend freudig nahmen die Lever-Action-Fans zu Beginn dieses Jahres die Nachricht von einer neuen Marlin 336 mit Achtkantlauf zur Kenntnis. Für das neue Modell 336 „Cowboy“ übertrug Marlin das Erfolgsrezept der 1894er-Baureihe auf das 336er-System.

Statt des 20“-Rundlaufs der Karabiner-Ausführungen erhielt die neue „Cowboy“ einen 24“/610 mm langen, achtkantigen Lauf und ein bis zur Laufmündung reichendes Röhrenmagazin, das sechs Patronen aufnimmt. Der Lauf trägt die übliche, aus Perlkorn und Buckhornkimme bestehende Visierung.

Der Nußbaumschaft in mattem Finish wurde in der klassischen Form ohne Pistolengriff ausgeführt und verfügt an Vorderschaft und Schaftkolben über Fischhaut. Der Vorderschaft wird mit einer Metallkappe abgeschlossen. Den Schaftkolben schließt eine schwarze Schaftkappe ab. Anders als bei den Karabinern wurde auf Riemenbügelösen bei der 336 „Cowboy“ verzichtet.

Eingerichtet wird das neue Modell 336 „Cowboy“ neben der beliebten .30-30 Win. für die betagte .38-55 Win., die in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts als Schwarzpulverpatrone geschaffen und später auf Nitrotreibladung umgestellt wurde. Geladen wird die .38-55 Win., für die unsere Testwaffe eingerichtet war, von Winchester mit einem 255 grs / 16,5 g schweren Teilmantel-Flachkopfgeschoß.

Aus unserer Testwaffe erreichte die Winchester-Fabrikpatrone eine V0 von 405 m/s, was eine E0 von 1355 Joule und eine Energiedichte von 18,6 J/mm2 ergibt. Mit diesen ballistischen Werten schießt sich die .38-55 Win. in der rund 3,4 kg schweren Marlin 336 „Cowboy“ ähnlich angenehm wie die Revolverpatronen im Modell 1894 „Cowboy“. Geschossen wurde sitzend aufgelegt auf die in Deutschland wettkampfübliche Distanz von 50 Metern, wobei die Streukreise – jeweils 5 Schuß – alle zwischen 35 und 48 mm lagen.

Als Fazit kann festgehalten werden, daß Marlin mit dem Modell 336 „Cowboy“ der ebenfalls mit einem 24“-Lauf – allerdings in Rundform – ausgestatteten Winchester 94 „Legacy“ einen echten Mitbewerber im Kaliber .30-30 entgegenstellt. An Interesse gewinnt die neue Marlin durch das bei Winchester zur Zeit nicht vertretene Kaliber .38-55 Win., das mit seinen geringen Geschoßgeschwindigkeiten ein Erwärmen der Läufe lange verzögert. Diese beim Wettkampf wichtige Eigenschaft dürfte sicherlich die 336 „Cowboy“ in .38-55 Win. zu einer guten Alternative zu den .30-30er-Büchsen werden lassen.

Daten der Marlin 336 „Cowboy“:
Lauflänge:   610 mm
Gesamtlänge:   1080 mm
Gewicht (ungeladen):   3400 g
Magazinkapazität:   6 Patronen

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Ende des Artikels von Hans J. Heigel. Die „normale“ Marlin 336 im Kaliber .30-30 Winchester wird von Kettner als Marlin 336 W/S um € 699,00 und von Jagd & Sport als Marlin 336 C um € 795,00 angeboten.

Beide haben einen 51 cm langen runden Lauf, eine Gesamtlänge von 98 cm, eine Magazinkapazität von 6 Patronen (Kal. .30-30 Win.) und wiegen 3,2 kg. Bei Kettner ist in diesem Preis sogar ein montiertes Zielfernrohr 3-9 x 32 mm und ein Gewehrriemen enthalten, bei Jagd & Sport gibt es nur die Riemenbügelösen und kein Zielfernrohr. Worauf sich der dort trotzdem höhere Preis begründet, ist für mich nicht ersichtlich.

Mossberg 464 in .30-30 Winchester (Modell 464 Centerfire) und .22 long rifle (Mod. 464 Rimfire)

Artikel von Hans J. Heigel im „Deutschen Waffenjournal“ 10/2010 (Bilder von mir eingefügt):

Im Marktsegment der Lever-Action-Büchsen für Zentralfeuerpatronen tauchte Mossberg ab 1972 mit dem Modell 472 auf, das es in zahlreichen Ausführungen bis in die frühen 1980er-Jahre hinein gab. Neben dem Kaliber .30-30 Winchester wurde zeitweise auch das Kaliber .35 Remington berücksichtigt. Die Weiterentwicklung des Modells 472 führte zum Modell 479, dessen Ende 1985 gekommen war.

Rund ein Vierteljahrhundert später meldet sich Mossberg mit der Modellreihe 464 zurück. Dazu gehören zwei Zentralfeuermodelle im Kaliber .30-30 Winchester sowie eine Kleinkalibervariante. Während Mossberg mit der .22er-Ausführung auf etablierte Mitbewerber wie Browning, Henry und Marlin stößt, findet man nach der Produktionseinstellung der Winchester 94 im Kaliber .30-30 Winchester aktuell nur noch Marlin mit der Modellreihe 336 als Konkurrenten auf dem Markt vor. Zwar zeichnet sich ein Comeback der Winchester 1894 ab, schließlich stellte man für 2010 zwei Sondermodelle in Erinnerung an den 200. Geburtstag von Oliver F. Winchester vor. Die beiden Sondermodelle im Kaliber .30-30 Winchester geben berechtigte Hoffnung, daß die Winchester 1894 bald auch in Standardausführungen wieder auf den Markt kommt. Bis dahin stellt die neue Mossberg 464 die einzige Alternative zur Marlin 336 dar.

Trotz der seit den 1970er-Jahren nicht mehr verstummenden Kritik an der betagten .30-30 Winchester, mit der angeblich mehr Weißwedelhirsche als mit jeder anderen Patrone in Nordamerika erlegt wurden, hat dieses Kaliber seine feste Anhängerschaft. Untrennbar verbunden damit ist der klassische Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin und außen liegendem Hahn. Scheinbar können auch neue Patronenentwicklungen für diesen Waffentyp, wie die .307 Winchester und die .308 Marlin Express, an der Popularität der .30-30 Winchester nicht ernsthaft kratzen. Bei dieser Marktanalyse ist der Entschluß von Mossberg zur Vorstellung des neuen Modells 464 Centerfire im Kaliber .30-30 Winchester nachzuvollziehen.

Marlin 464 Centerfire mit der einfacheren Schaftausführung

Erhältlich sind zwei Ausführungen mit 20“ (508 mm) langem Lauf. Der Unterschied liegt nur in der Schaftausführung. Es gibt die klassische Karabinerform ohne Pistolengriff und ohne Fischhaut sowie die hier vorgestellte Variante mit Pistolengriffschaft und Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff. Was da aus dem Kasten genommen wurde, erinnert bei einem ersten oberflächlichen Blick an die Winchester 94 Legacy, wie es sie bis zur Produktionseinstellung im Jahr 2006 gab. Beim Modell 464 handelt es sich also nicht um ein Comeback der Baureihe 472/479, die in ihrem äußeren Erscheinungsbild an die Marlin 336 anlehnte.

Bei näherem Betrachten entpuppt sich die Mossberg 464 Centerfire als eine Mischung aus Winchester 1894 in der ab 1983 gefertigten Ausführung mit seitlichem Auswurf (Angle Eject) sowie eigenen Elementen aus der Mossberg-Konstruktion. An die Winchester 94 AE erinnert neben der Formgebung des stählernen Systemkastens und des zweiteiligen Schafts mit Sicherung des Vorderschafts mittels Laufband vor allem die Verriegelung durch das hinter dem Verschluß angeordnete Verriegelungselement. Dieses wird mittels des Unterhebels nach unten bewegt und gibt, nach unten gezogen, den Weg für den Verschluß nach hinten frei.

Systemvergleich: Mossberg 464 Centerfire (oben) und Winchester 1894.

Zwar wurde auch die Winchester 94 AE auf dem Systemkasten mit Bohrungen für eine Zielfernrohrmontage versehen, bei der neuen Mossberg 464 ist das aber weitaus eleganter und zeitgemäßer gelöst. Die Konstrukteure versuchten, den Systemkasten der 464 in Anlehnung an eine Systemhülse für einen Zylinderverschluß zu gestalten. Dazu erstreckt sich im hinteren Teil des Systemkastens eine Hülsenbrücke mit den Bohrungen für die Zielfernrohrmontage über die Verschlußbahn. Die vorderen Bohrungen befinden sich auf dem Hülsenkopf.

Die Oberseite des Verschlusses ist bei der .30-30er-Version rund ausgeführt. Gut erkennbar die vorhandene Hülsenbrücke.

Der Verschluß wurde nicht wie bei der Winchester 94 kantig ausgeführt, sondern ist weitgehend rund gehalten. Der Stoßboden ist etwas zurückversetzt, und der rechts sitzende Auszieher macht einen stabilen Eindruck.

Die Mossberg 464 besitzt eine auf dem Kolbenhals angeordnete, rot markierte Schiebesicherung, die den entsicherten Zustand anzeigt. In gesichertem Zustand kann der Hahn zwar abgeschlagen werden, erreicht jedoch nicht das Übertragungsstück des Schlagbolzens. Als zweite Sicherung fungiert die unter dem Unterhebel sitzende Griffsicherung. Nur bei eingedrückter Sicherung kann der Schuß auslösen. Der Hahn ist so konstruiert, daß er nach dem Auslösen direkt in seine Ruherast zurückspringt.

Das sechs Patronen des Kalibers .30-30 Winchester fassende Röhrenmagazin reicht bis zur Laufmündung des 20“ langen Rundlaufs und ist vorne am Lauf mit dem üblichen Band gesichert. Die Visierung der Mossberg 464 besteht aus einem umklappbaren Flat Sight mit rechteckigem Kimmeneinschnitt, dessen Federblatt im Schwalbenschwanz geführt wird.

Der Nußbaumschaft der Mossberg 464 ist matt lackiert und trägt bei unserem Pistolengriff-Modell eine griffige Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft. Abgeschlossen wird der Schaftkolben mit einer schmalen, braunen Gummikappe.

Der technische Aufbau der Randfeuerversion des Modells 464 weicht natürlich grundsätzlich vom Zentralfeuermodell ab. So wird die Kleinkalibervariante nicht mittels Ladeklappe auf der rechten Systemkastenseite geladen, sondern, wie bei den .22er-Gewehren mit Röhrenmagazin üblich, durch eine Öffnung auf der Unterseite des Magazinrohrs. Auch die Verriegelung und der Lagemechanismus wurden der deutlich leistungsschwächeren KK-Version angepaßt sowie vereinfacht.

Der Systemkasten der Mossberg 464 Rimfire ist aus einer Leichtmetall-Legierung. Er setzt sich zum einen aus dem inneren Block, der den Mechanismus aufnimmt, und zum anderen aus der äußeren Hülle, die dies alles abdeckt, zusammen. Auf der rechten Seite sitzt die Auswurföffnung. Auf der Systemkastenoberseite sitzt eine Prismenschiene für die einfache und kostengünstige Montage einer optischen Visierung.

Mit dem 18“ (457 mm) langen Lauf ergibt sich ein handliches Gewehrchen. Die Visierung der Mossberg 464 Rimfire besteht aus einem klassischen Semi-Buckhorn-Visier, das umklappbar ist. Für die Höhenjustierung ist in der Visierbasis eine senkrecht angeordnete Schraube statt der sonst üblichen „Treppe“ vorhanden. Fixiert wird der Visiersockel mit einem mittels Schrauben auf dem Lauf gesicherten Bügel. Das Perlkorn wird durch einen Kornschutz vor Beschädigungen bewahrt.

Das Sicherungssystem mit Schiebesicherung auf dem Kolbenhals und Griffsicherung wurde für das Randfeuermodell von der Zentralfeuerversion übernommen. Der aus Hartholz gefertigte Schaft ist matt lackiert und weist die typische Karabinerform ohne Pistolengriff auf.

Auf dem Schießstand wurde mit beiden Waffen auf die Distanz von 50 m unter Zuhilfenahme von Benchrest-Auflagen geschossen. Angesichts der offenen Visierung ist diese Distanz praxisgerecht, da auch die von Sportschützen mit diesen Waffen ausgetragenen Wettbewerbe üblicherweise auf 50 m geschossen werden.

Die erzielten Schußgruppen lagen trotz der bei dieser Versuchsanordnung einfließenden Schützenstreuung durchweg in der Zehn der DSB-Präzisionsscheibe für Sportpistole, welche einen Durchmesser von 50 mm aufweist. Bei der Büchse im .30-30er-Kaliber ergaben sich aufgrund der unterschiedlichen Laborierungen natürlich Abweichungen in der Trefferlage. Gleiches gilt bei den KK-Laborierungen für die HV- und Super-HV-Patronen.

Nicht minder gespannt war man auf die Funktion der beiden neuen Mossberg-Unterhebelrepetierer. Beide Modelle arbeiteten während des gesamten Tests störungsfrei. Die Streukreise mit der Büchse im Kaliber .30-30 Winchester waren mit der Hornady-Patrone mit Leverevolution-Geschoß im Durchschnitt etwas enger als mit den konventionellen Teilmantel-Flachkopfgeschossen, wobei sich hier unter den verschossenen Laborierungen kein eindeutiger Sieger ausmachen ließ. Bei der .22er-Mossberg waren es – was früheren Erfahrungen entspricht – natürlich die Matchpatronen von Eley und RWS, die eindeutig als Sieger zu verzeichnen sind. Die HV-Laborierungen ergaben gegenüber den Standardpatronen etwa 10 mm bis 15 mm größere Streukreise, wobei auch mit diesen Patronen die Zehn der Scheibe gehalten werden konnte.

Anerkennung verdient Mossberg auch für eine ordentliche Verarbeitung und brauchbar justierte Abzüge, wie sie für diesen Waffentyp typisch sind.

Daten Mossberg 464 Centerfire (in Klammer die Werte der 464 Rimfire):
Lauflänge:     508 mm   (457 mm)
Gesamtlänge:   985 mm   (918 mm)
Gewicht (ungeladen):   3,16 kg   (2,675 kg)
Magazinkapazität:   6 Patronen   (13 Patronen)
Schaftholz:   Nußbaum    (Hartholz)
Preis (Deutschland, Ende 2010):   € 635,–   (€ 555,–)

Ballistische Leistungen Mossberg 464 Centerfire, .30-30 Win.:
Winchester 150 grs / 9,7 g Power Point:    702 m/s,   2395 Joule
Hornady 160 grs / 10,4 g Leverevolution:    721 m/s,   2695 Joule
Federal 170 grs / 11 g Soft Point:     649 m/s,   2320 Joule
Remington 170 grs / 11 g Soft Point:   654 m/s,   2356 Joule
PPU  170 grs / 11 g Soft Point:     652 m/s,   2341 Joule

Ballistische Leistungen Mossberg 464 Rimfire, .22 long rifle:
Remington Yellow Jacket 33 grs / 2,14 g Kegelstumpf-Hohlspitz:   436 m/s,   203 Joule
Eley Tenex 40 grs / 2,6 g Blei-Rundkopf:     322 m/s,   134 Joule
Remington HV 40 grs / 2,6 g Blei-Rundkopf:   363 m/s,   171 Joule
Remington Target 40 grs / 2,6 g Blei-Rundkopf:   327 m/s,   139 Joule
RUAG R 100 40 grs / 2,6 g Blei-Rundkopf:    332 m/s,   143 Joule
Winchester T 22 40 grs / 2,6 g Blei-Rundkopf:   329 m/s,   140 Joule

Das Redaktions-Fazit: Mossberg füllt mit dem Modell 464 im Kaliber .30-30 Winchester eindeutig die Lücke, die in diesem Marktsegment durch die Produktionseinstellung der Winchester 1894 im Jahr 2006 entstanden ist. Hinsichtlich der Zielfernrohrmontage erweist sich die Mossberg 464 gegenüber der Winchester 94 AE sogar als die bessere Lösung. Im Markt der .22er-Lever-Action-Gewehre bietet die neue Mossberg eine interessante Alternative zu den bereits etablierten Modellen von Browning, Henry und Marlin. In ihrem Erscheinungsbild erinnert die neue Mossberg 464 Rimfire an das leider nicht mehr hergestellte Modell EG 71 der deutschen Firma Erma.

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Winchester 94 Big Bore Timber Carbine in .444 Marlin

Testbericht von Hans J. Heigel im „Internationalen Waffenmagazin“ 1-2/2000 (Bilder von mir eingefügt; Anm.: wie bereits erwähnt, wird die Winchester 94 seit 2006 nicht mehr gefertigt):

Im Jahr 1964 schloß die Firma Marlin mit der Vorstellung der .444 Marlin eine damalige Lücke im Angebot an leistungsstarken Unterhebelrepetierern für die Jagd. Die Patrone .444 Marlin ist im Prinzip nichts anderes als eine verlängerte – und wesentlich stärker geladene – Variante der .44 Magnum-Revolverpatrone. Besonders geschätzt wird die .444 Marlin in ihrer nordamerikanischen Heimat wegen ihrer guten Stoppwirkung auf wehrhaftes Wild, wie etwa den Schwarzbären. Zu der ursprünglichen 240 grs-Laborierung gesellte sich einige Jahre später eine Remington-Laborierung mit einem stabileren 265 grs / 17,2 g schweren Teilmantel-Flachkopfgeschoß, das eine bessere Eindringtiefe bei stärkerem Wild gewährleistete. Inzwischen fiel diese Remington-Laborierung leider einer Straffung der Produktion zum Opfer, sodaß derzeit nur die ursprüngliche 240 grs-Patrone fabrikmäßig geladen wird.

Winchester entschloß sich 1998, das Kaliber seines größten Konkurrenten auf dem Gebiet der Produktion von Unterhebelrepetierern Marlin für die „Winchester 94 Big Bore“-Büchsenreihe zu berücksichtigen. Auf den Markt kam damit ein Winchester-Karabiner mit 20“-Lauf im Kaliber .444 Marlin. 1999 setzten sowohl Marlin als auch Winchester auf besonders führige Versionen ihrer Lever-Action-Büchsen im Kaliber .444 Marlin. Der „Winchester 94 Big Bore Timber Carbine“ verfügt über einen lediglich 17 ¾“/451 mm langen Lauf, ein vier Patronen fassendes Magazin und ein Gewicht von bloßen 2,72 kg (Gesamtlänge 914 mm). Damit ist der Winchester-Karabiner 340 g leichter als das Kurzgewehr „Marlin 444 P Outfitter“.

Winchester verwendet für das Kaliber .444 Marlin das in seiner Urform 1979 vorgestellte 94er-„Big Bore“-System, das sich vom 94er-Standardsystem durch die rückwärtige Verstärkung des Systemkastens unterscheidet. Auf der Höhe der Verriegelung verstärken sich die Seitenwandungen des Systemkastens, was den „Big Bore“-Modellen ihr spezielles äußeres Gepräge gibt. Ursprünglich noch mit Hülsenauswurf nach oben ausgestattet, kam das „Big Bore“-System 1979 zusammen mit der neuen .375 Win.-Patrone auf den Markt. Bei Winchester versprach man sich damals eine Aufwertung des 94er-Modells, das mit seinem Standardkaliber .30-30 in die Jahre gekommen war. Bereits 1983 erhielt die „Winchester 94 Big Bore“ den heute üblichen seitlichen Hülsenauswurf, der die Montage eines Zielfernrohrs wesentlich erleichtert. Die jetzt vorgestellten Varianten im Kaliber .444 Marlin weisen alle Merkmale der aktuellen 94er-„Big Bore“-Reihe einschließlich der seitlichen Hammersicherung auf.

Der zweiteilige Nußbaumschaft trägt an Vorderschaft und Pistolengriff eine sauber geschnittene Fischhaut. Der Schaftkolben wird mit einer schwarzen Gummikappe abgeschlossen. Der Vorderschaft wird mit einem Laufband – ganz in der typischen Karabinerform – fixiert. Riemenbügelösen befinden sich auf der Schaftkolbenunterseite sowie vorn am Röhrenmagazin.

Die Visierung besteht aus einem Perlkorn mit Kornschutz sowie einem umklappbaren Visier, dessen Kimmenblatt mit U-Ausschnitt in der Höhe justierbar ist. Dazu müssen zwei Schrauben auf der Stirnseite des Visierblatts gelöst werden. Da der Sockel des Klappvisiers mittels Schwalbenschwanz im Lauf geführt wird, kann man das Visier mit Hilfe eines Durchschlags auch seitlich verstellen.

Gespannt war man auf den Rückstoß der extrem leichten Waffe sowie auf die ballistischen Leistungen aus dem nur 451 mm langen Lauf. Beides sorgte für Überraschungen der angenehmeren Art. Der Leistungsabfall gegenüber den längeren 508 mm-Läufen des Standard-Karabiners war erträglich, eine Feststellung, die zuvor bereits mit der „Marlin 444 P Outfitter“ mit 470 mm langem Lauf gemacht werden konnte. Der Rückstoß, insbesondere der Hochschlag, wird durch die bei der „Winchester 94 Big Bore Timber Carbine“ vorhandenen, direkt ins Laufprofil eingebrachten zehn Bohrungen der Mündungsbremse auf ein gut verträgliches Maß gedämpft. Angeordnet sind die Bohrungen der Mündungsbremse in zwei Reihen links und rechts des Kornsattels.

Geschossen wurde mit der offenen Visierung auf 50 Meter sitzend aufgelegt. Dabei wurden 5-Schuß-Treffergruppen von unter 50 mm erzielt. Als Resümee bleibt festzuhalten, daß mit der „Winchester 94 Big Bore Timber Carbine“ die „Marlin 444 P Outfitter“ einen direkten und ebenbürtigen Mitbewerber bekommen hat. Mit der neuen Winchester-Büchse steht im Kaliber .444 Marlin der bislang führigste und leichteste Unterhebelrepetierer in diesem Kaliber zur Verfügung und dürfte auch hierzulande für die Jagd auf kurze Distanzen im dichten Unterholz ideal sein.

Remington-Patrone 240 grs / 15,6 g Soft Point in Winchester 94 Big Bore Timber Carbine:   663 m/s,  3418 Joule.

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Ende des Artikels von Hans J. Heigel.

Marlin M 444 XLR im Kaliber .444 Marlin

Testbericht von Robert Riegel und Sascha Numßen, aus VISIER Mai 2008 (von mir leicht gekürzt; Bild von mir eingefügt):

In den USA haben die seit Anfang der 1860er Jahre eingeführten Unterhebel-Repetierer noch heute jagdlich in etwa den Status, den ein 98er im „alten Europa“ genießt. Und das Kaliber .444 Marlin kann vom Einsatzbereich ungefähr mit unserer 9,3 x 62 mm verglichen werden – eine großkalibrige Patrone mit relativ schweren Geschossen für kurze bis mittlere Entfernungen. Doch wie steht es mit der Übertragbarkeit auf hiesige Verhältnisse? Marlin und Frankonia haben dem 1895er Modell ein neues Gesicht gegeben und bieten es jetzt in Stainless Steel und mit Schichtholzschaft als Modell 444 XLR an.

Schon beim ersten Kontakt hat man reichlich „viel Gewehr“ in der Hand. Ohne Zielfernrohr wiegt der 107 cm lange Unterhebler stattliche 3550 g. Zum Vergleich: Ein mit 115 cm Länge ausgewachsener, normal geschäfteter 98er kommt auf knapp 3200 g. Nun, zierlich ist der Lauf mit einem Mündungsdurchmesser von fast 19 mm nicht gerade. Auch dürften einige Gramm im Vorder- und Hinterschaft schlummern. Schichtholz ist zwar eine stabile und und witterungsbeständige, aber im Vergleich zu natürlich gewachsenem Holz auch recht schwere Alternative. Doch gerade der Kontrast des grün-braunen Schichtholzes zum Stainless Steel von System und Lauf hat etwas.

Die Büchse verfügt – abweichend vom klassischen Wild-West-Genre – über ein nur halblanges Magazinrohr. Das aber faßt immer noch vier respektive fünf der großen Patronen. Diese Kapazität sollte für die meisten Jagdsituationen eigentlich ausreichen. Notfalls kann man noch eine weitere Patrone im Patronenlager unterbringen. Vier oder fünf? Ganz einfach, bei Patronengesamtlängen von bis zu 64,5 mm lassen sich fünf in der Röhre versorgen, bei Längen ab 65 mm nur noch vier.

Zum Glück ebenfalls abweichend von traditionellen Vorbildern ist die Visierung des XLR. Ein rotes Kunststoffkorn kontrastiert ausreichend mit einem dicken weißen Balken einer vom Schützen weggeneigten Kimme.

Die Sicherheit, nur bei völlig verriegeltem System schießen zu können, erreicht die Marlin durch einen Nocken, der, hinter dem Abzugszüngel stehend, erst im Moment der völligen Verriegelung dem Züngel den Weg nach hinten freigibt. Das geschieht über einen definierten Rastpunkt beim Eindrücken des Unterhebels, der in der eingedrückten Stellung dann arretiert. So kann such der Schütze ganz auf das Abkommen und den Abzug konzentrieren. Allerdings sind die bei der Testwaffe rund 2500 g Abzugswiderstand – trotz sauberer Charakteristik – für jagdliche Zwecke inakzeptabel.

Für den wahrscheinlichsten Einsatzzweck montierte Frankonia ein Flüchtig-ZF von Meopta. Das Meostar R1 (1-4 x 22 RD mit K-Leuchtabsehen) überraschte die Tester positiv. Randunschärfe? Fehlanzeige! Das Leuchtabsehen, mit jeweils einer Aus-Stellung hinter der jeweiligen Intensitätsstufe, ist bei hellster Einstellung auch auf einer weißen Silo-Plane in der Sonne noch gut sichtbar – für 779 Euro eine echte Alternative selbst zu Premiumoptiken. Aber leider konnte die Montage nicht zufriedenstellen. Denn der Augenabstand ist schon für normal gewachsene Personen oder Brillenträger grenzwertig, beim hektischen Anbacken während der Drückjagd bleibt noch weniger Zeit für Anschlag-Korrekturen.

Auf dem Schießstand ließ sich die geladen knapp 4,5 kg schwere Kombination aber problemlos beherrschen. Der Rückstoß selbst liegt in etwa auf dem Niveau einer 8 x 57 IS. Beim Schießen auf den Laufenden Keiler kann man die Vorteile des schnellen Unterhebel-Verschlusses voll ausspielen. Allerdings nur im Vergleich zum klassischen Zylinderverschluß. Gegen Geradezug- oder Vorderschaft-Repetiersysteme bietet der Unterhebler kaum Vorteile. Der Handdurchlaß des Unterhebels selbst ist überdies für den winterlichen Handschuhbetrieb zu klein. Darüber hinaus fühlten sich einige Schützen durch das in der optischen Achse des Meostar sichtbare Korn irritiert.

Trotz des hohen Abzugswiderstandes und der nur vierfachen Vergrößerung kamen bei einer Präzisionsüberprüfung noch überraschend gute Streukreise zustande. Das liegt zum einen daran, daß sich das Punkt-Absehen ohne Beleuchtung gut im Zentrum der innen hellen BDS-Präzisionsscheibe ausmitteln läßt. Zum anderen ist zwar der Abzugswiderstand sehr hoch, die Charakteristik jedoch extrem trocken. Und beim Schießen aus der Benchrestauflage spielt Zeit ja keine Rolle. Funktionsprobleme wie Zuführ- oder Auswurfstörungen traten auch bei schnellster Gangart nicht auf. Die Tester konnten die Magazinröhre übrigens durch kräftiges Niederdrücken der Ladeklappe entladen Ein „Leerrepetieren“ ist also umgehbar.

Was unterm Strich bleibt: Ein (relativ zur Patrone) schwerer, aber robuster Repetierer, der für Bewegungsjagden bei schlechtem Wetter geradezu prädestiniert erscheint – mit für diesen Einsatzzweck guter Präzision. Preislich noch im Rahmen, bietet die Marlin XLR im Vergleich zu gängigen deutschen Drückjagdwaffen ein zweifelsfrei gewöhnungsbedürftiges Äußeres. Das aber wohl deshalb auch nicht so schnell langweilig wird.

Zur Patrone: Die seit 1964 im Handel verfügbare .444 Marlin leidet jagdlich unter ihrem augenscheinlichen Vorteil: die theoretische Nutzung der gesamten .44-Magnum-Geschoßpalette. Diese ist jedoch für die jagdliche Praxis mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht jedes Teilmantel- oder Hohlspitzgeschoß ist tauglich, selbst wenn gleiche Geschoßtypen jagdlich erfolgreich aus 44er-Revolvern verschossen werden. Der Grund liegt in der viel höheren Mündungsgeschwindigkeit, die bei einem 240-grs-Projektil von 400 auf gut 740 m/s aus der Büchse steigen kann. Denn viele für jagdliche Verwendung vorgesehene 44er-Geschosse haben ihr Wirkungsoptimum bei Auftreffgeschwindigkeiten, wie sie aus Kurzwaffen erreicht werden. Das gleiche Geschoß kann – höher beschleunigt – im Wildkörper zu einem Totalzerleger mit ungenügender Penetration mutieren. Unter dem Aspekt der Wildbret- oder Fellverwertung sind vor allem schwere Geschosse mit starken Mänteln oder verlöteten Kernen empfehlenswert. Hinzu kommt bei manchen Geschoßtypen die für die Repetierfunktion wichtige Patronengesamtlänge, die nicht wesentlich über 65 mm liegen darf.

Modell:  Marlin M 444 XLR
Preis:   € 1.059,00  (Frankonia, 2008)
Ausstattung:   Lauf, System und Unterhabel aus Stainless Steel, kannelierter Verschluß, grün-brauner Schichtholzschaft mit Pistolengriff und Gummikappe, Drückjagdvisierung, bestehend aus U-Kimme und seitlich driftbarem rotem Kunststoffkorn, Riemenbügelösen.
Kaliber:   .444 Marlin
Magazinkapazität:   4/5 + 1 Patrone
Gesamtlänge:   1070 mm
Lauf:   609 mm lang, 6 Züge rechtsdrehend, Zug/Feld-Profil
Leergewicht:   3550 g (ohne Optik)

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Ende des Testberichts aus „VISIER“. Was im letzten Absatz betreffend die Patrone über das unterschiedliche zielballistische Verhalten von Revolvergeschossen aus Gewehrläufen steht, ist auch für andere Kaliber wie .357 Magnum und .44 Magnum bedenkenswert. Hier ein paar Katalogangebote weiterer Unterhebler in Gewehrkalibern:

Marlin 444 Classic:

Kaliber .444 Marlin, Magazinkapazität 5 Patronen, Lauflänge 56 cm, Gesamtlänge 103 cm, Gewicht (ungeladen): 3,2 kg. Schaft: amerikanisches Nußbaumholz mit Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft sowie Riemenbügelösen. Montagebohrungen für Zielfernrohr. Bei Kettner um € 849,00.

Marlin 1895 45-70 Classic: wie Marlin 444 Classic, aber Kaliber .45-70 Government und 4 Schuß Magazinkapazität. Bei Kettner um € 859,00 und bei Jagd & Sport um € 881,00.

Marlin 1895 SBL:

Kaliber .45-70 Government, 6 Schuß Magazinkapazität. Lauflänge 47 cm, Gesamtlänge 103 cm (?), Gewicht (ungeladen) 3,4 kg. Ausführung in Stainless Steel mit Schichtholzschaft, Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft, ventilierter Gummischaftkappe, vernickelten Riemenbügeln und vergrößertem Repetierbügel. Ghostring-Visierung und Picatinny-Schiene zur Montage diverser Zieloptiken. Bei Kettner um € 1.319,00 und bei Jagd & Sport um € 1.363,00.

Pedersoli Lever Action 1886/1871: Kaliber .45-70 Government, Magazinkapazität 5 Patronen. Lauflänge 61 cm, Gesamtlänge 108 cm, Gewicht ca. 3,4 kg. Brünierte Ausführung, Nußbaumschaft mit Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft sowie Riemenbügelösen. Bei Frankonia um € 1.499,00

KLEINZEUG: EIN NACHTRAG ZU DEN KLEINKALIBER-UNTERHEBLERN

Ruger M 96 in .22 lfb. und .22 WRM

Testbericht des von mir bereits in Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre vorgestellten Unterhebelrepetierers Ruger M 96 (den es auch in .44 Magnum gab) von Anton Steiner im „Internationalen Waffenmagazin“ 3/1997 (Bilder von mir eingefügt):

Auf dem Langwaffensektor hat sich Sturm, Ruger & Co. mit Zylinderverschluß- und Selbstladesystemen einen guten Namen erworben. Nun stößt die Firma mit einigen Lever-Action-Modellen in eine Sparte vor, die sie bislang der Konkurrenz überlassen hat. Angeboten werden die Waffen in den Randfeuerkalibern .22 l.r. und .22 WRM sowie im Kaliber .44 Magnum.

Unsere beiden Testwaffen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Die Kaliberangaben sind nicht sehr markant ausgeführt, und wer auf den Gedanken kommt, die Frage nach dem Kaliber mit einem Blick aufs Magazin zu klären, ist gut beraten, sich zunächst im Manual in das Geheimnis der Magazinentnahme einweihen zu lassen – es geht nur bei geöffnetem Verschluß. Das Handbüchlein bietet hervorragende Kost, doch könnte es gut und gern mit einem Drittel an Umfang auskommen, wenn da nicht die zahlreichen Warnfenster wären. Ein Ratschlag hat mich da besonders beeindruckt und mir die Gefahrenvernetzung, in die wir uns heutzutage allenthalben verstricken, so recht verdeutlicht: Nach dem Hantieren mit Munition bitte Hände waschen, ansonsten drohe Bleivergiftung, was unter anderem zu Fehlgeburten führen könne. Erkenntnis des Staates Kalifornien.

Aufgrund der großzügigen Dimensionierung der Schäfte und der Verschlußgehäuse heben sich Rugers M-96-Unterhebelrepetierer von den teilweise sehr schlankwüchsigen Mitkonkurrenten ab. Plump wirken sie deswegen nicht, und dank der Leichtmetallausführung von Verschlußgehäuse und Hebeleinheit bleibt das Gesamtgewicht unter 2,5 kg. Die Schäfte weisen ein mattes Finish auf, was auch sehr sympathisch wirkt.

Die Verschlußkästen sind zum Anbringen einer ZF-Montageschiene mit vier Bohrlöchern, verschlossen mit Blindschrauben, ausgestattet. Und das Schöne dabei ist, die Montageschienen mit Prismenführung werden zusammen mit den Waffen ausgeliefert. Ein preisgünstiges Glas sollte dann schnell zur Hand sein. Die offene Visierung setzt sich aus einem vertikal verstellbaren Klappvisier mit U-Ausschnitt mit weißer Dreiecksmarkierung und einem Messingperlkorn zusammen. Diese Zielvorrichtung fällt ziemlich fein aus, für meinen Geschmack etwas zu fein. Ich vermisse auch die Riemenbügel; meiner Meinung nach würden diese den Stil der Waffe nicht beeinträchtigen.

Eine interessante Baugruppe stellt das Repetier- und Verschlußsystem dar, welches als Ganzes vom Verschlußgehäuse getrennt werden kann, indem bloß zwei Verbindungsbolzen mit einem Durchschlag zu entfernen sind. Das geht ohne Kraftaufwand vor sich, und selbst ein mechanisch Unbedarfter muß vor dieser Demontage keine Angst haben. Dank dieser Möglichkeit lassen sich die Waffen mühelos reinigen. Sogar das Verschlußstück, ebenfalls mit einem Bolzen an das Hebelsystem gelinkt, kann man getrost zur gründlichen Reinigung abnehmen. Der Lauf hingegen, das ist nun mal ein Nachteil solcher Waffen, muß von vorne durchgestoßen werden. Die eben beschriebene Demontage, im Manual bestens erklärt und illustriert, kann erst erfolgen, wenn vorgängig der Schaft entfernt wurde. Hierfür ist das Laufband (ein Leichtmetallteil) zu lösen und die Schaftschraube vor dem Magazin zu lockern. Sie bleibt im übrigen im Schaft hängen.

Die Sicherungsvorrichtung besteht aus einem Druckknopfsystem im vorderen Teil des Abzugsbügels. Gesichert wird, und zwar die Abzugstange, mit einem Druck nach links, entsichert andersherum. Die Knopfenden ragen dabei gut sicht- und spürbar aus dem Abzugbügel. Zusätzlich zeigt der Knopf in Feuerstellung eine rote Markierung. Die Sicherung läßt sich nur bei gespanntem Hammer betätigen.

Die meisten Handfeuersysteme mit innenliegender Schlagvorrichtung sind mit irgendeinem Spannanzeiger versehen. Bei der Rugerbüchse befindet sich ein solcher Anzeiger in Form eines Stifts zuhinterst am Verschlußkasten. Dieser Stift, wenn in erhöhter Position, zeigt an, daß die Waffe gespannt ist; er zeigt natürlich nicht an, ob eine Patrone im Lager liegt. Die Magazine (Kunststoffgehäuse mit Metallbauteilen) fassen dank ihrer Trommelbauweise einen gehörigen Vorrat an Patronen: zehn im Kaliber .22 l.r., neun im Kaliber .22 Magnum. Dennoch schließt der Magazinboden bündig mit dem Schaft ab. Das Magazin kann, wie erwähnt, nur entnommen werden, wenn der Verschlußhebel zumindest halbwegs zurückgezogen ist. Der Magazinhalter, zwischen Magazinschacht und Abzugsbügel angeordnet, hat die Funktionsweise einer Wippe, die eingedrückt das Magazin freigibt. Zusätzlich muß ein weiterer Finger die Entnahme unterstützen. Die ganze Sache ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig.

System und Magazin der Ruger 96; hier im Kaliber .17 Hornady Magnum Rimfire (.17 HMR)

Die Büchsen können theoretisch auch ohne Magazin geschossen werden, da keine Magazinsicherung vorhanden ist. In der Praxis versucht man es einmal und nie wieder. Das Laden einzelner Patronen durch die enge Verschlußöffnung verlangt nahezu akrobatisches Geschick, selbst zierlichste Damenfinger dürften größte Mühe bekunden.

Die Schießversuche sollten insofern praktisch gestaltet werden, als von vornherein auf eine Produktion von supergenauen Schußbildern verzichtet wurde. Die vorliegenden Waffen sind von Natur aus keine Präzisionsgeräte. Man schießt sie aus der Bewegung heraus, freihändig oder höchstens behelfsmäßig aufgestützt. Deshalb probierte ich beide Modelle im Präzisionsversuch ohne bombenfeste Abstützung aus, allerdings in sitzender Position, Entfernung 25 m.

Das Angebot an .22 Magnum-Patronen ist nicht gerade üppig. Zur Verfügung standen zwei Winchesterprodukte – Jacketed Hollow Point und Full Metal Case – sowie Teilmantel-Hohlspitz von RWS. Die Schußbilder, umschlossen gemessen, lagen im Bereich zwischen 29 und 16 mm. Diese letzte Gruppe war die engste überhaupt an diesem Nachmittag. Allen Gruppen dieses Kalibers gemeinsam war die Tendenz zu Höhenstreuung. Zweimal gab es Zündversager. Eine Überprüfung der Patronenböden zeigte, daß der Zündstift gerade noch im äußersten Randbereich anzuschlagen pflegt. Gleiches war bei der .22 l.r.-Büchse festzustellen, aber hier zündeten alle Patronen. Ruger wäre wahrscheinlich gut beraten, in dieser Beziehung etwas Reserve zu schaffen.

Während die Magnumbüchse einen Hang zur Höhenstreuung aufwies, verteilte die Long-Rifle-Version ihre Einschüsse durchweg mit einer seitlichen Garbung. Zum Teil mag dies am Schützen gelegen haben, dem es offensichtlich mißlang, die 3,5 kp Abzugswiderstand ganz in den Griff zu bekommen. Das war ein Kilopond mehr als bei der Magnumausführung mit ihrem bereits unschönen 2,5 kp-Abzugswiderstand. Schade um die sauber brechenden Abzüge, aber soviel Abzugswiderstand ist einfach zu viel.

Der Griff in die Munitionskiste mit den .22 l.r.-Patronen führte zu einer Auswahl, die von der Subsonic bis zur Stinger alle Leistungsbereiche abdecken sollte. Der Präzisionsprüfung unterzogen sich darunter die RWS Rifle Match, die Magtech, die Remington High Velocity, die Remington Yellow Jacket und die CCI Stinger. Die übrigen Kandidatinnen erscheinen in der Vergleichstabelle nur in den Rubriken V0 und E0.

Patronen .22 l.r. im Ruger Ninety-Six (Streukreise aus jeweil 5 Schuß ermittelt):
CCI Stinger, 2,2 g Hohlspitz:    463,3 m/s,  223 Joule,   Streukreis 35 mm Durchm.
Remington Yellow Jacket 2,1 g Hohlspitz:   410,3 m/s,   180 Joule,  Streukreis 21 mm
Remington High Velocity 2,3 g Hohlspitz:   375 m/s,   164 Joule,   Streukreis 20 mm
CCI Mini Mag 2,6 g Hohlspitz:   389,5 m/s,   197 Joule
Eley Subsonic 2,6 g Hohlspitz:   317,9 m/s,   131 Joule
Magtech 2,6 g Blei-Rundkopf:   320,6 m/s,   133 Joule
RWS Rifle Match 2,6 g Blei-Rundkopf:   315,2 m/s,   129 Joule

Erfahrungs- und erwartungsgemäß lieferten die Stinger die größten Streukreise, und zwar infolge der immer wieder auftretenden einzelnen Ausreißer. Ansonsten produzierte die Büchse ziemlich homogene Gruppen im Bereich zwischen 20 und 25 mm. Überraschend gut schnitt entgegen meiner Erwartungen die Yellow Jacket mit 21 mm ab.

Patronen .22 Winchester Magnum Rimfire aus Ruger Ninety-Six (Streukreise aus je 5 Schuß):
RWS 2,6 g Hohlspitz:   589,2 m/s,   450 Joule,   Streukreis 29 mm
Winchester 2,6 g Hohlspitz:   544,4 m/s,   384 Joule,   Streukreis 22 mm
Winchester 2,6 g Vollmantel: 568,1 m/s,   418 Joule,   Streukreis 16 mm

Mit Ausnahme der beschriebenen Zündstörung funktionierten beide Waffen tadellos. Ruger bringt mit diesen beiden Büchsen Produkte auf den Markt, die zweifellos Erfolg haben werden.

Daten Ruger Ninety-Six, Kal. .22 l.r. und .22 WMR:
Lauflänge:   470 mm
Gesamtlänge:   945 mm
Gewicht (ungeladen):   2400 g
Trommelkapazität .22 l.r.:   10 Patronen
Trommelkapazität .22 WMR:  9 Patronen

*  *  *  *  *  *  *

Ende des Testberichts von Anton Steiner. Wie aus dem Austausch in diesem Waffenforum – http://www.levergunscommunity.com/viewtopic.php?f=1&t=34360 – hervorgeht, ist die Produktion des Ruger 96 Anfang 2011 eingestellt worden. Vielleicht gibt es aber noch Restposten davon, oder einer der Leser ergattert ein gebrauchtes Exemplar.

JAGDLICHE VERWENDUNG VON UNTERHEBELREPETIERERN

Ruger 96-44 im Kaliber .44 Magnum mit erlegtem Wildschwein. Man sieht, es geht auch mit den 1500 Joule Mündungsenergie dieser Patrone, wobei der große Geschoßdurchmesser von knapp 11 mm auch hilfreich ist.

Zu diesem Thema sei hier eine gekürzte Fassung des Artikels „Alternative Liste“ aus dem VISIER-Sonderheft „Schießen mit Unterhebel-Repetierern“ wiedergegeben:

Noch vor wenigen Jahren galten Jäger mit einer Vorliebe für Lever-Actions über der Schulter als kauzige Westernfans, die in jungen Jahren keine Folge von „Bonanza“ versäumten und die nunmehr, ihrer präpubertären Waffenprägung folgend, auch eine Marlin oder Winchester auf die heimischen Hochsitze schleppen. Dem ist heute nicht mehr so: Seit Jahren nehmen in Deutschland die Wildschweinbestände stetig zu, und Sauen werden zu einem großen Teil auf Treibjagden erlegt. Dort zählt nicht die maximale Eigenpräzision der Waffe und Schüsse auf große Entfernungen, sondern sicheres Treffen auch auf flüchtiges Wild. Einhundert Meter gelten bei einer Drückjagd als weiter Schuß, wohingegen Distanzen von 15 bis 30 Metern nicht ungewöhnlich sind. Wer viel Glück hat, der kann bei Drückjagden auch mehrere Wildschweine aus einer Rotte erlegen.

Hier spielt der Unterhebler seine Vorzüge voll aus – die Kombination von schnellen Schußfolgen bei hoher Magazinkapazität. Zwar ermöglichen Doppelbüchsen, Doppelbüchs-Drillinge und Selbstlader mangels Repetierbewegung noch schnelleres Schießen als ein Unterhebler. Aber bei diesen Jagdwaffen ist konstruktions- oder gesetzesbedingt spätestens nach dem dritten Schuß Ende. Außerdem sind kombinierte Waffen mit zwei Kugelläufen meist eine teure Angelegenheit, und Halbautomaten sieht (zu Unrecht) nicht jeder Jagdherr gern. Und wer den Wildschweinen lieber nachts bei Mondlicht an den Kirrung genannten Lockplätzen auflauert, der fährt ebenfalls mit einer Marlin 1895 oder Browning BLR nicht schlecht: Die Schußentfernungen betragen selten mehr als 60 Meter. Zu den Nachteilen aller Serien-Unterhebler zählen die Direktabzüge. Diese rangieren ab Werk in Charakteristik und Widerstand meist zwischen mittelprächtig und unbrauchbar. Kein Problem für einen erfahrenen Büchsenmacher: 80 bis 150 Euro verwandeln einen kratzigen Marlin- oder Winchester-Abzug von 2 bis 3 Kilo in einen trockenen Direktabzug mit rund 1500 Gramm Widerstand – deutlich leichter sollte man den Unterhebler-Abzug bei einem Jagdgewehr aus Sicherheitsgründen nicht justieren.

Hierzulande fordert der Gesetzgeber für die Jagd auf alles Hochwild (alle Paarhufer mit Ausnahme von Rehen) ein Mindestkaliber von 6,5 mm und gleichzeitig eine E100 von mindestens 2000 Joule. Deshalb fällt die in den Vereinigten Staaten als Jagdkaliber immer noch beliebte .30-30 WCF in Deutschland etwa für die Jagd auf Hirsch, Sau und Damwild aus – selbst starken Fabrikpatronen fehlen die letzen 15 – 25 % Energie auf 100 Meter.

Die größte Auswahl an Lever-Action-Modellen in hochwildtauglichen Kalibern bietet Marlin. Alle basieren auf dem System 1895 mit oben geschlossenem Gehäuse und seitlichem Auswurffenster. Die Kaliberpalette umfaßt neben der betagten .45-70 die Eigenkreationen .444 Marlin und .450 Marlin. Die genauen Zusatzbezeichnungen variieren je nach Kaliber, aber grundsätzlich produziert das Unternehmen zwei Basismodelle: Die Standardversion wird mit einem 560 mm-Lauf und einem Hinterschaft mit Pistolengriff ausgestattet. Mit auf 470 mm gekürztem Rohr und klassisch-geradem Kolbenhals hört die M 1895 auf die Bezeichnung Guide (Jagdführer) Gun.

Daß Marlin zumindest in den USA mehr Waffen in .45-70 absetzt als in .444 oder .450 Marlin, belegt bereits die umfangreichere Modellpalette. Stainless-Varianten verlassen das Werk bislang ausschließlich in .45-70, und in .444 Marlin wurde die handliche Guide-Gun-Version inzwischen vom Markt genommen – hier existiert nur noch das Standardmodell .444. Die Marlin-typischen „Micro-Grooves“ gehören bei den großkalibrigen Unterheblern seit wenigen Jahren der Vergangenheit an, weil sie teilweise nicht recht mit Bleigeschossen harmonieren. Inzwischen findet sich in allen 1895ern ein „Ballard“-Laufinnenprofil mit nunmehr nur noch sechs Zügen. Das eignet sich für Blei- und Mantelprojektile gleichermaßen.

In Sachen Präzision sollte man von den 1895ern keine Wunder erwarten: Mit einer vernünftigen Visierung oder einem Zielfernrohr bewegen sich die 100 m – Trefferbilder je nach Laborierung im Bereich von 4 – 8 cm. Angesichts von „Günstigsten Einschieß-Entfernungen“ (GEE) von 80 – 130 m je nach Lauflänge und Laborierung reicht die Präzision in der Praxis jedoch allemal.

Das originale Klappvisier taugt jedoch weder für das Scheibenschießen noch für die Drückjagd. Ersatz gibt es in Form der üblichen „Receiver Sights“ mit Lochkimme oder der kompakten Ghostring-Visierung von XS Sight (Import Helmut Hofmann GmbH). Der Montage einer reinrassigen Drückjagdvisierung, wie sie etwa Raetz oder Recknagel anbieten, steht natürlich auch nichts im Weg. Bei Zielfernrohren und ZF-Montagen gibt es bei dem geschlossenen Gehäuse der Marlin weder Montagekomplikationen noch mangelnde Auswahl an Systemen oder Gesteckteilen diverser Hersteller.

Eine Kaliberempfehlung fällt schwer: .444 und .450 Marlin bringen ab Werk zwischen 3500 und 4500 Joule Mündungsenergie. Das schaffen Fabrikpatronen in .45-70 nicht einmal annähernd – hier ist jedoch die Munitionsauswahl größer.

In Verarbeitung und Finish rangieren die Marlin-Büchsen eher im Bereich Zastava als in der Nähe von Serien-Repetierern von Firmen wie Sauer & Sohn oder Heym. Dafür gehört die Marlin 1895 zu den preiswertesten Repetierern in hochwildtauglichen Kalibern überhaupt – im Frankonia-Sortiment wird sie nur von CZ und einfachen „Mauser“-98-Umbauten unterboten.

Browning produziert seit 1969 mit der BLR eine Lever-Action-Büchse, die, vom Unterhebel abgesehen, mit einer Marlin oder Winchester nur noch wenige Gemeinsamkeiten teilt. Das beginnt bereits beim Verschluß: Im Systemgehäuse der BLR werkelt ein massiver Zylinder, dessen Drehkopf-Warzen vorn direkt im Lauf verriegeln. Anstelle eines Röhrenmagazins unter dem Lauf richtete Browning die BLR für ein herausnehmbares, zweireihiges Einsteckmagazin ein, das in Standardkalibern vier Patronen und in Magnumkalibern immer noch deren drei aufnimmt.

Durch die Kombination des stabilen, vorn verriegelnden Drehkopfverschlusses mit einem Mittelschaftmagazin lassen sich aus der Browning nicht nur Patronen mit Spitzgeschossen problemlos verschießen; die BLR verträgt zudem auch den Gasdruck konventioneller Jagdkaliber bis hin zu den modernen Short Magnums von Winchester.

Daß sich die BLR seit Jahrzehnten zwar solide, aber im Vergleich zu den Absatzzahlen von Winchester oder Marlin doch etwas unspektakulär verkauft, liegt nicht an mangelnder Qualität oder Fehlern im Design. Die BLR ist zwar ein Unterhebler, aber halt kein Western-Gewehr. Niemals hat Hollywood einem singenden Cowboy eine Browning in die Hand gedrückt, und hier fehlt einfach das Bild des furchtlosen Westernhelden oder Desperados, der mit zusammengekniffenen Augen und einer BLR in der Armbeuge Sätze wie „Head them off at the pass“ oder „Sie waren auf dem Weg nach Nogales“ zum Besten gibt. Wahrscheinlich vertreibt Browning die BLR in Europa deshalb auch wieder mit dem klassischen „englischen“ Kolben. Denn der noch vor kurzem auch in Europa angebotene Hinterschaft mit Pistolengriff ist zwar eigentlich praktischer, durch ihn verlor die BLR aber noch das letzte Quentchen Wildwest-Flair, und die Waffensilhouette wirkte optisch etwas hecklastig. Die Amerikaner sehen das nicht so eng, dort hat der Käufer die Wahl zwischen beiden Schaftformen.

Nach wie vor existiert das System in zwei Größen: Das Kurzsystem nimmt Patronen bis hin zu .308/.358 Win. und die WSM-Kaliber auf, alles Längere wandert in das große Gehäuse. Inzwischen verlassen sämtliche BLRs die japanischen Werkshallen ausschließlich mit Dural-Systemgehäusen. Dies hat zwar keinen wesentlichen Einfluß auf Stabilität oder Sicherheitsreserven der Konstruktion, aber viele Jäger bevorzugen halt die Balance sowie Unverwüstlichkeit eines Stahlsystems und ziehen eine Brünierung jeder noch so kratzfesten Eloxierung vor.

Wie bei sämtlichen Lever-Action-Gewehren von Browning liegt bei der BLR die Fertigung ebenfalls in den Händen der Firma Miroku; nur zwischen 1969 und 1973 produzierte Browning den Unterhebler in Belgien. Die beiden Testexemplare in 9,3 x 62 mm und .243 Winchester überzeugten mit durchweg sauberem Finish der Holz- und Metallteile sowie deren Passungen zueinander. Die Abzüge lösten nach kurzem Vorweg trocken, aber zu hart bei rund 2,5 Kilogramm aus. Regulär führt der Browning-Importeur Frankonia nur die Versionen in .308 Winchester und .30-06 im Katalog. Bei der 9,3er-Variante mit Stahlgehäuse handelte es sich um eine Spezialanfertigung von „The Duke“.

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WESTERNSCHIESSEN

Eine Möglichkeit für die in Deutschland erforderliche Bedürfnisbegründung nach einer Schußwaffe (in unserem Fall für ein Unterhebelrepetiergewehr, aber auch für eine Hahndoppelflinte) ist das sportliche Westernschießen, auch Cowboy Action Shooting genannt. In dessen Rahmen gibt es Bewerbe für alle möglichen Westernwaffen wie Single Action Revolver, Vorderladerrevolver, Derringers, Unterhebelrepetierbüchsen, Vorderschaftrepetierbüchsen, Doppelflinten (Coach Guns) etc., mit denen in der Regel auf Stahlziele geschossen wird.

Näheres darüber, wie diese Sparte des Schießsports beim Bund Deutscher Sportschützen (BDS) gehandhabt wird, findet ihr unter den Links BDS Western Schiessen undBDS-Westernschiessen. Üblich ist beim Westernschießen, daß Westernkleidung vorgeschrieben ist, wobei die Vorschriften je nach Klasse voneinander abweichen. Für Einsteiger genügen allerdings ein kariertes Hemd, ein Hut, Jeans und Stiefel.

Weitere Links dazu:
Westernhobby – Willkommen bei western-schiessen.de
Cowboy Action Shooting

WAFFENPFLEGE UND ZUBEHÖR

Wie schon in den bisherigen beiden „ballistischen“ Beiträgen beschrieben, sollte die Waffe immer wieder gereinigt werden, um Präzisionsminderung durch Verschmutzung der Züge mit Schmauch und Geschoßabrieb sowie Korrosion durch Verbrennungsrückstände zu vermeiden. Hierfür braucht man einen Büchsenputzstock im passenden Kaliberbereich, dessen Schaft im Griff drehbar gelagert sein sollte, damit das Reinigungsmittel (VFG-Filze oder Werg) dem Drall der Züge im Lauf folgen kann. Falls man sich die Fummelei mit dem Seidenwerg noch antun will, braucht man einen Werghalter, der auf das Putzstockende geschraubt wird, oder ansonsten einen VFG-Adapter und VFG-Reinigungsfilze, die es in allen möglichen Kalibern ab .22 gibt (in Plastikdosen zu 80 Stk. oder in kostengünstigeren Beuteln zu 500 Stk.).

Diese steckt man auf den VFG-Adapter, taucht sie in Waffenöl (z. B. Break Free) und schiebt sie nach Entfernen des Waffenverschlusses von hinten durch den Lauf, ersetzt sie durch frische Filze und wiederholt die Prozedur. Wichtig ist, daß Waffenläufe nach Möglichkeit vom Patronenlager zur Mündung hin gereinigt werden sollen! Hierfür muß der Verschluß entfernt werden, was z. B. bei den 1894er-Marlins recht leicht geht, wie am Bild unten zu sehen: Verschluß öffnen, Schraube aus dem Gelenk des Unterhebels drehen, Unterhebel entfernen, Verschluß nach hinten aus dem Systemgehäuse ziehen und den gefederten Auszieher (im Bild oberhalb des Gehäuses zu sehen) nach rechts aus seiner Nut in der linken Gehäusewand fallen lassen.

Beim Zusammensetzen verfährt man umgekehrt: zuerst den Auszieher wieder in seine Nut einsetzen, und zwar so, daß das kleine Zäpfchen in der Bohrung der linken Gehäuseflanke steckt. Dann schiebt man den Verschluß wieder etwa so weit ein, daß dessen Vorderende ungefähr mittig über der Ladeklappe steht. Jetzt stochert man mit dem Unterhebel von unten in den Verschluß hinein, steckt die Schraube wieder durch die Bohrungen, und wenn der Verschluß beim Schließen des Hebels nach vor geht, paßt’s, und man kann die Schraube festziehen. A propos: Den festen Sitz der Schraube ganz vorn an der Gehäuseunterseite sollte man ab und zu kontrollieren; wenn sie locker ist, kann es Zuführstörungen geben. Bei anderen Systemen kann die Entfernung des Verschlusses anders auszuführen sein.

Eine Alternative zur Reinigung mittels Putzstock sind Reinigungsschnüre wie z. B. „Hoppe’s BoreSnake“ (im Kaliber .22 um € 19,95) oder „QuickClean“ in ähnlicher Preislage. Diese sind waschbar und eignen sich gut für die unkomplizierte Reinigung „im Felde“ und um Waffen von hinten her zu reinigen, bei denen kein Putzstock von hinten durchgeschoben werden kann. Bei diesen fädelt man das schlanke Gewicht am dünnen Vorderteil der Schnur bei geöffnetem Verschluß durch das Patronenauswurffenster und läßt es durch den Lauf bis zur Mündung gleiten, worauf man die Reinigungsschnur durchziehen kann. Der Großhändler Helmut Hofmann bietet nun auch eine Laufreinigungsschnur aus deutscher Produktion an: den BoreBlitz. Dieser besteht aus einer Zugschnur und einem synthetischen Textilkörper, in den vier Reinigungselemente eingewoben sind. Zwei Schwämme können verschiedene Reinigungsflüssigkeiten aufnehmen, und zwei an den Laufinnendurchmesser angepaßte Gummikugeln sorgen dafür, daß die Schnur den Lauf beim Reinigungsvorgang trockenwischt. Das soll Ölschüsse ausschließen. Das Reinigungsgerät kommt ohne jegliche Bürsten aus und soll den Lauf effektiv, aber schonend säubern. Zum leichteren Durchziehen liegt ein Handgriff bei. Den BoreBlitz gibt es in vielen Größen vom .22er Büchsen- bis zum 12er Schrotkaliber. Um Verwechslungen zu vermeiden, besitzt jedes Kaliber eine eigene Farbkombination. Der BoreBlitz kostet im (deutschen) Fachhandel einschließlich eines wieder verschließbaren Plastikbeutels zwischen € 19,95 und € 21,95. Wer noch zwei Euro drauflegt, erhält ein Fläschchen mit 15 ml einer speziellen Reinigungs-, Schmier- und Konservierungsflüssigkeit dazu. Infos: http://www.helmuthofmann.de/.

Die beste Reinigungswirkung erzielt man, wenn man noch auf dem Schießstand eine Vorreinigung des noch warmen, aber nicht mehr heißen Laufs vornimmt. Dieser ist dann bis zur Hauptreinigung zu Hause durch einen Ölfilm geschützt, der bis dahin Rückstände lösen kann. Bei Faustfeuerwaffenkalibern ist die Ablagerung von Geschoßabrieb wegen der geringeren Kraft, mit der die Geschosse durch den Lauf getrieben werden, nicht so stark wie bei Büchsenpatronen. Ab und zu sollte man diesen Tombak- bzw. Bleiabrieb jedoch entfernen. Da dieser vom Waffenöl nicht gelöst wird, braucht man hierfür entweder Bronzebürsten für das jeweilige Kaliber, die statt des VFG-Adapters auf den Putzstock geschraubt werden, oder man taucht Reinigungsfilze in ein spezielles Laufreinigungsmittel wie z. B. Robla Solo und schiebt sie durch den Lauf, nachdem man diesen mit trockenen Filzen von Öl gesäubert hat. Kupfer und seine Legierungen (z. B. Tombak) geht blau in Lösung und erzeugt eine entsprechende Verfärbung auf den Reinigungsfilzen, Blei löst sich farblos. Nach der Reinigung mit Robla Solo wischt man den Lauf mit ein paar trockenen Filzen wieder sauber und schiebt ein paar geölte Filze durch.

Bei der Verwendung von Robla Solo ist zu beachten, daß dieses Mittel sehr aggressiv ist und Kupfer, Kupferlegierungen (Messing, Tombak, Bronze) sowie Brünierungen angreift, blankem Stahl jedoch nicht schadet. AKTUALISIERUNG: Bezüglich dem, was ich in der bisherigen Fassung über Präzisionsbeeinträchtigungen durch Robla Solo geschrieben habe, muß ich dieses Reinigungsmittel aufgrund von Erkenntnissen rehabilitieren, die ich neulich gewonnen habe. Bei meinem Marlin 1894, der früher recht genau schoß, hatte ich vor längerem eine unerklärliche Verschlechterung der Präzision bemerkt und aufgrund von Aussagen eines Schützenkameraden dem Robla Solo zugeschrieben. Zwar ist mir schon im Neuzustand aufgefallen, daß dieses Gewehr sehr seichte Züge hat, aber das hielt ich mangels Vergleichsmöglichkeit für ein normales Merkmal der feinen „Micro-Grooves“ von Marlin, zumal die Präzision ja zunächst noch ausgezeichnet war. Da die Züge inzwischen jedoch kaum mehr zu erkennen waren, stellte ich einen Vergleich mit einem Gewehr desselben Modells aus dem Besitz eines Schützenkollegen an, und siehe, dessen Züge sind viel ausgeprägter, als sie es bei meinem Gewehr je waren! Bei diesem müssen die Züge infolge eines Fertigungsfehlers (mexikanischer Mitarbeiter oder durch Lohndrückerei und Ausnutzerei frustrierter weißer Amerikaner?) viel zu wenig tief eingeschnitten worden sein, und solange es noch relativ neu war, sorgten die scharfen Feldkanten und die strammere Führung des Geschosses in dem engeren Laufquerschnitt trotzdem für ordentliche Präzision. Diese stramme Führung muß jedoch, weil weniger Material in die Züge hinein ausweichen konnte, bei den erhöhten Feldern und deren Kanten einen verstärkten Verschleiß bewirkt haben. Außerdem hatte ich das Gewehr zweimal zu Büchsenmachern gegeben, um ein Zielfernrohr montieren bzw. Arbeiten an der offenen Visierung ausführen zu lassen, und in beiden Fällen war das Gewehr nach dem Einschießen mit Patronen der Marke Magtech wochenlang nicht gereinigt worden, ehe ich es zurück erhielt, und irgend etwas an den Verbrennungsrückständen dieser Patronen muß sehr korrosiv sein, denn jedes Mal gab es Rostansatz im Lauf, der erst nach mehrmaligem Schießen und Reinigen wieder weg war. Das muß einen zusätzlichen Materialabtrag an den Feldern und besonders deren Kanten zur Folge gehabt haben. Jetzt ist das Ding nur noch eine Art Unterhebelrepetierflinte für 9-mm-Flintenlaufgeschosse.

Fabrikationsfehler bei der Laufherstellung sind übrigens etwas, auf das man bei Marlin-Gewehren offenbar achten muß: Ein Schützenkamerad hatte sich einmal einen Marlin Camp Carbine M9 gekauft, der recht unpräzise schoß. Es stellte sich heraus, daß der Lauf auf den letzten 3 – 4 Zentimetern vor der Mündung überhaupt keine Züge mehr aufwies! Daraufhin ließ der Schützenkamerad den Lauf um 4 cm kürzen und die Mündung neu ansenken, aber die Präzision wurde trotzdem nicht viel besser, weshalb er das Gewehr wieder zurückgab. Andere Camp Carbines schossen wieder recht präzise. Beim Kauf meines Marlin-Unterheblers fiel mir übrigens auf, daß ein anderes der drei in dem Laden angebotenen Exemplare verschobene Fischhautmuster am Vorderschaft aufwies: auf der einen Seite war die Fischhaut zu tief angebracht, auf der anderen zu hoch. Man sollte sich Gewehre von Marlin also vor dem Kauf genau auf solche Fertigungsfehler hin ansehen.

Gehörschützer
Der Schußknall von Gewehren in Faustfeuerwaffenkalibern läßt sich im Freien oder bei sich ins Freie öffnenden Schießständen einigermaßen ohne Gehörschutz aushalten, weshalb man im „Einsatzfall“ ohne einen solchen auskommt. Allerdings ist auf auch mit dem Schußknall der Standnachbarn zu rechnen, abgesehen davon, daß dort die Verwendung von Gehörschützern normalerweise vorgeschrieben ist. Preisgünstige, einfache Gehörschützer ohne eingebaute Mikrofone und Lautsprecher wären z. B. Peltor Bulls Eye (€ 26,–) oder Bilsom Leightning LOF (€ 27,50). „Hörende“ elektronische Ausführungen, die normale Geräusche über eingebaute Mikrofone und Lautsprecher an den Schützen weitergeben, Impulslärm jedoch sofort abblocken, wären für die Kommunikation auf dem Schießstand vorteilhaft, sind aber teuer. Der Bilsom Impact Sport kostet z. B. € 135,–, der Peltor SportTac Jagd € 150,– und der Sordin Supreme Pro € 199,–. Hier muß der Schütze selber entscheiden, ob ihm der Komfort auf dem Schießstand diesen Mehraufwand wert ist.

Patronengurte
Hier kommt es darauf an, ob man beim Westernschießen mitmachen will (und daher regelkonform westernmäßige Ausrüstung braucht) oder sich bloß für Verteidigungsfälle rüsten will. Von Frankonia gäbe es einen Patronengürtel für das Kaliber .45-70 Government, der aus einem hellen Gewebe besteht, das auf einen schwarzen Lederkern aufgezogen ist und der dem Foto nach etwa 50 Patronen aufnehmen dürfte. Preis: € 109,00. Dieser Patronengürtel dürfte sich auch für die Kaliber .444 Marlin und .44-40 Winchester eignen, während die .45 Colt wegen des schmalen Randes und die .44 Magnum wegen des hinten zu schlanken Hülsenkörpers vielleicht zu tief in die Schlaufen rutschen könnten. Von Uncle Mike’s gibt es ebenfalls Patronengürtel (aus Cordura) für verschiedene Kaliber.

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LINKS:

Bisher in unserer Reihe Krisenvorsorge erschienen:

Orkspalter: Äxte, Beile, Tomahawks von mir
Teilchenbeschleuniger, ein Flintenratgeber von mir
Büchsen-Licht (1): Kleinkalibergewehre von mir
Büchsen-Licht (3): Militärische Mausergewehre von mir
Büchsen-Licht (4): Lee-Enfield-Gewehre von mir
Büchsen-Licht (5): Preisgünstige Zentralfeuerbüchsen von mir
Büchsen-Licht (6): Mosin-Nagant-Gewehre von mir
Büchsen-Licht (7): Steyr-Mannlicher „Scout“ von mir
Büchsen-Licht (8): Springfield M 1903, MAS 1936 und Schweizer K 31 von mir

Kleine Krisenvorsorge von mir
Soziale Krisenvorsorge von Kairos
Ohne Waffen von Kairos
Kommt die Krise? von Kairos
Improvisierte Organisation von Kairos
Überlegungen zum Verhalten bei Katastrophen von einem unbekannten Autor, der darin seine Erfahrungen mit der Katrina-Katastrophe von New Orleans und seine darauf beruhenden Überlegungen schildert
Ins Herz des Kometen von Arthur Charles Clarke, mit einer Ergänzung von mir
Haben wir schon verloren? von Dunkler Phönix

Weitere in diesem Zusammenhang interessante Artikel:

Vereinsgründung: Bürgerinitiative Sicherheit von Dunkler Phönix
Wissen bewahren von Osimandia
Vorbereitung auf Ragnarök von Fjordman
Den kommenden Crash überleben von Fjordman
Charlton Heston über Waffenbesitz und Political Correctness
Selbstverteidigung ist Menschenrecht von Gerhard Kehr
Suomi KP/-31: Die Mähmaschine von Tikkakoski von P. T. Kekkonen

Die Maschinenpistole MP 40/I im scharfen Schuß von Robert Bruce

Interessante Webseiten:

Steyr Scout Tactical Rifle
Pulverdampf – das österreichische Waffenforum (siehe auch Blogroll)
Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich (IWÖ)
proTell – Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht
Liberales Waffenrecht, ein deutscher Waffen-Blog
The Box O’Truth – ein amerikanischer Waffenblog mit vielen Praxistips (siehe auch Blogroll)
British ARmy Rumour SErvice (ARRSE): http://www.arrse.co.uk/

Waffenzeitschriften:
Deutsches Waffen Journal (DWJ)
VISIER – Das internationale Waffen-Magazin
caliber

Zum Schluß noch ein aufschlußreiches Zitat:

„Das Waffengesetz ist nicht dazu da, Kriminalität zu bekämpfen. Dafür haben wir ein Strafrecht und gut ausgebildete Polizistinnen und Polizisten.“

(Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im Interview mit der IWÖ zum neuen Waffengesetz auf die Frage, ob die Gewaltkriminalität seit der letzten Verschärfung des Waffengesetzes 1996 gesunken oder gestiegen ist. Alles klar? Siehe auch Dr. Georg Zakrajseks Beitrag Drei Interviews in seinen „Querschüssen“.)

9 Kommentare »

  1. Wie wir alle wissen, sind viele Kriminelle bewaffnet, ohne einen Waffenschein zu besitzen. Was natürlich illegal und auch strafbar ist. Es stellt sich trotzdem die Frage, wo und wie diese Leute an ihre Waffen kommen?

    Kommentar von Mike — 28. November 2011 @ 22:22

  2. Vor kurzem hat es endlich mal eine offizielle Äußerung darüber gegeben, wann nun dieses neue Waffengesetz 2010 in Österreich in Kraft treten und die zentrale elektronische Waffenregistrierung beginnen soll:

    „Ab Herbst dieses Jahres sollen alle Schußwaffen registriert werden“, sagte der jüdische ORF-Nachrichtensprecher Eugen Freund in der „Zeit im Bild“, was bedeutet, daß das sichere Zeitfenster für das Einkaufen ohne Registrierung maximal noch bis August offen ist. Das sollte man nutzen, um spätestens mit dem Urlaubsgeld in Metalle zu investieren, die noch mal sehr viel wert sein dürften.

    Seltsamerweise hieß es in dem ORF-Beitrag, daß alle Waffen „bis 2015“ zentral registriert sein sollen, wo doch die EU-Waffenrichtlinie den 30. Juni 2014 als Fristende hierfür vorsieht. Entweder ist das eine Ungenauigkeit oder Unrichtigkeit seitens des ORF, oder die für Österreich zuständige NWO-Gutsverwaltung sieht sich jetzt schon außerstande, das früher zu schaffen.

    In dem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, daß Kanada mit einem ähnlichen Waffenregistrierungsprojekt aufgehört und am 15. Februar 2012 das entsprechende Gesetz aufgehoben hat, weil es einfach nicht funktioniert hat. Die Kosten sind von den ursprünglich angenommenen 2 Millionen kanadische Dollar auf 2 Milliarden explodiert, also aufs Tausendfache!
    Wer also überlegt, seine Waffen zu melden, sollte damit zumindest bis zum letztmöglichen Zeitpunkt warten. Wer weiß, ob man das Ganze bei uns nicht ebenfalls aufgeben wird müssen, wobei ich aber nicht glaube, daß man bis dahin schon erfaßte Registrierungsdaten dann wieder löschen wird.
    Und nicht vergessen: In Deutschland gibt es seit einiger Zeit Versuche, eine Waffensteuer einzuführen, wobei Beträge von bis zu € 300,– pro Waffe und Jahr im Gespräch sind, und wenn es die einmal gibt, dann ist es – vor allem in Zeiten knapper Staatskassen – leicht möglich, daß das in ähnlicher Form auch für Österreich übernommen wird, sobald einmal alles brav gemeldet ist!

    Kommentar von Deep Roots — 7. Mai 2012 @ 17:29

  3. Zwei aufschlußreiche Beiträge in Georg Zakrajseks „Querschüssen“ (alles Weitere von dort):

    Wann kommt das neue Waffengesetz?

    Im Jahr 2010 wurde es beschlossen. Damals wollte man es im Jahr 2012, so um die Mitte herum, in Kraft setzen. Hat nicht funktioniert.

    Nur so nebenbei: Die seltsame Konstruktion, die man im Waffengesetz gewagt hat, nämlich, daß das Gesetz im Nationalrat beschlossen wird, aber vom Innenministerium in Kraft gesetzt werden soll, ist schwer verfassungswidrig. Scheint aber keinen zu stören. Beim Waffengesetz ist eben alles möglich, auch daß eine Verwaltungsbehörde – das Innenministerium – ein Gesetz in Kraft setzt. Auch gesetzlich vorgesehene Enteignungen per Verordnung sind anscheinend kein Problem. Egal.

    Also: Mitte 2012 klappt nicht. Jetzt hat ein Vertreter des Ministeriums öffentlich verkündet, daß man das Gesetz erst am 1. Oktober 2012 in Kraft setzen wird.

    Skepsis ist angebracht. Immerhin hat das Ministerium jetzt mehr als zwei Jahre am elektronischen Registrierungssystem herumgewurschtelt und ganz reibungslos funktioniert es immer noch nicht, wie man bei der Präsentation am 15. Mai gesehen hat.

    Wir nehmen einmal den 1. Oktober als angesagt hin. Ob es wirklich klappt, weiß man noch nicht. Immerhin hat der österreichische Gesetzgeber das Kunststück zusammengebracht, vor dem Inkrafttreten des Waffengesetzes eine Novelle zu demselben auf den Weg zu schicken, die derzeit als Regierungsvorlage herumgammelt und wahrscheinlich bis 1. Oktober nicht beschlossen werden kann.

    Auch schon egal. Der haarsträubende EU-Pfusch nebst hausgemachtem Pallawatsch rund ums Waffengesetz ist ohnehin schon kabarettreif. Betroffen davon sind etwa eine Million rechtschaffener Österreicher, die vielleicht bei der nächsten Wahl ihren Unmut darüber artikulieren werden.

    Und wann kommt die nächste Richtlinie?

    Die EU-Waffenrichtlinie ist gemeint. Wie meine Leser wissen oder wissen sollten, wurde in der Waffenrichtlinie 2008 beschlossen, daß 2012 evaluiert werden soll und zwar in der Hinsicht, daß man damit die Waffenkategorien C und D einfach abschaffen möchte. Das ist 2008 nicht gelungen und das soll jetzt durchgezogen werden.

    Das wird still und heimlich ablaufen, diskutiert soll, wenn möglich, darüber nicht werden. Deshalb wurde die erste Besprechung zu diesem Problemkreis auf den 28. 7. 2012 gelegt, zu einem Zeitpunkt, wo in Brüssel überhaupt niemand mehr vom Parlament vorhanden ist. Sommerferien. Und wenn die aus sind, soll schon alles über die Bühne gegangen sein.

    Eine gute Strategie. Wenn der es IWÖ nicht gelingt, vorher EU-Parlamentarier zu mobilisieren, die dagegen auftreten, schaut es wirklich schlecht aus für unsere Waffen. Und welche Parlamentarier das sein können, ist nicht schwer zu erraten, welche es nicht sein werden, auch.

    Was bedeutet es, wenn die Kategorien C und D gestrichen werden?

    • Dann gibt es nur mehr die Kategorien A – verboten und B – genehmigungspflichtig.
    • Man braucht für die nunmehr (relativ) freien C- und D-Waffen, also die klassischen Jagd- und Sportwaffen jeweils Waffenbesitzkarten oder Waffenpässe.
    • Es ist zum Erwerb auch ein Psychotest und ein Waffenführerschein erforderlich (Jäger vielleicht noch ausgenommen).
    • Es gilt natürlich auch die Stückzahlbeschränkung, man darf dann nicht mehr als 2 Waffen erwerben und besitzen.
    • Es gelten verschärfte Verwahrungsbestimmungen und Kontrollen.

    Wenn die Richtline wie zu erwarten 2012 geändert wird, muß sie in Österreich bis 2014 umgesetzt werden. Genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die Registrierung der C- und D-Waffen abgeschlossen sein soll. Ist doch elegant gelöst – fertig registrieren und dann gleich einkassieren.

    Ich bin wieder einmal ein Prophet und Propheten sind unbeliebt. Leider haben sie aber meistens recht.

    Godzilla kommt noch heuer
    Die neue Richtlinie ist der Godzilla, der nach dem schönen Editorial im „Weidwerk“ nicht kommen soll. Nun wird er heuer im Sommer ins Leben gerufen. Ich bin gespannt, ob ich in Brüssel Aktivitäten der österreichischen Jägerschaft bemerken werde. Ich bin jedenfalls dort.

    Kommentar von Deep Roots — 24. Mai 2012 @ 13:13

  4. Ich habe diesen Artikel heute um einen Testbericht der Marlin M 444 XLR aus VISIER 5-2008 erweitert (gleich unter dem Abschnitt über die Winchester 94 Big Bore Timber Carbine in .444 Marlin).

    Kommentar von Deep Roots — 18. Juni 2012 @ 18:04

  5. Ich habe diesen Artikel soeben um Erkenntnisse aktualisiert, die ich kürzlich bezüglich der unerklärlichen Präzisionsverschlechterung meines Marlin 1894 CS gewonnen hatte und durch die das Laufreinigungsmittel Robla Solo wieder rehabilitiert wurde.
    Siehe im Abschnitt “Waffenpflege und Zubehör” die beiden Absätze vor “Gehörschützer”.
    Ich werde auch die anderen Büchsen-Licht-Beiträge auf eventuelle Erwähnungen dieses Robla-Problems durchsehen und gegebenenfalls korrigieren.

    Kommentar von Deep Roots — 5. Oktober 2012 @ 18:48

  6. Deep Roots, es gibt noch eine mögliche Erklärung für die Präzisionsverminderung deines 1894CS. Manche Munitionshersteller verladen bei billiger Munition Geschosse mit verkupfertem Flußeisenmantel. Dadurch kann der Lauf auch stärker abgenutzt werden. Ich hab aber in letzter Zeit keine Geschosse mit Flußeisenmantel bekommen, dies bedeutet aber nicht, dass noch Restbestände verkauft wurden.

    Kommentar von Antisozialist — 18. Februar 2013 @ 19:16

  7. Danke für den Hinweis, Antisozialist!
    Ich habe damit meistens Magtech-Teilmantel geschossen, und wie ich soeben mittels Lautsprechermagnet festgestellt habe, sind deren Mäntel nicht aus Eisen. Und die Geco Metal Piercing (die mit den Kegelspitzgeschossen), die Stahlmäntel beitzen, habe ich kaum daraus verschossen (falls überhaupt jemals), weil sie sich wegen des Röhrenmagazins für so eine Waffe nicht eignen.

    Nein, wie ich oben schrieb, dürfte der Lauf dieses Exemplars von Anfang an zu seichte Züge gehabt haben, was mir erst durch den Vergleich mit dem Marlin meines Schützenkollegen klar wurde. Marlins sollte man sich einfach vor dem Kauf genau ansehen. Findet man einen ohne Fertigungsmängel, dann hat man ein recht brauchbares Gewehr erwischt, ansonsten Finger weg.

    Kommentar von Deep Roots — 19. Februar 2013 @ 18:57

  8. Deep Roots, es war nur so ein Gedanke. Da es sich bei Marlin um ein klassisches US Produkt handelt und amerikanische Laufhersteller meist nur auf amerikanische Geschoßhersteller Rücksicht nehmen, die schon lange keine Geschosse mit Flußeisenmantel mehr herstellen, lag der Schluß für mich nahe.

    Von den Qualitätsproblemen bei Marlin habe ich auch schon mehrmals gelesen. Deshalb habe ich mir schon mehrere 336C angesehen und konnte bei einigen eine “schiefe” Kornaufnahme feststellen. Der Schloßgang ist auch unterschiedlich. Die Gewehre müssen eben beim Kunden “nachreifen”, wie russische Autos. Vielleicht schaue ich mir noch die Produkte von Rossi an.

    Kommentar von Antisozialist — 19. Februar 2013 @ 19:54

  9. […] auch Deep Roots mit seinen Artikeln zur sinnvollen Bewaffnung sowie er und Kairos mit Artikeln zur Krisenvorsorge  (gesammelte Texte zum Thema am Ende des Artikels) haben das […]

    Pingback von Wissen bewahren | In Dir muß brennen... — 25. Mai 2014 @ 18:21


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