As der Schwerter

15. Februar 2012

Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

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Von Prof. Kevin MacDonald, übersetzt von Deep Roots. Das Original „The Culture of Critique“ erschien 1998 bei Praeger Publishers und die mir vorliegende Paperback-Ausgabe 2002 bei 1st Books Library (ISBN 0-7596-7222-9). Ich erhebe keinen Anspruch auf eine wie auch immer geartete Vergütung für die Verwendung dieser Übersetzung durch den Verfasser, Professor Kevin MacDonald, für eine Veröffentlichung in Buchform oder in irgendeiner sonstigen Weise.

(I will not claim any reward whatsoever from the author, Professor Kevin MacDonald, should he publish this translation in printed or any other form)

Zuvor veröffentlicht: Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald

Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe

The Culture of Critique (im folgenden CofC genannt) wurde ursprünglich 1998 von Praeger Publishers veröffentlicht, einer Verlagsmarke von Greenwood Publishing Group, Inc. Die These des Buches ist in der Tat schwierig – schwierig nicht nur, weil sie schwierig zu beweisen ist, sondern auch weil sie viele fundamentale Annahmen über unsere zeitgenössische intellektuelle und politische Existenz in Frage stellt.

CofC beschreibt, wie jüdische Intellektuelle während des 20. Jahrhunderts eine Anzahl wichtiger intellektueller und politischer Bewegungen in Gang setzten und förderten. Ich behaupte, daß diese Bewegungen Versuche sind, die westlichen Gesellschaften in einer Weise zu verändern, die den Antisemitismus neutralisiert oder ihm ein Ende setzt und die Aussichten für den Fortbestand der Juden als Gruppe, entweder in offener oder halb-kryptischer Weise, verbessert. Mehrere dieser jüdischen Bewegungen (z. B. die Verschiebung bei der Einwanderungspolitik zugunsten nichteuropäischer Völker) haben versucht, die Macht ihrer vermeintlichen Konkurrenten zu schwächen – der europäischen Völker, die am Anfang des 20. Jahrhunderts eine dominante Position nicht nur in ihren traditionellen Heimatländern in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien eingenommen hatten. Auf theoretischer Ebene werden diese Bewegungen als das Ergebnis von Interessenkonflikten zwischen Juden und Nichtjuden bei der Interpretation der Kultur und in verschiedenen Fragen der öffentlichen Politik betrachtet. Letztendlich werden diese Bewegungen als Ausdruck einer gruppenevolutionären Strategie der Juden in ihrem Konkurrenzkampf mit Nichtjuden um gesellschaftliche, politische und kulturelle Dominanz betrachtet.

Ich versuche hier, einige typische Kritiken zu beantworten, die gegen CofC vorgebracht worden sind. (Siehe auch meine Webseite: www.csulb.edu/~kmacd). Ich behandle auch Fragen, die von mehreren Büchern aufgeworfen wurden, die seit der Veröffentlichung von CofC erschienen sind.

Es hat Beschwerden gegeben, daß ich das Judentum in monolithischer Weise betrachte. Dies ist definitiv nicht der Fall. Vielmehr ist meine Methodologie bei jeder Bewegung, die ich behandle, folgende gewesen:

1) Einflußreiche, von Juden dominierte Bewegungen zu finden, ohne Implikation, daß alle oder die meisten Juden an diesen Bewegungen beteiligt sind, und ohne Einschränkung der Art dieser Bewegungen. Zum Beispiel streife ich den jüdischen Neokonservatismus, der in mancher Weise eine Abweichung von den anderen Bewegungen ist, die ich bespreche. Im Allgemeinen waren an den meisten dieser Bewegungen relativ wenige Juden beteiligt, und eine erhebliche Zahl von Juden hat nichts von deren Existenz gewußt. Sogar der jüdische Linksradikalismus – sicherlich die verbreitetste und einflußreichste jüdische Subkultur des 20. Jahrhunderts – ist vielleicht die meiste Zeit eine Minderheitsbewegung innerhalb der jüdischen Gemeinschaften in den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Gesellschaften gewesen. Infolgedessen kritisiere ich, wenn ich diese Bewegungen kritisiere, nicht notwendigerweise die meisten Juden. Trotzdem waren diese Bewegungen einflußreich, und sie waren jüdisch motiviert.

2) Zu bestimmen, ob die jüdischen Teilnehmer an jenen Bewegungen sich als Juden identifizierten UND ihre Mitwirkung an der Bewegung für eine Förderung jüdischer Interessen hielten. Die Mitwirkung mag unbewußt oder mit Selbsttäuschung verbunden gewesen sein, aber meistens war es recht leicht und unkompliziert, Beweise für diese Thesen zu finden. Wo ich dachte, daß Selbsttäuschung eine Rolle spielte (wie im Fall vieler jüdischer Radikaler), lieferte ich Beweise, daß sie sich in Wirklichkeit als Juden identifizierten und daß sie trotz eines gegenteiligen oberflächlichen Anscheins sehr um jüdische Belange besorgt waren. (Siehe auch Kapitel 1 von CofC.)

3) Zu versuchen, den Einfluß dieser Bewegungen auf die nichtjüdische Gesellschaft zu ermessen. Bedenken Sie, daß der Einfluß einer von Juden dominierten intellektuellen oder politischen Bewegung unabhängig vom Prozentanteil der jüdischen Gemeinschaft ist, der an der Bewegung beteiligt ist oder diese unterstützt.

4) Zu zeigen versuchen, wie Nichtjuden auf diese Bewegungen reagierten – waren sie zum Beispiel eine Quelle des Antisemitismus?

Mehrere der Bewegungen, die ich behandle, sind in den Sozialwissenschaften sehr einflußreich gewesen. Ich behaupte jedoch nicht, daß es keine Juden gibt, die gute Sozialwissenschaft betreiben, und tatsächlich liefere ich eine Liste prominenter jüdischer Sozialwissenschaftler, auf die meiner Meinung nach nicht die oben unter 2) umrissenen Punkte zutreffen (siehe Kapitel 2 von CofC). Falls es Beweise gegeben hätte, daß diese Sozialwissenschaftler sich als Juden identifizierten und bei ihrer sozialwissenschaftlichen Tätigkeit eine jüdische Agenda hatten (was bei den meisten der Aufgelisteten definitiv nicht der Fall war, aber möglicherweise im Fall von Richard Herrnstein zutraf – siehe unten), dann wären sie Kandidaten für die Aufnahme in dieses Buch gewesen. Die Leute, die ich als zu evolutionären/biologischen Perspektiven beitragend anführe, sind tatsächlich ethnische Juden, aber bei den meisten habe ich keine Ahnung, ob sie sich entweder als Juden identifizieren oder bei ihren Forschungsarbeiten eine jüdische Agenda haben, einfach weil in ihrer Arbeit oder anderswo keine Beweise dafür zu finden sind. Falls es Beweise dafür gibt, daß ein prominenter Evolutionsbiologe sich als Jude identifiziert und seine Arbeit in der Soziobiologie oder Evolutionspsychologie als Förderung jüdischer Agenden betrachtet, dann sollte er oder sie als Beispiel für das untersuchte Phänomen in CofC enthalten sein statt einfach als Wissenschaftler, der auf dem Gebiet der Evolutionswissenschaften arbeitet.

Interessanterweise schreibt Alan Ryan (1994, S. 11) im Fall von einem derer, die ich erwähne, Richard J. Herrnstein: „Herrnstein wünscht sich im Grunde die Welt, in der kluge Judenkinder oder deren Äquivalent es schaffen, aus ihrem bescheidenen Hintergrund herauszukommen und schließlich Goldman Sachs oder die physikalische Fakultät von Harvard leiten.“ Dies ist eine Haltung, die, wie ich annehme, für den Neokonservatismus typisch ist, eine jüdische Bewegung, die ich an mehreren Stellen behandle, und es ist etwas von der Art, das, falls es stimmt, nahelegen würde, daß Herrnstein die in The Bell Curve behandelten Themen wirklich jüdische Interessen in einer Weise berührend sah, wie es sein Mit-Autor Charles Murray nicht sah. (Ryan stellt die Weltsichten von Murray und Herrnstein einander gegenüber: „Murray wünscht sich den Mittelwesten, in dem er aufwuchs – eine Welt, in der es den örtlichen Mechaniker keine zwei Cents kümmerte, ob er klüger war als der örtliche Mathelehrer oder nicht.“) In ähnlicher Weise erfüllt die theoretische Physik des 20. Jahrhunderts nicht die Kriterien einer jüdischen intellektuellen Bewegung, eben weil es gute Wissenschaft war und es keine Anzeichen dafür gibt, daß Ethnisches an ihrer Schaffung beteiligt war: Die Identifikation als Jude und das Verfolgen jüdischer Interessen waren nicht wichtig für den Inhalt der Theorien oder für das Verhalten der intellektuellen Bewegung. Und doch sind Juden in den Reihen der theoretischen Physiker stark überrepräsentiert gewesen.

Diese Schlußfolgerung bleibt zutreffend, obwohl Einstein, die Führungsgestalt unter den jüdischen Physikern, ein stark motivierter Zionist war (Fölsing 1997, S. 494 – 505), Assimilation als verachtenswerte Form von „Mimikry“ ablehnte (S. 490), es vorzog, sich unter andere Juden zu mischen, die er als seine „Stammesgefährten“ bezeichnete (S. 489), die für so viele Juden während der 1920er und 1930er typische unkritische Unterstützung des bolschewistischen Regimes in Rußland begrüßte, einschließlich beharrlicher Rechtfertigung der Moskauer Schauprozesse in den 1930ern (S. 644 – 645), und von einem hochgesinnten Pazifismus während des Ersten Weltkrieges, als jüdische Interessen nicht auf dem Spiel standen, zur Befürwortung des Baus von Atombomben wechselte, um Hitler zu besiegen. Von seinem Teenageralter an hatte er eine Abneigung gegen die Deutschen, und in seinem späteren Leben kritisierte er jüdische Kollegen, die zum Christentum übertraten und sich wie Preußen benahmen. Er hatte eine besondere Abneigung gegen Preußen, die die ethnische Elitegruppe in Deutschland waren. Im Alter von 73 auf sein Leben zurückblickend, brachte Einstein seine Volkszugehörigkeit unmißverständlich zum Ausdruck: „Meine Beziehung zum Judentum ist zu meiner stärksten menschlichen Bindung geworden, sobald ich völlige Klarheit über unsere prekäre Position unter den Nationen erlangt hatte“ (in Fölsing 1997, S. 488). Laut Fölsing hatte Einstein diese Klarheit schon in frühen Jahren entwickelt, gestand sie sich aber erst viel später ein, eine Form des Selbstbetrugs: „Als junger Mann mit bourgeois-liberalen Ansichten und einem Glauben an die Aufklärung hatte er sich geweigert, sich seine jüdische Identität einzugestehen“ (in Fölsing 1997, S. 488).

In anderen Worten, die Fragen der ethnischen Identifikation und sogar des ethnischen Aktivismus seitens Leuten wie Einstein sind gänzlich getrennt davon, ob solche Leute den Inhalt der Theorien selbst als ethnischen Interessen förderlich sahen, und im Fall von Einstein gibt es keinen Beweis dafür, daß er es so sah. Dasselbe kann man nicht von Freud, den New Yorker Intellektuellen, den Boasianern und der Frankfurter Schule sagen, bei denen „wissenschaftliche“ Theorien gestaltet und eingesetzt wurden, um ethnische Gruppeninteressen zu fördern. Die ideologische Absicht wird klar, wenn die unwissenschaftliche Natur dieser Bewegungen verstanden wird. Vieles von der Behandlung in CofC dokumentierte die intellektuelle Unehrlichkeit, den Mangel an empirischer Sorgfalt, die offensichtliche politische und ethnische Motivation, den Ausschluß von Abweichlern, die Absprache unter Volksgenossen, um den intellektuellen Diskurs zu beherrschen, und den allgemeinen Mangel an wissenschaftlichem Geist, der sie erfüllte. Meiner Ansicht nach sind die wissenschaftlichen Schwächen dieser Bewegungen ein Beweis ihrer gruppenstrategischen Funktion.

CofC wurde nicht verbreitet rezensiert. Tatsächlich sind in Mainstream-Publikationen nur drei Rezensionen erschienen, einschließlich einer kurzen Rezension von Kevin Hannan (2000) in Nationalities Papers. Hannans Rezension liefert großteils eine Beschreibung des Buches, aber er faßt seine Eindrücke mit der Bemerkung zusammen: „[MacDonalds] bilderstürmende Bewertung der Psychoanalyse, des Marxismus, Multikulturalismus und gewisser Denkschulen in den Sozialwissenschaften wird in der akademischen Welt keine große Begeisterung hervorrufen, und doch ist dieses Buch gut geschrieben und hat dem Leser, der sich für ethnische Zugehörigkeit und ethnischen Konflikt interessiert, viel zu bieten.“

Die anderen Rezensionen haben mehrere wichtige Fragen aufgeworfen, die eine Behandlung verdienen. Frank Salters Rezension (2000) im Human Ethology Bulletin behandelte einiges von der Kontroverse um mein Buch, besonders eine erbitterte Sitzung in der Konferenz der Human Behavior and Evolution Society von 2000, wo ich von mehreren Teilnehmern des Antisemitismus beschuldigt wurde. Für mich lautet die einzige Frage, ob ich in meiner Behandlung von Quellen ehrlich gewesen bin und ob meine Schlußfolgerungen den üblichen Standards wissenschaftlicher Forschung in den Sozialwissenschaften entsprechen. Salter merkt an, daß ich meine Forschungen auf Mainstream-Quellen stützte und daß die Behauptungen, die manche Kollegen erzürnt haben,

nicht nur wahr sind, sondern Binsenwahrheiten für diejenigen, die mit der diversen herangezogenen Literatur vertraut sind. Abgesehen von der politischen Sensibilität des Themas besteht viel von dem Problem, dem MacDonald sich gegenübersieht, darin, daß sein Wissen seinen Gegnern oft zu weit voraus ist, um leichte Kommunikation zuzulassen; es gibt nicht genug gemeinsame Prämissen für einen konstruktiven Dialog. Leider schließt sich die Wissenslücke nur langsam, weil manche seiner feindseligsten Kritiker, einschließlich Kollegen, die schwere persönliche Vorwürfe erheben, sich nicht die Mühe gemacht haben, MacDonalds Bücher zu lesen.

Salter merkt auch an, daß diejenigen, die wie John Tooby und Steven Pinker meine Kompetenz als Forscher gegenüber den Medien schlechtgemacht haben, nichts vorgebracht haben, was einer wissenschaftlichen Kritik oder Widerlegung meiner Arbeit nahekommt. Traurigerweise setzt sich das fort. Während es in öffentlichen Foren eine Anzahl lautstarker Anprangerungen meiner Arbeit gegeben hat, hat es keine seriösen wissenschaftlichen Rezensionen seitens dieser Kritiker gegeben, obwohl sie ihre beleidigenden Anprangerungen meiner Arbeit nicht zurückgezogen haben.

Paul Gottfried (2000) warf in seiner Rezension in Chronicles, dem paläokonservativen Intellektuellenjournal, mehrere interessante Fragen auf. (Ich antwortete auf Gottfrieds Rezension, und Gottfried verfaßte eine Gegenerwiderung; siehe Chronicles, September 2000, S. 4 – 5). Gottfried erörtert meine Ansichten über die Rolle jüdischer Organisationen und Intellektueller mit starker Identifikation als Juden als Akteure der Veränderung in den kulturellen Umwandlungen, die im Laufe der letzten 50 Jahre in den westlichen Gesellschaften stattgefunden haben. Im Allgemeinen ist meine Position die, daß jüdische intellektuelle und politische Bewegungen eine notwendige Voraussetzung für diese Veränderungen war, keine ausreichende Voraussetzung, wie Gottfried annimmt. Im Fall der Umkehrung der U.S.-Einwanderungspolitik gab es im betrachteten Zeitraum (bis zur Inkraftsetzung des einschneidenden Einwanderungsgesetzes von 1965) einfach keine anderen Aktionsgruppen, die auf eine liberalisierte, multirassische Einwanderung drängten. Genausowenig gab es irgendwelche anderen Gruppen oder intellektuelle Bewegungen außer den in CofC erwähnten, die Bilder von den Vereinigten Staaten als einer multikulturellen, multiethnischen Gesellschaft statt einer europäischen Zivilisation entwickelten. Gottfried schreibt den Umbruch bei der Einwanderung „einem allgemeinen kulturellen Wandel, der die westlichen Gesellschaften heimsuchte und vom Managerstaat forciert wurde“ zu. Ich stimme zu, daß die multiethnische Einwanderung aus einer kulturellen Veränderung resultierte, aber wir müssen dennoch Theorien über den Ursprung dieser Veränderung entwickeln.

Eine aufschlußreiche Entwicklung bezüglich jüdischer Einstellungen zur Einwanderung ist ein Artikel von Stephen Steinlight (2001), dem ehemaligen Director of National Affairs (Innenpolitik) beim American Jewish Committee (AJCommittee) und gegenwärtigen Senior Fellow beim AJCommittee. Steinlight empfiehlt die Veränderung „der traditionellen politischen Linie [der organisierten jüdischen Gemeinschaft], die die großzügige – eigentlich unbegrenzte – Einwanderung und offene Grenzen bejaht“, auch wenn für „viele anständige, progressive Juden das bloße Stellen solcher fundamentaler Fragen auf Ketzerei hinausläuft und es bedeutet, den Teufel heraufzubeschwören, wenn man an ihnen herumpfuscht.“

Steinlight glaubt, daß die gegenwärtige Einwanderungspolitik nicht mehr jüdischen Interessen dient, weil die neuen Einwanderer weniger wahrscheinlich mit Israel sympathisieren und weil sie die Juden mit größerer Wahrscheinlichkeit als die reichste und mächtigste Gruppe in den Vereinigten Staaten – und somit als potentiellen Feind – statt als Opfer des Holocaust sehen werden. Er ist besonders besorgt über die Konsequenzen des islamischen Fundamentalismus unter moslemischen Einwanderern, besonders für Israel, und er verdammt den „wilden Hass auf Amerika und amerikanische Werte“ unter den Fundamentalisten. Steinlight stimmt stillschweigend einer wichtigen These meiner Trilogie über das Judentum zu: Während der gesamten Geschichte haben Juden dazu tendiert, in individualistischen europäischen Gesellschaften zu gedeihen, und haben in nichtwestlichen Gesellschaften gelitten, ganz besonders in moslemischen Gesellschaften, wo es starke Einstellungen bezüglich Eigengruppe/Fremdgruppe gibt (z. B. MacDonald 1998a, Kap. 2; die einzigen Ausnahmen gegenüber dieser Verallgemeinerung gab es, wenn Juden in moslemischen Gesellschaften eine Zwischengruppe zwischen einer fremden Elite und unterdrückten einheimischen Populationen gebildet haben). Steinlights Ängste vor den Auswirkungen eines balkanisierten Amerikas auf das Judentum sind in der Tat wohlbegründet.

Steinlight ist ausschließlich um jüdische Interessen besorgt – ein Beispiel für jüdischen moralischen Partikularismus, der ein genereller Wesenszug der jüdischen Kultur ist (siehe unten). Tatsächlich scheint seine Animosität gegenüber dem Restriktionismus von 1924 – 1965 deutlich durch. Diese „Pause“ bei der Einwanderung wird als moralische Katastrophe wahrgenommen. Er beschreibt sie als „böse, fremdenfeindlich, antisemitisch“, „auf gemeine Weise diskriminierend“, ein „riesiges moralisches Versagen“, eine „monströse Politik“. Jüdische Interessen sind das einzige, das er in Erwägung zieht, während die große Mehrheit der Amerikaner vor 1965 als „gedankenloser Mob“ beschrieben wird, weil sie einen völligen Stopp der Einwanderung befürworteten.

Es erscheint fair festzuhalten, daß es eine gemeinschaftliche Erinnerung der Juden an die Zeit der Einwanderungsbeschränkung als den Höhepunkt amerikanischer antijüdischer Einstellungen gibt. Nichtjuden fällt es schwer, die jüdische Gemeinschaftserinnerung zu begreifen. Für sich stark als solche identifizierende Juden sind die „auf gemeine Weise diskriminierenden“ Handlungen der Einwanderungsrestriktionisten Teil der larmoyanten Geschichte des jüdischen Volkes. Die Einwanderungsbeschränkung von 1924 – 1965 fällt in dieselbe Kategorie wie die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr., die plündernden Kreuzritter des Mittelalters, die Schrecken der Inquisition, das Böse des russischen Zaren und die rational unbegreifliche Katastrophe des Nazismus. Diese Ereignisse sind nicht bloß Bilder, die man aus dem Mülleimer der Geschichte gezogen hat. Sie sind tief empfundene Bilder und mächtige Motivatoren für zeitgenössisches Verhalten. Wie Michael Walzer (1994, S. 4) anmerkte: „Mir wurde die jüdische Geschichte als lange Erzählung von Exil und Verfolgung beigebracht – Holocaust-Geschichte, rückwärts gelesen.“ Aus dieser Perspektive ist die Einwanderungsbeschränkung von 1924 – 1965 ein bedeutender Teil des Holocaust, weil sie die Auswanderung von Juden verhinderte, die letztendlich im Holocaust starben – ein Punkt, auf dem Steinlight ausführlich herumreitet.

Und wie Walter Benjamin (1968, S. 262) anmerkt: „Hass und [der] Geist des Opferbringens… werden eher vom Bild versklavter Vorfahren genährt als von dem befreiter Enkelkinder.“ Dies ist wichtig, denn was immer man für Einstellungen zu Kosten und Nutzen der Einwanderung hat, eine Hauptmotivation bei der Förderung massiver nichteuropäischer Einwanderung seitens der organisierten jüdischen Gemeinschaft hat eine tief empfundene Animosität gegenüber dem für die Einwanderungsbeschränkung von 1924 – 1965 verantwortlichen Volk und dessen Kultur beinhaltet. (Wie in Kapitel 7 angegeben, ist eine weitere Motivation die gewesen, die Macht der europäischstämmigen Mehrheit der Vereinigten Staaten zu verringern, um die Entwicklung einer ethnisch homogenen antijüdischen Bewegung zu verhindern.) Diese tief empfundene Animosität existiert trotz der Tatsache, daß die befreiten Enkelkinder außergewöhnlich erfolgreich gewesen sind in dem Land, dessen jüngere Vergangenheit der Gegenstand solcher Gehässigkeit ist. Das Wohlergehen der Vereinigten Staaten und ganz bestimmt das Wohlergehen der Euro-Amerikaner sind keine relevanten Erwägungen bei jüdischen Einstellungen zur Einwanderung gewesen. Tatsächlich ist es, wie in Kapitel 7 angegeben, leicht, Aussagen jüdischer Aktivisten zu finden, die die bloße Idee verurteilen, daß Einwanderung den Interessen der Vereinigten Staaten dienen sollte. Und das ist der Grund, warum die organisierte jüdische Gemeinschaft sich nicht mit dem symbolischen Sieg zufrieden gab, bloß die ethnisch basierten Quoten zu eliminieren, die einen ethnischen Status quo zur Folge hatten, bei dem die Europäer ihre ethnische und kulturelle Vorherrschaft behielten. Wie in Kapitel 7 gezeigt, strebten die Aktivisten sofort nach Verabschiedung des Gesetzes von 1965 mächtig danach, die Zahlen nichteuropäischer Einwanderer dramatisch zu erhöhen, ein Muster, das bis heute fortbesteht.

Und schlußendlich ist dies der Grund, warum die Unterstützung für offene Einwanderung das jüdische politische Spektrum überspannt, von der äußersten Linken bis zur neokonservativen Rechten. Scott McConnell, der ehemalige Redaktionsleiter und Kolumnist der New York Post, kommentierte das intensive Engagement für offene Einwanderung unter jüdischen Neokonservativen so (siehe auch Kapitel 7):1

Lesen Sie etwas von Norman Podhoretz’ Schriften, insbesondere sein neuestes Buch – die einzige Polemik gegen irgend jemanden rechts der Mitte richtet sich gegen die Einwanderungsbeschränker. Vor mehreren Jahren sprach ich auf einer Party mit Norman, und Abe Rosenthal kam hinzu, und Norman stellte uns einander mit den Worten vor: „Scott ist sehr solide in allen Fragen, außer der Einwanderung.“ Die allerersten Worte aus seinem Mund. Dies zu einer Zeit, in der wir vorgeblich auf gutem Fuß miteinander standen und ich einen Job hatte, der es erforderte, daß wichtige Leute mit mir reden. Es gibt eine komplizierte Geschichte zwischen den Neocons und National Review [NR], die John O’Sullivan besser erzählen könnte als ich, aber es kamen darin Neocon-Attacken gegen NR vor, bei denen eine Sprache verwendet wurde, die den heutigen Einwanderungsrestriktionismus mit Anstrengungen gleichsetzte, die Juden zurück in Nazi-Todeslager zu schicken, eine so bösartige Tonart, daß es unter vorgeblichen reaganitischen Verbündeten von 1995 wirklich seltsam wirkte… Der Forward, eine neocon-orientierte jüdische Wochenzeitschrift, brachte immer Artikel, die versuchten, FAIR, eine vom ehemaligen Gouverneur [von Colorado] Richard Lamm geleitete Einwanderungsbeschränkungsgruppe, mit Neonazismus in Verbindung zu bringen, in dem sie… grobe Verleumdungstechniken verwendeten…  Keiner meiner Neocon-Freunde (zu einer Zeit, als alle meine Freunde jüdische Neocons waren) fand, daß daran etwas falsch sei…

Lesen Sie den Weekly Standard, lesen Sie Ben Wattenberg. Lesen Sie die [Podhoretzes]. Oder lassen Sie es. Aber falls Sie sich mit der Sache beschäftigten, könnten Sie nicht anders als betroffen davon zu sein, besonders nachdem es als solch ein Schock kam. Man nennt nicht gern Namen, weil niemand auf Seiten der Rechten es sich mit den Neocons verderben möchte, aber mir fällt ein junger Gelehrter ein, der sehr gemäßigt über einwanderungsbezogene Angelegenheiten schreibt und der unter einem führenden Akademiker der Neocons ausgebildet wurde. Er sagte mir, daß er einfach erstaunt war über die Zuneigung der Neocons zu hoher Einwanderung – es schien gegen jedes Prinzip der Wertschätzung von Ausgewogenheit und Ordnung in einer Gesellschaft zu gehen, und um die gesellschaftlichen Anfälligkeiten zu wissen, die sie zu befürworten schienen. Vielleicht ist es einige Zeit wert, einen ausführlichen Artikel über all das zu schreiben, darüber, wie die amerikanische Rechte nach dem Kalten Krieg vom Weg abkam. [Hervorhebung im Text]

DER NIEDERGANG DES ETHNISCHEN BEWUSSTSEINS UNTER EUROPÄISCHSTÄMMIGEN MENSCHEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

Grundlegend für die Umwandlung der Vereinigten Staaten als Folge massiver nichteuropäischer Einwanderung war der Niedergang des ethnischen Bewußtseins unter europäischen Völkern. Es ist faszinierend, die Einwanderungsdebatten der 1920er denen der 1950er und 1960er gegenüberzustellen. Die Restriktionisten der 1920er behaupteten unverfroren das Recht europäischstämmiger Völker auf das Land, das sie erobert und besiedelt hatten. Es gab viele Geltendmachungen ethnischer Interessen – daß die Menschen, die das Land kolonisiert und dessen politische und ökonomische Kultur geschaffen hatten, ein Recht darauf hatten, es als ihren Besitz zu behalten. Diese Art von selbstbewußtem Nativismus (sogar das Wort selbst hat jetzt einen pathologischen Beiklang) kann man in der Aussage von William N. Vaile, Colorados Mitglied des Repräsentantenhauses, eines prominenten Restriktionisten sehen, die in Kapitel 7 von CofC zitiert wird.

Ab den 1940ern und gewiß ab den 1960ern war es unmöglich, solche Behauptungen zu äußern, ohne nicht nur für einen Rassisten gehalten zu werden, sondern auch für einen intellektuellen Neandertaler. Tatsächlich zeigt Bendersky (2000), daß solche Rhetorik schon in den 1930ern zunehmend unmöglich war. Man kann diese Veränderung anhand der Karriere des Rassentheoretikers Lothrop Stoddard sehen, des Autors von Büchern wie The Rising Tide of Color Against White World Supremacy und zahlreicher Artikel für populäre Medien wie Collier’s, Forum und The Saturday Evening Post. Stoddard betrachtete die Juden als hochintelligent und rassisch verschieden von den Europäern. Er glaubte auch, daß die Juden entscheidend waren für den Erfolg des Bolschewismus. In seinen Vorlesungen vor dem Army War College in den späten 1930ern hörte er jedoch völlig auf, die Juden zu erwähnen. Die Boasianische Revolution in der Anthropologie hatte triumphiert, und Theoretiker, die glaubten, daß Rasse für die Erklärung menschlichen Verhaltens wichtig war, wurden zu Randfiguren. Stoddard selbst verwandelte sich von einem populären und einflußreichen Autor zu einem, der als Sicherheitsrisiko betrachtet wurde, als die Roosevelt-Administration das Land auf den Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland vorbereitete.

Ein weiteres Kennzeichen für die Veränderung der Einstellung gegenüber den Juden war die Reaktion auf Charles Lindberghs Bemerkungen in Des Moines, Iowa, am Vorabend des US-Eintritts in den Zweiten Weltkrieg. Lindberghs Befürwortung der Nichteinmischung wurde nicht nur von seinem Horror vor der Zerstörungskraft moderner Kriegführung geprägt – was er als den Selbstmord der europäischen Kultur sah – sondern auch von seinem Glauben, daß ein zweiter europäischer Krieg für die weiße Rasse selbstmörderisch sein würde. In einem Artikel, der 1939 kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in den populären Medien veröffentlicht wurde, sagte er, daß es ein Krieg sei „um Macht unter einem dominanten Volk; blind, unersättlich, selbstmörderisch. Die westlichen Nationen sind wieder im Krieg, einem Krieg, der wahrscheinlich niederschmetternder sein wird als irgendeiner in der Vergangenheit, ein Krieg, in dem die weiße Rasse verlieren muß, und in dem die anderen gewinnen müssen, ein Krieg, der unsere Zivilisation leicht durch weitere Dunkle Zeitalter führen könnte, sofern sie überhaupt überlebt.” (Lindbergh 1939, S. 65)

Um ihre Herrschaft über andere Rassen aufrechtzuerhalten, glaubte Lindbergh, daß die Weißen sich zusammentun müßten, um die wimmelnden Legionen abzuwehren, welche die wahre langfristige Bedrohung wären. Lindbergh war kein Nordizist. Er hegte die langfristige Sichtweise, daß Rußland ein weißes Bollwerk gegen die Chinesen im Osten sein würde. Er befürwortete eine rassische Allianz unter Weißen, beruhend „auf einem Westlichen Wall aus Rasse und Waffen, der einen Dschingis Khan zurückhalten kann oder die Infiltration minderen Blutes; von einer englischen Flotte, einer deutschen Luftwaffe, einer französischen Armee, [und] einer amerikanischen Nation” (S. 66). Die Sowjetunion unter dem Kommunismus war jedoch abscheulich: „Ich sage Ihnen, daß ich es hundertmal lieber sehen würde, wenn mein Land sich mit England verbünden würde, oder sogar mit Deutschland mit all seinen Fehlern, als mit der Grausamkeit, der Gottlosigkeit und der Barbarei, die in Sowjetrußland existieren. Eine Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland sollte von jedem Amerikaner abgelehnt werden, von jedem Christen und von jedem Humanitären in diesem Land.” (in Berg 1999, S. 422). Lindbergh sah die von der Sowjetunion begangenen Greueltaten eindeutig als schlimmer als jene von Nazideutschland.

In Lindberghs berühmter Rede vom 11. September 1941 hieß es, daß die Juden eine der Hauptkräfte seien, die die Vereinigten Staaten in den Krieg führten, zusammen mit der Roosevelt-Regierung und den Briten. Lindbergh merkte an, daß die jüdische Reaktion auf Nazideutschland verständlich sei angesichts einer Verfolgung, „die ausreicht, um sich jede Rasse zum bitteren Feind zu machen.” Er sagte, daß die „größte Gefahr für dieses Land [durch die Juden] in deren großer Eigentümerschaft an und Einfluß auf unsere Filme, unsere Presse, unser Radio und unsere Regierung liegt.” Und, was am kontroversiellsten war, er sagte: „Ich sage, daß die Führer sowohl der britischen als auch der jüdischen Rasse, aus Gründen, die von ihrem Standpunkt aus ebenso verständlich sind, wie sie aus amerikanischer Sicht nicht ratsam sind, aus Gründen, die nicht amerikanisch sind, uns in den Krieg hineinziehen wollen (in Berg 1999, S. 427).

Lindberghs Rede wurde mit einer Sturzflut an Beschimpfungen und Hass beantwortet, wie sie gegenüber einer bekannten öffentlichen Gestalt in der amerikanischen Geschichte beispiellos ist. Über Nacht wurde Lindbergh vom Kulturhelden zum moralischen Paria. Der jüdische Einfluß auf Medien und Regierung war damals so schwierig zu bemessen, wie er es heute ist, aber er war gewiß beträchtlich und ein übliches Thema antisemitischer Empfindungen der Zeit. In einer 1936 veröffentlichten Broschüre schlußfolgerten die Herausgeber des Magazins Fortune, daß die Hauptquellen des jüdischen Einflusses auf die Medien ihre Kontrolle der beiden großen Radionetzwerke und die Filmstudios von Hollywood waren (Editors of Fortune 1936). Sie meinten, daß „allermindestens die Hälfte der meinungsbildenden und geschmacksbeeinflussenden Mittel in Amerika sich in jüdischen Händen befinden“ (S. 62) – eine ziemlich bemerkenswerte Zahl, wenn man bedenkt, daß die Juden annähernd 2 – 3 % der Bevölkerung ausmachten und der Großteil der jüdischen Bevölkerung Einwanderer der ersten oder zweiten Generation waren. Eine kurze Liste von Medien in jüdischem Besitz oder unter jüdischem Management würde die New York Times enthalten (die einflußreichste Tageszeitung, die der Familie Sulzberger gehörte), die New York Post (George Backer), die Washington Post (Eugene Meyer), den Philadelphia Inquirer (M. L. Annenberg), die Philadelphia Record und Camden Courier-Post (J. David Stern), Newark Star-Ledger (S. I. Newhouse), Pittsburgh Post-Gazette (Paul Block), CBS (das dominierende Radionetzwerk, das William Paley gehörte), NBC (geleitet von David Sarnoff), alle größeren Hollywoodstudios, Random House (der wichtigste Buchverlag, im Besitz von Bennett Cerf), und eine dominierende Stellung in der populären Musik.2 Walter Winchell, der ein Publikum von Zig Millionen hatte und mit Bob Hope in der Radiosendung mit der höchsten Einschaltquote verbunden war, glaubte, daß Opposition gegen die Intervention „unvorstellbar war, eine Art von Verrat“ (Gabler 1995, S. 294). Winchell, „der Standartenträger für den Interventionismus“, war Jude. Er hatte zu dieser Zeit enge Beziehungen zur Anti-Defamation League (ADL), die ihn mit Informationen über die Aktivitäten der Isolationisten und Nazisympathisanten versorgte, die er in seinen Sendungen und Zeitungskolumnen verwendete (Gabler 1995, S. 294 – 298).

Es ist keine Frage, daß die Filmindustrie in der Tat Propaganda gegen Deutschland und für eine Intervention betrieb. Im Mai 1940 kabelte das Studio Warner Brothers an Roosevelt, daß „wir persönlich alles im Rahmen der Filmindustrie und des Radios in unserer Macht Stehende tun möchten, um dem amerikanischen Volk die Würdigkeit der Sache zu zeigen, für die die freien Völker Europas solch enorme Opfer bringen“ (in Gabler 1988, S. 343). Später im Jahr 1940 belehrte Joseph P. Kennedy die Hollywood-Filmelite, daß sie aufhören sollten, Anti-Nazi-Filme und Werbung für den Krieg zu machen, weil sie sonst einen Anstieg des Antisemitismus riskierten. Unmittelbar vor Lindberghs Rede in Des Moines bekräftigte Senator Gerald Nye, daß im Ausland geborene Besitzer der Hollywood-Studios „heftige Animositäten hinsichtlich gewisser Angelegenheiten im Ausland“ hätten (Gabler 1988, S. 344-345). Die Vertreter der Filmindustrie, die erkannten, daß sie die Unterstützung der Roosevelt-Administration hatten, verteidigten aggressiv, daß sie „Amerika der nationalen Gefahr bewußt machten“.3

Der Harvard-Historiker William Langer sagte in einer Vorlesung vor dem U.S. Army War College, daß die zunehmende Abneigung gegen Nazideutschland in den Vereinigten Staaten am „jüdischen Einfluß“ in den Medien lag:

Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß manche unserer wichtigsten amerikanischen Tageszeitungen jüdisch kontrolliert sind, und ich vermute, wenn ich ein Jude wäre, würde ich bezüglich Nazideutschlands dasselbe fühlen wie die meisten Juden, und es wäre ziemlich unvermeidlich, daß die Einfärbung der Nachrichten diesen Farbstich annehmen würde. Wenn ich zum Beispiel die New York Times lese, ist es völlig klar, daß jeder kleine Ärger, der passiert (und in einem Land mit 70 Millionen Menschen passieren immerhin viele Ärgernisse) sehr herausgestellt wird. Die andere Seite davon wird heruntergespielt oder höhnisch abgetan. So erhalten Sie auf ziemlich subtile Weise das Bild, daß es gar nichts Gutes an den Deutschen gibt. (In Bendersky 2000, S. 273)

Es ist auch interessant, daß die Chicago Tribune „in der jüdischen Frage vorsichtig“ war, trotz der persönlichen Einstellung von Robert McCormick, dem nichtjüdischen Herausgeber der Tribune, daß die Juden ein wichtiger Grund hinter Amerikas antideutscher Politik waren (Bendersky 2000, S. 284). Dies läßt darauf schließen, daß Sorge wegen der jüdischen Macht – gut möglich Sorge wegen negativer Einflüsse auf die Werbeeinnahmen (Editors of Fortune 1936, S. 57) – für McCormick ein Thema war. Unterm Strich scheint es vernünftig, Lindbergh zuzustimmen, daß der jüdische Einfluß in den Medien zu dieser Zeit bedeutend war. Natürlich soll das nicht heißen, daß die Juden die Medien zu dieser Zeit beherrschten oder daß keine anderen Einflüsse wichtig waren.

Es ist auch bemerkenswert, daß Offiziere des U.S.-Militärs oft besorgt waren, daß Roosevelt von seinen jüdischen Beratern Samuel I. Rosenman, Felix Frankfurter und Henry Morgenthau, Jr. antideutsch beeinflußt würde (Bendersky 2000, S. 274), und sie machten sich Sorgen, daß jüdische Interessen und die Briten die Vereinigten Staaten in einen Krieg gegen Deutschland drängen würden. Sowohl Frankfurter als auch Morgenthau identifizierten sich stark als Juden und waren Verfechter jüdischer Interessen innerhalb der Roosevelt-Administration. Morgenthau förderte aktiv den Zionismus und das Wohlergehen jüdischer Flüchtlinge (z. B. Bendersky 2000, S. 333ff, S. 354ff). Beide unterstützten die US-Beteiligung am Krieg gegen Deutschland, und Morgenthau wurde bekannt als Verfechter einer extrem harten Behandlung der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs und danach.

Weiters ist es keine Frage, daß Juden während dieses Zeitraums in der Lage waren, ein großes Maß an Einfluß auf spezifische Angelegenheiten auszuüben. Zum Beispiel übten zionistische Organisationen enormen Druck auf die Regierung aus (z. B. Bendersky 2000, S. 325). Während des Zweiten Weltkriegs betätigten sie sich in „lauter Diplomatie“ (S. 326), organisierten Tausende von Kundgebungen, Essen mit prominenten Rednern (einschließlich prominenter Rollen für sympathisierende Nichtjuden), Briefkampagnen, Konferenzen, Lobbying, Drohungen gegen Zeitungen wegen Veröffentlichung widriger Artikel, Einfügung von Propaganda als Nachrichtenartikel in Zeitungen, Geldspenden an Politiker und nichtjüdische Prominente wie Will Rogers als Gegenleistung für deren Unterstützung. Um 1944 „verabschiedeten Tausende nichtjüdischer Vereinigungen pro-zionistische Resolutionen“ (S. 326). 1944 gab es sowohl in republikanischen als auch demokratischen Plattformen stark pro-zionistische Forderungspunkte, obwohl das Außen- und das Kriegsministerium sehr gegen die Schaffung eines jüdischen Staates waren (S. 328)

Trotzdem, was auch immer das Ausmaß des jüdischen Einflusses auf die Medien in dieser Zeit war, die Kommentatoren fokussierten sich allgemein darauf, die anscheinende Implikation in Lindberghs Rede zu verurteilen, daß jüdische Interessen „nicht amerikanisch“ seien. Ich vermute, daß Lindberghs Aussage von einem auf Öffentlichkeitswirkung bedachten Redakteur nachgebessert hätte werden können, ohne Lindberghs Absichten zu verzerren, etwa in der Art: „Jüdische Interessen sind nicht dasselbe wie die Interessen der meisten anderen Amerikaner“, oder „Jüdische Interessen sind nicht dasselbe wie die Interessen des Landes als Ganzes“. Ich bezweifle jedoch sehr, daß diese Abänderung den nachfolgenden Ausfluß von Hass gemildert hätte. Die simplen Tatsachen, daß die große Mehrheit der amerikanischen Juden in der Tat für die Intervention war und daß Juden einen bedeutenden Einfluß auf die öffentliche Meinung und Politik hatten, waren irrelevant geworden. Wie Lindbergh selbst sagte, bestand die Wahl darin, „ob man zuläßt oder nicht, daß das eigene Land in einen völlig desaströsen Krieg geht, aus Mangel an Mut, die Gruppen zu benennen, die das Land in den Krieg führen – auf die Gefahr hin, ‚antisemitisch’ genannt zu werden, einfach indem man sie beim Namen nennt (wie von Anne Morrow Lindbergh 1980 frei wiedergegeben, S. 224, kursiv im Text). Amerika war in eine Ära eingetreten, in der es moralisch inakzeptabel geworden war, jüdische Interessen überhaupt zu diskutieren. Wir befinden uns immer noch in dieser Ära.4

Es ist lehrreich, sich den von Lindbergh erlebten „Niagarafall an Schmähungen“ (Berg 1999, S. 428) in einigem Detail anzusehen. Er wurde von buchstäblich allen führenden Medien verurteilt, von Demokraten und Republikanern, Protestanten und Katholiken, und natürlich von jüdischen Gruppen. Viele warfen ihm vor, ein Nazi zu sein, einschließlich des Sekretärs des Präsidenten, der Lindberghs Rede mit Nazirhetorik verglich. Reinhold Niebuhr, der prominente Protestantenführer (siehe unten), rief Lindberghs Organisation „America First“ dazu auf, „sich von der von Lindbergh bezogenen Position zu trennen und ihre Reihen von jenen zu säubern, die zu rassischem und religiösem Zwist in diesem Land aufhetzen wollen“ (Berg 1999, S. 428). America First gab eine Stellungnahme heraus, daß weder Lindbergh noch die Organisation antisemitisch seien.

Die Reaktion von Lindberghs Frau, Anne Morrow Lindbergh, ist besonders interessant, weil sie die Macht des moralischen Abscheus illustriert, kombiniert mit der Scheinheiligkeit, die jede öffentliche Diskussion jüdischer Interessen eingehüllt hatte:

11. September 1941: Dann [hielt er] seine Rede – was mich in schwarze Düsternis stürzte. Er benennt die ‚Kriegstreiber’ – hauptsächlich die Briten, die Juden und die Regierung. Er tut das wahrheitsgemäß, gemäßigt und ohne Bitterkeit oder Groll – aber ich hasse es, daß er die Juden überhaupt anrührt. Denn ich fürchte die Reaktion gegen ihn. Niemand sonst erwähnt dieses Thema laut (obwohl viele unter der Oberfläche bitter und unerträglich kochen). C. [Charles] muß wie üblich die Hauptlast dafür tragen, daß er freimütig und offen ist. Was er öffentlich sagt, ist nicht intolerant oder hetzerisch oder bitter, und es ist genau das, was er privat sagt, während die anderen schönrednerischen vorsichtigen Leute, die privat schlimme Dinge sagen, es nie wagen würden, öffentlich so freimütig zu sein wie er. Und der Preis wird schrecklich sein. Die Schlagzeilen werden verkünden „Lindbergh attackiert Juden.“ Er wird als Antisemit, Nazi, führersüchtig etc. gebrandmarkt werden. Ich kann es kaum ertragen. Denn er ist ein Gemäßigter

13. September 1941: Er wird von allen Seiten angegriffen – Regierung, Interessenvertretungen und Juden, als jetzt offenkundiger Nazi, der einer Nazidoktrin folgt.

14. September 1941: Ich kann meinen Abscheu nicht mit Logik erklären. Ist es mein Mangel an Mut, sich dem Problem zu stellen? Ist es mein Mangel an Vision und Durchschauen der Dinge? Oder ist es meine Intuition, die sich auf etwas Tiefgehendes und Gültiges begründet?

Ich weiß es nicht, und ich bin nur sehr beunruhigt, was ihn aufregt. Ich habe den größten Glauben in ihn als Person – an seine Integrität, seinen Mut und seine essentielle Güte, Fairness und Freundlichkeit – in der Tat seinen Edelmut… Wie dann meinen tiefen Kummer darüber erklären, was er tut? Wenn das, was er sagte, die Wahrheit ist (und ich neige dazu, es dafür zu halten), warum war es falsch, es zu sagen? Er nannte die Gruppen, die für den Krieg waren. Niemand stört sich daran, daß er die Briten oder die Regierung nannte. Aber „Jude“ zu sagen ist unamerikanisch – sogar wenn es ohne Hass oder auch nur Kritik geschieht. Warum?

Weil es sie als Gruppe absondert und den Boden für Antisemitismus bereitet…

Ich sage, daß ich es vorziehen würde, wenn dieses Land in den Krieg zieht, als daß es von gewalttätigem Antisemitismus erschüttert wird. (Denn es erscheint mir, daß die Art von Person, in die das menschliche Wesen verwandelt wird, wenn der Instinkt der Judenhetze losgelassen wird, schlimmer ist als die Art von Person, zu der es auf dem Schlachtfeld wird.)

15. September 1941: Der Sturm beginnt heftig zu wehen. America First ist im Aufruhr… Er wird einheitlich von allen Moderaten verdammt… Die Juden verlangen eine Zurücknahme… Ich spüre, daß dies der Anfang eines Kampfes und daraus folgender Einsamkeit ist, wie wir es zuvor nicht gekannt haben… Denn ich hänge wirklich mehr an den weltlichen Dingen als er, es macht mir mehr aus, Freunde, Popularität etc. aufzugeben, mir machen Kritik und Kälte und Einsamkeit mehr aus.

18. September 1941: Werde ich jetzt überhaupt noch in New York einkaufen können? Ich werde immer angestarrt – aber jetzt mit Hass angestarrt zu werden, durch Gassen des Hasses zu gehen!5 (A. M. Lindbergh 1980, S. 220 – 230; Kursivschrift im Text)

Mehrere Dinge stechen in diesen Kommentaren hervor. Anne Morrow Lindbergh ist entsetzt darüber, daß sie durch „Gassen des Hasses“ gehen muß, entsetzt darüber, ihre Freunde aufgeben zu müssen, entsetzt darüber, ein Paria zu sein, wo sie einst als Ehefrau des populärsten Mannes im Land idolisiert wurde. Während sie die Wahrheit dessen akzeptiert, was ihr Mann sagte, und seine guten Absichten, denkt sie, daß es besser ungesagt geblieben wäre, und befaßt sich nicht mit der Unfairness der Anschuldigungen gegen ihren Mann, besonders daß er ein Nazi genannt wird. Wahrheit ist keine Verteidigung, wenn sie zu moralisch inakzeptablen Handlungen führt, und Rufmord- und Anschwärzungstaktiken sind berechtigt und verständlich, wenn die Ziele moralisch lobenswert sind. Sie nimmt an, daß sogar ein katastrophaler Krieg, der Hunderttausende Amerikaner töten (und wie ihr Mann glaubte, die Vernichtung der europäischen Kultur und der weißen Rasse zur Folge haben) könnte, der Möglichkeit eines Ausbruchs gewaltsamen Antisemitismus vorzuziehen sei. Die moralische Haltung des amerikanischen Volkes ist wichtiger als sein Überleben als Nation oder Volk. Und all das, weil Lindbergh einfach sagte, daß Juden als Gruppe Interessen haben, die von jenen anderer Amerikaner abweichen. Nachdem sie ihre Lektion gelernt hatten, begriffen die amerikanischen Politiker vermutlich, daß selbst rationale, intelligente und humane Diskussionen über jüdische Interessen jenseits der Grenzen angemessener Diskussion lagen. Juden hatten als Juden keine Interessen, von denen man sagen konnte, daß sie im Konflikt mit jenen irgendeiner anderen Gruppe von Amerikanern stünden.

Um die Zeit von Lindberghs Rede hatten die Juden nicht nur eine herausragende Position in den U.S.-Medien, sondern sie hatten sich auch über ihre Kontrolle der in CofC behandelten intellektuellen und politischen Bewegungen der intellektuell und moralisch höheren Position bemächtigt. Nicht nur befanden sich jüdische Interessen außerhalb der Grenzen zivilisierter politischer Diskussion, sondern Behauptungen europäischer ethnischer Interessen wurden genauso unzulässig. Solche Behauptungen standen in Konflikt mit dem Boas’schen Dogma, daß genetische Unterschiede zwischen Völkern trivial und irrelevant seien; sie standen in Konflikt mit dem marxistischen Glauben, daß Nationalismus und Durchsetzung ethnischer Interessen reaktionär seien; solche Behauptungen wurden im Rahmen der Psychoanalyse und der Frankfurter Schule als sicheres Zeichen der Psychopathologie gehalten, und sie sollten bald von den New Yorker Intellektuellen und den Neokonservativen, die aus den prestigereichsten akademischen und medialen Institutionen des Landes Varianten all dieser Ideologien absonderten, als Geschwafel von Landeiern betrachtet werden. Es mag in der Tat andere Kräfte gegeben haben, die nativistische Denkweisen an den politischen und intellektuellen Rand verwiesen – Gottfried (2000) weist auf den liberalen Protestantismus und den Aufstieg des Verwaltungsstaates, aber es war unmöglich, die Wirksamkeit jedes dieser Einflüsse in Abwesenheit der jüdischen Bewegungen zu verstehen, die ich beschreibe.

Der Aufstieg einer volksentfremdeten nichtjüdischen Managerelite, die traditionelle Kulturinstitutionen ablehnt – wie am Beispiel des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und der nunmehrigen Senatorin Hillary Clinton ersichtlich – und die mit einer kritischen Masse ethnisch bewußter Juden und anderer ethnischer Minderheiten verflochten ist, ist eine enorm wichtige Tatsache unseres gegenwärtigen politischen Lebens. Meine Behauptung, daß jüdische intellektuelle und politische Aktivitäten eine notwendige Bedingung für den Aufstieg solch einer Elite waren, wenngleich sie offenkundig schwierig schlüssig zu verifizieren ist (wie es jede andere kausale Hypothese auch wäre), ist auch kompatibel mit der Arbeit anderer, vor allem D. A. Hollingers Science, Jews, and Secular Culture: Studies in Mid-20th Century American Intellectual History (1996) und Carl Deglers In Search of Human Nature: The Decline and Revival of Darwinism in American Social Thought (1991).

Der Aufstieg solch einer volksentfremdeten Elite ist kaum eine unvermeidliche Konsequenz der Modernisierung oder irgendeiner anderen Kraft, die mir bekannt ist. Solche volksentfremdete Managereliten sind einzigartig für europäische und europäischstämmige Gesellschaften. Solche Eliten findet man nirgendwo sonst auf der Welt, einschließlich hochentwickelter Nationen wie Japan und Israel oder der unentwickelten Nationen Afrikas und anderswo. Außerdem haben die betrachteten kulturellen Veränderungen auch in traditionell katholischen Ländern wie Frankreich und Italien stattgefunden, wo der Protestantismus kein Faktor gewesen ist. Insbesondere Frankreich ist sehr offen gegenüber nichteuropäischer Einwanderung gewesen, und sein intellektuelles Leben ist zutiefst von den in CofC behandelten Bewegungen beeinflußt worden. Umgekehrt gibt es viele Beispiele, wo der Protestantismus friedlich mit Nationalismus und Ethnozentrismus koexistiert oder sogar Begründungen für diese geliefert hat.

Die Entwicklung von Theorien dazu, warum westliche Kulturen solch einen fruchtbaren Boden für die in CofC behandelten Theorien und Bewegungen bieten, ist ein sehr nützliches Forschungsgebiet. Es ist lehrreich, sich anzusehen, wie Europäer in den Vereinigten Staaten sich selbst vor einem Jahrhundert sahen.6 Amerikaner europäischer Abstammung hielten sich für einen Teil eines kulturellen und ethnischen Erbes, das in der Zeit zurückreichte bis zur Gründung des Landes. Das angelsächsische Erbe der Britischen Inseln stand im Zentrum dieses Selbstverständnisses, aber Amerikaner deutscher und skandinavischer Abstammung sahen sich auch als Teil dieses ethnischen und kulturellen Erbes. Sie empfanden eine Menge Stolz auf ihre Errungenschaften. Sie hatten ein riesiges Territorium erobert und ein hohes Maß an wirtschaftlichem Fortschritt erreicht. Sie sahen sich als Schöpfer einer Zivilisation mit einem starken moralischen Gewebe – ein Land von Bauern und Kleinunternehmern, das sich zu einer wirtschaftlichen Weltmacht entwickelt hatte. Sie glaubten, daß ihre Zivilisation ein Produkt ihrer eigenen einzigartigen Erfindungsgabe und Fertigkeiten war, und sie glaubten, daß sie nicht überleben würde, falls man andere Völker eine zu große Rolle darin spielen ließe. Sie sahen sich selbst als Träger positiver Persönlichkeitsmerkmale wie Mut angesichts von Ungemach, Selbständigkeit, Erfindungsreichtum, Originalität und fair play – genau die Tugenden, die es ihnen ermöglichten, die Wildnis zu erobern und sie in eine fortgeschrittene Zivilisation zu verwandeln.

Amerikaner an der Wende des 19. Jahrhunderts schauten in die Welt hinaus und sahen ihre eigene Gesellschaft als anderen überlegen. Sie sahen sich und andere europäische Gesellschaften den Lohn politischer und wirtschaftlicher Freiheit ernten, während der Rest der Welt litt, wie es seit unvordenklichen Zeiten gewesen war – den Despotismus Asiens, die Barbarei und Primitivität Afrikas und die wirtschaftliche und politische Rückständigkeit Rußlands und Osteuropas.

Sie sahen sich als Christen, und sie hielten das Christentum für einen wesentlichen Teil des sozialen Gewebes und ihrer Lebensart. Das Christentum wurde als grundlegend für die moralischen Fundamente der Gesellschaft gesehen, und jede Bedrohung des Christentums wurde als Bedrohung der Gesellschaft als Ganzes gesehen. Wenn diese Menschen auf ihre eigene Kindheit zurückschauten, sahen sie „eine einfache, sichere Welt allgemein akzeptierter Werte und Verhaltensweisen“ (Bendersky 2000, S. 6) – eine Welt kultureller und ethnischer Homogenität. Sie hatten ein starkes Gefühl des Familienstolzes und der regionalen Identifikation: Sie hatten tiefe Wurzeln in den Gegenden, in denen sie aufwuchsen. Für sie waren die USA keine marxistische Hölle des Krieges zwischen den sozialen Klassen. Stattdessen war es für sie eine Welt der Harmonie zwischen den gesellschaftlichen Klassen, in der die Leute an der Spitze ihre Positionen verdienten, aber ein gewisses Gefühl der sozialen Verpflichtung gegenüber den unteren Gesellschaftsschichten empfanden.

Die Frühzeit des 20. Jahrhunderts war auch die Hochwassermarke des Darwinismus in den Sozialwissenschaften. Es war zu dieser Zeit üblich zu denken, daß es wichtige Unterschiede zwischen den Rassen gab – daß Rassen sich in Intelligenz und moralischen Qualitäten unterschieden. Die Rassen unterschieden sich nicht nur, sondern sie standen auch untereinander im Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft. Wie in Separation and its Discontents (MacDonald 1998a; dt. Absonderung und ihr Unbehagen) beschrieben, gehörten solche Ideen zum intellektuellen Leben – waren unter Juden genauso alltäglich wie unter Nichtjuden.

Diese Welt ist verschwunden. Der Aufstieg der jüdischen Macht und die Abschaffung der spezifisch europäischen Natur der USA sind die wahren Themen von CofC. Der Krieg zur Abschaffung der spezifisch europäischen Natur der Vereinigten Staaten wurde an mehreren Fronten geführt. Die hauptsächlichen Vorstöße des jüdischen Aktivismus gegen die europäische ethnische und kulturelle Hegemonie haben sich auf drei entscheidende Machtzentren in den Vereinigten Staaten konzentriert: die akademische Welt der Information in den Sozial- und Geisteswissenschaften, die politische Welt, in der die öffentliche Politik zu Einwanderung und anderen ethnischen Fragen entschieden wird, und die Massenmedien, wo „Sichtweisen“ der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die ersten beiden sind der Schwerpunkt von CofC.

Auf intellektueller Ebene führten jüdische Intellektuelle den Kampf gegen die Idee, daß es Rassen überhaupt gibt, und gegen die Idee, daß es zwischen den Rassen Unterschiede in Intelligenz oder Kulturniveau gibt, die in der Biologie wurzeln. Sie waren auch führend dabei, Amerika als einen Satz abstrakter Prinzipien zu definieren statt als ethnokulturelle Zivilisation. Auf der Ebene der Politik führten jüdische Organisationen den Drang zur Öffnung der Einwanderung für alle Völker der Welt an. Jüdische Organisationen spielten auch eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Interessen anderer rassischer und ethnischer Minderheiten, und sie waren führend bei den juridischen und gesetzgeberischen Anstrengungen, das Christentum aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

Die erste Bastion der alten amerikanischen Kultur, die fallen sollte, waren die elitären akademischen Institutionen und besonders die Universitäten der Ivy League. Die Umwandlung des Lehrkörpers in den Sozial- und Geisteswissenschaften war in den 1950ern voll im Gange, und bis zu den frühen 1960ern war sie weitgehend abgeschlossen. Die neue Elite war sehr verschieden von der alten, die sie verdrängte. Der Unterschied war, daß sich die alte protestantische Elite nicht im Krieg mit dem Land befand, das sie dominierte. Die alte protestantische Elite war wohlhabender und gebildeter als die allgemeine Öffentlichkeit, aber sie hatte im Grunde dieselbe Lebenseinstellung. Sie sahen sich als Christen und als Europäer, und sie sahen keine Notwendigkeit, die Gesellschaft radikal zu ändern.

Die Dinge sind jetzt sehr anders. Seit den 1960ern ist eine feindselige Elite entstanden, die die intellektuelle und politische Debatte beherrscht. Es ist eine Elite, die die traditionellen Institutionen der euro-amerikanischen Kultur beinahe instinktiv verabscheut: ihre Religion, ihre Bräuche, ihre Umgangsformen und ihre sexuellen Einstellungen. In den Worten eines Kommentators: „Die heutige Elite verabscheut die Nation, die sie regiert“ (Gelernter 1997). Gute Beispiele sind Stephen Steinlights Kommentare zur Einwanderungsbeschränkung von 1924 – 1965 (siehe oben) und Joseph Benderskys The „Jewish Threat“, das im Jahr 2000 von Basic Books veröffentlicht wurde. Bendersky malt eine verschwundene Welt stolzer und selbstsicherer Europäer, die selbstbewußt entschlossen sind, die Kontrolle über die Vereinigten Staaten zu behalten. Des Autors Gefühl intellektueller und moralischer Überlegenheit und seine Verachtung gegenüber seinen nordeuropäischen Untersuchungsgegenständen triefen von jeder Seite. Das Buch ist eine triumphalistische Historie, geschrieben von einem Mitglied einer Gruppe, die die intellektuellen und politischen Kriege des 20. Jahrhunderts gewann.

Diese „feindselige Elite“ ist im Grunde eine jüdisch dominierte Elite, deren Ursprünge und Haupteinflußwege in CofC beschrieben werden. Das Entstehen dieser feindlichen Elite ist ein Aspekt ethnischer Konkurrenz zwischen Juden und Nichtjuden, und ihre Auswirkung wird ein langfristiger Niedergang der Hegemonie europäischer Völker in den Vereinigten Staaten und anderswo in der Welt sein.

Obwohl europäische Völker weniger zu Ethnozentrismus neigen und mehr zu moralischem Universalismus und Individualismus (siehe unten), ergaben sie sich nicht kampflos in ihre drohende kulturelle und demographische Zurückdrängung. Es gibt keinen Beweis für innere Selbstzerstörung der WASPs, aber ziemlich viele Beweise dafür, daß ihr aktiver Widerstand von den Bewegungen überwunden wurde, die ich in CofC behandle. Zum Beispiel zeigt Benderskys kürzlich (2000) erschienenes The „Jewish Threat“, daß es im Zeitraum vom Ersten Weltkrieg bis weit in den Kalten Krieg hinein unter Offizieren der U.S. Army starken Widerstand gegen das Schwinden der europäischen Hegemonie gab, und es zeigt, daß ähnliche Einstellungen zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit weit verbreitet waren. Aber ihr Widerstand wurde durch das Dahinschwinden der intellektuellen Basis der europäischen ethnischen Hegemonie und durch politische Ereignisse wie das Einwanderungsgesetz von 1965 zunichte gemacht, die sie nicht kontrollieren konnten. Letztendlich wurde das Gesetz von 1965 verabschiedet, weil es als nichts weiter als eine moralische Geste beworben wurde, die keine langfristige Auswirkung auf das ethnische Gleichgewicht der Vereinigten Staaten haben würde. Für ihre aktivistischen Unterstützer jedoch, einschließlich der jüdischen Organisationen, die für ihre Verabschiedung entscheidend waren, war die Einwanderungsreform das, was sie immer gewesen war: ein Mechanismus zur Veränderung des ethnischen Gleichgewichts der Vereinigten Staaten (siehe Kapitel 7).

Daß die in CofC beschriebenen jüdischen Intellektuellen und politischen Funktionäre ihre nationalen bzw. ethnischen Loyalitäten nicht verloren, zeigt, daß es keinen allgemeinen Trend zur De-Ethnisierung gab. Die breiteren Trends zur De-Ethnisierung traten irgendwie unter den Europäern auf, verschonten aber die Juden, die allem Anschein nach weiterhin stark ihr ethnisches Heimatland Israel unterstützen und weiterhin ein starkes Gefühl ihres Volkstums haben – nun gestützt durch prominente Programme, um Juden zum Heiraten anderer Juden zu animieren. Mein Bericht würde davon profitieren, die Akzeptanz von Juden durch das protestantische Establishment nach dem Zweiten Weltkrieg zu diskutieren. Was ich jedoch soweit gesehen habe, deutet darauf hin, daß es bei den dramatischen Veränderungen in protestantischen Einstellungen genauso jüdische Einflüsse gab. Kürzlich ist mir John Murray Cuddihys Buch No Offense: Civil Religion and Protestant Taste (1978) zur Kenntnis gelangt. Das Kapitel über Reinhold Niebuhr ist besonders interessant, wenn man darüber nachdenkt, wie die Akzeptanz der Juden und des Judentums durch das WASP-Establishment nach dem Zweiten Weltkrieg zu erklären ist. Cuddihy konzentriert sich auf die Erhebung des Judaismus in den Status einer der „großen drei“ U.S.-Religionen bis zu dem Punkt, daß ein Rabbi die Amtseinführungszeremonie des Präsidenten leitet, obwohl die Juden annähernd 2 – 3 % der Bevölkerung ausmachen. Cuddihy behauptet, daß diese religiöse Oberfläche als Schutzfärbung diente und zu einer Art von Krypto-Judentum führte, bei dem jüdische ethnische Identitäten verdeckt wurden, um sie für die Goyim als zivilisiert erscheinen zu lassen. Als Teil dieses Vertrags anerkannte Niebuhr „den sturen Willen der Juden, als ein eigenes Volk zu leben“ – ein Eingeständnis eines bedeutenden protestantischen Führers, daß die Juden unter einem oberflächlichen religiösen Anstrich ein Volk bleiben durften.

Beide Seiten gaben bei diesem Handel etwas auf. Daß die Juden als Religion posierten, öffnete sie der Abtrünnigkeit in großem Maßstab durch Mischehen, bis zu dem Ausmaß, daß sie die Idee ernst nahmen, das Judentum sei dem Protestantismus verwandt, und in gewissem Ausmaß fand dies tatsächlich statt. Aber in jüngster Zeit haben die Juden die Zäune repariert. Es gibt einen starken Aufschwung bei traditionelleren Formen des Judaismus und eine offene Ablehnung von Mischehen selbst unter den liberalsten Flügeln des Judentums. Jüngste Richtlinien des Reformjudentums betonen die traditionellen Praktiken der Konversion, wie die Beschneidung, welche die Zahl von Konvertiten wahrscheinlich minimieren werden, und Proselytentum wird ausdrücklich abgelehnt.7 Es scheint, daß konservative religiöse Formen des Judaismus in der Diaspora die Norm sein werden und daß es in der jüdischen Religiosität einen selbstbewußten ethnischen Aspekt geben wird.

Was die Protestanten aufgaben, war viel bedeutender, denn ich glaube, daß es ein mitwirkender Faktor bei den mehr oder weniger irreversiblen ethnischen Veränderungen in den Vereinigten Staaten und anderswo in der westlichen Welt gewesen ist. Das Judentum wurde bedingungslos als moderne Religion akzeptiert, obwohl es eine Bindung an seinen ethnischen Kern beibehielt. Es paßte sich äußerlich den religiösen Normen der Vereinigten Staaten an, aber es verfolgte auch weiterhin energisch seine ethnischen Interessen, besonders hinsichtlich Fragen, bei denen es einen beträchtlichen Konsens unter Juden gibt: Unterstützung für Israel und das Wohlergehen anderer Judengemeinschaften im Ausland, Einwanderung und Flüchtlingspolitik, Trennung von Kirche und Staat, Abtreibungsrechte und bürgerliche Freiheiten (Goldberg 1996, S. 5). Das Bemerkenswerte ist, daß eine wohlhabende, mächtige und hochtalentierte Volksgruppe mindestens 60 Jahre lang – seit Lindberghs unglückseliger Rede von 1941 in Des Moines – in der Lage war, ihre Interessen zu verfolgen, ohne daß jene Interessen jemals Gegenstand offener politischer Diskussion durch Gestalten des politischen Mainstream gewesen wären.

Ich vermute, daß Niebuhr dachte, er würde nur die Aussicht auf die Bekehrung von Juden aufgeben, aber die implizite Herabstufung des ethnischen Charakters des Judentums lieferte ein unschätzbares Mittel zur Förderung der jüdischen ethnischen Interessen in den Vereinigten Staaten. Die Herabstufung des ethnischen Aspekts des Judentums ermöglichte es den Juden im Grunde, den ethnischen Krieg zu gewinnen, ohne daß irgend jemand überhaupt anerkennen konnte, daß es ein ethnischer Krieg war. Zum Beispiel wurden die Juden während der Einwanderungsdebatten der 1940er – 1960er von sich selbst und anderen als „Menschen jüdischen Glaubens“ beschrieben. Sie waren einfach eine weitere Religion in einer offiziell religiös pluralistischen Gesellschaft, und ein Teil des jüdischen Posierens bestand in einem Anspruch auf eine einzigartige universalistische moralisch-religiöse Vision, die nur durch Inkraftsetzung von Gesetzen erreicht werden konnte, welche tatsächlich ihre partikularistischen ethnischen Ziele förderten. Die von jüdischen Aktivisten geförderte universalistische, moralisch-religiöse Vision lief in Wirklichkeit darauf hinaus, die Protestanten bei ihrem eigenen Wort zu nehmen – indem sie darauf bestanden, daß die Protestanten auch noch das letzte Fitzelchen ethnischer Identität aufgaben, während die Juden die ihre implizit behalten durften, wenn sie nur versprachen, sich zivilisiert zu benehmen.

Der von Cuddihy gelieferte Beweis deutet darauf hin, daß Niebuhr vom jüdischen Milieu New Yorks dahingehend sozialisiert wurde, die Positionen einzunehmen, die er hatte – daß seine Position als bedeutender Sprecher der Protestanten durch Allianzen ermöglicht wurde, die er mit Juden schloß, und weil seine Schriften gut zum jüdischen Milieu der intellektuellen Zirkel New Yorks paßten. Niebuhrs Verhalten ist daher mehr ein Hinweis auf die jüdische Macht und die Fähigkeit von Juden zur Rekrutierung von mit ihrer Sache sympathisierenden Nichtjuden als ein Hinweis auf protestantische Selbstzerstörung. Die Bedeutung der jüdischen Macht in intellektuellen Kreisen in New York zur Zeit von Niebuhrs Erklärungen ist nicht zu unterschätzen (siehe CofC an verschiedenen Stellen). Zum Beispiel bemerkte Leslie Fiedler (1948, S. 873): „Der von New York aus den Provinzen angezogene Schriftsteller fühlt… sich als Hinterwäldler, versucht sich anzupassen; und die Beinahe-Parodie des Judentums, die vom nichtjüdischen Schriftsteller in New York erreicht wird, ist ein seltsames und wesentliches Zeugnis unserer Zeit.“8

DIE EVOLUTIONÄREN URSPRÜNGE DES EUROPÄISCHEN INDIVIDUALISMUS

Obwohl es viele Beweise dafür gibt, daß die Europäer im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert eine beherzte Verteidigung ihrer kulturellen und ethnischen Hegemonie aufboten, erhebt ihr schneller Niedergang die Frage: Welche kulturellen oder ethnischen Eigenschaften der Europäer machten sie empfänglich für die intellektuellen und politischen Bewegungen, die in CofC beschrieben werden? Die Diskussion in CofC konzentrierte sich hauptsächlich auf eine behauptete Verknüpfung von Individualismus, relativem Mangel an Ethnozentrismus und damit einhergehendem moralischem Universalismus – alles Wesenszüge, die dem Judentum fremd sind. An mehreren Stellen in allen dreien meiner Bücher über das Judentum entwickle ich die Ansicht, daß Europäer relativ weniger ethnozentrisch sind als andere Völker und relativ mehr zum Individualismus neigen, im Gegensatz zu den ethnozentrischen kollektivistischen Gesellschaftsstrukturen, die für andere Menschengruppen viel charakteristischer sind, einschließlich – was für diese Diskussion relevant ist – jüdischer Gruppen. Ich aktualisiere und erweitere diese Ideen hier.

Die Grundidee ist die, daß europäische Gruppen sehr anfällig sind für das Eindringen stark kollektivistischer, ethnozentrischer Gruppen, weil Individualisten eine weniger starke Abwehr gegen solche Gruppen haben. Der Konkurrenzvorteil geschlossener, kooperierender Gruppen ist offensichtlich und ein Thema, das in meiner gesamten Trilogie über das Judentum immer wiederkehrt. Dieses Szenario impliziert, daß europäische Völker mehr zu Individualismus neigen. Individualistische Kulturen zeigen wenig emotionale Bindungen an Eigengruppen. Persönliche Ziele haben Priorität, und sie Sozialisierung betont die Wichtigkeit von Selbständigkeit, Unabhängigkeit, individueller Verantwortung und „Selbstfindung“ (Triandis 1991, S. 82). Individualisten haben positivere Einstellungen zu Fremden und Mitgliedern von Fremdgruppen und verhalten sich Fremden gegenüber mit höherer Wahrscheinlichkeit in sozialer und altruistischer Weise. Menschen in individualistischen Kulturen sind sich der Grenzen zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe weniger bewußt und haben daher keine stark negativen Einstellungen zu Mitgliedern von Fremdgruppen. Sie sind oft nicht mit der Politik der Eigengruppe einverstanden, zeigen wenig emotionale Bindung oder Loyalität zu Eigengruppen und haben kein Gefühl eines gemeinsamen Schicksals mit anderen Mitgliedern der Eigengruppe. Opposition zu Fremdgruppen kommt in individualistischen Gesellschaften vor, aber die Opposition ist „rationaler“ in dem Sinne, daß es weniger Tendenz gibt anzunehmen, daß alle Mitglieder der Fremdgruppe schuldhaft sind. Individualisten bilden schwache Bindungen an viele Gruppen, während Kollektivisten eine intensive Bindung und Identifizierung mit ein paar wenigen Eigengruppen haben (Triandis 1990, S. 61). Individualisten sind daher relativ schlecht auf Konkurrenz zwischen Gruppen vorbereitet, die für die Geschichte des Judentums so charakteristisch ist.

Geschichtlich ist das Judentum weit ethnozentrischer und kollektivistischer gewesen als typische westliche Gesellschaften. Ich bringe dieses Argument in Separation and Its Discontents (MacDonald 1998a; Kapitel 1) und besonders in A People That Shall Dwell Alone (MacDonald 1994; Kapitel 8), wo ich anrege, daß die Europäer im Laufe ihrer jüngeren Evolution weniger der natürlichen Selektion zwischen Gruppen ausgesetzt waren als Juden und andere nahöstliche Populationen. Dies wurde ursprünglich von Fritz Lenz (1931, S. 657) vorgeschlagen, der meinte, daß die nordischen Völker sich wegen der rauhen Umwelt der Eiszeit in kleinen Gruppen entwickelten und eher eine Tendenz zu sozialer Isolation haben als zu geschlossenen Gruppen. Diese Sichtweise würde nicht bedeuten, daß den Nordeuropäern kollektivistische Mechanismen für Gruppenkonkurrenz fehlen, sondern nur daß diese Mechanismen vergleichsweise weniger entwickelt sind und/oder ein höheres Maß an Gruppenkonflikt erfordern, damit sie zum Vorschein kommen.

Diese Sichtweise ist konsistent mit der ökologischen Theorie. Unter ökologisch widrigen Umständen werden die Anpassungen mehr darauf gerichtet, der widrigen physischen Umwelt gewachsen zu sein, als auf das Konkurrieren mit anderen Gruppen (Southwood 1977, S. 1981), und in solch einer Umwelt gäbe es weniger Selektionsdruck in Richtung ausgedehnter Verwandtschaftsnetzwerke und stark kollektivistischer Gruppen. Evolutionäre Konzepte des Ethnozentrismus betonen die Nützlichkeit des Ethnozentrismus bei der Konkurrenz zwischen Gruppen. Ethnozentrismus hätte somit gar keine Bedeutung bei der Bekämpfung der physischen Umwelt, und solch eine Umwelt würde keine großen Gruppen tragen.

Europäische Gruppen sind Teil dessen, was Burton et al. (1996) das nordeurasische und zirkumpolare Kulturgebiet nennen.9 Dieses Kulturgebiet ging aus Jägern und Sammlern hervor, die an kalte, ökologisch widrige Klimate angepaßt waren. In solchen Klimaten gibt es einen Druck in Richtung Versorgung der Familie durch den Mann und eine Tendenz zu Monogamie, weil die Ökologie weder Polygynie noch große Gruppen über einen evolutionär bedeutsamen Zeitraum trug. Diese Kulturen sind durch bilaterale Verwandtschaftsbeziehungen charakterisiert, die sowohl die männliche als auch die weibliche Linie anerkennen, was auf einen gleicheren Beitrag jedes Geschlechts hindeutet, als man unter Bedingungen der Monogamie erwarten würde. Es gibt auch weniger Betonung erweiterter Verwandtschaftsbeziehungen, und die Heirat tendiert zur Exogamie (d. h. außerhalb der Verwandtschaftsgruppe). Wie unten besprochen, sind all diese Charakteristika das Gegenteil dessen, was man bei Juden findet.

Die historische Beweislage zeigt, daß die Europäer, und besonders die Nordwesteuropäer, relativ schnell erweiterte Verwandtschaftsnetzwerke und kollektivistische Gesellschaftsstrukturen aufgaben, als ihre Interessen durch das Aufkommen starker zentralisierter Regierungen geschützt wurden. Es gibt in der Tat auf der ganzen Welt eine allgemeine Tendenz zu einem Schwinden erweiterter Verwandtschaftsnetzwerke bei Aufstieg einer zentralen Autorität (Alexander 1979; Goldschmidt & Kunkel 1971; Stone 1977). Aber im Falle Nordwesteuropas ließ diese Tendenz schnell den Typus des einzigartig westeuropäischen „einfachen Haushalts“ entstehen, lange vor der industriellen Revolution. Der Typus des einfachen Haushalts beruht auf einem einzelnen verheirateten Paar und dessen Kindern. Er steht in Kontrast zu der verbundenen Familienstruktur, die für den Rest Eurasiens typisch ist, bei der der Haushalt aus zwei oder mehr verwandten Paaren besteht, typischerweise Brüdern und deren Ehefrauen und anderen Mitgliedern der erweiterten Familie (Hajnal 1983). Ein Beispiel für den verbundenen Haushalt wären die Familien der im Alten Testament beschriebenen Patriarchen; siehe MacDonald 1994, Kap. 3. Vor der industriellen Revolution war das System des einfachen Haushalts von Methoden charakterisiert, unverheiratete junge Leute als Diener zu beschäftigen. Es waren nicht nur die Kinder der Armen und Landlosen, die Diener wurden, sondern sogar große, erfolgreiche Bauern schickten ihre Kinder anderswohin, um Diener zu werden. Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen Individuen oft am Anfang ihrer Ehe Diener auf, bevor ihre eigenen Kinder mithelfen konnten, und reichten ihre Kinder an andere weiter, wenn die Kinder älter waren und es mehr als genug Hilfe gab (Stone 1977).

Dies deutet auf eine tief verwurzelte kulturelle Praxis hin, die ein hohes Maß an nicht auf Verwandtschaft beruhender Gegenseitigkeit zur Folge hatte. Diese Praxis läßt auch einen relativen Mangel an Ethnozentrismus erkennen, weil die Menschen Nichtverwandte als Haushaltsmitglieder aufnehmen, wohingegen die Menschen im Rest Eurasiens dazu neigen, sich mit biologisch Verwandten zu umgeben. Einfach ausgedrückt, war genetische Verwandtschaft in Europa und besonders in den nordischen Gebieten Europas weniger wichtig. Das einzigartige Merkmal des Systems der einfachen Haushalte war der hohe Prozentanteil von Nichtverwandten. Anders als im Rest Eurasiens waren die vorindustriellen Gesellschaften des nordwestlichen Europas nicht um erweiterte Verwandtschaftsbeziehungen organisiert, und es ist leicht zu erkennen, daß sie für die industrielle Revolution und die moderne Welt im Allgemeinen bereits vorweg angepaßt waren.10

Dieses System der einfachen Haushalte ist ein grundlegendes Merkmal der individualistischen Kultur. Die individualistische Familie war in der Lage, ihre Interessen befreit von den Verpflichtungen und Einschränkungen der erweiterten Verwandtschaftsbeziehungen und frei vom erstickenden Kollektivismus der Sozialstrukturen zu verfolgen, die für so viel vom Rest der Welt typisch sind. Die auf individueller Einwilligung und ehelicher Zuneigung beruhende monogame Ehe ersetzte schnell die auf Verwandtschaft und Familienstrategie beruhende Ehe. (Siehe Kapitel 4 und 8 bezüglich einer Diskussion der größeren Neigung von Westeuropäern zu Monogamie und zu auf Gefährtenschaft und Zuneigung statt auf Polygynie und kollektivistischen Mechanismen der Sozialkontrolle und Familienstrategie beruhender Ehe.)

Diese relativ größere Neigung zur Bildung eines einfachen Haushaltstyps könnte sehr gut ethnisch begründet sein. Während der vorindustriellen Zeit kam dieses Haushaltssystem nur im nordischen Europa vor: Der Typ des einfachen Haushalts beruhte auf einem einzelnen verheirateten Paar und dessen Kindern und charakterisierte Skandinavien (außer Finnland), die britischen Inseln, die Niederlande, deutschsprachige Gebiete und Nordfrankreich. Innerhalb Frankreich kam der einfache Haushalt in Gebieten vor, die von den germanischen Völkern bewohnt wurden, die nordöstlich der von Saint Malo am Ärmelkanal nach Genf in der französischsprachigen Schweiz verlaufenden „ewigen Linie“ lebten (Ladurie 1986). Dieses Gebiet entwickelte Landwirtschaft in großem Maßstab, die in der Lage war, die wachsenden Ortschaften und Städte zu ernähren und das vor der landwirtschaftlichen Revolution des 18. Jahrhunderts auch taten. Es wurde unterstützt von einem breiten Spektrum geschickter Handwerker in den Ortschaften und von einer großen Klasse mittelgroßer Bauern, die „Pferde, Kupferschüsseln, Glaspokale und oft Schuhe besaßen; ihre Kinder hatten fette Wangen und breite Schultern, und ihre Babies trugen winzige Schuhe. Keines dieser Kinder hatte die geschwollenen Bäuche der Rachitischen aus der Dritten Welt“ (Ladurie 1986, S. 340). Der Nordosten wurde zum Zentrum der französischen Industrialisierung und des französischen Welthandels.

Der Nordosten unterschied sich vom Südwesten auch im Alphabetisierungsgrad. Während die Alphabetisierungsrate Frankreichs als Ganzes im 19. Jahrhundert annähernd 50 % betrug, war die Rate im Nordosten nahe an 100 %, und Unterschiede gab es mindestens seit dem 17. Jahrhundert. Außerdem gab es einen ausgeprägten Unterschied in der Statur, wobei die Nordostler in einer Stichprobe von Rekruten des Militärs im 18. Jahrhundert um fast 2 cm größer waren. Ladurie merkt an, daß der Unterschied in der Gesamtbevölkerung wahrscheinlich größer war, weil die Armee viele der kleinwüchsigeren Männer aus dem Südwesten nicht akzeptierte. Zusätzlich haben Laslett (1983) und andere Familienhistoriker angemerkt, daß der Trend zur wirtschaftlich unabhängigen Kernfamilie im Norden ausgeprägter war, während es eine Tendenz zu Verbundfamilien gab, je weiter man nach Süden und Osten ging.

Diese Befunde sind kompatibel mit der Interpretation, daß ethnische Unterschiede ein Faktor sind, der zur geographischen Variation bei den Familienformen innerhalb Europas beiträgt. Die Befunde deuten darauf hin, daß die germanischen Völker wegen der natürlichen Selektion, die in einer ausgedehnten ressourcenbegrenzten Periode ihrer Evolution im Norden Europas auftrat, eine größere biologische Tendenz zu einer Reihe von Wesenszügen hatten, die sie für den Individualismus prädisponierten – einschließlich einer größeren Tendenz zum einfachen Haushalt. Ähnliche Tendenzen in Richtung Exogamie, Monogamie, Individualismus und relativ geringer Bedeutung der erweiterten Familie waren auch charakteristisch für die römische Zivilisation (MacDonald 1990), was wiederum auf eine ethnische Tendenz hinweist, die die westlichen Kulturen allgemein durchzieht.

Aktuelle Daten deuten an, daß an die 80 % der europäischen Gene von Menschen stammen, die vor 30.000 – 40.000 Jahren in Europa siedelten und daher die Eiszeit überdauerten (Sykes 2001). Dies ist genügend Zeit, daß die widrige Ökologie des Nordens einen mächtigen formenden Einfluß auf die psychologischen und kulturellen Tendenzen der Europäer haben konnte. Diese europäischen Gruppen wurden weniger zu erweiterten Verwandtschaftsgruppen hingezogen, sodaß, als sich der Kontext mit dem Aufstieg mächtiger Zentralregierungen änderte, die individuelle Interessen garantieren konnten, die einfache Haushaltsstruktur schnell dominant wurde. Diese einfache Familienstruktur wurde relativ leicht übernommen, weil die Europäer bereits relativ starke psychologische Veranlagungen in Richtung der einfachen Familie hatten, die aus ihrer ausgedehnten Evolutionsgeschichte im Norden Europas resultierten.

Obwohl diese Unterschiede innerhalb des westeuropäischen Systems wichtig sind, widerlegen sie nicht den allgemeinen Unterschied zwischen Westeuropa und dem Rest Eurasiens. Obwohl der Trend hin zu einfachen Haushalten zuerst im Nordwesten Europas auftrat, verbreitete er sich relativ schnell in allen westeuropäischen Ländern.

Die Etablierung des von der Verwicklung in die weitere Verwandtengemeinschaft befreiten einfachen Haushalts wurde dann in kurzer Zeit von all den anderen Kennzeichen der westlichen Modernisierung gefolgt: begrenzte Regierungen, in denen Individuen Rechte gegen den Staat haben, kapitalistische Wirtschaftsunternehmen, die auf individuellen wirtschaftlichen Rechten beruhen, moralischer Universalismus, und Wissenschaft als individualistische Wahrheitssuche.

Individualistische Gesellschaften entwickeln republikanische politische Institutionen und Institutionen der wissenschaftlichen Forschung, die annehmen, daß Gruppen maximal durchlässig sind und stark der Abtrünnigkeit ausgesetzt, wenn individuelle Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Jüngste Forschungen von Evolutionsökonomen bieten faszinierende Einsichten in die Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen. Ein wichtiger Aspekt dieser Forschung ist die Erstellung eines Modells der Entwicklung der Kooperation unter individualistischen Völkern. Fehr und Gächter (2002) fanden heraus, daß die Menschen Abtrünnige in einem „Einmal“-Spiel in altruistischer Weise bestrafen – einem Spiel, bei dem die Teilnehmer nur einmal miteinander interagieren und daher nicht vom Ruf der Leute beeinflußt werden, mit denen sie interagieren. Diese Situation modelliert daher eine individualistische Kultur, weil die Teilnehmer Fremde ohne verwandtschaftliche Bindungen sind. Das überraschende Ergebnis war, daß die Versuchspersonen, die hohe Spenden für öffentliche Güter gaben, dazu neigten, diejenigen zu bestrafen, die das nicht taten, obwohl sie keinen Vorteil davon hatten. Außerdem änderten die bestraften Individuen ihr Verhalten und spendeten in zukünftigen Spielen mehr, obwohl sie wußten, daß die Teilnehmer in den späteren Runden nicht dieselben waren wie in den vorherigen Runden. Fehr und Gächter meinen, daß Menschen aus individualistischen Kulturen eine entwickelte negative emotionale Reaktion auf Trittbrettfahrer haben, die zur Folge hat, daß sie solche Leute bestrafen, auch wenn es sie selbst etwas kostet – daher der Ausdruck „altruistische Bestrafung“.

Im Grunde liefern Fehr und Gächter ein Modell für die Entwicklung der Kooperation unter individualistischen Völkern. Ihre Resultate sind auf individualistische Gruppen am meisten anwendbar, weil solche Gruppen nicht auf erweiterten Verwandtschaftsbeziehungen beruhen und daher mehr zur Abtrünnigkeit neigen. Im Allgemeinen findet man ein hohes Maß an altruistischer Bestrafung mit größerer Wahrscheinlichkeit unter individualistischen Gesellschaften von Jägern und Sammlern als in auf Verwandtschaft beruhenden Gesellschaften, die sich auf die erweiterte Familie stützen. Die Resultate sind am wenigsten auf Gruppen wie jüdische Gruppen oder andere stark kollektivistische Gruppen anwendbar, die in traditionellen Gesellschaften auf erweiterten Verwandtschaftsbeziehungen, bekannten Sippenverbindungen und wiederholten Interaktionen zwischen Mitgliedern beruhten. In solchen Situationen kennen die Akteure die Menschen, mit denen sie kooperieren, und erwarten zukünftige Kooperation, weil sie in erweiterte Verwandtschaftsnetzwerke verwoben sind, oder, wie im Fall der Juden, zur selben Gruppe gehören.

In ähnlicher Weise erhält im Ultimatumsspiel eine Versuchsperson (der „Vorschlagende“) eine Geldsumme zugeteilt, die zwei Tageslöhnen entspricht, und muß einer zweiten Person (dem „Befragten“) ein Angebot machen. Der Befragte kann das Angebot dann akzeptieren oder ablehnen, und falls das Angebot abgelehnt wird, gewinnt keiner der Spieler etwas. Wie im vorher beschriebenen Spiel mit den öffentlichen Gütern soll das Spiel ökonomische Interaktionen zwischen Fremden modellieren, daher sind die Spieler anonym. Henrich et al. (2001) fanden heraus, daß zwei Variablen, der Lohn für Kooperation und das Ausmaß des Marktaustauschs, die Angebote und Ablehnungen in dem Spiel vorhersagen ließen. In Gesellschaften mit einer Betonung auf Kooperation und Marktaustausch gab es die höchsten Angebote – Resultate, die als Widerspiegelung der Tatsache interpretiert werden, daß sie ausgiebige Erfahrung mit dem Prinzip der Kooperation und des Teilens mit Fremden hatten. Dies sind individualistische Gesellschaften. Auf der anderen Seite machten Testpersonen aus Gesellschaften, in denen alle Interaktionen unter Familienmitgliedern stattfinden, in dem Ultimatumsspiel niedrige Angebote und trugen unter ähnlich anonymen Bedingungen geringe Beträge zu öffentlichen Gütern bei.

Europäer sind somit genau die Art von Gruppen, die von Fehr und Gächter und Henrich et al. modelliert wurden: Sie sind Gruppen mit einem hohen Maß an Kooperation mit Fremden statt mit Mitgliedern der erweiterten Familie, und sie neigen zu Marktbeziehungen und Individualismus. Auf der anderen Seite entstammt die jüdische Kultur dem Mittel-Altweltlichen Kulturgebiet, das von erweiterten Verwandtschaftsnetzwerken und der erweiterten Familie charakterisiert wird. Solche Kulturen neigen zu Beziehungen zwischen Eigengruppe und Fremdgruppen, bei denen Kooperation wiederholte Interaktionen mit Mitgliedern der Eigengruppe beinhaltet und die Eigengruppe aus Mitgliedern der erweiterten Familie besteht.

Dies weist auf die faszinierende Möglichkeit hin, daß der Schlüssel für eine Gruppe, die die Europäer dazu bringen will, sich gegeneinander zu wenden, darin besteht, ihre starke Tendenz zu altruistischer Bestrafung zu aktivieren, indem man sie davon überzeugt, daß ihre eigene Gruppe böse ist. Weil Europäer in ihrem Innersten Individualisten sind, erheben sie sich bereitwillig in moralischem Zorn gegen ihre eigenen Leute, sobald diese als Trittbrettfahrer und somit als moralisch tadelnswert gesehen werden – eine Manifestation ihrer viel stärkeren Tendenz zu altruistischer Bestrafung, die von ihrer evolutionären Vergangenheit als Jäger und Sammler herrührt. Bei Urteilen hinsichtlich altruistischer Bestrafung ist die relative genetische Distanz irrelevant. Trittbrettfahrer werden als Fremde in einer Marktsituation gesehen, d. h. sie haben keine familiäre oder Stammesverbindung zum altruistischen Bestrafer.

Von daher also die gegenwärtige altruistische Bestrafung, die für die zeitgenössische westliche Zivilisation so charakteristisch ist: Sobald die Europäer davon überzeugt waren, daß ihr eigenes Volk moralisch bankrott war, sollten alle Mittel der Bestrafung gegen ihr eigenes Volk eingesetzt werden. Statt andere Europäer als Teil einer umfassenden ethnischen und Stammesgemeinschaft zu sehen, wurden Mit-Europäer als moralisch tadelnswert und als geeignete Ziele für altruistische Bestrafung gesehen. Für Westler ist Moral individualistisch – Verletzungen gemeinschaftlicher Normen durch Trittbrettfahrer werden durch altruistische Aggression bestraft.

Auf der anderen Seite sind Gruppenstrategien, die kollektivistischen Kulturen entstammen, wie die der Juden, gegen solch ein Manöver immun, weil Verwandtschafts- und Gruppenbindungen an erster Stelle kommen. Moral ist partikularistisch – alles, was gut für die Gruppe ist. Es gibt keine Tradition der altruistischen Bestrafung, weil die Evolutionsgeschichte dieser Gruppen sich um Kooperation unter engen Verwandten zentriert, nicht unter Fremden (siehe unten).

Die beste Strategie für eine kollektivistische Gruppe wie die Juden zur Vernichtung der Europäer besteht daher darin, die Europäer von ihrem eigenen moralischen Bankrott zu überzeugen. Ein Hauptthema von CofC ist, daß dies genau das ist, was jüdische intellektuelle Bewegungen getan haben. Sie haben das Judentum als der europäischen Zivilisation moralisch überlegen präsentiert und die europäische Zivilisation als moralisch bankrott und als angemessenes Ziel für altruistische Bestrafung. Die Konsequenz davon ist, daß die Europäer, sobald sie von ihrer eigenen moralischen Verderbtheit überzeugt sind, ihr eigenes Volk in einem Anfall altruistischer Bestrafung zerstören werden. Die allgemeine Demontierung der Kultur im Westen und schließlich ihr Untergang als etwas, das einer ethnischen Einheit auch nur ähnelt, werden als Folge eines moralischen Ansturms stattfinden, der einen Taumel altruistischer Bestrafung ausgelöst hat. Deshalb also die intensive Anstrengung jüdischer Intellektueller, die Ideologie der moralischen Überlegenheit des Judentums und dessen Rolle als unverdientes historisches Opfer fortbestehen zu lassen, während gleichzeitig der Ansturm gegen die moralische Legitimität des Westens fortgesetzt wird.

Individualistische Gesellschaften sind daher eine ideale Umgebung für den Judaismus als stark kollektivistische, gruppenorientierte Strategie. Tatsächlich ist es ein Hauptthema von Kapitel 5, daß die Frankfurter Schule für Sozialforschung radikalen Individualismus unter Nichtjuden befürwortete, während sie gleichzeitig ihre eigene starke Gruppenloyalität zum Judentum beibehielten. Juden profitieren von offenen, individualistischen Gesellschaften, in denen Barrieren gegen Aufwärtsmobilität entfernt sind, in denen Menschen als Individuen gesehen werden statt als Mitglieder von Gruppen, in denen der intellektuelle Diskurs nicht von Institutionen wie der katholischen Kirche verordnet wird, die nicht von Juden dominiert werden, und in denen Mechanismen der altruistischen Bestrafung ausgenützt werden können, um die europäische Mehrheit zu spalten. Dies ist auch der Grund, warum nahöstliche Gesellschaften, abgesehen von Perioden, in denen Juden als Mittelsmänner zwischen fremden Eliten und einheimischen Populationen dienten, viel effizienter als westliche Gesellschaften darin waren, die Juden in einer machtlosen Position zu halten, wo sie keine konkurrierende Bedrohung darstellten (siehe MacDonald 1998a, Kap. 2).

DIE EVOLUTIONÄREN URSPRÜNGE DES JÜDISCHEN KOLLEKTIVISMUS UND ETHNOZENTRISMUS

Die Juden stammen aus dem Kulturgebiet der Mittleren Alten Welt11 und bewahren mehrere der entscheidenden kulturellen Wesenszüge ihrer Ahnenpopulation. Die Kultur der Mittleren Alten Welt wird von erweiterten Verwandtschaftsgruppen charakterisiert, die auf Verwandtschaft über die männliche (patrilineale) Linie beruht anstelle der bilateralen Beziehungen, die für Europäer charakteristisch sind. Diese männlich dominierten Gruppen funktionierten als militärische Einheiten zum Schutz der Herden, und Konflikt zwischen Gruppen ist ein viel bedeutenderer Bestandteil ihrer Evolutionsgeschichte. Es gibt einen großen Druck zur Bildung größerer Gruppen, um die militärische Stärke zu erhöhen, und das geschieht teilweise durch Erwerb zusätzlicher Frauen mittels Brautkauf.12 (Brautkauf beinhaltet die Übertragung von Ressourcen im Tausch für Heiratsrecht an einer Frau, wie es im Alten Testament von den Ehen Abrahams und Isaaks geschildert wird.) Als Folge davon ist Polygynie statt der für die europäische Kultur charakteristischen Monogamie die Norm. Ein weiterer Gegensatz ist, daß traditionelle jüdische Gruppen im Grunde erweiterte Familien mit einem hohen Maß an Endogamie (d. h. Heirat innerhalb der Verwandtschaftsgruppe) und Blutsverwandtenehe waren, einschließlich der im Alten Testament gestatteten Ehe zwischen Onkel und Nichte. Dies ist das genaue Gegenteil der westeuropäischen Tendenzen in Richtung Exogamie. (Siehe MacDonald 1994, Kap. 3 und 8 bezüglich einer Behandlung jüdischer Tendenzen zu Polygynie, Endogamie und Blutsverwandtenehe.) Die Tabelle 1 stellt europäische und jüdische kulturelle Charakteristika einander gegenüber.13

Tabelle 1: Gegensätze zwischen europäischen und jüdischen Kulturformen

Xenophobie:Relativ niedrigRelativ hoch; „Hyperxenophobie“

Eur. kultureller Ursprung Jüd. kultureller Ursprung
Evolutionsgeschichte: Nördliche Jäger und Sammler Nahöstliche Hirten
Verwandtschaftssystem: Bilateral;schwach patrizentrisch Unilineal; stark patrizentrisch
Familiensystem: Einfacher Haushalt Erweiterte Familie;Verbundhaushalt
Ehepraktiken: Exogam; Monogam Endogam; Polygyn; Blutsverwandtenehe
Ehepsychologie: kameradschaftlich; auf gegenseitiger Einwilligung und Zuneigung beruhend zweckorientiert; auf Familienstrategie und Kontrolle der Verwandtschaftsgruppe beruhend
Stellung der Frau: Relativ hoch Relativ niedrig
Gesellschaftsstruktur: Individualistisch; repbulikanisch; demokratisch Kollektivistisch; autoritär; charismatische Führer
Ethnozentrismus: Relativ niedrig Relativ hoch; „Hyperethnozentrismus“
Sozialisierung: Betont Unabhängigkeit, Selbständigkeit Betont Identifikation mit der Eigengruppe, Verpflichtungen gegenüber Verwandtschaftsgruppe
Intellektuelle Haltung: Vernunft; Wissenschaft Dogmatismus; Unterwerfung unter Autorität der Eigengruppe und charismatische Führer
Moralische Haltung Moral ist unabhängig von Gruppenzugehörigkeit Moral an Eigengruppe / Fremdgruppe orientiert;„Gut ist, was gut für die Juden ist“

Während individualistische Gruppen eine Tendenz zur Trennung von der breiteren Gruppe aufweisen, haben Individuen in kollektivistischen Gesellschaften aufgrund der größeren Bedeutung von Gruppenkonflikten während ihrer Evolutionsgeschichte ein starkes Gefühl für Gruppenidentität und Gruppenabgrenzungen auf Basis genetischer Verwandtschaft. Nahöstliche Gesellschaften werden von Anthropologen als „segmentäre Gesellschaften“ charakterisiert, die in relativ undurchlässigen, auf Verwandtschaft beruhenden Gruppen organisiert sind (z. B. Coon 1958, S. 153; Eickelman 1981, S. 157 – 174). Gruppenabgrenzungen werden oft bestärkt durch äußere Kennzeichen wie Haartracht oder Kleidung, wie Juden das im Laufe ihrer Geschichte oft getan haben. Verschiedene Gruppen siedeln sich in verschiedenen Gebieten an, wo sie ihre Homogenität neben anderen homogenen Gruppen beibehalten. Beachten Sie Carleton Coons Beschreibung der nahöstlichen Gesellschaft (1958):

Das Ideal dort war die Betonung nicht der Uniformität der Bürger eines Landes als Ganzem, sondern einer Uniformität innerhalb jedes besonderen Segmentes, und der größtmögliche Gegensatz zwischen den Segmenten. Die Mitglieder jeder ethnischen Einheit haben das Bedürfnis, sich nach irgendeiner Konfiguration von Symbolen zu identifizieren. Falls sie aufgrund ihrer Geschichte irgendeine rassische Eigenheit haben, betonen sie diese durch besondere Haarschnitte und dergleichen; in jedem Fall tragen sie charakteristische Kleidung und verhalten sich in charakteristischer Weise. (Coon 1958, S.153)

Konflikte zwischen Gruppen lauerten oft gleich unter der Oberfläche dieser Gesellschaften. Zum Beispiel beschreibt Dumont (1982, S. 223) die Zunahme des Antisemitismus in der Türkei im späten 19. Jahrhundert infolge erhöhter Konkurrenz um Ressourcen. In vielen Städten lebten Juden, Christen und Moslems in einer Art oberflächlicher Harmonie, und lebten sogar in denselben Gebieten, „aber der kleinste Funke genügte, um die Zündschnur in Brand zu setzen“ (S. 222).

Juden liegen im Extrem dieser nahöstlichen Tendenz zu Hyperkollektivismus und Hyper-Ethnozentrismus – ein Phänomen, das viel von den chronischen Feindseligkeiten in diesem Gebiet erklärt. Ich gebe in meiner Trilogie viele Beispiele für jüdischen Hyper-Ethnozentrismus und habe an mehreren Stellen behauptet, daß der jüdische Hyper-Ethnozentrismus eine biologische Basis hat (MacDonald 1994, Kap. 8; 1998, Kap. 1). Es wurde oben erwähnt, daß individualistische europäische Kulturen dazu neigen, offener gegenüber Fremden zu sein als kollektivistische Kulturen wie das Judentum. In dieser Hinsicht ist es interessant, daß Entwicklungspsychologen bei israelischen Kleinkindern ungewöhnlich intensive Furchtreaktionen auf Fremde gefunden haben, während bei Kleinkindern aus Norddeutschland das gegenteilige Muster zu finden ist.14 Die israelischen Kleinkinder wurden mit viel größerer Wahrscheinlichkeit als Reaktion auf Fremde „untröstlich aufgeregt“, wohingegen die norddeutschen Kleinkinder relativ geringe Reaktionen auf Fremde zeigten. Die israelischen Babies neigten daher zu einem ungewöhnlichen Grad an Fremdenangst, während die norddeutschen Babies das Gegenteil waren – Erkenntnisse, die zur Hypothese passen, daß Europäer und Juden sich auf der Skala der Xenophobie und des Ethnozentrismus an entgegengesetzten Enden befinden.

Ich liefere in meiner Trilogie über das Judentum viele Beispiele des jüdischen Hyper-Ethnozentrismus. Kürzlich bin ich durch das Thema des jüdischen Hyper-Ethnozentrismus in den Schriften von Israel Shahak sehr beeindruckt worden, ganz besonders im von ihm mitverfaßten Jewish Fundamentalism in Israel (Shahak & Mezvinsky 1999). In ihrer Untersuchung der gegenwärtigen jüdischen Fundamentalisten und ihres Einflusses in Israel behaupten Shahak und Mezvinsky, daß die heutigen Fundamentalisten das Leben der jüdischen Gemeinschaften vor der Aufklärung (d. h. vor etwa 1750) wiederherstellen wollen. In dieser Zeit glaubte die große Mehrheit der Juden an die Kabbala – den jüdischen Mystizismus. Einflußreiche jüdische Gelehrte wie Gershon Scholem ignorierten das offenkundig rasseorientierte, exklusivistische Material in der Kabbala, indem er Worte wie „Menschen“, „menschliche Wesen“ und „kosmisch“ verwendete, um zu suggerieren, daß die Kabbala eine universalistische Botschaft hätte. Der wirkliche Text sagt, daß es Erlösung nur für Juden gibt, während Nichtjuden „satanische Seelen“ haben (S. 58).

Der in solchen Aussagen erkennbare Ethnozentrismus war nicht nur die Norm in der traditionellen jüdischen Gesellschaft, sondern bleibt eine starke Strömung des zeitgenössischen jüdischen Fundamentalismus, mit bedeutenden Implikationen für die israelische Politik. Zum Beispiel beschreibt der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, den Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden:

Wir haben keinen Fall einer tiefgreifenden Veränderung, bei der eine Person bloß auf oberflächlicher Ebene existiert. Vielmehr haben wir einen Fall… einer völlig unterschiedlichen Spezies… Der Körper eines Juden ist von völlig unterschiedlicher Qualität zum Körper [von Mitgliedern] aller Nationen der Welt… Der Unterschied der inneren Qualität [des Körpers]… ist so groß, daß man die Körper als völlig unterschiedliche Spezies betrachten würde. Dies ist der Grund, warum der Talmud besagt, daß es einen halachischen15 Unterschied in der Einstellung zum Körper von Nichtjuden [im Gegensatz zu Körpern von Juden] gibt: „ihre Körper sind vergebens“… Einen noch größeren Unterschied gibt es hinsichtlich der Seele. Es gibt zwei gegensätzliche Arten von Seelen, eine nichtjüdische Seele kommt aus drei satanischen Sphären, während die jüdische Seele der Heiligkeit entstammt. (Bei Shahak & Mezvinsky 1999, S. 59 – 60)

Dieser Anspruch auf jüdische Einzigartigkeit echot die Behauptung des Holocaust-Aktivisten Elie Wiesel (1985, S. 153), daß „alles an uns anders ist.“ Juden sind „ontologisch“ außergewöhnlich.

Die Gush Emunim und andere von Shahak und Mezvinsky beschriebene fundamentalistische jüdische Sekten sind somit Teil einer etablierten jüdischen Tradition, die Juden und Nichtjuden als völlig verschiedene Spezies betrachtet, wobei Juden den Nichtjuden absolut überlegen sind und einem radikal verschiedenen moralischen Code unterliegen. Moralischer Universalismus ist daher der jüdischen Tradition entgegengesetzt.

Innerhalb Israels sind diese jüdischen Fundamentalistengruppen keine winzigen Randgruppen, bloße Relikte traditioneller jüdischer Kultur. Sie werden von der israelischen Öffentlichkeit und von vielen Juden in der Diaspora weithin respektiert. Sie haben einen großen Einfluß auf die Regierung, besonders auf die Likud-Regierungen und die jüngste, von Ariel Scharon geführte Regierung der nationalen Einheit. Die Mitglieder der Gush Emunim stellen einen bedeutenden Prozentanteil der Eliteeinheiten der israelischen Armee, und wie aufgrund der Hypothese, daß sie extrem ethnozentrisch sind, zu erwarten ist, sind sie viel eher als andere israelische Soldaten bereit, die Palästinenser in grausamer und brutaler Weise zu behandeln. Insgesamt machen die religiösen Parteien etwa 25 % der israelischen Wählerschaft aus (Shahak & Mezvinsky 1999, S. 8) – ein Prozentsatz, der wegen ihrer hohen Fruchtbarkeit und weil intensivierte Probleme mit den Palästinensern andere Israelis tendenziell mehr mit ihrer Sache sympathisieren lassen, sicher steigen wird. Angesichts des fraktionierten Zustands der israelischen Politik und den zunehmenden Zahlen der religiösen Gruppen ist es unwahrscheinlich, daß zukünftige Regierungen ohne ihre Teilnahme gebildet werden können. Friede im Nahen Osten erscheint daher ohne eine völlige Kapitulation der Palästinenser unwahrscheinlich.

Hier geht es nicht so sehr um die Fundamentalisten im zeitgenössischen Israel, sondern darum, daß traditionelle jüdische Gemeinschaften intensiv ethnozentrisch und kollektivistisch waren – ein Hauptthema aller drei meiner Bücher über das Judentum. Ein Thema, das CofC durchzieht, ist, daß jüdische Intellektuelle und politische Aktivisten sich stark als Juden identifizierten und ihre Arbeit als Förderung spezifisch jüdischer Agenden sahen. Ihr Eintreten für intellektuelle und politische Anliegen, wenn auch oft in der Sprache des moralischen Universalismus geäußert, war in Wirklichkeit verkleideter moralischer Partikularismus.

Angesichts dessen, daß Ethnozentrismus weiterhin alle Segmente der jüdischen Gemeinschaft durchdringt, kann man die Befürwortung der De-Ethnisierung der Europäer – eine gemeinsame Geisteshaltung der Bewegungen, die ich behandle – am besten als strategischen Zug gegen Völker sehen, die als historische Feinde betrachtet werden. In Kapitel 8 von CofC lenkte ich die Aufmerksamkeit  auf eine lange Liste ähnlicher Doppelstandards, besonders hinsichtlich der von Israel verfolgten Politik versus der Politik, die jüdische Organisationen in der Vereinigten Staaten verfolgt haben. Wie durchgehend in CofC angemerkt, haben jüdische Vertreter, die sich an ein westliches Publikum richteten, eine Politik, die jüdische (partikularistische) Interessen befriedigt, in Begriffen der moralisch universalistischen Sprache beworben, die ein zentrales Merkmal des westlichen moralischen und intellektuellen Diskurses ist. Zu dieser Politik gehörte die Trennung von Kirche und Staat, Einstellungen gegenüber Multikulturalismus, und eine Einwanderungspolitik, die die dominanten ethnischen Gruppen begünstigt. Dieser Doppelstandard ist ziemlich weit verbreitet.16

Ein Hauptthema von CofC ist, daß jüdische Organisationen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der Idee spielten, daß die Vereinigten Staaten eine europäische Nation sein sollten. Trotzdem sind diese Organisationen starke Unterstützer Israels als Nation des jüdischen Volkes gewesen. Beachten Sie zum Beispiel eine Presseerklärung der ADL vom 28. Mai 1999:

Die Anti-Defamation League (ADL) lobte heute die Verabschiedung umfassender Veränderungen in Deutschlands Einwanderungsgesetz, indem sie sagte, daß die Lockerung der einst rigorosen Einbürgerungsbedingungen „für ein Klima der Vielfalt und Akzeptanz sorgen wird. Es ist ermutigend zu sehen, wie der Pluralismus in einer Gesellschaft Wurzeln schlägt, die trotz ihrer starken Demokratie jahrzehntelang eine unnachgiebige Politik der Staatsbürgerschaft allein nach Blut oder Abstammung beibehalten hatte“, sagte Abraham H. Foxman, der Nationale Direktor der ADL. „Die Lockerung der Einwanderungsbedingungen ist besonders bedeutsam im Lichte von Deutschlands Geschichte des Holocaust und der Verfolgung von Juden und anderen Minderheitengruppen. Das neue Gesetz wird für ein Klima der Vielfalt und Akzeptanz in einer Nation mit einem schweren Erbe der Xenophobie sorgen, wo das Konzept des ‚wir gegen sie’ durch ein Prinzip der Staatsbürgerschaft für alle ersetzt werden wird.“17

Es gibt keine Erwähnung analoger Gesetze, die in Israel in Kraft sind und die Einwanderung auf Juden beschränken, und der langjährigen Politik der Ablehnung einer möglichen Repatriierung palästinensischer Flüchtlinge, die nach Israel oder in die besetzten Territorien zurückkehren möchten. Dem voraussichtlichen Wandel in der als charakteristisch für Deutschland unterstellten Einstellung „wir gegen sie“ wird applaudiert, , während die für Israel und die jüdische Kultur durch die ganze Geschichte hindurch charakteristische „wir gegen sie“-Einstellung unerwähnt bleibt. Kürzlich entschied das israelische Innenministerium, daß die neuen Einwanderer, die zum Judentum konvertiert sind, ihre nichtjüdischen Familienmitglieder nicht mehr ins Land bringen können werden. Es wird erwartet, daß die Entscheidung die Zahl der zur Einwanderung nach Israel Berechtigten halbieren wird.18 Trotzdem sind jüdische Organisationen weiterhin starke Befürworter multiethnischer Einwanderung in die Vereinigten Staaten.19 Dieser durchgängig vorhandene Doppelstandard wurde vom Schriftsteller Vincent Sheehan in seinen Beobachtungen von Zionisten in Palästina 1930 bemerkt: „wie Idealismus Hand in Hand geht mit dem fürchterlichsten Zynismus; … wie sie in ihren eigenen Angelegenheiten hinsichtlich Palästina Faschisten sind, und Internationalisten in allem anderen.“20

Meine Ansicht ist, daß man sich das Judentum primär als ethnische statt als religiöse Gruppe vorstellen muß. Jüngste Aussagen prominenter jüdischer Gestalten zeigen, daß eine ethnische Vorstellung vom Judentum zum Selbstbild vieler Juden paßt. In einer Rede vor einem großteils jüdischen Publikum sagte Benjamin Netanyahu, das prominente Mitglied der Likud-Partei und bis vor Kurzem Premierminister Israels: „Wenn Israel nicht nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden wäre, dann bin ich sicher, daß die jüdische Rasse nicht überlebt hätte… Ich stehe vor Ihnen und sage, daß Sie Ihr Engagement für Israel verstärken müssen. Sie müssen Führer werden und als Juden aufstehen. Wir müssen stolz auf unsere Vergangenheit sein, um zuversichtlich bezüglich unserer Zukunft zu sein.“21 Charles Bronfman, ein Hauptsponsor des 210-Millionen-Dollar-Projekts „Birthright Israel“, das das Engagement amerikanischer Juden zu vertiefen versucht, drückt eine ähnliche Stimmung aus: „Sie können ein völlig anständiges Leben führen, wenn Sie nicht jüdisch sind, aber ich denke, daß Sie eine Menge verlieren – die Art von Gefühl verlieren, das Sie haben, wenn Sie wissen, daß es überall auf der Welt Menschen gibt, die auf die eine oder andere Art dieselbe DNA haben wie Sie.“22 (Bronfman ist Mit-Vorsitzender der Seagram Company und Bruder von Edgar Bronfman, Sr., dem Präsidenten des World Jewish Congress.) Solche Einstellungen wären undenkbar von Seiten euro-amerikanischer Führer. Euro-Amerikaner, die solche Bekräftigungen rassischen Stolzes äußerten, würden schnell als Hasser und Extremisten etikettiert.

Ein aufschlußreicher Kommentar des Funktionärs des AJCommittee Stephen Steinlight (2001) illustriert den tiefgreifenden ethnischen Nationalismus, der die Sozialisierung amerikanischer Juden bis in die Gegenwart durchdrungen hat:

Ich bekenne es endlich: wie Tausende anderer typischer jüdischer Kinder meiner Generation wurde ich als jüdischer Nationalist erzogen, sogar als Quasi-Separatist. Während der 10 prägenden Jahre meiner Kindheit und Pubertät besuchte ich jeden Sommer zwei Monate lang ein jüdisches Sommerlager. Dort grüßte ich jeden Morgen eine ausländische Fahne, trug eine Uniform, die deren Farben widerspiegelte, sang eine fremde Nationalhymne, lernte eine fremde Sprache, lernte ausländische Volkslieder und Tänze und wurde belehrt, daß Israel das wahre Heimatland sei. Auswanderung nach Israel wurde als die höchste Tugend betrachtet, und wie viele andere jüdische Teens meiner Generation verbrachte ich zwei Sommer in Israel, wo ich auf einer kollektiven Farm arbeitete, während ich über diese Möglichkeit nachdachte. Stillschweigender und unterbewußter wurde mir die Überlegenheit meines Volkes gegenüber den Nichtjuden gelehrt, die uns unterdrückt hatten. Uns wurde beigebracht, Nichtjuden als nicht vertrauenswürdige Außenseiter zu betrachten, als Menschen, von denen plötzliche Hassausbrüche erwartet werden könnten, als Menschen, die weniger feinfühlig, intelligent und moralisch sind als wir. Uns wurde auch gelehrt, daß die Lektion unserer dunklen Geschichte die sei, daß wir uns auf niemanden verlassen könnten… Es muß zugegeben werden, daß das Wesentliche bei meinem nationalistischen Training die Einimpfung des Glaubens war, daß die primäre Unterteilung der Welt die zwischen „uns“ und „ihnen“ sei. Natürlich grüßten wir auch die amerikanische und die kanadische Flagge und sangen jene Hymnen, üblicherweise mit echtem Gefühl, aber es war klar, wo unsere primäre Loyalität liegen sollte.“23

Behauptungen jüdischer Ethnizität sind wohlbegründet. Es erscheinen weiterhin wissenschaftliche Studien, die die genetische Zusammengehörigkeit jüdischer Gruppen untermauern, vor allem Hammer et al. (2000). Beruhend auf Daten über Y-Chromosomen schlußfolgern Hammer et al., daß im Laufe von 2000 Jahren 1 von 200 Paarungen in jüdischen Gemeinschaften mit Nichtjuden stattfand.

Im Allgemeinen ist die zeitgenössische organisierte jüdische Gemeinschaft durch ein hohes Maß an jüdischer Identifikation und Ethnozentrismus charakterisiert. Jüdische Aktivistenorganisationen wie  die ADL und das AJCommittee sind keine Schöpfungen der Fundamentalisten und Orthodoxen, sondern repräsentieren die breite jüdische Gemeinschaft, einschließlich der nichtreligiösen Juden und Reformjuden. Im Allgemeinen sind die Leute umso engagierter bei der Verhinderung von Mischehen und für die Beibehaltung des jüdischen Volkszusammenhalts, je aktiver sie in der jüdischen Gemeinschaft mitwirken. Und trotz eines beträchtlichen Maßes an Mischehen unter weniger engagierten Juden besteht heute die Führung der jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten in keinem bedeutsamen Ausmaß aus den Nachkommen aus Mischehen.

Jüdischer Ethnozentrismus ist letztendlich einfacher traditioneller menschlicher Ethnozentrismus, obwohl er sicherlich zu den extremeren Varianten zählt. Aber was so faszinierend ist, ist der Mantel der intellektuellen Unterstützung, die Komplexität und intellektuelle Raffinesse der Begründungen dafür – von denen manche in Separation and Its Discontents (Kapitel 6 – 8) besprochen werden, und seine ziemlich eindrucksvolle Scheinheiligkeit angesichts der jüdischen Opposition gegen Ethnozentrismus unter Europäern.

JÜDISCHE BETEILIGUNG AM KOMMUNISMUS UND AN DER RADIKALEN LINKEN

Schlagt sie, Rote Kämpfer, prügelt sie zu Tode, und wenn es das Letzte ist, das ihr tut! Auf der Stelle! Noch in dieser Minute! Jetzt! Schlachtet sie ab, Kämpfer der Roten Armee, stampft fester auf die sich hebenden Deckel ihrer ranzigen Särge! (Isaac Babel, von Cynthia Ozick [2003, S. 3] als „äußerst bewußter Jude“ beschrieben, in seiner Propaganda für die bolschewistische Revolution, in Ozick 2001, S. 4)

Eine weitere kürzliche Entwicklung mit Bezug zu den in CofC angesprochenen Themen war die Veröffentlichung des Schwarzbuchs des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror (Courtois et al. 1999). Die Lektüre dieses Buches hat mich dazu veranlaßt, näher auf einige der Ideen in Kapitel 3 von CofC einzugehen. Ich habe die wahrlich entsetzliche Natur des Sowjetsystems nicht genug hervorgehoben, noch habe ich die Konsequenzen der jüdischen Mitwirkung am Aufstieg und Erhalt des Kommunismus ausreichend betont.

Das Sowjetsystem tötete über 20 Millionen seiner eigenen Bürger, die große Mehrheit davon in den ersten 25 Jahren seiner Existenz während des Höchststands der jüdischen Macht. Es war ein „Staat gegen sein Volk“ (Werth 1999), der mörderische Kollektivbestrafungskampagnen (üblicherweise unter Einsatz von Deportationen oder zwangsweisem Verhungern) gegen sehr viele Volksgruppen durchführte, einschließlich großrussischer Bauern, Ukrainern, Kosaken, Tschetschenen, Krimtataren, Wolgadeutschen, Moldawiern, Kalmücken, Karatschen, Balkaren, Inguscheten, Griechen, Bulgaren, Krim-Armeniern, meschetischen Türken, Kurden und Khemshins als Gruppen (Courtois 1999, S. 10; Werth 1999, S. 219ff). Obwohl einzelne Juden von der bolschewistischen Gewalt erwischt wurden, wurde auf Juden nicht als Gruppe abgezielt.24

In CofC (Kap. 3) merkte ich an, daß Juden in prominenter Weise an der bolschewistischen Revolution mitwirkten und in der Sowjetunion bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Elitegruppe bildeten. Es ist interessant, daß viele der nichtjüdischen Bolschewiken Mitglieder nichtrussischer Volksgruppen waren, oder, wie in CofC erwähnt, mit Jüdinnen verheiratet waren. Es war eine allgemeine Wahrnehmung während der frühen Stadien der Sowjetunion, daß die Regierung von „einem kleinen Knoten von Fremden“ dominiert wurde (Szajkowski 1997, S. 55). Stalin, Berija und Ordschonikidse waren Georgier; Dserschinski, der skrupellose Leiter der Tscheka (Geheimpolizei) in den 1920ern, war ein Pole mit starken pro-jüdischen Einstellungen. Die ursprüngliche Tscheka bestand großteils aus Nichtrussen, und die Russen in der Tscheka tendierten dazu, sadistische Psychopathen und Verbrecher zu sein (Werth 1999, S. 62; Wolin & Slusser 1957, S. 6) – Leute, bei denen es unwahrscheinlich ist, daß sie irgendeine Loyalität zu ihrem Volk haben oder sich mit diesem identifizieren.

Die bolschewistische Revolution hatte daher eine betonte ethnische Ausrichtung: In sehr großem Ausmaß herrschten Juden und andere Nichtrussen über das russische Volk, mit katastrophalen Folgen für die Russen und andere Volksgruppen, die nicht in der Lage waren, Teil der Machtstruktur zu werden. Als zum Beispiel Stalin beschloß, die Tschetschenen zu deportieren, übertrug er einem Osseten – einem aus einer Gruppe, von der er selbst teilweise abstammte und die ein historischer Feind der Tschetschenen war – die Leitung der Deportation. Osseten und Georgier, Stalins eigene Abstammungsgruppen, durften auf Kosten anderer Volksgruppen expandieren.

Während Stalin die Georgier begünstigte, hatten die Juden ihre eigenen ethnischen Rechnungen zu begleichen. Es erscheint als wahrscheinlich, daß zumindest einiges von dem bolschewistischen Massenmorden und Terror von Rache gegen Völker motiviert war, die geschichtlich anti-jüdisch gewesen waren. Mehrere Historiker haben auf die Möglichkeit hingewiesen, daß Juden sich den Sicherheitskräften in solch großen Zahlen angeschlossen haben, um Rache für ihre Behandlung unter dem Zaren zu erhalten (Rapoport 1990, S. 31; Baron 1975, S. 170). Zum Beispiel dienten die Kosaken dem Zaren als Militärpolizei, und sie setzten ihre Macht während der Konflikte zwischen der Regierung und den Juden gegen jüdische Gemeinden ein. Nach der Revolution wurden die Kosaken nach Sibirien deportiert, weil sie sich weigerten, sich den Kollektivfarmen anzuschließen. Während der 1930er war der für die Deportationen Verantwortliche ein ethnischer Jude, Lasar Kaganowitsch, der wegen seiner Neigung zur Gewalt den Spitznamen „Wolf des Kremls“ erhielt. In seinem Einsatz gegen die Bauern hatte Kaganowitsch „eine beinahe perverse Freude daran, den Kosaken diktieren zu können. Er erinnerte sich zu lebhaft daran, was er und seine Familie durch diese Leute erlebt hatten… Nun würden sie alle bezahlen – Männer, Frauen, Kinder. Es war egal wer. Sie wurden ein und derselbe. Das war der Schlüssel zu [Kaganowitschs] Wesen. Er würde niemals vergeben und niemals vergessen“ (Kahan 1987, S. 164). In ähnlicher Weise erhielten Juden die Führung der Sicherheit in der Ukraine, die eine lange Geschichte des Antisemitismus hatte (Lindemann 1997, S. 443) und in den 1930ern zum Schauplatz eines Massenmordes wurde.

In CofC (Kap. 3) merkte ich an, daß Juden in sehr prominenter Weise an der sowjetischen Geheimpolizei beteiligt waren und daß sie ähnliche Rollen im kommunistischen Polen und Ungarn spielten. Zusätzlich zu vielen niederrangigen Sicherheitsleuten gehörten zu den prominenten Juden Matvei Berman und Naftali Frenkel, die das Sklavenarbeitssystem entwickelten, das Hunderttausende Todesfälle zur Folge hatte. (Der Bau eines Kanals zwischen der Ostsee und dem Weißen Meer forderte viele tausend Leben. Die sechs Aufseher des Projekts waren Juden: Firin, Berman, Frenkel, Kogan, Rappoport, Zhuk.); zu den anderen Juden, die bei der Ausführung des Roten Terrors herausragten, gehörten Genrik Jagoda (Leiter der Geheimpolizei), Aron Soltz, Lev Inzhir (Hauptbuchhalter des Archipel Gulag), M. I. Gay (Leiter einer besonderen Abteilung der Geheimpolizei), A. A. Slutsky und sein Stellvertreter Boris Berman (Leiter des Terrors im Ausland), K. V. Pauker (Operationschef der Geheimpolizei), und Lasar Kaganowitsch (während der 1930er der mächtigste Regierungsvertreter hinter Stalin und führend an den Massenmorden beteiligt, die in dieser Zeit stattfanden) (Rapoport 1990, S. 44 – 50). Im Allgemeinen waren Juden nicht nur prominent in der Führung der Bolschewiken, sondern sie „waren auch auf den unteren Ebenen der Parteimaschinerie reichlich vorhanden – besonders in der Tscheka und deren Nachfolgern GPU, OGPU und NKWD“ (Schapiro 1961, S. 165). Die besondere Rolle von Juden in der bolschewistischen Regierung entging den Russen nicht: „Denn die prominenteste und farbigste Gestalt hinter Lenin war Trotzki, in Petrograd war Sinowjew die prominenteste und meistgehasste Gestalt, während jeder, der das Unglück hatte, der Tscheka in die Hände zu fallen, eine gute Chance hatte, mit einem jüdischen Untersuchungsbeamten konfrontiert und möglicherweise von diesem erschossen zu werden“ (Schapiro 1961, S. 165). Ab 1917 war es unter Russen üblich, die Juden mit der Revolution in Verbindung zu bringen (Werth 1999, S. 86). Sogar nach der deutschen Invasion von 1941 war es unter vielen Russen üblich, auf einen deutschen Sieg zu hoffen, um das Land von „Juden und Bolschewiken“ zu befreien – bis die Brutalität der Invasoren offenkundig wurde (Werth 1999, S. 215).

Die Behandlung der jüdischen Macht in der Sowjetunion in CofC hält fest, daß Stalins Bestrebungen gegen eine relative Handvoll hochrangiger jüdischer Kommunisten während der Säuberungen der 1930er in krassem Gegensatz zu den Massenmordkampagnen gegen andere Völker sehr vorsichtig waren und ein großes Maß an Täuschung enthielten, die die jüdische Identität der Opfer herunterspielen sollte. Auf die jüdische Macht während dieser Zeit deutet auch hin, daß die Sowjetregierung 1934 eine jüdische autonome Region (Birobidschan) einrichtete, zumindest teilweise, um sich ausländischen jüdischen Organisationen anzubiedern (Gitelman 1988). Während der 1920er und der gesamten 1930er nahm die Sowjetunion von ausländischen jüdischen Organisationen Hilfe für Sowjetjuden an, besonders vom American Jewish Joint Distribution Committee, das von reichen amerikanischen Juden (Warburg, Schiff, Kuhn, Loeb, Lehman, Marshall) finanziert wurde. Ein weiterer aufschlußreicher Fall trat ein, als Stalin die Ermordung zweier jüdischer Führer der internationalen sozialistischen Bewegung befahl, von Henryk Ehrlich und Victor Alter. Diese Morde bewirkten eine internationale Affäre, und es gab Proteste von Linken auf der ganzen Welt (Rapoport 1990, S. 68). Der Aufruhr erstarb erst, als die Sowjetunion eine jüdische Organisation gründete, das Jüdische Antifaschistische Komitee (JAC), das die Gunst amerikanischer Juden gewinnen sollte. Amerikanische Judenführer wie Nahum Goldmann vom World Jewish Congress und Rabbi Stephen S. Wise vom American Jewish Congress (AJCongress) halfen den Tumult wegen der Affäre zu unterdrücken und unter amerikanischen Juden positive Ansichten über die Sowjetunion zu bestärken. Zusammen mit einem breiten Spektrum amerikanischer jüdischer Radikaler begrüßten sie während des Zweiten Weltkriegs herzlich die Vertreter des JAC in New York.

Wiederum ist der Kontrast auffallend. Die Sowjetunion tötete während der 1920er und 1930er Millionen ukrainischer und russischer Bauern, richtete Hunderttausende Menschen hin, die aus ihren Positionen in der Partei und der gesamten Wirtschaft gesäubert worden waren, sperrte Hunderttausende Menschen ohne irgendein ordentliches Verfahren unter entsetzlichen Bedingungen ein, die unglaublich hohe Sterblichkeitsraten produzierten, zog Hunderttausende Menschen zur Zwangsarbeit unter enormen Verlusten von Menschenleben ein und befahl die Kollektivbestrafung und Deportation von Kosaken und anderen Volksgruppen, was Massenmord an diesen Gruppen zur Folge hatte. Gleichzeitig wurden Aktionen gegen eine Handvoll jüdischer Kommunisten vorsichtig und unter Beteuerungen vorgenommen, daß die Regierung immer noch sehr positive Ansichten über Juden und das Judentum hatte.

Ein Hauptthema von Kapitel 3 in CofC ist, daß jüdische Linke, einschließlich der Unterstützer des Bolschewismus, sich weiterhin als Juden identifizierten und daß die jüdische Unterstützung dieser Sachen in Abhängigkeit davon zunahm oder schwand, wie sie sich mit spezifischen jüdischen Anliegen deckten. Jedoch hätte ich mehr hervorheben sollen, wie sehr spezifisch jüdische Anliegen zählten; daß die jüdische Verwicklung in den Bolschewismus vielleicht das unerhörteste Beispiel für jüdischen moralischen Partikularismus in der Geschichte ist. Die entsetzlichen Konsequenzen des Bolschewismus für Millionen nichtjüdischer Sowjetbürger scheinen für jüdische Linke kein Thema gewesen zu sein – ein Muster, das sich bis in die Gegenwart fortsetzt. In CofC merkte ich an, daß Ilja Ehrenburgs Schweigen zu den sowjetischen Brutalitäten einschließlich der Ermordung von Millionen sowjetischer Bürger während der 1930er vielleicht weitgehend von seiner Ansicht motiviert gewesen war, daß die Sowjetunion ein Bollwerk gegen den Faschismus sei (Rubenstein 1996, S. 143 – 145). Dieser moralische blinde Fleck war recht weit verbreitet. Während der 1930er, als Millionen sowjetischer Bürger von der Sowjetregierung ermordet wurde, machte sich die Communist Party USA große Mühe, spezifisch jüdische Interessen anzusprechen, einschließlich der Ablehnung des Antisemitismus, der Unterstützung des Zionismus und der Befürwortung der Wichtigkeit, jüdische Kulturtraditionen aufrechtzuerhalten. Während dieser Zeit „glorifizierte die amerikanische radikale Bewegung die Entwicklung des jüdischen Lebens in der Sowjetunion… Die Sowjetunion war der lebende Beweis, daß die jüdische Frage unter dem Sozialismus gelöst werden konnte“ (Kann 1981, S. 152 – 153). Der Kommunismus wurde als „gut für Juden“ wahrgenommen. Radikale Juden – ein erheblicher Prozentsatz der gesamten jüdischen Gemeinschaft zu dieser Zeit – sahen die Welt durch jüdische Linsen.

Ein faszinierendes Beispiel eines amerikanischen jüdischen Radikalen, der die Tugenden der Sowjetunion pries, ist Joe Rapoport (Kann 1981, S. 20 – 42, S. 109 – 125) – der kurz in CofC erwähnt wird, aber sein Beispiel verdient eine tiefere Untersuchung. Rapoport schloß sich der jüdischen Abteilung der Roten Armee an, die ukrainische Nationalisten in dem Bürgerkrieg bekämpfte, der auf die bolschewistische Revolution von 1917 folgte. Wie viele andere Juden entschied er sich für die Rote Armee, weil sie gegen die anti-jüdischen Aktionen der ukrainischen Nationalisten war. Wie die große Mehrheit der russischen Juden begrüßte er die Revolution, weil sie das Leben der Juden verbesserte.

Nach der Auswanderung in die Vereinigten Staaten besuchte Rapoport die Ukraine im November 1934, weniger als ein Jahr nach der von Handlungen der Sowjetregierung geschaffenen Hungersnot, die 4 Millionen ukrainischer Bauern tötete (Werth 1999, S. 159ff). Die Bauern hatten sich dem zwangsweisen Anschluß an Kollektivfarmen widersetzt und wurden von lokalen ukrainischen Behörden unterstützt. Die Reaktion der Zentralregierung war die Verhaftung der Bauern und die Beschlagnahme allen Getreides, einschließlich der Reserven, die für die Ernte des nächsten Jahres verwendet werden sollten. Nachdem sie keine Nahrung hatten, versuchten die Bauern sich in die Städte aufzumachen, wurden daran aber von der Regierung gehindert. Die Bauern verhungerten zu Millionen. Eltern verließen verhungernde Kinder, bevor sie selbst verhungerten; Kannibalismus grassierte; verbleibende Arbeiter wurden gefoltert, um sie zur Herausgabe jeglicher verbliebener Nahrung zu zwingen. Zu den Foltermethoden gehörte die „kalte“ Methode, bei der das Opfer ausgezogen und splitternackt im Freien der Kälte ausgesetzt wurde. Manchmal wurden ganze Brigaden von Kollektivarbeitern in dieser Weise behandelt. Bei der „heißen“ Methode wurden die Füße und der Unterteil des Rocks von Arbeiterinnen mit Benzin überschüttet und dann angezündet. Die Flammen wurden gelöscht, und der Prozeß wurde wiederholt (Werth 1999, S. 166). Während der Zeit, in der die Hungersnot insgesamt 6 Millionen Menschenleben im ganzen Land forderte, exportierte die Regierung über 800.000 Tonnen (18 Millionen hundredweight) Getreide, um Geld für die Industrialisierung zu erhalten.

Diese Schrecken bleiben von Rapoport in seinem Bericht über seinen Besuch von 1934 unerwähnt. Stattdessen malt er ein sehr positives Bild vom Leben in der Ukraine unter den Sowjets. Das Leben ist gut für die Juden. Er ist erfreut, daß die jiddische Kultur nicht nur von Juden akzeptiert wird, sondern auch von Nichtjuden, ein klarer Hinweis auf den privilegierten Status des Judentums in der Sowjetunion während dieser Zeit. (Zum Beispiel erzählt er einen Fall, wo ein ukrainischer Arbeiter anderen Arbeitern eine Geschichte auf Jiddisch vorlas, Juden und Nichtjuden gleichermaßen.) Junge Juden nützten die neuen Chancen nicht nur in der jiddischen Kultur, sondern auch „in der Wirtschaft, in der Regierung, in der Teilnahme am allgemeinen Leben des Landes“ (Kann 1981, S. 120). Ältere Juden beschwerten sich, daß Leon Trotzki, „der nationale Stolz des jüdischen Volkes“, entfernt worden war. Aber die Botschaft an amerikanische Radikale war optimistisch: „Es genügte zu erfahren, daß die jungen Juden in höheren Positionen waren und das Sowjetsystem begrüßten“ (Kann 1981, S. 122). Rapoport sieht die Welt durch ausschließlich jüdische Augen. Das massive Leid, bei dem insgesamt bereits nahezu 20 Millionen Sowjetbürger aufgrund von Handlungen der Regierung gestorben waren, ist irrelevant. Wenn er auf sein Leben als amerikanischer jüdischer Radikaler zurückblickt, gilt seine einzige Zwiespältigkeit und sein Bedauern der Unterstützung sowjetischer Handlungen, die er als nicht in jüdischem Interesse sah, wie den Nichtangriffspakt mit Deutschland und daß Israel nicht konsequent unterstützt wurde.

Rapoport war somit ein Beispiel für die vielen Verteidiger des Kommunismus in den medialen und intellektuellen Kreisen der Vereinigten Staaten (siehe unten und Kap. 3). Ein prominentes Beispiel für Vergehen der Medien war die New York Times, die sich im Besitz einer jüdischen Familie befand und die diejenigen sehr im Sinn hatten, die sich um jüdischen Medieneinfluß sorgten (siehe oben). Während der 1930er, als sie die deutsche Verfolgung von Juden hervorhob und auf ein Eingreifen im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland drängte, betrieb die Times völlige Schönfärbung der Schrecken der Sowjetherrschaft, einschließlich der ukrainischen Hungersnot, obwohl die Geschichte ausgiebig von den Hearst-Zeitungen behandelt worden war und obwohl die Führung der Times in zahlreichen Fällen darüber informiert worden war, daß ihr Korrespondent ein völlig falsches Bild von Stalins Handlungen zeichnete.25

Peter Novicks kürzlich erschienenes Buch The Holocaust in American Life trägt zur Forschung über die Beteiligung von Juden an der radikalen Linken während des 20. Jahrhunderts bei. Er zeigt, daß jüdische Organisationen in der Vereinigten Staaten sehr wohl über die jüdische Mitwirkung am Kommunismus Bescheid wußten, aber sie behaupteten, daß nur eine Minderheit von Juden beteiligt war, und spielten die Tatsache herunter, daß eine Mehrheit der Kommunisten Juden waren, daß eine noch größere Mehrheit der kommunistischen Führer Juden waren, daß die große Mehrheit jener, die in den 1940ern und 1950ern vom House Un-American Activities Commitee (Komitee für unamerikanische Umtriebe) vorgeladen wurden, Juden waren, und daß die meisten derjenigen, die wegen Spionage für die Sowjetunion angeklagt wurden, Juden waren (siehe auch Kapitel 3 von CofC und MacDonald 1998a, S. 200 – 201).

Die Behauptung, daß der Linksradikalismus eine Minderheit der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft repräsentierte, ist in der Tat weit davon entfernt, offensichtlich zu sein. Eigentlich kann die jüdische Einwanderergemeinschaft in den Vereinigten Staaten von 1886 bis 1920 am besten als „ein einziger großer radikaler Debattierklub“ beschrieben werden (Cohn 1958, S. 621). Lange nach dieser Zeit waren linke Sympathien im AJCongress weit verbreitet – der bei weitem größten Organisation amerikanischer Juden, und kommunistisch orientierte Gruppen standen mit dem AJCongress in Verbindung, bis sie während der McCarthy-Ära widerwillig gesäubert wurden (Svonkin 1997, S. 132, 166). Kürzlich ist kein Geringerer als der Abgeordnete des Repräsentantenhauses Samuel Dickstein, der in Kapitel 7 als starker Verfechter der Einwanderung im Kongreß behandelt wird und gewiß eine prominente und etablierte Gestalt in der jüdischen Gemeinschaft ist, als Sowjetspion enthüllt worden (Weinstein & Wassiliew 1999).

Novick merkt an, daß jüdische Organisationen sicherstellten, daß Hollywoodfilme keine kommunistischen Charaktere mit jüdischen Namen zeigten. Zeitungen und Magazine wie Times und Life, die zu der Zeit von Nichtjuden kontrolliert wurden, willigten auf Drängen eines Mitarbeiters des AJComittee ein, Briefe über die jüdische Identität amerikanischer Kommunisten nicht zu veröffentlichen (Novick 1999, S. 95).

Novick bemerkt auch, daß jüdische Kommunisten oft den Holocaust als rhetorisches Mittel zu einer Zeit verwendeten, als jüdische Mainstream-Organisationen sich unauffällig zu verhalten versuchten. Dies paßt gut zu dem Material in CofC, das auf eine starke jüdische Identifikation unter der großen Mehrheit der jüdischen Kommunisten hinweist. Beschwörungen des Holocaust „wurden, zumindest in jüdischen Kreisen, zum dominierenden Element für die Opposition gegen die Mobilisierung zum Kalten Krieg“ (Novick 1999, S. 93). Julius und Ethel Rosenberg, die wegen Spionage für die Sowjetunion verurteilt wurden, beschworen bei der Begründung ihrer Handlungen oft den Holocaust. Julius sagte aus, daß die UdSSR „einen Hauptanteil zur Vernichtung der Hitler-Bestie beitrug, die 6.000.000 meiner Glaubensgenossen tötete“ (S. 94). Öffentliche Demonstrationen zur Unterstützung der Rosenbergs beschworen oft den Holocaust.

Obwohl Bendersky (2000) eine rechtfertigende Darstellung präsentiert, in der die jüdische Beteiligung am Linksradikalismus als nichts weiter als die Paranoia rassistischer Offiziere des Militärs gesehen wird, zeigt er, daß militärische Nachrichtendienste der USA Bestätigungen der Verbindung aus vielfachen unabhängigen Quellen hatten, einschließlich Informationen über die finanzielle Unterstützung revolutionärer Umtriebe durch reiche Juden wie Jacob Schiff und die Familie Warburg. Zu diesen Quellen gehörten nicht nur ihre eigenen Agenten, sondern auch die britische Regierung und die Abteilung für russische Angelegenheiten des U.S.-Außenministeriums. Diese Quellen bestätigten, daß Juden die bolschewistischen Regierungen der Sowjetunion und Ungarns dominierten und daß Juden in anderen Ländern mit dem Bolschewismus sympathisierten. In ähnlicher Weise zeigt Szajkowski (1977), daß die Ansicht, die Juden würden die bolschewistische Regierung dominieren, unter Russen und Ausländern in der Sowjetunion sehr weitverbreitet war, einschließlich amerikanischen und britischem Militär- und diplomatischem Personal und Verwaltern von Hilfsorganisationen. Er zeigt auch, daß Sympathie für die bolschewistische Regierung innerhalb der aus Osteuropa eingewanderten jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Zeitraum von 1918 – 1920 die Norm war, daß aber das ältere deutsch-jüdische Establishment (dessen Zahl im Vergleich zu den in jüngerer Zeit aus Osteuropa Eingewanderten sehr klein erschien) in diesem Zeitraum gegen den Bolschewismus war.

Während der jüdische Holocaust in westlichen Gesellschaften zu einem moralischen Prüfstein und zu einer erstrangigen Kulturikone geworden ist, besteht der jüdische blinde Fleck gegenüber den Schrecken des Bolschewismus bis in die Gegenwart fort. Jüdische Mediengestalten, die in den 1940ern wegen kommunistischer Verbindungen auf die schwarze Liste kamen, sind jetzt Helden, geehrt von der Filmgeschichte, in Zeitungen gepriesen, ihre Arbeit in Museen ausgestellt.26 Zum Beispiel wurde im Oktober 1997 an der Academy of Motion Picture Arts and Sciences eine Veranstaltung zum Gedenken an die schwarze Liste abgehalten. Organisiert von den vier Gilden – der American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA), Directors Guild of America (DGA), Screen Actors Guild (SAG) und Writers Guild of America, west (WGAw), ehrte die Veranstaltung die Leben und Karrieren der auf die schwarze Liste gesetzten Autoren und verurteilte die mangelnde Reaktion der Gilden fünfzig Jahre zuvor.27 Zur gleichen Zeit hat die Writers Guild of America Dutzende Nachspanne von Filmen restauriert, die von Drehbuchautoren geschrieben worden waren, die unter Pseudonym schrieben oder Strohmänner verwendeten, während sie auf der schwarzen Liste standen. Filme zum Thema malen ein Bild unschuldiger jüdischer Idealisten, die von einer rücksichtslosen, unterdrückerischen Regierung gehetzt werden, und Kritiker wie Bernheimer (1998, S. 163 – 166) stimmen dieser Bewertung eindeutig zu. In derselben Art stellte der Film Daniel, der auf einem Roman von E. L. Doctorov beruhte und unter der Regie von Sidney Lumet entstand, die Verurteilung der Rosenbergs als „eine Sache politischer Zweckmäßigkeit“ dar. „Die Verfolgung wird als alptraumhafte Version der Schikanierung von Juden dargestellt, sinnlos und brutal“ (Bernheimer 1998, S. 178).

Eine nostalgische und entschuldigende Einstellung zur jüdischen Alten Linken ist in jüngeren Darstellungen der Kinder der „Rote-Windeln-Babies“ offenkundig, einschließlich jener, die ihr linkes Engagement schließlich abgelehnt haben. Zum Beispiel beschreibt Ronald Radoshs Commies (2011a) die allumfassende Welt des jüdischen Radikalismus aus seiner Jugend. Sein Vater gehörte einer klassischen Tarnorganisation der Kommunistischen Partei namens Trade Union Unity League an. Radosh war ein pflichtbewußter Sohn, der sich leidenschaftlich in jede Sache stürzte, die den Genehmigungsstempel der Partei trug, ein von der Partei inspiriertes Sommerlager und eine High School für Rote Windeln in New York (genannt „das kleine rote Schulhaus für kleine Rote“) besuchte und an Jugendfesten teilnahm, die nach dem Vorbild von Sowjetspektakeln gestaltet waren. Es sagt eine Menge über das jüdische Milieu der Partei aus, daß ein geläufiger Witz lautete: „Welche jüdischen Feiertage feiern Sie?“ „Paul Robesons Geburtstag und den ersten Mai.“ Radosh stellte den linken Glauben erst in Frage, als er von seinen linken Genossen abgelehnt wurde und durchgefallen war, weil er ein Buch veröffentlicht hatte, das die Schuld von Julius Rosenberg feststellte. Radosh zeigt, daß akademische Fakultäten für Geschichte eine Bastion der Rechtfertigung für die extreme Linke bleiben. Viele akademische Historiker mieden Radosh wegen seiner Befunde, einschließlich Eric Foner, eines weiteren Rote-Windel-Babys, der Präsident der American Historical Association war. Radosh schreibt vom „reflexhaften Hass auf das amerikanische System“, der die Linke durchzieht. Es war in der Tat ein „reflexhafter Hass“ – ein Hass, der, wie in CofC erörtert, weit mehr an ihrer starken jüdischen Identifikation lag als an irgend etwas, das objektiv an der amerikanischen Gesellschaft falsch war. Nichtsdestoweniger präsentiert er trotz seiner Vorbehalte gegen das Linkentum der Vergangenheit die Motivationen jüdischer Kommunisten als idealistisch, obwohl sie „die ideologischen Argumente lieferten, die die Sowjetverbrechen rationalisieren und die Unterstützung der Amerikaner für die sowjetische Außenpolitik gewinnen sollten“ (Radosh 2001b).

Trotz der massiven Beweise für eine sehr große jüdische Beteiligung an diesen Bewegungen gibt es keine Entschuldigungen von jüdischen Organisationen und sehr wenige mea culpas von jüdischen Intellektuellen. Wenn überhaupt, so trifft das Gegenteil zu, angesichts der Idealisierung von auf die schwarze Liste gesetzten Autoren und der fortdauernden Tendenz, U.S.-Kommunisten als Idealisten darzustellen, die vom repressiven McCarthyismus erdrückt wurden. Weil viele kommunistische Gesellschaften mit der Zeit anti-jüdische Bewegungen entwickelten, stellen jüdische Organisationen die Juden als Opfer des Kommunismus dar, nicht als entscheidend für dessen Aufstieg, als tief in die mörderische Schreckensherrschaft verstrickt, die von diesen Regimes losgelassen wurde, und als Apologeten der Sowjetunion im Westen. Vergessen sind in dieser Geschichte die Millionen Toten, die Zwangsarbeit, die Erstickung jedes Widerspruchs, die es während des Höhepunkts der jüdischen Macht in der Sowjetunion gab. In Erinnerung gehalten werden die anti-jüdischen Trends des Spätkommunismus.

Wie das 15. Jahrhundert in Spanien war das 20. Jahrhundert in Europa und in der westlichen Welt ein jüdisches Jahrhundert, weil Juden und jüdische Organisationen eng und entscheidend in alle wichtigen Ereignisse verwickelt waren. Wenn ich mit der Behauptung recht habe, daß die jüdische Beteiligung eine notwendige Bedingung für die bolschewistische Revolution und ihr mörderisches Nachspiel war, dann könnte man auch argumentieren, daß die Juden dadurch einen massiven Einfluß auf spätere Ereignisse hatten. Das Folgende ist eine „alternative Geschichte“, d. h. eine Geschichte dessen, was geschehen hätte können, falls bestimmte Ereignisse nicht geschehen wären. Zum Beispiel argumentiert der Alternativhistoriker Niall Ferguson in The Pity of War in plausibler Weise, daß Deutschland, wenn England nicht in den Ersten Weltkrieg eingetreten wäre, Frankreich und Rußland besiegt hätte und zur dominanten Macht in Europa geworden wäre. Es hätte leicht sein können, daß die Regierung des Zaren zusammengebrochen wäre, aber die Veränderungen hätten zu einer konstitutionellen Regierung geführt statt zum bolschewistischen Regime. Hitler wäre nicht an die Macht gekommen, weil die Deutschen ihre nationalen Ziele bereits erreicht hätten. Der Zweite Weltkrieg hätte nicht stattgefunden, und es hätte keinen Kalten Krieg gegeben.

Aber natürlich sind diese Dinge geschehen. In gleicher Weise könnte man also auch fragen, was vielleicht ohne jüdische Mitwirkung an der bolschewistischen Revolution geschehen wäre. Die Argumentation würde wie folgt lauten:

1) Angesichts dessen, daß der Erste Weltkrieg stattfand und die Regierung des Zaren drastisch geschwächt wurde, scheint es vernünftig anzunehmen, daß es große Veränderungen in Rußland gegeben hätte. Ohne jüdische Mitwirkung hätten die Veränderungen in Rußland jedoch eine konstitutionelle Monarchie, eine repräsentative Republik oder sogar eine nationalistische Militärjunta zur Folge gehabt, die unter der großrussischen Mehrheit eine breite Unterstützung durch das Volk genossen hätte, anstelle einer Diktatur, die von ethnischen Außenseitern dominiert wurde, besonders von Juden und „judaisierten Nichtjuden“, um Lindemanns (1997) Ausdruck zu verwenden. Es wäre keine explizit marxistische Revolution gewesen, und daher hätte sie keine Blaupause für eine Gesellschaft enthalten, die den Krieg gegen ihr eigenes Volk und dessen traditionelle Kultur sanktioniert. Die Ideologie der bolschewistischen Revolution sanktionierte die Eliminierung ganzer Menschenklassen, und tatsächlich ist Massenmord ein Charakteristikum des Kommunismus gewesen, wo immer er zur Macht gekommen ist (Courtois et al., 1999). Diese Massaker wurden umso leichter gemacht, weil die Revolution von ethnischen Außenseitern geführt wurde, die wenig oder gar keine Sympathie für die Russen und andere Völker hatten, welche am meisten litten.

2) Konservative in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten glaubten, daß Juden für den Kommunismus und die bolschewistische Revolution verantwortlich waren (Bendersky 2000; Mayer 1988; Nolte 1965; Szajkowski 1974). Die jüdische Rolle in linken politischen Bewegungen war eine verbreitete Quelle anti-jüdischer Einstellungen, nicht nur unter den Nationalsozialisten in Deutschland, sondern auch unter sehr vielen nichtjüdischen Intellektuellen und politischen Gestalten. Tatsächlich glaubten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg britische, französische und amerikanische politische Führer, einschließlich Woodrow Wilson, David Lloyd George, Winston Churchill und Lord Balfour, an die jüdische Verantwortlichkeit, und solche Einstellungen waren in den militärischen und diplomatischen Einrichtungen in diesen Ländern gängig (z. B. Szajkowski 1974, S. 166ff; siehe auch oben und Kap. 3). Zum Beispiel exemplifizierte Churchill in einer Schrift von 1920 die Auffassung, daß die Juden hinter dem steckten, was er eine „weltweite Verschwörung zum Sturz der Zivilisation“ nannte. Die Rolle von Juden in der bolschewistischen Revolution „ist gewiß eine sehr große; sie überwiegt wahrscheinlich alle anderen.“ Churchill vermerkte die Vorherrschaft von Juden unter bolschewistischen Führern (Trotzki, Sinowjew, Litwinoff, Krassin, Radek) und unter jenen, die für „das System des [Staats-] Terrorismus“ verantwortlich waren. Churchill hielt auch fest, daß Juden in revolutionären Bewegungen in Ungarn, Deutschland und den Vereinigten Staaten herausragend waren. Die Identifizierung von Juden mit revolutionärem Radikalismus wurde zu einer Hauptsorge der militärischen und politischen Führer in ganz Westeuropa und in den Vereinigten Staaten (Bendersky 2000; Szajkowski 1974). Außerdem wurde, wie oben angemerkt, die tiefe Verwicklung von Juden in den Bolschewismus innerhalb jüdischer Aktivistenorganisationen privat eingestanden. Lucien Wolf, ein fester Bestandteil des anglo-jüdischen Establishments, merkte an: „Ich kenne die politische Geschichte der Juden in Europa und die Rolle, die Juden im Bolschewismus spielten, viel zu gut, um die Gefahr nicht zu erkennen, die wir laufen, wenn wir so tun, als ob sie sich immer von Revolution ferngehalten hätten. Es hätte in Europa keinen Fortschritt gegeben ohne Revolution, und ich habe oft – und ich werde das wieder tun – schriftlich und in Vorlesungen die Juden gelobt, die bei dem guten Werk geholfen haben“ (in Szajkowski 1974, S. 172).

3) In Deutschland war die Identifikation von Juden mit dem Bolschewismus in der Mittelschicht geläufig, und sie war ein entscheidender Teil der nationalsozialistischen Weltsicht. Für Mittelklassedeutsche „war die Erfahrung der bolschewistischen Revolution in Deutschland so unmittelbar, so nahe und so beunruhigend, und die Statistiken schienen die überwiegende Teilnahme jüdischer Rädelsführer so unwiderlegbar zu beweisen“, daß sogar viele Liberale an die jüdische Verantwortlichkeit glaubten (Nolte 1965, S. 331). Hitler wußte auch sehr gut über die Vorherrschaft von Juden in den kurzlebigen Revolutionen von 1919 in Ungarn und in Bayern Bescheid. Er hatte die jüdische Verwicklung in die Revolution in Bayern persönlich erlebt, und dies könnte leicht ein entscheidender Moment in der Entwicklung seiner anti-jüdischen Ideen gewesen sein (Lindemann 2000, S. 90).

Die jüdische Verwicklung in die Schrecken des Kommunismus war daher eine wichtige Zutat in Hitlers Wunsch, die UdSSR zu vernichten, und in den anti-jüdischen Handlungen der deutschen nationalsozialistischen Bewegung. Ernst Nolte und mehrere andere Historiker haben argumentiert, daß die jüdische Rolle in der bolschewistischen Revolution eine bedeutende Ursache des Holocaust war. Hitler und die Nationalsozialisten glaubten sicherlich, daß Juden entscheidend waren für den Erfolg der bolschewistischen Revolution. Sie verglichen die Sowjetunion mit einem Mann mit einem slawischen Körper und einem jüdisch-bolschewistischen Gehirn (Nolte 1965, S. 357 – 358). Sie schrieben die Massenmorde des Kommunismus – „die radikalste Form jüdischen Genozids, die man je gekannt hat“ – dem jüdisch-bolschewistischen Gehirn zu (Nolte 1965, S. 393). Die Nationalsozialisten wußten sehr gut, daß die Sowjetregierung Massenmord gegen ihre Feinde beging, und glaubten, daß sie fest entschlossen sei, eine Weltrevolution zu fördern, bei der viele weitere Millionen Menschen ermordet werden würden. Schon 1918 sprach ein prominenter jüdischer Bolschewik, Grigorij Sinowjew, öffentlich über die Notwendigkeit, eine Million Russen zu eliminieren – eine Unterschätzung um die Hälfte, wie sich herausstellte. Diesen Hintergrund aufgreifend, schrieb Hitler:

Nun beginnt die letzte große Revolution. Indem der Jude die politische Macht erringt, wirft er die wenigen Hüllen, die er noch trägt, von sich. Aus dem demokratischen Volksjuden wird der Blutjude und Völkertyrann. In wenigen Jahren versucht er, die nationalen Träger der Intelligenz auszurotten, und macht die Völker, indem er sie ihrer natürlichen geistigen Führung beraubt, reif zum Sklavenlos einer dauernden Unterjochung. Das furchtbarste Beispiel dieser Art bietet Rußland. (In Nolte 1965, S. 406)

Diese Argumentationslinie impliziert nicht, daß es keine anderen entscheidenden Faktoren gegeben hat. Wenn der Erste Weltkrieg nicht stattgefunden hätte und wenn der Zar nicht in diesen Krieg eingetreten wäre, dann hätte der Zar viel länger an der Macht bleiben können. Rußland wäre vielleicht allmählich in einen modernen westlichen Staat umgewandelt worden, statt den Schrecken des Kommunismus unterworfen zu werden. In gleicher Weise wäre Hitler vielleicht nicht an die Macht gekommen, wenn es keine Große Depression gegeben oder wenn Deutschland den Ersten Weltkrieg gewonnen hätte. Solche Ereignisse hätten die Dinge ebenfalls enorm verändert.

4) Der Sieg über den Nationalsozialismus bereitete dann die Bühne für die enorme Zunahme der jüdischen Macht in der westlichen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese neu erlangte Macht ermöglichte die Gründung des Staates Israel, die Umwandlung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Nationen in Richtung multirassischer, multikultureller Gesellschaften mittels groß angelegter nichtweißer Einwanderung und den nachfolgenden Niedergang der demographischen und kulturellen Vorrangstellung Europas. Die entscheidenden Details dieser und anderer Konsequenzen des jüdischen Aufstiegs zu internationalem Elitestatus und Macht werden in CofC beschrieben.

VON DER KULTUR DER KRITIK ZUR KULTUR DES HOLOCAUST

Während CofC die von jüdischen intellektuellen und politischen Bewegungen dominierte „Kultur der Kritik“ beschreibt, wurde vielleicht unzureichende Aufmerksamkeit den entscheidenden Elementen der neuen Kultur geschenkt, die die traditionellen europäischen Kulturformen ersetzt hat, die vor einem Jahrhundert dominierten. Von zentraler Bedeutung für die neue Kultur ist die Erhöhung der jüdischen Leidenserfahrungen während des Zweiten Weltkrieges, kollektiv als „der Holocaust“ bezeichnet, auf das Niveau der entscheidenden historisch-kulturellen Ikone in westlichen Gesellschaften. Seit der Veröffentlichung von CofC sind zwei Bücher über die politischen und kulturellen Funktionen des Holocaust im zeitgenössischen Leben erschienen – Peter Novicks The Holocaust in American Life und Norman Finkelsteins The Holocaust Industry. Novicks Buch, das wissenschaftlichere der beiden, hält fest, daß der Holocaust einen herausragenden Status als Symbol für die Konsequenzen ethnischen Konflikts eingenommen hat. Er argumentiert, daß die Bedeutung des Holocaust kein spontanes Phänomen ist, sondern von stark konzentrierten, gut finanzierten Anstrengungen jüdischer Organisationen und einzelner Juden mit Zugang zu den großen Medien herrührt:

Wir sind nicht nur „das Volk des Buches“, sondern auch das Volk des Hollywoodfilms und der Fernseh-Miniserien, der Magazinartikel und der Zeitungskolumne, des Comics und des akademischen Symposiums. Als ein hohes Maß der Befassung mit dem Holocaust im amerikanischen Judentum weitverbreitet wurde, war es angesichts der wichtigen Rolle, die Juden in den amerikanischen Medien und meinungsbildenden Eliten spielen, nicht nur natürlich, sondern buchstäblich unvermeidlich, daß sie sich in der breiteren Kultur ausbreiten würde. (Novick 1999, S. 12)

Der Holocaust wurde ursprünglich beworben, um nach den arabisch-israelischen Kriegen von 1967 und 1973 Unterstützung für Israel zusammenzutrommeln: „Jüdische Organisationen… stellten Israels Schwierigkeiten als etwas dar, das davon kam, daß die Welt den Holocaust vergessen hat. Der Rahmen des Holocaust ermöglichte es, jeden legitimen Grund zur Kritik an Israel als irrelevant beiseite zu schieben, zu vermeiden, auch nur über die Möglichkeit nachzudenken, daß Recht und Unrecht komplex waren“ (Novick 1999, S. 155). Als die Bedrohung für Israel nachließ, wurde der Holocaust als die Hauptquelle jüdischer Identität beworben, und um Assimilation und Mischehen unter Juden zu bekämpfen. Während dieser Zeit wurde der Holocaust auch unter Nichtjuden als Gegenmittel gegen Antisemitismus beworben. In den letzten Jahren hat das auch schulische Anstrengungen in großem Maßstab umfaßt (einschließlich Pflichtkursen an den öffentlichen  Schulen mehrerer Staaten), angeführt von jüdischen Organisationen und mit Tausenden Holocaust-Profis als Personal, mit dem Ziel, die Lektion zu vermitteln, daß „Toleranz und Vielfalt gut [sind], Hass böse [ist] und die allgemeine Rubrik die ‚Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen’ [ist]“ (S. 258 – 259). Der Holocaust ist somit zu einem Instrument jüdischer ethnischer Interessen geworden, nicht nur als Symbol, das moralischen Abscheu vor Gewalt gegen ethnische Minderheitengruppen erzeugen soll – prototypischerweise gegen Juden -, sondern auch als Instrument, um Gegner einer starken multiethnischen Einwanderung in westliche Gesellschaften zum Schweigen zu bringen. Wie in CofC beschrieben, ist die Förderung einer starken multiethnischen Einwanderung ein Ziel jüdischer Gruppen seit dem 19. Jahrhundert gewesen.

Jüdische Holocaust-Aktivisten bestanden auf der „Unbegreiflichkeit und Unerklärbarkeit“ des Holocaust (Novick 1999, S. 178) – ein Versuch, jede rationale Diskussion seiner Ursachen zu beseitigen und um Vergleiche mit zahlreichen anderen Beispielen ethnischer Gewalt zu verhindern. „Sogar viele praktizierende Juden sind oft bereit, die Gründungsmythen des Judentums naturalistisch zu diskutieren – sie rationaler wissenschaftlicher Analyse zu unterziehen. Aber sie sind nicht bereit, diese Denkweise anzuwenden, wenn es um das ‚unerklärliche Mysterium’ des Holocaust geht, wo rationale Analyse als unangemessen oder als Sakrileg betrachtet wird“ (S. 200). Der Holocaust-Aktivist Elie Wiesel „sieht den Holocaust als ‚gleich der Offenbarung auf dem Sinai’, was seine religiöse Bedeutung angeht; Versuche, den Holocaust zu ‚entheiligen’ oder zu ‚entmystifizieren’, sind, wie er sagt, eine subtile Form des Antisemitismus“ (S. 201).

Weil der Holocaust als einzigartiges, unerkennbares Ereignis betrachtet wird, kooperierten jüdische Organisationen und israelische Diplomaten, um den U.S.-Kongreß daran zu hindern, des Genozids an den Armeniern zu gedenken. „Seit die Juden die Einzigartigkeit des Holocaust anerkannten – daß er ‚unvergleichlich’, jenseits jeglicher Analogie sei – hatten sie keine Gelegenheit, mit anderen zu konkurrieren; es durfte keinen Wettstreit um das Unbestreitbare geben“ (S. 195). Abe Foxman, der Leiter der ADL, merkte an, der Holocaust sei „nicht einfach ein Beispiel für einen Genozid, sondern ein beinahe erfolgreicher Anschlag gegen das Leben von Gottes auserwählten Kindern und somit gegen Gott selbst“ (S. 199) – ein Kommentar, der die enge Verbindung zwischen Holocaust-Werbung und den extremeren Formen jüdischen Ethnozentrismus auf den höchsten Ebenen der organisierten jüdischen Gemeinschaft gut illustriert.

Eine Folge war, daß die amerikanischen Juden sich „als den Inbegriff des Opfers“ definieren konnten (Novick 1999, S. 194). Als Ausdruck dieser Tendenz stellte Elie Wiesenthal einen Kalender zusammen, der zeigte, wann, wo und von wem Juden an jedem Tag des Jahres verfolgt wurden. Holocaustbewußtsein war der ultimative Ausdruck einer Opfermentalität. Der Holocaust symbolisierte schließlich den ultimativen Endpunkt des Antisemitismus. „So etwas wie Überreaktion auf einen antisemitischen Vorfall gibt es nicht, keine Übertreibung der allgegenwärtigen Gefahr. Jeder, der über die Vorstellung spottete, daß es in der amerikanischen Gesellschaft gefährliche Vorzeichen gab, hatte ‚die Lektion des Holocaust nicht gelernt’“ (S. 178).

Während Juden in der Holocaust-Ikonographie als Inbegriff des Opfers dargestellt werden, wird die große Mehrheit der Nichtjuden als potentielle oder tatsächliche Antisemiten dargestellt. „Gerechte unter den Völkern [Nichtjuden]“ werden anerkannt, aber die Kriterien sind streng. Sie müssen ihr Leben riskiert haben, und oft auch das Leben von Mitgliedern ihrer Familie, um einen Juden zu retten. „Gerechte unter den Völkern“ müssen „selbstaufopferndes Heldentum der höchsten und seltensten Art“ beweisen (Novick 1999, S. 180). Solche Menschen sind extrem selten, und jeder Jude, der aus irgendeinem anderen Grund von „Gerechten unter den Völkern“ spricht, gerät unter schwere Kritik. Es geht darum, die Festungsmentalität der Juden zu bestärken – „einen mißtrauischen Argwohn gegen Nichtjuden zu fördern“ (S. 180). Eine prominente jüdische Feministin veranschaulicht diese Einstellung: „Jeden bewußten Juden verlangt es danach, seine oder ihre nichtjüdischen Freunde zu fragen: ‚würdest du mich verstecken?’ – und er unterdrückt die Frage aus Furcht, Schweigen zu hören“ (S. 181).

Das Holocaustbewußtsein ist unter Juden sehr hoch. Eine Umfrage von 1998 ergab, daß „Erinnerung an den Holocaust“ als „extrem wichtig“ oder „sehr wichtig“ für die jüdische Identität angeführt wurde – viel öfter als alles andere, wie Synagogenbesuch und Reisen nach Israel. Tatsächlich ist die jüdische Identität für viele amerikanische Juden weit wichtiger als die amerikanische Identität: „In den letzten Jahren ist es nicht nur zulässig, sondern in manchen Kreisen auch lobenswert geworden, daß amerikanische Juden den Vorrang der jüdischen gegenüber der amerikanischen Loyalität behaupten“ (Novick 1999, S. 34). (Siehe z. B. die obigen Kommentare des AJCommittee-Funktionärs Stephen Steinlight.)

Jedoch ist das Holocaustbewußtsein nicht auf Juden beschränkt, sondern ist als amerikanische Kulturikone institutionalisiert worden. Neben den vielen Holocaust-Gedenkmuseen, die das Land übersäen, und der raschen Ausbreitung von Pflichtkursen über den Holocaust in öffentlichen Schulen hat eine wachsende Zahl von Colleges und Universitäten jetzt Lehrstühle über Holocaust-Studien eingerichtet. „Wenn man all die Holocaust-Institutionen der einen oder anderen Art in den Vereinigten Staaten bedenkt, dann gibt es inzwischen Tausende vollzeitbeschäftigter Holocaust-Profis, die sich damit befassen, dessen Gedächtnis am Leben zu halten“ (Novick 1999, S. 277).

Diese Anstrengungen sind sehr erfolgreich gewesen. In einer Umfrage von 1999 stimmte eine beträchtliche Mehrheit zu, daß der Holocaust „die schlimmste Tragödie der Geschichte war“ (Novick 1999, S. 232; kursiv im Text). In jüngster Zeit ist die Hauptstoßrichtung des Holocaust als Kulturikone die Bestätigung des Multikulturalismus. Zwischen 80 und 90 Prozent der Befragten stimmten zu, daß die Notwendigkeit des Schutzes von Minderheitenrechten und „nicht mit allen anderen mitzumachen“ Lektionen seien, die man aus dem Holocaust ziehen solle. Die Befragten stimmten in ähnlichem Ausmaß zu, daß „es wichtig ist, daß die Menschen weiterhin vom Holocaust hören, damit er nicht wieder geschieht.“

Die Anstrengungen sind in Deutschland vielleicht noch effektiver gewesen, wo „kritische Diskussion der Juden… buchstäblich unmöglich ist. Ob konservativ oder liberal, ein zeitgenössischer deutscher Intellektueller, der irgendetwas außerhalb eines eng definierten Spektrums kodifizierter Pietäten über Juden, den Holocaust und dessen Auswirkungen auf Deutschland nach dem Krieg sagt, geht das Risiko beruflichen und gesellschaftlichen Selbstmordes ein“ (Anderson 2001). Diskussionen der Arbeit jüdischer Intellektueller haben schließlich das deutsche intellektuelle Leben dominiert, unter beinahe völligem Ausschluß nichtjüdischer Deutscher. Viele dieser Intellektuellen sind Gegenstand von CofC, einschließlich Walter Benjamin, Theodor Adorno, Herbert Marcuse, Hannah Arendt, Paul Celan und Sigmund Freud. „Das ‚Shoah-Business’ ist zu einem Haupterzeugnis des zeitgenössischen deutschen kulturellen und politischen Lebens geworden. Deutsche blühen auf bei Debatten über den Holocaust und ihre fortdauernde Verantwortung für die Bewahrung seines Andenkens, bei Kampagnen für die Errichtung einer gigantischen Gedenkstätte für die jüdischen Toten im historischen Zentrum Berlins oder wenn sie sich zusammenscharen, um die groben und unhistorischen Schmähreden des amerikanischen Gelehrten Daniel Goldhagen gegen den deutschen Nationalcharakter anzuhören“ (Anderson 2001). Wissenschaftler haben jedes Gespür für normale Standards intellektueller Kritik verloren und identifizieren sich jetzt mehr oder weniger völlig mit den jüdischen Opfern des Nazismus.

Zum Beispiel ist der Holocaust-Poet Paul Celan zu einer zentralen kulturellen Gestalt geworden, die alle anderen Poeten des 20. Jahrhunderts ersetzt. Seine Werke sind jetzt jenseits rationaler Kritik, so weit, daß sie in eine Art lächerlichen Mystizismus gehüllt wurden: „Offen gesagt finde ich die geheiligte, unantastbare Aura störend, die Celans Namen in Deutschland umgibt; störend auch die Art, wie sein Name in intellektuellen Diskussionen als Trumpfkarte funktioniert, die Debatten beendet und andere Themen ausschließt“ (Anderson 2001). Jüdische Schriftsteller wie Kafka werden als intellektuelle Giganten gesehen, die über Kritik erhaben sind; Diskussionen über Kafkas Werk konzentrieren sich auf seine jüdische Identität und sind von Holocaustbewußtsein durchtränkt, obwohl er 1924 starb. Selbst unbedeutendere jüdische Schriftsteller werden auf die höchsten Ebenen des literarischen Kanons erhoben, während Deutsche wie Thomas Mann hauptsächlich deshalb diskutiert werden, weil sie Ansichten über Juden hatten, die in der feinen Gesellschaft inakzeptabel geworden sind. In den Vereinigten Staaten sind deutsche Gelehrte darauf beschränkt, nur die Werke von Deutschen mit jüdischem Hintergrund zu lehren, und ihre Kurse befassen sich ausführlich mit Verfolgung und Genozid.

In der Tat ist es nicht zu weit hergeholt zu vermuten, daß die deutsche Kultur als die Kultur der Deutschen gänzlich verschwunden ist und durch die Kultur des Holocaust ersetzt wurde. Der Holocaust ist nicht nur zu einer Quasi-Religion geworden, die in der Lage ist, die Überreste der deutschen Kultur zu beseitigen, sondern die Juden sind als Volk geheiligt worden. Wie Amos bei der Beschreibung der deutschen Reaktion auf ein neues jüdisches Museum in Berlin anmerkte: „Bei so viel Übertreibung, so vielen unzweifelhaft aufrichtigen Äußerungen der Schuld und Reue und der Bewunderung von allem Jüdischen konnte man nicht umhin zu fühlen, daß die neue Republik fünfzig Jahre nach dem Holocaust im Effekt die deutschen Juden seligsprach“ (Elon 2001).

Wie Novick vertritt Finkelstein (2000) eine funktionalistische Sicht der „Holocaust-Industrie“ und argumentiert, daß sie als Vehikel zur Beschaffung von Geld von europäischen Regierungen und Konzernen für jüdische Organisationen dient und zur Rechtfertigung der Politik Israels und der U.S.-Unterstützung der israelischen Politik (S. 8). Finkelstein argumentiert auch, daß der Holocaust es der reichsten und mächtigsten Gruppe in den Vereinigten Staaten ermöglicht, Opferstatus zu beanspruchen. Die Ideologie des Holocaust behauptet, daß er einzigartig und unerklärlich ist – wie auch von Novick angemerkt. Aber Finkelstein hebt auch hervor, wie die Holocaust-Industrie die Idee fördert, daß anti-jüdische Einstellungen und Verhaltensweisen völlig von irrationalem Abscheu seitens der Nichtjuden herrühren und nichts mit Interessenkonflikten zu tun haben. Zum Beispiel Elie Wiesel: „Zweitausend Jahre lang… wurden wir immer bedroht… wofür? Aus keinem Grund?“ (in Finkelstein 2000, S. 53). (Im Gegensatz dazu ist die Grundprämisse meines Buches Separation and Its Discontents [MacDonald 1998a] genau die, daß anti-jüdische Einstellungen und Verhaltensweisen während der gesamten Geschichte fest in Interessenkonflikten verwurzelt sind). Finkelstein zitiert Boas Evron, einen israelischen Autor, zustimmend: „Holocaustbewußtsein“ ist „eine offizielle, propagandistische Indoktrination, eine Fließbandproduktion von Schlagworten und eine falsche Sicht der Welt, deren wahres Ziel überhaupt nicht ein Verständnis der Vergangenheit ist, sondern eine Manipulation der Gegenwart“ (S. 41).

Finkelstein hält die Rolle der Medien bei der Unterstützung der Holocaust-Industrie fest, indem er Elie Wiesel zitiert: „Wenn ich mich besser fühlen möchte, wende ich mich den Israel-Artikeln in der New York Times zu“ (S. 8). The New York Times, die im Besitz der Familie Sulzberger ist (siehe unten), „dient als Hauptwerbevehikel der Holocaust-Industrie. Sie ist hauptsächlich verantwortlich für die Förderung der Karrieren von Jerzy Kosinski, Daniel Goldhagen und Elie Wiesel. Der Berichtshäufigkeit nach kommt der Holocaust auf einen knappen zweiten Platz hinter dem täglichen Wetterbericht. Typischerweise listete der New York Times Index 1999 volle 273 Beiträge zum Holocaust auf. Im Vergleich dazu kam ganz Afrika auf 32 Beiträge“ (Finkelstein 2001). Abgesehen von empfänglichen Medien nutzt die Holocaust-Industrie ihre Macht über die U.S.-Regierung aus, um Druck auf ausländische Regierungen auszuüben, insbesondere die Regierungen Osteuropas (S. 133ff).

In einer scharfen Anspielung auf den durchgängigen Doppelstandard der zeitgenössischen jüdischen ethischen Einstellungen (und in Widerspiegelung eines ähnlichen ethischen Doppelstandards, der jüdische religiöse Schriften in der gesamten Geschichte durchzieht) beschreibt Finkelstein eine Holocaust-Erziehungskonferenz vom Januar 2000, die von Vertretern von 50 Ländern besucht wurde, einschließlich des Premierministers Ehud Barak von Israel. Die Konferenz erklärte, daß die internationale Gemeinschaft eine „feierliche Verantwortung“ hätte, gegen Genozid, ethnische Säuberungen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufzutreten. Ein Reporter fragte Barak hinterher wegen der palästinensischen Flüchtlinge. „Im Prinzip, antwortete Barak, war er dagegen, daß auch nur ein einziger Flüchtling nach Israel käme: ‚Wir können keine moralische, rechtliche oder sonstige Verantwortung für Flüchtlinge akzeptieren’“ (S. 137).

JUDEN UND DIE MEDIEN: FORMUNG VON „SICHTWEISEN“

Ich merkte oben an, daß jüdische Bewegungen, die die europäische Dominanz in den Vereinigten Staaten bekämpften, sich auf drei entscheidende Machtbereiche konzentrierten: Die akademische Welt der Information in den Sozial- und Geisteswissenschaften, die politische Welt, in der die öffentliche Politik zu Einwanderung und anderen ethnischen Fragen entschieden wird, und die Massenmedien, wo der Öffentlichkeit „Sichtweisen“ präsentiert werden. CofC konzentrierte sich auf die ersten beiden dieser Quellen der Macht, aber wenig Aufmerksamkeit wurde den Massenmedien geschenkt, außer wo sie dazu dienten, jüdische intellektuelle oder politische Bewegungen zu fördern, wie im Fall der Psychoanalyse. Dieser Mangel an Aufmerksamkeit gegenüber dem kulturellen Einfluß der Massenmedien ist eine große Lücke. Das Folgende stellt nur eine teilweise und vorläufige Behandlung dar.

Allem Anschein nach haben ethnische Juden einen mächtigen Einfluß in den amerikanischen Medien – einen weit größeren als jede andere erkennbare Gruppe. Das Ausmaß des jüdischen Eigentums und Einflusses bei den populären Medien in den Vereinigten Staaten ist bemerkenswert, angesichts des relativ kleinen Bevölkerungsanteils, der jüdisch ist.28 In einer Studie, die in den 1980ern durchgeführt wurde, hatten 60 % einer repräsentativen Auswahl aus der Filmelite einen jüdischen Hintergrund (Powers et al. 1996, S. 79n13). Michael Medved (1996, S. 37) bemerkt: „Es hat gar keinen Sinn zu versuchen, die Realität der jüdischen Macht und Prominenz in der Populärkultur zu verleugnen. Jede Liste der einflußreichsten Führungskräfte in der Produktion bei jedem der größeren Filmstudios wird eine starke Mehrheit erkennbar jüdischer Namen aufweisen. Diese prominente jüdische Rolle ist für jeden offensichtlich, der Nachrichten aus Tinsel Town verfolgt oder sich auch nur die Mühe macht, die Vor- und Nachspanne bedeutender Filme oder Fernsehserien zu lesen.“

Die Eigentümerschaft in den Medien ist immer im  Fluß, aber das Folgende ist ein ziemlich akkurates Porträt des aktuellen Medienbesitzes ethnischer Juden in den Vereinigten Staaten:

Die größte Mediengesellschaft der Welt wurde kürzlich durch die Fusion von America On Line und Time Warner geschaffen. Gerald M. Levin, früher der Chef von Time Warner, ist der Generaldirektor des neuen Konzerns. AOL-Time Warner hält Anteile im Fernsehbereich (z. B. Home Box Office, CNN, Turner Broadcasting), im Musikgeschäft (Warner Music), beim Film (Warner Brothers Studio, Castle Rock Entertainment und New Line Cinema) und im Verlagswesen (Time, Sports Illustrated, People, Fortune).

Die zweitgrößte Medienfirma ist die Walt Disney Company, die von Michael Eisner geführt wird. Disney hält Anteile beim Film (Walt Disney Motion Pictures Group, unter Walt Disney Studios, einschließlich Walt Disney Pictures, Touchstone Pictures, Hollywood Pictures, Caravan Pictures, Miramax Films), im Fernsehen (Capital Cities/ABC [Besitzer des ABC-Fernsehnetzwerks], Walt Disney Television, Touchstone Television, Buena Vista Television, ESPN, Lifetime, A&E Television Networks) und Kabelnetzwerke mit mehr als 100 Millionen Abonnenten, im Radiobereich (ABC Radio Network mit über 3.400 Zweigstellen und Eigentum an 26 Stationen in Großstädten) und im Verlagswesen (sieben Tageszeitungen, Fairchild Publications [Women’s Wear Daily] und die Diversified Publishing Group).

Die drittgrößte Medienfirma ist Viacom, Inc., geleitet von Sumner Redstone, der ebenfalls Jude ist. Viacom hält Anteile beim Film (Paramount Pictures), im Rundfunk (das CBS-Fernsehnetzwerk, MTV [ein besonderer Schwerpunkt der Kritik seitens Kulturkonservativer], VH-1, Nickelodeon, Showtime, das National Network, Black Entertainment Television, 13 Fernsehstationen, Programme für die drei Fernsehnetzwerke), im Verlagswesen (Simon & Schuster, Scribner, The Free Press und Pocket Books) und im Videoverleih (Blockbuster); es ist auch an Satellitenfernsehen, Themenparks und Videospielen beteiligt.

Ein weiterer großer Mitspieler im Medienbereich ist Edgar Bronfman, Jr., der Sohn von Edgar Bronfman, Sr., dem Präsidenten des World Jewish Congress und Erben des Brennereivermögens von Seagram. Bis zu dessen Fusion mit Vivendi, einer französischen Firma, im Dezember 2000 leitete Bronfman Universal Studios, eine große Filmproduktionsfirma, und die Universal Music Group, den größten Musikkonzern der Welt (zu dem Polygram, Interscope Records, Island/Def Jam, Motown und Geffen/DGC Records gehören). Nach der Fusion wurde Bronfman Vize-Vorstandsvorsitzender der neuen Firma, Vivendi Universal, und die Familie Bronfman und verwandte Gruppen wurden zu den größten Anteilseignern der Firma.29 Edgar Bronfman, Sr. befindet sich im Aufsichtsrat der neuen Firma. Kürzlich trat Edgar Bronfman von seiner Position bei Vivendi zurück, und Vivendi fusionierte mit Barry Dillers USA Network. Diller, eine herausragende Präsenz in Hollywood und Mentor vieler mächtiger Gestalten Hollywoods (Michael Eisner, Jeffrey Katzenberg), wird die Medienunternehmen der neuen Firma leiten.

Zu den anderen größeren Fernsehfirmen im Besitz von Juden gehören New World Entertainment (im Besitz von Ronald Perelman, der auch Revlon Cosmetics besitzt) und Dream Works SKG (im Besitz des Filmregisseurs Steven Spielberg, des ehemaligen Vorsitzenden von Disney Pictures Jeffrey Katzenberg und des Tonträgerindustriemoguls David Geffen). Dream Works SKG produziert Filme, Trickfilme, Fernsehsendungen und Musik auf Tonträgern. Spielberg ist auch ein jüdisch-ethnischer Aktivist. Nach der Produktion von Schindlers Liste gründete Spielberg die Survivors of the Shoah Foundation mit Hilfe eines Zuschusses des U.S.-Kongresses. Er half auch Professor Deborah Lipstads Verteidigung gegen eine Verleumdungsklage des britischen Militärhistorikers und Holocaust-Revisionisten David Irving zu finanzieren.

In der Welt der Druckmedien besitzt das Newhouse-Medienimperium 26 Tageszeitungen, einschließlich mehrerer großer und bedeutender, wie den Plain Dealer von Cleveland, den Star-Ledger von Newark und die Times-Picayune von New Orleans; Newhouse Broadcasting, das aus 12 Fernsehsendern und 87 Kabelfernsehsystemen besteht, einschließlich einiger der größten Kabelnetzwerke des Landes; die Sonntagsbeilage Parade, mit einer Auflage von mehr als 22 Millionen pro Woche; etwa zwei Dutzend größere Magazine, einschließlich New Yorker, Vogue, Mademoiselle, Glamour, Vanity Fair, Bride’s, Gentlemen’s Quarterly, Self, House & Garden, und all der anderen Magazine der im Ganzen besessenen Conde Nast Group.

Das Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report mit einer Wochenauflage von 2,3 Millionen gehört Mortimer B. Zuckerman und wird von diesem herausgegeben. Zuckerman besitzt auch New Yorks Boulevardzeitung Daily News, die sechstgrößte Zeitung des Landes, und ist ehemaliger Besitzer des Atlantic Monthly. Zuckerman ist ein jüdisch-ethnischer Aktivist. Kürzlich wurde er zum Leiter der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations ernannt, einer Dachorganisation größerer jüdischer Organisationen in den Vereinigten Staaten.30 Zuckermans Kolumne in U.S. News & World Report verteidigt regelmäßig Israel und hat die America-Israeli Friendship League zu verjüngen geholfen, deren Präsident er ist.31

Ein weiterer jüdischer Aktivist mit einer prominenten Stellung in den U.S.-Medien ist Martin Peretz, seit 1974 Eigentümer von The New Republic (TNR). Während seiner ganzen Karriere ist Peretz jüdischen Anliegen treu gewesen, insbesondere Israel. Während des arabisch-israelischen Krieges von 1967 sagte er Henry Kissinger, daß seine „Friedfertigkeit an der Tür des Delikatessenlokals aufhörte“, und viele in seinem Stab fürchteten, daß alle Fragen auf Basis dessen entschieden würden, was „gut für die Juden“ war (Alterman 1992, S. 185, 186). Tatsächlich wurde ein Redakteur angewiesen, Material aus der israelischen Botschaft zur Verwendung in TNR-Leitartikeln zu beschaffen. „Es genügt nicht zu sagen, daß der Eigentümer von TNR von Israel bloß besessen ist; das sagt er selber. Aber was wichtiger ist, Peretz ist besessen von Israelkritikern, möglichen Israelkritikern und Leuten, die nie von Israel gehört haben, aber eines Tages jemanden kennen könnten, der eines Tages zu einem Kritiker werden könnte“ (Alterman 1992, S. 195).

Das Wall Street Journal ist die Tageszeitung mit der größten Auflage in den Vereinigten Staaten. Es gehört Dow Jones & Company, Inc., einem New Yorker Konzern, der auch 24 andere Tageszeitungen und die wöchentliche Finanzzeitung Barron’s herausgibt. Der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor von Dow Jones ist Peter R. Kann. Kann hat auch den Posten des Vorstandsvorsitzenden und Herausgebers des Wall Street Journal inne.

Die Familie Sulzberger besitzt die New York Times Co., der 33 andere Zeitungen gehören, einschließlich des Boston Globe. Sie besitzt auch zwölf Magazine (einschließlich McCall’s und Family Circle, jedes mit einer Auflage von mehr als 5 Millionen), sieben Radio- und Fernsehsender, ein Kabel-TV-System und drei Buchverlage. Der New York Times News Service überträgt Nachrichten, Features und Fotos aus der New York Times per Kabel an 506 andere Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Magazine.

Die jüdische Eigentümerschaft an der New York Times ist besonders interessant, weil sie seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die einflußreichste Zeitung in den Vereinigten Staaten gewesen ist. Wie in einem vor kurzem erschienenen Buch über die Familie Sulzberger (Tifft & Jones 1999) festgehalten, gab es sogar zu dieser Zeit mehrere in jüdischem Besitz befindliche Zeitungen, einschließlich der New York World (kontrolliert von Joseph Pulitzer), des Chicago Times-Herald und der Evening Post (kontrolliert von H. H. Kohlsaat) und der New York Post (kontrolliert von der Familie von Jacob Schiff). 1896 kaufte Adolph Ochs die New York Times mit der entscheidenden Unterstützung mehrerer jüdischer Geschäftsmänner, einschließlich Isidor Strauss (Miteigentümer von Macy’s Department Stores) und Jacob Schiff (einem erfolgreichen Investmentbanker, der auch ein jüdisch-ethnischer Aktivist war). „Schiff und andere prominente Juden wie… Strauss hatten klargemacht, daß sie wollten, daß Adolph erfolgreich war, weil sie glaubten, daß er ‚von großem Nutzen für die Juden im Allgemeinen sein könnte’“ (Tifft & Jones 1999, S. 37 – 38). Ochs’ Schwiegervater war der einflußreiche Rabbi Stephen S. Wise, Präsident des AJCongress und des World Jewish Congress und der Gründer des Reformjudentums in den Vereinigten Staaten.

Es gibt einige Ausnahmen in diesem Muster der Medieneigentümerschaft, aber selbst in solchen Fällen haben ethnische Juden eine bedeutende Rolle als Manager.32 Zum Beispiel besitzt Rupert Murdochs News Corporation Fox Television Network, 20th Century Fox Films, Fox 2000 und die New York Post. Barry Diller gründete das Fox Television Network, und gegenwärtig ist Peter Chernin Präsident und Generaldirektor der Fox Group, zu der alle Film-, Fernseh- und Verlagsoperationen der News Corporation in den Vereinigten Staatengehören. Murdoch ist zutiefst philosemitisch und zutiefst engagiert für Israel, zumindest teilweise aufgrund einer engen Beziehung, die er früh in seiner Karriere zu Leonard Goldenson entwickelte, der die American Broadcasting Company gründete. (Goldenson war eine bedeutende Gestalt in New Yorks jüdischem Establishment und ein ausgesprochener Unterstützer von Israel). Murdochs Publikationen haben eine stark proisraelische Linie eingenommen, einschließlich The Weekly Standard, dem führenden neokonservativen Magazin, dessen Chefredakteur William Kristol ist.

Murdoch… als Verleger und Chefredakteur der New York Post, hatte eine große jüdische Leserschaft, wie er es in geringerem Ausmaß mit dem Magazin New York und The Village Voice hatte. Nicht nur war die Leserschaft der Post vor Murdoch stark jüdisch gewesen, sondern auch die gegenwärtigen Werbekunden der Post. Die meisten von Murdochs engsten Freunden und geschäftlichen Ratgebern waren reiche, einflußreiche New Yorker Juden, die in proisraelischen Fragen intensiv aktiv waren. Und er selbst bewahrte immer noch eine starke unabhängige Sympathie für Israel, eine persönliche Identifikation mit dem jüdischen Staat, die bis zurück in seine Zeit in Oxford reichte. (Kiernan 1986, S. 261)

Murdoch entwickelte auch enge Beziehungen zu mehreren anderen prominenten jüdischen Gestalten im New Yorker Establishment, einschließlich des Rechtsanwalts Howard Squadron, der Präsident des AJCongress und Leiter des Council of Presidents of Major Jewish Organizations war, und des Investmentbankers Stanley Schuman.

Eine weitere Ausnahme ist NBC, das General Electric gehört. Jedoch ist der Präsident von NBC Andrew Lack, und der Präsident von NBC News ist Neal Shapiro, die beide Juden sind. Zusätzlich ist die Bertelsmann-Verlagsgruppe eine in Deutschland ansässige Firma, die der größte Verleger von Büchern auf der Welt ist und auch Magazine, Zeitungen und Musikfirmen besitzt. Der Großteil von Bertelsmanns Einfluß liegt außerhalb der Vereinigten Staaten, obwohl es kürzlich die Random House Publishing Company kaufte.

Selbst wenn man diese Ausnahmen zugesteht, ist es klar, daß Juden eine sehr mächtige Position in den U.S.-Medien genießen, eine Position, die viel mächtiger als die jeder anderen rassisch-ethnischen Gruppe ist. Die phänomenale Konzentration von Medienmacht in jüdischen Händen wird umso außergewöhnlicher, wenn man beachtet, daß die Juden annähernd 2,5 % der U.S.-Bevölkerung ausmachen. Wenn man den jüdischen Prozentanteil an der amerikanischen Medienelite mit 59 % schätzt (Lichter et al. 1983, S. 55) – zur gegenwärtigen Zeit wahrscheinlich eine Unterschätzung, kann man das Ausmaß der unverhältnismäßigen Repräsentation mit über 2000 % berechnen. Die Wahrscheinlichkeit, daß solch ein außergewöhnliches Mißverhältnis zufällig entstehen könnte, ist buchstäblich null. Ben Stein, der feststellt, daß etwa 60 % der Spitzenpositionen in Hollywood von Juden eingenommen werden, sagt: „Führen Juden Hollywood? Darauf können Sie wetten – und was soll’s?“33 Hat jüdischer Besitz und Kontrolle der Medien irgendeine Auswirkung auf das Produkt? Hier versuche ich zu zeigen, daß die Einstellungen und Meinungen, die von den Medien favorisiert werden, jene sind, die von der breiten jüdischen Gemeinschaft vertreten werden, und daß die Medien dazu neigen, positive Bilder von Juden und negative Bilder der traditionellen amerikanischen und christlichen Kultur zu liefern.

Wie viele Akadamiker hervorgehoben haben, sind die Medien bei der Schaffung von Kultur immer wichtiger geworden (z. B. Powers et al. 1996, S. 2). Vor dem 20. Jahrhundert waren die Hauptschöpfer der Kultur die religiösen, militärischen und Wirtschaftsinstitutionen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden diese Institutionen weniger wichtig, während die Medien in ihrer Bedeutung gewachsen sind (bezüglich einer Darstellung dieses Wandels beim Militär siehe Bendersky 2000). Und es gibt wenig Zweifel, daß die Medien versuchen, die Einstellungen und Meinungen des Publikums zu formen (Powers et al. 1996, S. 2 – 3). Ein Teil der fortdauernden Kultur der Kritik besteht darin, daß die Medienelite dazu neigt, sehr kritisch gegenüber der westlichen Kultur zu sein. Die westliche Zivilisation wird als eine scheiternde, sterbende Kultur dargestellt, aber im schlimmsten Fall wird sie als krank und böse verglichen mit anderen Kulturen dargestellt (Powers et al. 1996, S. 211). Diese Ansichten waren in Hollywood lange vor der Kulturrevolution der 1960er üblich, aber sie wurden wegen des Einflusses nichtjüdischer Kulturkonservativer nicht oft in den Medien geäußert.

Vielleicht die wichtigste Sache, die Juden und jüdische Organisationen verfochten haben, ist der kulturelle Pluralismus – die Idee, daß die Vereinigten Staaten nicht ethnisch und kulturell homogen sein sollten. Wie in CofC beschrieben, haben jüdische Organisationen und jüdische intellektuelle Bewegungen sich auf viele Arten für den Kulturpluralismus eingesetzt, besonders als mächtige und effektive Befürworter einer offenen Einwanderungspolitik. Die Medien haben diese Sichtweise unterstützt, indem sie kulturellen Pluralismus fast ausschließlich in positiven Begriffen darstellten – daß kultureller Pluralismus leicht zu erreichen und einer homogenen christlichen Kultur, die hauptsächlich aus weißen Nichtjuden besteht, moralisch überlegen sei. Charaktere, die gegen kulturellen Pluralismus sind, werden als dumm und bigott dargestellt (Lichter et al. 1994, S. 251), wofür der Klassiker der Charakter Archie Bunker in Norman Lears Fernsehserie All in the Family ist. Abweichungen von rassischer und ethnischer Harmonie werden als gänzlich das Resultat von weißem Rassismus dargestellt (Powers et al. 1996, S. 173).

Nachdem Juden einen entscheidenden Einfluß auf Film und Fernsehen haben, überrascht es nicht, daß Juden im Film positiv dargestellt werden. Es hat sehr viele deutlich jüdische Filme und Fernsehsendungen mit erkennbaren jüdischen Themen gegeben. Hollywood hat eine wichtige Rolle bei der Förderung der „Holocaust-Industrie“, mit Filmen wie Schindlers Liste (1993) und der vierteiligen Fernseh-Miniserie Holocaust (1978), die von Gerald Green geschrieben wurde, unter der Regie von Marvin Chomsky entstand und von Herbert Brodkin und Robert Berger produziert wurde. Beide Filme wurden von jüdischen Gruppen großzügig gefördert. Die Werbung für Holocaust im Jahr 1978 war bemerkenswert (Novick 1999, S. 210). Die ADL verteilte zu diesem Zweck zehn Millionen Exemplare ihrer sechzehnseitigen Boulevardzeitung The Record. Jüdische Organisationen setzten große Zeitungen unter Druck, einen auf dem Drehbuch beruhenden Roman in Fortsetzungen zu bringen und spezielle Beilagen über den Holocaust zu veröffentlichen. The Chicago Sun-Times verteilte Hunderttausende Exemplare ihrer Beilage in örtlichen Schulen. Das AJCommittee verteilte in Kooperation mit NBC Millionen Exemplare einer Arbeitshilfe für Zuseher; Lehrermagazine brachten weiteres auf die Serie bezogenes Material, damit die Lehrer sie leicht im Unterricht diskutieren konnten. Jüdische Organisationen arbeiteten mit dem National Council of Churches an der Vorbereitung weiteren Werbe- und Lehrmaterials, und sie organisierten Vorabvorführungen für religiöse Führer. Der Tag, an dem die Serie begann, wurde als „Holocaust Sunday“ bezeichnet; verschiedene Aktivitäten wurden in Städten im ganzen Land angesetzt; die National Conference of Christians and Jews verteilte gelbe Sterne, die an diesem Tag getragen werden sollten. Lernhilfen für jüdische Kinder stellten den Holocaust als Ergebnis christlichen Antisemitismus dar. Das an jüdische Kinder verteilte Material verurteilte auch Juden, die keine starke jüdische Identität hatten. Diese massive Werbung war in vielen ihrer Ziele erfolgreich. Dazu gehörte die Einführung von Holocaust-Bildungsprogrammen in vielen Bundesstaaten und Gemeinden, der Beginn des Prozesses, der zum National Holocaust Memorial Museum führte, und eine starke Zunahme der Unterstützung für Israel.

Im Allgemeinen stellt das Fernsehen jüdische Themen „mit Respekt, relativer Tiefe, Zuneigung und guten Absichten dar, und die jüdischen Charaktere, die in diesen Sendungen vorkommen, sind ohne jeden Zweifel jüdisch gewesen – oft als sehr für ihr Judentum engagiert dargestellt“ (Pearl & Pearl 1999, S. 5). Zum Beispiel schaffte es All in the Family (und dessen Fortsetzung Archie Bunker’s Place) nicht nur, Europäer der Arbeiterklasse als dumm und bigott darzustellen, sondern es stellte jüdische Themen auch sehr positiv dar. Bis zum Ende der 12jährigen Laufzeit hatte sogar Erzfeind Archie Bunker ein jüdisches Kind bei sich zu Hause aufgezogen, sich mit einem schwarzen Juden angefreundet (Implikation: Judentum hat keine ethnischen Konnotationen), mit einem jüdischen Partner ein Unternehmen gegründet, sich als Mitglied in einer Synagoge angemeldet, seinen engen Freund bei einem jüdischen Begräbnis gepriesen, war Gastgeber eines Sabbat-Essens gewesen, hatte an einer Bat-Mitzwa-Zeremonie teilgenommen und sich einer Gruppe zur Bekämpfung von Vandalismus gegen Synagogen angeschlossen. Diese Serien, die vom liberalen politischen Aktivisten Norman Lear produziert wurden, veranschaulichen somit den allgemeinen Trend des Fernsehens, Nichtjuden zu zeigen, wie sie an jüdischen Ritualen teilnehmen und „sie respektieren, genießen und daraus lernen. Ihre häufige Anwesenheit und aktive Beteiligung unterstreichen die Botschaft, daß diese Dinge ein normaler Teil des amerikanischen Lebens sind“ (Pearl & Pearl 1999, S. 16). Jüdische Rituale werden dargestellt als „angenehm und adelnd, und sie spenden denen, die an ihnen teilnehmen, Stärke, Harmonie, Erfüllung und ein Gefühl der Identität“ (S. 62).

Das Fernsehen präsentiert Bilder von jüdischen Themen, die den Ansichten der etablierten jüdischen Organisationen entsprechen. Das Fernsehen „stellt Antisemitismus ausnahmslos als hässlichen, abscheulichen Charakterzug dar, der an jeder Ecke bekämpft werden muß“ (S. 103). Er wird als metaphysisch und der Analyse entzogen betrachtet. Es gibt niemals irgendeine rationale Erklärung für Antisemitismus; Antisemitismus wird als absolutes, irrationales Böses dargestellt. Positive, beliebte nichtjüdische Charaktere wie Mary Tyler Moore führen oft den Kampf gegen den Antisemitismus an – ein Muster, das an das in CofC erwähnte erinnert, wo Nichtjuden zu hochrangigen Sprechern für jüdisch dominierte Bewegungen werden. Es wird auch angedeutet, daß Antisemitismus etwas ist, das die gesamte Gemeinschaft angeht.

Hinsichtlich Israels „hat das populäre Fernsehen im Großen und Ganzen die Tatsache vermittelt, daß Israel das jüdische Heimatland mit einer starken Anziehungskraft auf Juden der Diaspora ist, daß es von Feinden umgeben in ständiger Gefahr lebt und daß es als Folge des ständigen und unerläßlichen Kampfes um sein Überleben oft außerordentliche (manchmal skrupellose) Maßnahmen im Bereich der Sicherheit und der Geheimdienste ergreift“ (Pearl & Pearl 1999, S. 173). Nichtjuden werden mit einer tiefen Bewunderung und Respekt für Israel, sein Heldentum und seine Leistungen dargestellt. Israel wird als Zuflucht für Überlebende des Holocaust gesehen, und Christen werden manchmal so dargestellt, als hätten sie wegen des Holocaust eine Verpflichtung gegenüber Israel.

Ein häufiges Thema im Film sind Juden, die zur Rettung von Nichtjuden kommen, wie in Independence Day, wo Jeff Goldblum einen „gescheiten Juden“ spielt, der die Welt rettet, und in Ordinary People (Eine ganz normale Familie), wo Judd Hirsch einen jüdischen Psychiater spielt, der eine stockkonservative WASP-Familie rettet (Bernheimer 1998, S. 125 – 126). Der Film Addams Family Values (Die Addams Family in verrückter Tradition), der in CofC (Kap. 1, Anm. 50) behandelt wird, ist ein weiteres Beispiel für dieses Genre. Bernheimer (1998, S. 162) bemerkt: „In vielen Filmen ist der Jude das moralische Musterbeispiel, das einen Nichtjuden aufrichtet und erbaut, indem er als humanisierender Einfluß durch Verkörperung kulturell tief verwurzelter Werte dient.“ Wie in CofC besprochen, charakterisiert dieses Thema „Juden als Retter“ auch die Psychoanalyse und den jüdischen Linksradikalismus: Psychoanalytische Juden retten Nichtjuden vor ihren Neurosen, und radikale Juden retten die Welt vor den Übeln des Kapitalismus.

Auf der anderen Seite wird das Christentum typischerweise als böse dargestellt, was sogar so weit geht, daß Christen als Psychopathen dargestellt werden. Michael Medved beschreibt Hollywoods kumulative Angriffe der letzten Jahre gegen die traditionelle amerikanische Familie, gegen Patriotismus und traditionelle Sexualmoral – die Hollywoodversion der Kultur der Kritik. Aber der offensichtlichste Angriffsschwerpunkt liegt auf der christlichen Religion:

Im fortdauernden Krieg gegen traditionelle Werte stellt der Angriff gegen den organisierten Glauben die Front dar, an der sich die Unterhaltungsindustrie am deutlichsten engagiert hat. In keiner anderen Frage weichen die Standpunkte der Showbusiness-Elite und die der Öffentlichkeit als Ganzes dramatischer voneinander ab. Wieder und wieder haben die Produzenten keine Mühe gescheut, um die religiösen Gefühle gewöhnlicher Amerikaner zu beleidigen. (Medved 1992/1993, S. 50)34

Medved findet nicht einmal einen seit Mitte der 1970er gemachten Film, wo das Christentum positiv dargestellt wird, abgesehen von ein paar Filmen, in denen es als historisches Relikt dargestellt wird – als Museumsstück. Beispiele, wo das Christentum negativ dargestellt wird, gibt es zuhauf. Zum Beispiel begeht im Film Monsignor (1982) ein katholischer Priester jede vorstellbare Sünde, einschließlich der Verführung einer glamourösen Nonne, und ist dann in ihren Tod verwickelt. In Agnes of God (1985; dt. Agnes – Engel im Feuer) gebärt eine verstörte junge Nonne in einem Kloster, ermordet ihr Baby und spült dann die winzige blutige Leiche ins Klo hinunter. Es gibt auch viele subtile antichristliche Szenen in Hollywoodfilmen, wie zum Beispiel wenn der Regisseur Rob Reiner sich wiederholt auf das von Kathy Bates, der sadistischen Schurkin in Misery, getragene winzige Goldkreuz fokussiert.

Eine weitere Tendenz der Medien ist es, Kleinstädte als voller Bigotter und Antisemiten darzustellen. Der Medienkommentator Ben Stein protokolliert die Feindseligkeit der Medien gegen das ländliche Amerika:

Der typische Hollywood-Autor… hat einen ethnischen Hintergrund aus einer großen Stadt im Osten – üblicherweise aus Brooklyn [d. h. sie haben einen jüdischen Hintergrund]. Als er aufwuchs, wurde ihm beigebracht, daß die Leute in den Kleinstädten ihn hassten, anders waren als er und darauf aus waren, ihn zu erwischen [d. h. Kleinstadtleute sind Antisemiten]. Infolgedessen attackiert er die Kleinstadt im Fernsehen oder im Film, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt…

Die Fernsehsendungen und die Filme zeigen es nicht, „wie es ist“; statt dessen vermitteln sie uns den Standpunkt eines kleinen und extrem mächtigen Teils der amerikanischen Intellektuellengemeinde – derjenigen, die für die visuellen Massenmedien schreiben…

Was infolgedessen geschieht, ist etwas Ungewöhnliches und Bemerkenswertes. Eine nationale Kultur führt Krieg gegen eine Lebensart, die in demselben Land immer noch mächtig attraktiv ist und weithin praktiziert wird. Die Zuneigung zu Kleinstädten sitzt tief in Amerika, und das Kleinstadtleben wird von Millionen Menschen geschätzt. Aber in der Massenkultur des Landes wird auf den Fernsehschirmen und Filmleinwänden jeden Tag Hass auf die Kleinstadt ausgespien… Film und Fernsehen sind Amerikas Volkskultur, und sie haben nichts als Verachtung für die Lebensart eines sehr großen Teil des Volkes… Den Menschen wird gesagt, daß ihre Kultur in ihrer Wurzel krank, brutal und verkommen ist, und diese  Botschaft vermittelt ihnen wenig Vertrauen in die Zukunft dieser Kultur. Sie führt auch dazu, daß sie sich für ihr Land schämen und glauben, daß ihre Kultur, wenn sie sich im Niedergang befindet, das auch verdient. (Stein 1976, S. 22)

Dies ist ein gutes Beispiel für gesellschaftliche Identitätsprozesse, die sowohl in jüdischen Einstellungen gegenüber Nichtjuden als auch in Einstellungen von Nichtjuden gegenüber Juden so wichtig sind: Fremdgruppen werden negativ dargestellt, und Eigengruppen positiv (siehe CofC an verschiedenen Stellen und MacDonald 1998a, Kap. 1).

Der Einfluß auf die Medien hat unzweifelhaft einen großen Einfluß darauf, wie Israel dargestellt wird – ein Hauptthema von Finkelsteins The Holocaust Industry (2000; dt. Die Holocaust-Industrie). Ari Shavit, ein israelischer Kolumnist, beschrieb seine Gefühle zur Tötung von etwa hundert Zivilisten in einem militärischen Scharmützel 1996 im südlichen Libanon: „Wir töteten sie aus einer gewissen naiven Anmaßung. Wir glaubten mit absoluter Gewißheit, daß jetzt, mit dem Weißen Haus, dem Senat und dem Großteil der amerikanischen Medien in unserer Hand, die Leben von anderen nicht so viel zählen wie unsere eigenen.“35 Die Wahl Ariel Scharons zum Premierminister von Israel liefert eine weitere Studie von Gegensätzen. Es gab einen Riesenunterschied zwischen den Medienreaktionen auf Scharon und der Reaktion auf die Situation in Österreich, als Jörg Haiders Freiheitliche Partei genügend Sitze im Parlament gewann, um eine Rolle in der österreichischen Regierung zu spielen. Mehrere Länder, einschließlich Israels, riefen ihre Botschafter als Reaktion auf die Wahl Haiders zurück. Überall auf der Welt verurteilten Politiker Österreich und kündigten an, daß sie Haiders Teilnahme an einer österreichischen Regierung nicht tolerieren würden. Es wurden Handelsembargos gegen Österreich angedroht. Der Grund für diese Aktionen war, daß Haider gesagt hatte, daß viele anständige Menschen auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg gekämpft hätten, einschließlich mancher in der SS. Er hatte auch gesagt, daß manche von Hitlers wirtschaftspolitischen Maßnahmen in den 1930ern sinnvoll waren. Und er hatte einen Stopp der Einwanderung nach Österreich verlangt. Haider entschuldigte sich für diese Aussagen, aber der Wahlerfolg seiner Partei hatte eine Ostrazierung Österreichs und ein ständiges Trommelfeuer alarmistischer Medienattacken gegen ihn persönlich zur Folge.

Vergleichen Sie dies mit der Behandlung von Ariel Scharons Wahl zum Premierminister Israels im Jahr 2001. Scharon war im September 1982 während der Abschlachtung von 700 – 2000 Palästinensern einschließlich Frauen und Kindern in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila außerhalb Beiruts Israels Verteidigungsminister. Der Journalist Thomas Friedman von der New York Times sah „Gruppen junger Männer in ihren Zwanzigern und Dreißigern, die an Wänden aufgereiht worden waren, an Händen und Füßen gefesselt, und dann in Unterweltmanier niedergemäht wurden.“36 Funkgespräche zwischen israelischen Militärbefehlshabern wurden aufgezeichnet, in denen sie davon sprachen, „Säuberungsaktionen“ in den Flüchtlingslagern durchzuführen. Während das tatsächliche Töten von libanesischen Christen besorgt wurde, die von Israel unterstützt wurden, hielt die israelische Armee die Lager zwei Tage lang abgeriegelt, während das Gemetzel ablief. Die Kahan-Kommission, die zur Untersuchung des Vorfalls gebildet wurde, schloß, daß Scharon indirekt für das Massaker verantwortlich war, und sagte weiters, daß Scharon persönliche Verantwortung trägt.37

Die Reaktion in den U.S.-Medien auf die Wahl Scharons war gedämpft, um das Mindeste zu sagen. Keine Handelsembargos wurden angedroht, keine Botschafter wurden zurückgerufen. Die Los Angeles Times druckte pflichtschuldigst eine Kolumne, in der es so dargestellt wurde, als hätte Scharon „aus seinen Fehlern gelernt.“38 Im Juni 2001 wurde Scharon in Belgien auf Basis eidesstattlicher Erklärungen von Überlebenden des Gemetzels als Kriegsverbrecher angeklagt. Es ist auch erwähnenswert, daß Rehavam Zeevi, ein enger Mitarbeiter von Scharon und Israels Tourismusminister wie auch Mitglied des mächtigen Sicherheitskabinetts bis zu seiner Ermordung im Oktober 2001, Palästinenser als „Läuse“ beschrieb und die Vertreibung von Palästinensern aus israelisch kontrollierten Gebieten befürwortete. Zeevi sagte, daß die Palästinenser illegal in Israel lebten und „wir sollten diejenigen loswerden, die keine israelischen Staatsbürger sind, so wie man sich von Läusen befreit. Wir müssen dieses Krebsgeschwür daran hindern, sich in unserem Inneren auszubreiten.“39

Ein weiterer Hinweis auf den sehr großen jüdischen Einfluß auf die U.S.-Medien ist der sehr große Unterschied zwischen der Berichterstattung über den Nahostkonflikt in den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt. Eric Alterman, der für The Nation schreibt, merkt an: „In den meisten Teilen der Welt ist es das palästinensische Narrativ eines enteigneten Volkes, das überwiegt. In den Vereinigten Staaten jedoch ist das vorherrschende Narrativ das von Israel: eine Demokratie unter ständiger Belagerung.“ („Intractable Foes, Warring Narratives“; www.msnbc.com/news/730905.asp; 28. März 2002). Eine entscheidende Quelle der Unterstützung für Israel ist die Armee der professionellen Experten, „bei denen man darauf zählen kann, daß sie Israel reflexhaft und uneingeschränkt unterstützen.“ Alterman listet annähernd 60 prominente Medienpersönlichkeiten in diesem Lager auf (einschließlich einer langen Liste jüdischer Autoren: William Safire, A. M. Rosenthal, Charles Krauthammer, Martin Peretz, Daniel Pipes, Andrea Peyser, Dick Morris, Lawrence Kaplan, William Kristol, Robert Kagan, Mortimer Zuckerman, David Gelerntner, John Podhoretz, Mona Charen, Yossi Klein Halevi, Sidney Zion, Norman Podhoretz, Jonah Goldberg, Jeff Jacoby, Seth Lipsky, Irving Kristol, Ben Wattenberg, Lawrence Kudlow, Alan Dershowitz, David Horowitz, Jacob Heilbrunn, Uri Dan, Paul Greenberg). Diese Autoren haben Zugang zu praktisch allen großen Medien in den Vereinigten Staaten.

Dies steht in Kontrast zu einer viel kleineren Gruppe von 5 Kolumnisten, die „wahrscheinlich reflexhaft anti-israelisch und/oder pro-palästinensisch sind, ungeachtet der Umstände.“ Zu diesen gehören Patrick Buchanan, Christopher Hitchens, Edward Said, Alexander Cockburn und Robert Novak. Drei dieser Kolumnisten stehen in Verbindung mit dem linksaußen stehenden Journal The Nation (Cockburn, Hitchens, Said), und nur Novak steht gegenwärtig mit einer größeren Medienorganisation (The Washington Post) in Verbindung. Nach dem Anschlag vom 11. September schrieb Novak: „Anders als der Drang Nazideutschlands und des kaiserlichen Japan nach einer neuen Weltordnung,… ist der Hass der Terroristen auf die Vereinigten Staaten eine Erweiterung ihres Hasses auf Israel statt Weltherrschaftsstreben“ (New York Post, 13. September 2001). Norman Podhoretz reagierte, indem er seinen „Abscheu“ gegen „eine der schändlichsten perversen Aussagen, die in den letzten paar Tagen gemacht wurden“ ausdrückte. „Nicht einmal der blutigste Anschlag auf amerikanischem Boden in unserer Geschichte konnte Novak von seiner Feindseligkeit gegen Israel und seiner Besorgnis um die Moslems ablenken, für deren Hass auf uns er unseren Beziehungen zum jüdischen Staat die Schuld gibt“ (New York Post, 14. Sept. 2001). Zur Zeit, da dies geschrieben wird (April 2002) zweifle ich ziemlich daran, daß irgendein rationaler Beobachter bestreiten würde, daß die moslemische Feindseligkeit gegen die Vereinigten Staaten mit der U.S.-Unterstützung für Israel zusammenhängt.

Alterman verweist auf eine weitere kleine Gruppe, die als „Kolumnisten, die wahrscheinlich sowohl Israel als auch die Palästinenser kritisieren, sich selbst aber als kritische Unterstützer Israels sehen und letztendlich die israelische Sicherheit gegenüber den palästinensischen Rechten unterstützen würden“ gelten. Zu dieser Gruppe gehören die Redaktionsleitungen der New York Times und der Washington Post. Ein weiterer Kolumnist, der der Zwischengruppe zugerechnet werden sollte, ist Michael Lind, der in einer Kolumne in Newsweek International (3. April 2002) folgendes anmerkte: „Was in den Vereinigten Staaten als unparteiische Haltung durchgeht, wird nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Europa und der ganzen Welt als bedingungslose amerikanische Unterstützung von Einschüchterungstaktiken durch Israel gesehen… Seit mehr als einem Jahrzehnt ist die U.S.-Politik gegenüber Israel genauso sehr von Innenpolitik bestimmt worden wie von großer Strategie: die Pro-Israel-Lobby ist die mächtigste in Washington. Diese Unterstützung für Israel – ungeachtet dessen Politik – hat Israels harte Rechte zur Anwendung brutaler Mittel der Unterdrückung gegen die Palästinenser und sogar gegen ihre eigenen arabischen Staatsbürger ermächtigt. Während es in den amerikanischen Medien selten beachtet wird, hat Israel jetzt schon seit 35 Jahren palästinensisches Land besetzt, verweigert 3 Millionen Menschen Rechte und herrscht mit Brutalität über sie.“

Es kann wenig Zweifel geben, daß die U.S.-Medien von einem pro-israelischen Standpunkt dominiert werden, der letztendlich aus dem jüdischen Einfluß auf die Medien stammt. Vielleicht am interessantesten ist die lange Liste von Nichtjuden, die sich in der ersten Kategorie befindet – diejenigen, die Israel reflexhaft und ohne Einschränkung unterstützen. Zu diesen gehören George Will, William Bennett, Andrew Sullivan, Allan Keyes, Brit Hume, Bill O’Reilly, Michael Barone, Ann Coulter, Linda Chavez und Rush Limbaugh. Die Tatsache, daß reflexhafte Unterstützung für Israel nicht charakteristisch für Nichtjuden in anderen Gesellschaften mit weniger jüdischem Einfluß auf die Medien ist, weist stark darauf hin, daß bedingungslose Unterstützung für Israel ein entscheidender Lackmustest für die Akzeptanz durch die großen Medien in den Vereinigten Staaten ist – daß zukünftige Experten sich „ihre Sporen verdienen“, indem sie ihre Ergebenheit gegenüber Israel zeigen (und, wie man annehmen könnte, auch gegenüber anderen jüdischen Themen, wie Einwanderung; keiner dieser Experten ist ein Kritiker massiver nichteuropäischer Einwanderung in westliche Gesellschaften, und mehrere sind bekannt für ihre starke Unterstützung dieser Politik). Immerhin ist reflexhafte, unkritische Unterstützung für alles in jeder Angelegenheit selten genug, und wir wissen, daß die Medien in anderen Ländern nicht so einseitig sind. Daher erscheint es schwierig, die riesige Schräglage in Richtung Israel als Ergebnis individueller Einstellungen in Abwesenheit irgendeines ernormen selektiven Faktors zu erklären. Und dann gibt es noch den offenkundigen Hinweis, daß, während die Juden auf dieser Liste als ethnische Akteure gesehen werden müssen, die Nichtjuden gewiß einen exzellenten Karriereschritt machen, indem sie die Positionen einnehmen, die sie haben. Dieser Lackmustest für zukünftige Meinungsmacher wird weiter untermauert durch die Tatsache, daß Joe Sobran von der National Revue gefeuert wurde, weil er argumentierte, daß die U.S.-Außenpolitik nicht von dem diktiert werden sollte, was für Israel am besten ist – eine Position, die dazu führte, daß Norman Podhoretz ihn als „Antisemiten“ etikettierte (siehe Buckley 1992; Podhoretz 1986).

JÜDISCHE ORGANISATIONEN UND DIE ZENSUR DES INTERNETS

In CofC (Kap. 8) schrieb ich, „man könnte erwarten, daß, während ethnische Konflikte in den Vereinigten Staaten weiterhin eskalieren, zunehmend verzweifeltere Versuche unternommen werden, um die Ideologie des Multikulturalismus… mit der Errichtung polizeistaatlicher Kontrollen nicht konformen Denkens und Verhaltens zu stützen.“ Wie oben angemerkt, hat es eine Verlagerung von der „Kultur der Kritik“ zu etwas gegeben, das man „die Kultur des Holocaust“ nennen könnte, während die Juden sich von Außenseitern zu den vollkommenen Insidern im amerikanischen Leben gewandelt haben. Übereinstimmend mit ihrem Status als etablierte Elite befinden sich jüdische Organisationen nun an vorderster Front von Bewegungen zur Zensur von Gedankenverbrechen.40

Das Internet ist eine große Lücke in der Kontrolle über die großen Medien, aber jüdische Organisationen haben die Führung bei Versuchen zur Zensur des Internets übernommen. Das Simon Wiesenthal Center (SWC) vertreibt eine CD mit dem Titel „Digital Hate 2001“, die über 3000 „Hass-Seiten im Internet“ auflistet. Sowohl das Simon Wiesenthal Center als auch die ADL haben versucht, auf Internetdienstleister wie AOL und populäre Webseiten wie Yahoo Druck auszuüben, den Zugriff ihrer Kunden auf nicht genehmigte Webseiten einzuschränken. Kürzlich entfernte Yahoo 39 Internetclubs, die vom SCW ursprünglich als „Hass-Seiten“ identifiziert worden waren.41 Internet-Auktionsseiten waren Protesten wegen Verkaufs von Nazi-Memorabilien ausgesetzt.42 Amazon.com und Barnesandnoble.com sind unter Beschuß gekommen, weil sie Hitlers Mein Kampf verkauften. Die ADL veröffentlichte auch einen Bericht, Poisoning the Web: Hatred Online (Vergiftung des Netzes: Hass online), und hat den U.S.-Kongreß dazu gedrängt, eine „umfassende Studie der Größenordnung und Auswirkung von Hass im Internet“ zu veranlassen.“43

Online-Dienste in den Vereinigten Staaten stehen auch unter Druck seitens ausländischer Regierungen, einschließlich Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und Kanadas, wo es keine verfassungsmäßigen Garantien der Redefreiheit gibt. Zum Beispiel entschied ein Richter in Frankreich, daß Yahoo französische Gesetze verletze, indem es über die Online-Auktionen der Firma Nazi-Material an Menschen in Frankreich liefere, obwohl der Dienst in den Vereinigten Staaten ansässig ist. Yahoo handle illegal, sagte der Richter, obwohl die Firma eine separate französische Seite eingerichtet hatte, die – anders als die allgemeine Firma Yahoo – französische Gesetze befolgt. Die Firma wurde angewiesen, eine Filtertechnologie zu verwenden, um zu verhindern, daß politisch sensibles Material auf Computern in Frankreich erscheint, unter Androhung von Strafen im Gegenwert von $ 13.000,– pro Tag. In Deutschland befand ein Gericht, daß deutsches Recht sogar für Ausländer gilt, die in anderen Ländern Inhalte ins Netz stellen – solange diese Inhalte für Menschen in Deutschland zugänglich sind. In diesem Fall entschied das Gericht, daß ein australischer Staatsbürger, der Holocaust-revisionistisches Material auf seiner australischen Webseite eingestellt hatte, in Deutschland eingesperrt werden könnte. Theoretisch wäre es möglich, daß Deutschland die Auslieferung dieser Person aus Australien verlangt, um sich vor Gericht wegen ihres Verbrechens zu verantworten.44

Jüdische Organisationen sind starke Befürworter von Gesetzen in europäischen Ländern gewesen, die die Verbreitung von anti-jüdischem Material kriminalisieren. Zum Beispiel setzte die ADL die deutsche Regierung unter Druck, einen U.S.-Bürger zu verhaften, der anti-jüdisches Material verbreitet hatte. Gary Lauck wurde in Dänemark verhaftet und auf Anordnung eines Hamburger Staatsanwalts an Deutschland ausgeliefert. Er wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, saß seine Strafe ab und wurde abgeschoben.45

Diese Art von Zensur durch die Regierung ist in Ländern wie Frankreich und Deutschland wirksam, aber es ist nicht wahrscheinlich, daß sie in den Vereinigten Staaten mit ihrer starken Tradition der verfassungsmäßig geschützten Redefreiheit Erfolg haben wird. Infolgedessen ist der Hauptschwerpunkt der jüdischen Anstrengungen zur Zensur des Internets in den Vereinigten Staaten die Druckausübung auf private Firmen wie AOL und Yahoo zur Verwendung von Software gewesen, die den Zugang zu Seiten blockiert, die von jüdischen Organisationen mißbilligt werden. Die ADL entwickelte eine freiwillige Filtersoftware (ADL HateFilter), die es den Anwendern ermöglicht, bestimmte Webseiten auszusieben. Während jedoch AOL – der bei weitem größte Internetdienstleister – sich als willfährig bei der Festsetzung von Standards entsprechend der ADL-Richtlinien erwiesen hat, bemerkt die ADL, daß andere Internetdienstleister wie Earthlink nicht mit der ADL kooperiert haben, und unabhängige Webhosting-Seiten sind aus dem Boden geschossen, um Webseiten zu bedienen, die von AOL abgelehnt werden.46

Die ADL und das SWC haben es schwer, weil das Internet von der Hightech-Gemeinde lange als Zuflucht für die Redefreiheit beworben wurde. Man spürt eine gewisse Frustration im Abschluß eines kürzlichen ADL-Berichts über das Internet:

Die Bekämpfung des Online-Extremismus bereitet enorme technologische und rechtliche Schwierigkeiten … Selbst wenn es elektronisch machbar wäre, Seiten vom Internet fernzuhalten, macht die internationale Natur des Mediums rechtliche Regulierungen buchstäblich unmöglich. Und in den Vereinigten Staaten garantiert der Erste Verfassungszusatz das Recht auf Redefreiheit, egal, welche Form diese Rede annimmt. Infolgedessen suchen Regierungen, Firmen und Menschen guten Willens weiterhin nach alternativen Wegen, das Problem anzugehen.47

Jüdische Organisationen unternehmen eindeutig jede Anstrengung, um anti-jüdische Schriften im Internet zu zensurieren. Sie sind weit davon entfernt, ihr Ziel der Entfernung anti-jüdischen Materials aus dem Internet zu erreichen, aber langfristig stellt der sehr hohe politische Einsatz, um den es geht, sicher, daß große Anstrengungen aufgewendet werden. Ich vermute, daß in den USA, falls der Druck auf existierende Internetprovider durch Organisationen wie die ADL und das SWC scheitert, diese Firmen Ziele von Aufkäufen durch Medienfirmen in jüdischem Besitz werden könnten, die dann still den Zugang zu anti-jüdischen Webseiten entfernen werden. AOL ist erst kürzlich mit Time Warner fusioniert, einer jüdisch kontrollierten Medienfirma, und sie war bereits mit Compuserve fusioniert, einem großen, landesweiten Internetprovider. Wie oben angegeben, hat AOL-Time Warner sich dem von jüdischen Organisationen ausgeübten Druck zur Beschränkung der Äußerung politischer Meinungen im Internet gefügt.

Ich vermute, daß die einzige Option für gesperrte Webseiten sein wird, ihre eigenen Internetdienstleister zu entwickeln. Diese Provider – vielleicht subventioniert oder extrem teuer – würden dann die Nische der Bedienung von Menschen füllen, die sich bereits im ethnischen Aktivismus unter nichtjüdischen Europäern und anderen Formen politisch inkorrekter Äußerungen engagieren. Die Situation wäre ähnlich der gegenwärtigen Situation in den Rundfunk- und Druckmedien. Alle Mainstream-Medien werden wirksam zensuriert, aber kleine Publikationen, die im Wesentlichen zu Bekehrten predigen, können existieren, wenn auch nicht florieren.

Aber solche Publikationen erreichen einen winzigen Prozentanteil der Bevölkerung. Sie werden von den Mainstream-Medien im Grunde ignoriert, und sie predigen hauptsächlich zu Bekehrten. Dasselbe wird wahrscheinlich im Internet passieren: Die Seiten wird es immer noch geben, aber sie werden für die große Mehrheit der Internetnutzer aus den Augen und aus dem Sinn sein. Die wirksame Zensur des Internets durch große Konzerne verletzt nicht den Ersten Verfassungszusatz, weil die Regierung nicht darin verwickelt ist und jede Maßnahme als Geschäftsentscheidung gerechtfertigt werden kann, um keine bestehenden oder potentiellen Kunden zu beleidigen.

DIE FRAGE DER VOREINGENOMMENHEIT

Ich bin mehrere Male wegen der Tonart mancher meiner Texte, sowohl in CofC als auch in meinen Kommentaren auf verschiedenen Internet-Diskussionsseiten, als „Antisemit“ bezeichnet worden. Ganz offen gesagt hatte ich keine allgemeine Feindseligkeit gegen das organisierte Judentum, als ich in dieses Projekt eingestiegen bin. Ich war eine Art Ex-Radikaler, der sich zu einem gemäßigten republikanischen Fan von George Will gewandelt hatte. Bevor ich mir das Judentum überhaupt ansah, wandte ich dieselbe evolutionäre Perspektive auf die alten Spartaner an und dann auf die Durchsetzung der Monogamie durch die katholische Kirche im Mittelalter (siehe MacDonald 1988a, 1995b). Es gibt einige Aussagen in meinen Büchern, die den Ton zu mildern und Vorwürfe anti-jüdischer Voreingenommenheit abzuwenden versuchen. Auf der ersten Seite meines ersten Buches über das Judentum, A People That Shall Dwell Alone (MacDonald 1994), heißt es eindeutig, daß die Wesenszüge, die ich dem Judentum zuschreibe (Egoismus, Ethnozentrismus und Konkurrenz um Ressourcen und Fortpflanzungserfolg) in keiner Weise auf Juden beschränkt sind. Ich schreibe in diesem Buch auch über den außergewöhnlichen jüdischen IQ und über jüdische Leistungen (z. B. Nobelpreise). Im zweiten Buch, Separation and Its Discontents (MacDonald 1998a; dt. Absonderung und ihr Unbehagen) behandle ich die Tendenz von Antisemiten, ihre Beschwerden zu übertreiben und fantastische und unverifizierbare Theorien über jüdisches Verhalten zu entwickeln, das Ausmaß jüdischen Zusammenhalts und jüdischer Einstimmigkeit zu übertreiben, zu behaupten, daß alle Juden stereotypisch jüdische Wesenszüge oder Einstellungen gemeinsam haben, besonders in Fällen, wo Juden wirklich überrepräsentiert unter Menschen sind, die bestimmte Einstellungen haben (z. b. der politische Radikalismus während des Großteils des 20. Jahrhunderts). Und ich beschreibe die Tendenz mancher Antisemiten, große Verschwörungstheorien zu entwickeln, in denen alle historischen Ereignisse von großer oder eingebildeter Bedeutung, von der Französischen Revolution bis zur Trilateralen Kommission in einem einzigen großen Komplott miteinander verbunden sind und den Juden angelastet werden. All dies überrascht kaum angesichts dessen, was wir über die Psychologie ethnischer Konflikte wissen. Aber das lenkt nicht im mindesten von der Annahme ab, daß reale Interessenkonflikte allen bedeutenden historischen Beispielen des Antisemitismus zugrunde liegen. Das meiste davon kommt im ersten Kapitel von Separation and Its Discontents vor – gewissermaßen an vorderster Front, wie meine anderen einschränkenden Erklärungen im ersten Kapitel von A People That Shall Dwell Alone.

Man darf auch nicht vergessen, daß gruppenevolutionäre Strategien nicht harmlos sind, zumindest nicht im Allgemeinen und besonders nicht im Fall des Judentums, das oft sehr mächtig gewesen ist und solch außergewöhnliche Wirkungen auf die Geschichte des Westens gehabt hat. Ich denke, es gibt vom ersten bis zum dritten Buch eine merkliche Veränderung meiner Tonart, einfach weil ich (wie ich gern denke) eine Menge mehr wußte und eine Menge mehr gelesen hatte. Die Leute sagen oft, nachdem sie das erste Buch gelesen haben, daß sie glauben, ich würde die Juden wirklich bewundern, aber es ist unwahrscheinlich, daß sie das über die letzten beiden und besonders über CofC sagen. Das kommt daher, daß ich mich zu der Zeit, als ich CofC schrieb, sehr gegenüber der Person verändert hatte, die das erste Buch schrieb. Das erste Buch ist in Wirklichkeit nur eine Dokumentation theoretisch interessanter Aspekte gruppenevolutionärer Strategien unter Verwendung des Judentums als Fallstudie (wie die Juden das Trittbrettfahrerproblem lösten, wie sie es schafften, Barrieren zwischen sich und anderen Völkern zu errichten und durchzusetzen, der genetische Zusammenhalt des Judentums, wie manche Gruppen von Juden zu solch einem hohen IQ kamen, wie sich das Judentum in der Antike entwickelte). Konkurrenz um Ressourcen und andere Interessenkonflikte mit anderen Gruppen sind mehr eine nachträgliche Idee, aber diese Fragen bewegen sich in Separation and Its Discontents in den Vordergrund, und in CofC betrachte ich ausschließlich das 20. Jahrhundert im Westen. Juden haben in den letzten 200 Jahren in der Tat positive Beiträge zur westlichen Kultur geleistet. Aber was immer man für die einzigartigen und unersetzlichen jüdischen Beiträge zur Welt nach der Aufklärung halten mag, es ist naiv anzunehmen, daß sie allein oder auch nur hauptsächlich zum Vorteil der Menschheit gedacht waren. Auf jeden Fall fällt es mir schwer, mir irgendein Gebiet der westlichen Regierungs- und Gesellschaftsorganisation auszudenken, das sich ohne jüdischen Beitrag nicht entwickelt hätte, wenn auch in manchen Fällen vielleicht nicht ganz so schnell. Im Allgemeinen sind die positiven Wirkungen von Juden eher quantitativ als qualitativ gewesen. Sie haben manche Entwicklungen beschleunigt, zum Beispiel im Finanzwesen und manchen Gebieten der Wissenschaft, statt sie möglich gemacht zu haben.

Auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, daß Juden auch einige bedeutende negative Einflüsse hatten. Ich bin mir moralisch sicher, daß die jüdische Beteiligung an der radikalen Linken von Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts eine notwendige (aber nicht ausreichende) Vorbedingung für viele der entsetzlichen Ereignisse in der Sowjetunion und anderswo war. (Hierzu kann man natürlich anderer Meinung sein. Ich sage nur, daß ich die Beweislage schlüssig finde.) Aber die Hauptsache ist, daß ich jüdische Gruppen als Konkurrenten der europäischen Mehrheit in den Vereinigten Staaten  zu sehen begonnen habe, als mächtige Förderer der enormen Veränderungen, die in diesem Land ausgelöst wurden, insbesondere durch das erfolgreiche Eintreten für massive nichteuropäische Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Ich fand, daß ich dabei von einem halb-konservativen Akademiker, der wenig oder keine Identifikation mit seinem eigenen Volk hatte, in eine ethnisch bewußte Person verwandelt wurde – genau wie von der Theorie sozialer Identitätsprozesse vorhergesagt, die die Basis meiner Theorie des Antisemitismus bildet (siehe MacDonald 1998a). Tatsächlich wäre, wenn man datieren wollte, wann ich es wagte, die Linie zu dem zu überqueren, was manche als Beweis dafür sehen, daß ich ein „Antisemit“ bin, die beste Annahme wahrscheinlich der Zeitpunkt, als ich anfing, von der Mitwirkung all der mächtigen jüdischen Organisationen bei der Befürwortung massiver nichteuropäischer Einwanderung zu lesen. Meine Erkenntnis begann mit dem Lesen eines kurzen Abschnitts in einer Standardgeschichte amerikanischer Juden, lange nachdem das erste Buch veröffentlicht wurde. Die anderen Einflüsse, die ich jüdischen Aktivitäten zuschrieb, waren entweder harmlos (Psychoanalyse?) oder reversibel – sogar der Linksradikalismus, sodaß sie mich nicht störten. Ich konnte vielleicht sogar die himmelhohe Scheinheiligkeit des jüdischen Ethnozentrismus ignorieren, die sich mit dem jüdischen Aktivismus gegen den Ethnozentrismus nichtjüdischer Europäer überschneidet. Aber die langfristigen Auswirkungen der Einwanderung werden ohne irgendeinen enormen Kataklysmus im Grunde irreversibel sein.

Ich begann zu erkennen, daß meine Interessen sehr verschieden von prototypisch jüdischen Interessen waren. Es muß legitime Möglichkeiten geben, um über Menschen zu sprechen, die gegen die von den verschiedenen jüdischen Establishments empfohlenen Maßnahmen sind, ohne einfach als „Antisemit“ angeschwärzt zu werden. Die Einwanderung ist nur ein Beispiel, wo es legitime Interessenkonflikte gibt. Während ich dies schreibe (im November 2001), stecken wir in einem Krieg ohne erkennbare Endphase fest; weitgehend wegen des Einflusses der jüdischen Gemeinschaft auf ein Gebiet unserer Außenpolitik und weil jede Erwähnung der Rolle Israels bei der Erzeugung von Reibung zwischen den Vereinigten Staaten und der arabischen Welt – in der Tat der gesamten moslemischen Welt – einfach mit dem Schrei wegen Antisemitismus erstickt wird. Und zu Hause sind wir mit der Schaffung einer multi-ethnischen, multikulturellen Gesellschaft, in der die intellektuelle Elite die Vorstellung entwickelt hat, daß die ehemals dominante europäische Mehrheit eine moralische Verpflichtung hat, sich demographisch und kulturell in den Hintergrund drängen zu lassen, in ein unberechenbar gefährliches Experiment eingetreten – das Ergebnis, zumindest zu Beginn und in beträchtlichem Ausmaß danach, des Einflusses jüdischer Interessengruppen auf die Einwanderungspolitik und des Einflusses jüdischer intellektueller Bewegungen auf unser intellektuelles und kulturelles Leben im Allgemeinen. Wie oben angemerkt, sind die Zunahme der jüdischen Macht und die Abschaffung der spezifisch europäischen Natur der Vereinigten Staaten die wahren Themen von CofC.

Ich stimme zu, daß es in den Sozialwissenschaften Voreingenommenheiten gibt, und ich nehme mich selbst von dieser Tendenz nicht aus. Es stimmt vielleicht, daß ich zu der Zeit, als ich CofC fertigstellte, meine Einstellungen im ersten Kapitel darlegen hätte sollen. Stattdessen sind sie im letzten Kapitel von CofC plaziert – ziemlich geradeheraus, wie ich finde. In einem gewissen Sinne war es angemessen, sie ans Ende zu stellen, weil meine Einstellungen zu jüdischen Angelegenheiten einen kumulativen, allmählichen Wandel von einer sehr verschiedenen Weltsicht nachzeichneten.

Es ist ärgerlich, daß solche Erklärungen selten in Schriften von sich stark als solchen identifizierenden Juden erscheinen, selbst wenn sie ihr Werk als Förderung jüdischer Interessen sehen. Ein Hauptthema von CofC ist, daß jüdische Sozialwissenschaftler mit starker jüdischer Identität ihre Arbeit als Förderung jüdischer Interessen gesehen haben. Es erstaunt mich immer, daß Mediengestalten wie die Kristols und Podhoretzes und außenpolitische Experten wie Paul Wolfowitz und Richard Perle keine Verpflichtung empfinden, vor ihren Bemerkungen zu Fragen, die von ihrer Besorgnis um Israel betroffen sind, zu sagen: „Sie sollten skeptisch gegenüber dem sein, was ich sage, weil ich ein ureigenes ethnisches Interesse an der Förderung der Interessen Israels habe.“ Aber dasselbe gilt für weite Bereiche der Anthropologie (die Boas’sche Schule und Forschungen über Rassenunterschiede), Geschichte (z. B. offenkundig apologetische Darstellungen der Geschichte und Ursachen des Antisemitismus oder die Rolle von Juden bei der Begründung des Bolschewismus), Psychologie (die Frankfurter Schule, Psychoanalyse) und zeitgenössische Fragen (Einwanderung, Beziehungen zwischen Kirche und Staat). Der Punkt von CofC, der die Leute wirklich ärgert, ist die Vorstellung, daß wir diese Voreingenommenheit bei (manchen) jüdischen Forschern einfach einräumen sollten, wie wir es bei anderen tun. Es gibt eine Menge Bücher darüber, daß Darwin und Galton von der allgemeinen Atmosphäre des viktorianischen Englands beeinflußt waren, aber von einer jüdischen Voreingenommenheit zu schreiben, hat sofort Vorwürfe des „Antisemitismus“ zur Folge.

Aber der tiefere Punkt ist, daß ich, was immer meine Motivationen und Voreingenommenheiten sein mögen, gern annehmen möchte, daß meine Arbeit über das Judentum zumindest den Kriterien guter Sozialwissenschaft entspricht, selbst wenn ich meine Studienobjekte in einem weniger als schmeichelhaften Licht zu sehen begonnen habe. Zählt es letztendlich wirklich, ob meine Motivation an diesem Punkt weniger als makellos ist? Ist die einzige Frage nicht die, ob ich recht habe?

SCHLUSSBEMERKUNG

CofC ist in Wirklichkeit ein Versuch, das 20. Jahrhundert als jüdisches Jahrhundert zu verstehen – ein Jahrhundert, in dem Juden und jüdische Organisationen tief in alle Schlüsselereignisse verwickelt waren. Vom jüdischen Standpunkt aus ist es eine Zeit großen Fortschritts gewesen, wenn auch durchbrochen von einer seiner dunkelsten Tragödien. Im späten 19. Jahrhundert lebte der Großteil der jüdischen Population in Osteuropa, wo viele Juden im Sumpf der Armut steckten und rundum von feindseligen Populationen und verständnislosen Regierungen umgeben waren. Ein Jahrhundert später ist Israel fest im Nahen Osten etabliert, und die Juden sind zur reichsten und mächtigsten Gruppe in den Vereinigten Staaten geworden und haben in anderen westlichen Ländern Elitestatus erreicht. Die entscheidende jüdische Rolle im Linksradikalismus ist zensiert worden, während die Mißhandlung der Juden durch die Nazis den Status eines moralischen Prüfsteins erlangt hat und eine Hauptwaffe beim Drang nach nichteuropäischer Einwanderung in großem Maßstab, Multikulturalismus und der Förderung anderer jüdischer Anliegen ist. Gegner sind an den Rand des intellektuellen und politischen Diskurses verbannt worden, und es sind mächtige Bewegungen im Gange, die sie gänzlich zum Schweigen bringen wollen.

Die umfassende Idealisierung, der missionarische Eifer und die moralische Inbrunst, die die Verehrung von Gestalten wie Celan, Kafka, Adorno und Freud umgeben, charakterisieren alle jüdischen intellektuellen Bewegungen, die in CofC behandelt werden (siehe Zusammenfassung in Kap. 6). Daß diese Gestalten jetzt von der großen Mehrheit der nichtjüdischen Intellektuellen begierig zu eigen gemacht werden, zeigt auch, daß die westliche intellektuelle Welt judaisiert worden ist – daß jüdische Einstellungen und Interessen, jüdische Vorlieben und Abneigungen, jetzt die Kultur des Westens ausmachen, von Juden und Nichtjuden gleichermaßen verinnerlicht sind. Die Judaisierung des Westens ist nirgendwo offensichtlicher als in der Verehrung des Holocaust als zentrale moralische Ikone der gesamten Zivilisation. Diese Entwicklungen verkörpern eine tiefgreifende Verwandlung von der Tradition des kritischen und wissenschaftlichen Individualismus, der die westliche Tradition seit der Aufklärung gebildet hatte. Noch wichtiger ist, daß die Judaisierung des Westens aufgrund der tiefsitzenden jüdischen Feindseligkeit gegenüber der traditionellen westlichen Kultur bedeutet, daß die Völker, die die Kultur und Traditionen des Westens schufen, dazu gebracht worden sind, sich ihrer eigenen Geschichte zutiefst zu schämen – was sicherlich das Vorspiel zu ihrem Niedergang als Kultur und Volk ist.

Das gegenwärtige judaisierte Kulturimperium des Westens wird von einer überall vorhandenen Gedankenkontrolle aufrechterhalten, die von den Massenmedien propagiert wird und bis zur Selbstzensur von Akademikern, Politikern und anderen reicht, die sehr genau wissen, was es für schlimme persönliche und berufliche Konsequenzen hat, wenn man die Grenzen akzeptabler Gedanken und Äußerungen über Juden und jüdische Angelegenheiten übertritt. Es wird von eifernd verkündeten, eigennützigen und im Grunde falschen Theorien über die Natur und Geschichte des Judentums und die Natur und Ursachen des Antisemitismus aufrechterhalten.

Nichts davon sollte einen überraschen. Jüdische Populationen haben immer enorme Auswirkungen auf die Gesellschaften gehabt, unter denen sie wohnten, wegen zweier Eigenschaften, die von zentraler Bedeutung für das Judentum als gruppenevolutionäre Strategie sind: Hohe Intelligenz (einschließlich der Nützlichkeit der Intelligenz beim Erwerb von Reichtum) und die Fähigkeit, in hoch organisierten, geschlossenen Gruppen zu operieren (MacDonald 1994). Dies hat wiederholt dazu geführt, daß Juden in Gesellschaften, in denen sie in ausreichender Zahl wohnten, zu einer Elite und zu einer mächtigen Gruppe wurden – in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion des 20. Jahrhunderts genauso sehr wie im Spanien des 15. Jahrhunderts oder im Alexandria der Antike. Die Geschichte wiederholt sich oft doch. Tatsächlich weisen jüngste Daten darauf hin, daß das jüdische Pro-Kopf-Einkommen in den Vereinigten Staaten fast doppelt so hoch ist wie das von Nichtjuden, ein größerer Unterschied als die Einkommenskluft zwischen Schwarz und Weiß. Obwohl Juden weniger als ein Prozent der Bevölkerung stellen, machen sie mehr als ein Viertel der Leute auf der Liste der vierhundert reichsten Amerikaner des Magazins Forbes aus. Beachtliche 87 % der Juden im Collegealter sind gegenwärtig in höheren Bildungsinstituten eingeschrieben, verglichen mit 40 % der Bevölkerung als Ganzes (Thernstrom & Thernstrom 1997). Die Juden sind in der Tat eine Elitegruppe in der amerikanischen Gesellschaft (siehe auch Kapitel 8).

Ich habe den Eindruck, daß die jüdische Gemeinde in den Vereinigten Staaten aggressiv weitermacht und die riesigen Zerrüttungen ignoriert, die jüdische Organisationen im Westen (jetzt hauptsächlich durch die erfolgreiche Verfechtung massiver nichteuropäischer Einwanderung) und in der islamischen Welt (durch die Behandlung der Palästinenser seitens Israels) verursacht haben. Was immer die Rechtfertigung für solche Glaubensansichten sein mag, die U.S.-Unterstützung für Israel ist allem Anschein nach eine emotional beherrschende Sache in der arabischen Welt. Ein wahrer Test der jüdischen Macht in den Vereinigten Staaten wird sein, ob die Unterstützung für Israel auch angesichts des enormen Preises aufrechterhalten wird, den die Vereinigten Staaten bereits in Form von verlorenen Menschenleben, wirtschaftlicher Zerrüttung, Hass und Mißtrauen in der gesamten moslemischen Welt und Verlust bürgerlicher Freiheiten zu Hause bezahlt haben. Während ich dies schreibe, während jüdische Organisationen sich auf eine Gegenreaktion gegen die Juden in den Vereinigten Staaten gefaßt machen und während es unter Juden beträchtliche Sorgen gibt wegen des Drucks der Bush-Administration gegen Israel, Zugeständnisse an die Palästinenser zu machen, um die moslemische Welt zu besänftigen (z. B. Rosenblatt 2001), weisen alle Zeichen darauf hin, daß es keine grundsätzlichen Änderungen in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten hinsichtlich Israels als Folge der Ereignisse des 11.9.2001 gibt.

DANKSAGUNGEN

Ich weiß die kritischen Kommentare von Patrick O’Brien und James C. Russell bei der Vorbereitung dieses Vorworts zu schätzen.

ANMERKUNGEN

[Anm. d. Ü.: Im Unterschied zum Buch, wo die Anmerkungen gesammelt am Schluß stehen, füge ich hier die den jeweiligen Abschnitt betreffenden gleich im Anschluß an diesen an.]

1. McConnells Kommentare wurden in einer Email-Diskussionsliste vom 30. September 2001 gemacht.

2. Diese Auflistung beruht auf mehreren Quellen: Editors of Fortune (1936); To Bigotry No Sanction. A Documented Analysis  of Anti-Semitic Propaganda. Vorbereitet vom Philadelphia Anti-Defamation Council und dem American Jewish Committee Philadelphia: Philadelphia Anti-Defamation Council (1941); Gabler 1988; Kantor 1982; http://www.psu.edu/dept/inart10_110/inart10/radio.html

3. Ben Hecht, der ein prominenter Drehbuchautor von Hollywood und strammer Zionist war, nahm pro-interventionistische Ideen in Filme dieser Zeit auf (Authors Calendar, http://www.kirjasto.sci.fi/bhecht.htm) Zum Beispiel läßt Hecht in seinem Angels over Broadway (1940) den Charakter von Douglas Fairbanks Jr. fragen: „Was geschah mit den Polen, den Finnen, den Niederländern? Sie sind kleine Leute. Sie haben nicht gewonnen…“ Rita Hayworth antwortet: „Das werden sie, eines Tages.“ Hecht machte auch einige Ergänzungen in Alfred Hitchcocks Foreign Correspondent (1940). Als Hitchcock wegen der Anti-Nazi- und pro-britischen Botschaft des Films gefragt wurde, sagte er, daß das alles das Werk von Walter Wanger und Ben Hecht sei. (Wanger war ebenfalls Jude; sein Geburtsname war Walter Feuchtwanger.) In dem Film sagt ein Charakter: „Laßt diese Lichter weiterbrennen, bedeckt sie mit Stahl, baut Kanonen ein, baut einen Baldachin aus Schlachtschiffen und Bombenflugzeugen um sie herum, und, hello, America, behalte deine Lichter, sie sind die einzigen Lichter auf der Welt.“

4. Die einzige Ausnahme in den letzten Jahren – wenn auch eine relativ unbedeutende – war Pat Buchanans Kolumne von 1990, in der er sich auf Israels „Amen Corner“ in den Vereinigten Staaten zur Befürwortung des Krieges gegen den Irak bezog. (In der Tat hatte das American-Israel Public Affairs Committee den Kongreß hinter den Kulissen bearbeitet, dem Irak den Krieg zu erklären [Sobran 1999]). Im Wall Street Journal etikettierte Norman Podhoretz, der ehemalige Herausgeber von Commentary, Buchanan prompt als „Antisemiten“, ohne die Notwendigkeit zu empfinden, sich der Frage zuzuwenden, ob amerikanische Juden tatsächlich zum Vorteil Israels auf Krieg gegen den Irak drängten oder nicht. Wie im Fall von Lindberghs Bemerkungen ein halbes Jahrhundert zuvor war die Wahrheit irrelevant. Während dieser Fall das Tabu der Diskussion jüdischer Interessen, so wie es üblich ist, die Interessen anderer Volksgruppen zu diskutieren, nicht geändert hat, hat es ein langfristiges Problem für Buchanans politische Karriere zur Folge gehabt. Als Buchanan sich im Jahr 2000 um das Präsidentenamt bewarb, erklärte ein feindseliger Kolumnist in einer prominenten jüdischen Publikation: „Aus dem Schleim der Abwasserkanäle und in den Schmutz der Gosse ist ein verzweifelter Patrick J. Buchanan, der Neonazi, gekrochen, indem er Antisemitismus als ein hauptsächliches Mittel benutzte, um sich eine Zukunft zu sichern“ (Adelson 1999). Der Kolumnist behauptete weiters, daß Buchanan „immer ein Neonazi war“ und daß er „die Seichtheit seines gepeinigten, kranken, defekten Geistes enthüllt.“ Um sich nicht übertreffen zu lassen, schrieb Alan Dershowitz (1999): „Lassen wir da keinen Irrtum aufkommen. Pat Buchanan ist ein klassischer Antisemit mit faschistischen Neigungen, der Israel hasst und Nazi-Kriegsverbrecher liebt.“ Das Beispiel veranschaulicht, daß Juden weiterhin immensen Druck ausüben, einschließlich Verleumdungstaktiken, um jüdische Interessen in der politischen Diskussion Amerikas tabu zu halten. Wie bei Lindbergh in einer früheren Generation ist Buchanans Erfahrung eine düstere Erinnerung an Politiker, die es wagen, die Frage jüdischer Interessen in der öffentlichen Debatte aufzuwerfen. Buchanan wurde innerhalb der Republikanischen Partei völlig marginalisiert und verließ sie schließlich, um 2000 in einem spektakulär erfolglosen Versuch als Präsidentschaftskandidat der Reform Party anzutreten.

5. In einer Konversation mit seiner Frau am 24. November 1941 war Charles Lindbergh pessimistisch wegen der Gründung eines jüdischen Staates:

C. und ich geraten in einen Streit wegen eines Artikels in der Zeitung, einer Rede eines Rabbis bei einer jüdischen Konferenz, in der er sagte, daß das erste, was am Friedenstisch nach dem Krieg getan werden müßte, daß den Juden eine große Entschädigung für ihre Leiden gezahlt werden müßte. Er spricht auch davon, daß sie ein Stück Land für sich haben sollten – womit ich sympathisiere… [C.] sagt, daß das nicht so einfach ist. Wessen Land wirst du nehmen?… Er ist sehr pessimistisch, daß dies ohne große Leiden gelöst werden könnte. (A. M. Lindbergh 1980, S. 239)

6. Das Folgende beruht auf Benderskys Studie (2000, S. 2 – 46) von Offizieren des U.S.-Militärs, ist aber repräsentativ für allgemein gehegte Einstellungen im frühen 20. Jahrhundert.

7. „Reform Judaism Nears a Guide to Conversion.“ New York Times, 27. Juni 2001.

8. Von jüdischem Druck zur Änderung traditioneller römisch-katholischer Einstellungen zur jüdischen Verantwortung für den Gottesmord wird von Lacouture (1995, S. 440 – 458) und Roddy (1996) erzählt. Papst Johannes XXIII strich die Erwähnung des „perfiden Juden“ aus der Karwochenliturgie (Lacouture 1995, S. 448). Er ersuchte dann um die Meinungen der 2.594 Bischöfe der Welt bezüglich der Beziehungen der Kirche zu den Juden. Buchstäblich alle Befragten wünschten den status quo beizubehalten. Der Papst war „bitter enttäuscht über die Antwort des Episkopats“ (S. 449).

9. Burton, M. L., Moore, C. C., Whiting, J. W. M., & Romney, A. K. (1996). Regionen beruhend auf Sozialstruktur. Current Anthropology, 37: S. 87 – 123.

10. Laslett (1983) führt diesen grundlegenden Unterschied weiter aus und nennt vier Varianten, die von West, West-/Mittel und Mediterran bis Ost reichen.

11. Burton, M. L., Moore, C. C., Whiting, J. W. M., & Romney, A. K. (1996). Regionen beruhend auf Sozialstruktur. Current Anthropology, 37: S. 87 – 123.

12. Barfield, T. J. (1993). The Nomadic Alternative. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.

13. Unterstützung für diese Einteilung gibt es an mehreren Stellen in meiner Trilogie über das Judentum, und diese wiederum hängt vom Werk vieler Wissenschaftler ab. Abgesehen von den Quellen in diesem Vorwort sollte man sich das Folgende besonders vormerken: Evolutionsgeschichte: MacDonald 1994, Kap. 8; Ehepraktiken: MacDonald 1994 (Kap. 3 und 8); Ehepsychologie: CofC (Kap. 4, 8); Stellung der Frauen: CofC (Kap. 4); Einstellung gegenüber Fremdgruppen und Fremden: MacDonald 1994 (Kap. 8), MacDonald 1998a (Kap. 1); Sozialstruktur: MacDonald 1994 (Kap. 8), MacDonald 1998a (Kap. 1, 3 – 5), CofC (Kap. 6, 8 und an verschiedenen Stellen als Wesenszug jüdischer intellektueller Bewegungen); Sozialisation: MacDonald 1994 (Kap. 7), CofC (Kap. 5); intellektuelle Haltung: MacDonald 1994 (Kap. 7), CofC (Kap. 6 und an verschiedenen Stellen); moralische Haltung: MacDonald 1994 (Kap. 6), CofC (Kap. 8).

14. Grossman et al. und Sagi et al., in I. Bretherton & E. Waters (Hrsg.), Growing Points in Attachment Theory and Research. Monographs for the Society for Research in Child Development, 50 (1-2), S. 233 – 275. Sagi et al. meinen, daß Temperamentunterschiede bei Angst vor Fremden wegen der ungewöhnlichen Intensität der Reaktionen vieler der israelischen Kleinkinder wichtig sein könnten. Die Tests wurden oft wegen des intensiven Weinens der Kleinkinder beendet. Sagi et al. finden dieses Muster sowohl unter Kindern, die in einem Kibbuz aufgezogen wurden, als auch bei solchen, die in der Stadt aufgezogen wurden, wenn auch bei letzteren weniger stark. Jedoch wurden die in der Stadt aufgezogenen Kinder etwas unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt: Es gab mit ihnen vor den Tests keine Sozialisierungsepisode mit einem Fremden. Sagi et al. meinen, daß die Sozialisierung vor den Tests die Reaktionen von Kibbuz-Babies auf Fremde intensiviert haben könnten, aber sie merken an, daß solche Vor-Tests diesen Effekt bei Auswahlgruppen von Kleinkindern aus Schweden und den Vereinigten Staaten nicht haben. Dies hebt wiederum den Unterschied zwischen israelischen und europäischen Auswahlgruppen hervor.

15. Ein halachischer Unterschied bezeichnet eine Unterscheidung aufgrund des jüdischen religiösen Gesetzes.

16. Der folgende Kommentar veranschaulicht gut die unterschiedliche Einstellung, die viele sich stark als solche identifizierende Juden zu Amerika gegenüber Israel haben:

Während ich durch die Straßen Jerusalems gehe, habe ich das Gefühl, daß es bei der jüdischen Identität zuerst und vor allem um Selbstbestimmung geht und im weiteren Sinne um die Sicherheit und Macht, die damit verbunden ist, einen eigenen Staat zu haben. Ich fühle mich in Israel sehr wohl beim Anblick von Soldaten, die mit Maschinengewehren dastehen, und beim Wissen, daß sogar eine ziemliche Anzahl der Zivilisten um mich herum verdeckt eine Waffe tragen. Das bahnbrechende Ereignis für mein zionistisches Bewußtsein war, obwohl ich nach 1967 geboren wurde und schwere Bedenken wegen Israels Kontrolle über die Territorien habe, immer noch der dramatische Sieg einer jüdischen Armee im Sechstagekrieg. Versetzt mich jedoch nach New York, und plötzlich symbolisiert die National Rifle Association die dunkelste Seite dieses Landes. Es ist, als wüßte mein Unterbewußtsein instinktiv, daß es in dem Moment, wo wir am JFK Airport landen, Zeit wird, diese Bilder von israelischen Soldaten, die Kontrolle über Jerusalems Altstadt übernehmen, und von Moshe Dayan, der an der Westmauer [d. Ü.: Klagemauer] steht, zu verstecken und sie durch das vertraute Bild von Rabbi Abraham Joshua Heschel zu ersetzen, wie er an der Seite von Rev. Martin Luther King Jr. marschiert (A. Eden, „Liberalism in Diaspora.“ The Forward, 21. Sept. 2001)

17. www.adl.org/presrele/dirab%5F41/3396%5F41.asp

18. Jerusalem Post, 5. März 2001.

19. Siehe z. B. den ADL Policy Report über die Aussichten für Einwanderungsgesetze in der Administration von George W. Bush und im 107. Kongreß: www.adl.org/issue%5Fgovernment/107/immigration.html

20. In: S. S. Boyle (2001). The Betrayal of Palestine: The Story of George Antonius. Boulder, CO: Westview Press, S. 160. Wie von Boyle erzählt, wurde Sheehan 1929 von der zionistischen Publikation New Palestine angeheuert, um über den Fortschritt des Zionismus in diesem Land zu schreiben. Er ging nach Palästina, und nachdem er die Situation studiert hatte, gab er das Geld zurück, das die Zionisten ihm gezahlt hatten. Er schrieb dann ein Buch (Personal History; New York: Literary Guild Country Life Press, 1935) – das seit langem vergriffen ist – in dem er seine negativen Eindrücke von den Zionisten beschrieb. Er merkte zum Beispiel an, „wie sie niemals zugeben können oder wollen, daß irgend jemand, der anderer Meinung ist als sie, ehrlich ist“ (S. 160). Dieser Kommentar widerspiegelt den autoritären Ausschluß von Andersdenkenden, der in CofC (Kap. 6) als Charakteristikum jüdischer intellektueller und politischer Bewegungen festgestellt wird. Sein Buch war ein kommerzieller Fehlschlag, und er geriet still in Vergessenheit. Das Thema von Boyles Buch, Georg Antonius, war ein griechisch-orthodoxer Araber aus dem Gebiet des heutigen Libanon. Sein Buch, The Arab Awakening (London: Hamish Hamilton, 1938), präsentierte die arabische Seite im palästinensisch-zionistischen Disput. Zu den Anhängen in seinem Buch gehört der Briefwechsel zwischen Hussein und MacMahon vom 24. Oktober 1915 zwischen Scherif Hussein (der die arabische Revolte gegen die Türken autorisierte) und Henry MacMahon, dem britischen Hochkommissar in Ägypten. Die Korrespondenz zeigt, daß den Arabern für die Zeit nach dem Krieg die Unabhängigkeit in dem gesamten Gebiet (einschließlich Palästinas) versprochen wurde. Ebenfalls in den Anhängen enthalten ist das Hogarth-Memorandum vom Januar 1918 und die Erklärung an die Sieben vom 16. Juni 1918, die beide den Arabern versichern sollten, daß England seine früheren Versprechungen an sie einhalten werde, als die Araber nach der Balfour-Deklaration Besorgnis äußerten. Großbritannien hielt diese Dokumente geheim, bis Antonius sie in The Arab Awakening veröffentlichte. Antonius wurde von britischen Zionisten aus der Mandatsverwaltung Palästinas gedrängt und starb gebrochen und verarmt.

21. Daily Pilot, Newport Beach/Costa Mesa, Kalifornien, 28. Feb. 2000.

22. „Project Reminds Young Jews of Heritage.“ The Washington Post, 17. Jan. 2000, S. A19.

23. Steinlight mildert diese Bemerkungen, indem er auf das jüdische Engagement für moralischen Universalismus verweist, einschließlich des Hingezogenseins zum Marxismus, das für Juden während des Großteils des 20. Jahrhunderts so charakteristisch war. Jedoch, wie in Kapitel 3 angegeben, war das jüdische Engagement für den linken Universalismus immer davon abhängig, ob der linke Universalismus den vermeintlichen jüdischen Interessen entsprach, und eigentlich hat jüdischer linker Universalismus oft als wenig mehr als eine Waffe gegen die traditionellen Bande des Zusammenhalts westlicher Gesellschaften funktioniert.

24. In den frühen 1950ern scheint Stalin geplant zu haben, Juden in ein jüdisches Gebiet in Westsibirien zu deportieren, aber er starb, bevor dieses Projekt begonnen wurde. Während der Besetzung Polens 1940 deportierten die Sowjets Juden, die Flüchtlinge aus dem von den Nazis besetzten Westpolen waren. Jedoch war diese Aktion nicht anti-jüdisch als solche, weil davon weder Juden aus der Sowjetunion noch solche aus Ostpolen betroffen waren. Diese Deportation ist wahrscheinlicher die Folge von Stalins Furcht vor jedem oder jeder Gruppe, die westlichem Einfluß ausgesetzt war.

25. Taylor, S. J. (1990). Stalin’s Apologist, Walter Duranty: The New York Times’s Man in Moscow. New York: Oxford University Press; R. Radosh (2000). From Walter Duranty to Victor Navasky: The New York Times’ Love Affair with Communism, FrontPageMagazine.com, 26. Oktober; W. L. Anderson (2001), The New York Times Missed the Wrong Missed Story http://www.lewrockwell.com/anderson/anderson45.html, 17. November 2001. Radoshs Artikel zeigt, daß die Sympathie der Times gegenüber dem Kommunismus sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Die Times hat sich niemals von dem Pulitzerpreis distanziert, den Walter Duranty für seine Berichterstattung über Stalins Fünfjahresplan bekommen hatte.

26. Hamilton, D. (2000). „Keeper of the Flame: A Blacklist Survivor.“ Los Angeles Times, 3. Oktober.

27. Siehe www.otal.umd.edu/~rccs/blacklist/.

28. Zu den Diskussionen über jüdischen Medienbesitz gehören: Ginsberg 1993, S. 1; Kotkin 1993, S. 61; Silberman 1985, S. 147.

29. www.economictimes.com/today/31tech22.htm

30. The Forward, 27. April 2001, S. 1, S. 9.

31. The Forward, 14. November 1997, S. 14.

32. Eine teilweise Ausnahme ist die Washington Post Co. Bis zu ihrem kürzlichen Tod wurde die Washington Post von Katherine Meyer Graham geleitet, der Tochter von Eugene Meyer, der die Zeitung in den 1930eern kaufte. Miss Graham hatte einen jüdischen Vater und eine christliche Mutter und wurde als Episkopale erzogen. Katherines Ehemann Phil Graham, der ehemalige Herausgeber der Post, war kein Jude. Der Herausgeber der Post seit 1991 ist Donald Graham, der Sohn von Katherine und Phil Graham. Diese einflußreiche Verlagsgruppe ist somit ethnisch weniger jüdisch als die anderen, die hier erwähnt wurden. Die Washington Post Co. hat eine Anzahl anderer Medienbesitzanteile an Zeitungen (The Gazette Newspapers, einschließlich 11 militärischer Publikationen), Fernsehsendern und Magazinen, vor allem das zweitplazierte wöchentliche Nachrichtenmagazin der Nation, Newsweek. Die verschiedenen Fernsehunternehmen der Washington Post Co. erreichen insgesamt etwa 7 Millionen Haushalte, und ihr Kabelfernsehen, Cable One, hat 635.000 Abonnenten. In einem Gemeinschaftsunternehmen mit der New York Times gibt die Post die International Herald Tribune heraus, die englischsprachige Tageszeitung mit der weltweit größten Auflage.

33. www.eonline.com/Features/Specials/Jews/

34. Cones (1997) liefert eine ähnliche Analyse:

Diese Analyse von Hollywoodfilmen mit religiösen Themen oder Charakteren offenbart, daß Hollywood Christen in den letzten vier Jahrzehnten als sexuell rigide, teufelsverehrende Kultisten gezeigt hat, die mit Gott reden; als gestört, scheinheilig, fanatisch, psychotisch, unehrlich; als Mordverdächtige, bibelzitierende Nazis, aalglatte Profitmacher, falsche Spiritualisten, Bibelhausierer, gestörte Prediger, besessen, amoklaufende katholische Schuljungen, Adam und Eva als Bauern in einem Spiel zwischen Gott und Satan, eine unausgeglichene Nonne, die beschuldigt wird, ihr neugeborenes Kind getötet zu haben, als dumm, manipulativ, falsch, Gesetzlose, Neurotiker, seelisch unausgeglichen, skrupellos, destruktiv, unflätig, betrügerisch und als Erfinder von Wundern. Wenige positive Darstellungen von Christen, falls überhaupt welche, sind in Hollywoodfilmen zu finden, die in den letzten vier Jahrzehnten veröffentlicht wurden.

35. Nachgedruckt in der New York Times vom 27. Mai 1996.

36. James Ron, „Is Ariel Sharon Israel’s Milosevic?“ Los Angeles Times, 5. Februar 2001.

37. Aus dem Bericht der Kahan-Kommission (www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0ign0):

Wir merken hier an, daß es anscheinend rätselhaft ist, daß der Verteidigungsminister den Premierminister in keiner Weise in die Entscheidung eingeweiht hat, die Falangisten in die Lager zu lassen.

Es ist unsere Ansicht, daß dem Verteidigungsminister die Verantwortung dafür zuzurechnen ist, die Gefahr von Racheakten und Blutvergießen seitens der Falangisten gegen die Bevölkerung der Flüchtlingslager mißachtet zu haben und die Gefahr nicht in Rechnung gezogen zu haben, als er entschied, die Falangisten in die Lager zu lassen. Zusätzlich ist dem Verteidigungsminister die Verantwortung zuzurechnen, keine angemessenen Maßnahmen zur Verhinderung oder Reduzierung der Gefahr eines Massakers als Bedingung für den Zutritt der Falangisten zu den Lagern angeordnet zu haben. Diese groben Fehler stellen die Nichterfüllung einer Pflicht dar, mit der der Verteidigungsminister betraut war.

38. Yossi Klein Halevi, „Sharon has learned from his mistakes.“ Los Angeles Times, 7. Februar 2001.

39. Washington Post, 3. Juli 2001; Los Angeles Times, 18. Oktober 2001.

40. Jüdische Organisationen sind auch starke Befürworter von Gesetzen gegen „Hassverbrechen“ gewesen. Zum Beispiel veröffentlichte die ADL Hate Crimes: ADL Blueprint for Action, das Empfehlungen zur Verhinderung von ethnischen Gewaltverbrechen und Reaktionsstrategien auf solche bietet, wie Strafverschärfungsgesetze, Schulungen für Gesetzeshüter und Militär, Sicherheit für Gemeindeinstitutionen und Initiativen auf Gemeindeebene für Anti-Vorurteils-Bewußtsein. Im Juni 2001 kündigte die ADL ein Programm an, das der Exekutive im Kampf gegen „Extremisten und Hassgruppen“ assistieren sollte. Ein Hauptbestandteil der Law Enforcement Initiative ist die Entwicklung spezialisierter Lehrpläne über Hassverbrechen, Extremismus und Vorurteilsfreiheit für Schulungsprogramme, die für die Exekutive bestimmt sind.

41. Presseinformation des SWC vom 15. Juli 1999; www.wiesenthal.com.

42. Z. B. Presseinformation des SWC vom 29. November 1999; 26. Januar 2001; www.wiesenthal.com

43. Presseerklärung der ADL vom 14. September 1999; www.adl.org.

44. AFP Worldwide News Agency, 4. April 2001; www.afp.com.

45. Presseerklärung der ADL vom 22. August 1996; www.adl.org.

46. C. Wolf. Racists, Bigots and the Law on the Internet. www.adl.org

47. C. Wolf. Racists, Bigots and the Law on the Internet. www.adl.org

*  *  *  *  *  *  *

Fortsetzung: Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: Einführung und Theorie

23 Kommentare »

  1. Tut mir leid, wenn die Tabelle 1 nicht schöner aussieht; ich habe so schon sehr lang daran herumgesch… murkst.
    Hier noch drei vier Leseempfehlungen:

    Luftfahrt, Geographie und Rasse von Charles Lindbergh;
    Holocaust-Gedenken von Irmin Vinson;
    A White Guide to the Jewish Narrative von Tanstaafl;
    Jews, Blacks, & Race von Kevin MacDonald.

    Kommentar von Deep Roots — 15. Februar 2012 @ 19:59

  2. Ich bin ja soooo gespannt auf die Besprechungen in FAZ, TAZ, SÜDLÄNDISCHER ZEITUNG, ZEIT, SPIEGEL, wenn das Buch erschienen sein wird. Ich kanns kaum erwarten. Dann müßte es nur noch genauso oft verkauft werden wie das von Sarrazin (und natürlich auch gelesen) und man könnte den Kalk in Hirnen der identitätstragenden Deutschen geradezu rieseln hören. :lol:

    Kommentar von Sir Toby — 15. Februar 2012 @ 20:50

  3. Ach ja, den Text hab ich logischerweise noch nicht gelesen … aber das mußte ich schon mal loswerden. Und natürlich herzlich gratulieren zu dieser … Blitzkriegs-Arbeit (das bezog sich auf die Schnelligkeit der Übersetzung). Ich denke, ich kann in diesem Fall einfach schon mal an dieser Stelle dem Übersetzer ein DANKESCHÖN!!! im Namen aller Leser und Kommentator_innen :lol: aussprechen :!:

    Kommentar von Sir Toby — 15. Februar 2012 @ 20:57

  4. Eine Meisterleistung an Übersetzungsarbeit, nachdem der Start sich immer wieder verzögert hat jetzt in Warpgeschwindigkeit!

    Ich werde mir das ausdrucken und in Ruhe lesen und bin schon gespannt auf das eigentliche Buch.

    Kommentar von Kairos — 15. Februar 2012 @ 21:17

  5. Vielen Dank für diese Arbeit!

    Ich habe das Orginal schon gelesen, deswegen überspringe ich die Lektüre, aber ich empfehle den Artikel gerne weiter. Sehr gerne :) Abgespeichert ist er auch schon ;)

    Kommentar von reinigungskraft — 15. Februar 2012 @ 23:45

  6. Einfach Klasse ! Es liest sich wie Samt und Seide. Wenn ich daran denke, wie ich lange und zäh ich am Original gekaut habe…
    Danke für die gute Arbeit. Mögen es viele Menschen lesen…

    Kommentar von mickiandalusia — 16. Februar 2012 @ 01:20

  7. “The Culture of Critique” ist ein Meilenstein, eine wissenschaftliche Leistung von unschätzbarem Wert für uns Weiße. Genauso ist jede Übersetzung in eine andere Sprache ein Meilenstein. Dem Übersetzer ist sein unentgeltlicher Einsatz gar nicht hoch genug anzurechnen; daher tausendfachen Dank für diese Mammutleistung an Deep Roots!

    Kommentar von sternbald — 16. Februar 2012 @ 03:45

  8. Ich möchte an dieser Stelle auch ein Lob aussprechen, Deep Roots. Ich habe noch nicht gerade viel gelesen, aber was ich gelesen habe liest sich sehr gut. Deine Übersetzung ist wesentlich besser als jene von “Seperation and…”, das sich sehr hölzern liest und leider auch viele Fehler hat. Und danke schonmal für deine Arbeit. Da kann ich das Original ja ruhig im Regal stehen lassen und hier bequem deine Übersetzung lesen.

    Kommentar von nino — 16. Februar 2012 @ 10:00

  9. Ich bin gerade bei diesem Satz angekommen (die fette Markierung ist von mir!)…

    Die Herabstufung des ethnischen Aspekts des Judentums ermöglichte es den Juden im Grunde, den ethnischen Krieg zu gewinnen, ohne daß irgend jemand überhaupt anerkennen konnte, daß es ein ethnischer Krieg war. Zum Beispiel wurden die Juden während der Einwanderungsdebatten der 1940er – 1960er von sich selbst und anderen als „Menschen jüdischen Glaubens“ beschrieben. Sie waren einfach eine weitere Religion in einer offiziell religiös pluralistischen Gesellschaft, und ein Teil des jüdischen Posierens bestand in einem Anspruch auf eine einzigartige universalistische moralisch-religiöse Vision, die nur durch Inkraftsetzung von Gesetzen erreicht werden konnte, welche tatsächlich ihre partikularistischen ethnischen Ziele förderten.

    … und es ist wirklich unglaublich – genau dieselbe Hypnomimikry-Sprachhülse, wie sie der klassische BRD-Ethnoselbstmörder – ich möchte fast sagen ‘täglich’ – zwischen seinen dummen Lippen hervorpreßt. Natürlich ohne auch nur ansatzweise zu begreifen, was er da eigentlich tut. Genauer gesagt: ANTUT – sich und den Seinen, die er aber nicht mehr als solche begreift. Unglaublich…

    Kommentar von Sir Toby — 16. Februar 2012 @ 11:02

  10. Vielen Dank für die Blumen, Leute! Und besonders freut mich, daß der Vergleich zur deutschen Übersetzung von „Separation And Its Discontents“ so positiv ausfällt, wie Nino uns berichten konnte. Da hat man gleich mehr Motivation zur Fortsetzung dieser Informations-Blitzkriegs-Kampagne, deren nächste Etappe bereits begonnen hat (zwei der 19 Seiten des ersten eigentlichen Kapitels sind schon wieder übersetzt).

    Ich fürchte aber, daß es von einer als Buch veröffentlichten Version dieser Übersetzung genauso wenig Besprechungen in den deutschen Systemzeitungen geben wird wie von „Absonderung und ihr Unbehagen“. Es könnte leicht sein, daß hier genau die Totschweigemethode angewandt wird, wie Kevin MacDonald sie im obigen Artikel für die rechte Radioszene und für die mögliche Zukunft der rechten Internet-Sphäre beschrieben hat: die Sachen gibt es zwar, aber außer einem kleinen Kreis von bereits wenigstens einigermaßen Nationalen erfährt kaum jemand davon (MacDonald schreibt ja selber: “CofC wurde nicht verbreitet rezensiert“). Ich würde mich aber gern von einer gegenteiligen Entwicklung überraschen lassen.

    Möglicherweise war Sarrazins Buch für das System gar nicht so eine Panne, wie man meinen möchte; vielleicht sollte es zusammen mit Aussagen wie Merkels „Multikulti ist gescheitert“ nur den überfremdungsbesorgten Teil der Öffentlichkeit mit der Illusion einlullen, daß sich „jetzt endlich mal was bewegt“ und die Politiker „einsehen, daß es so nicht weitergehen kann“. Beispiele für diese Morgenluft-Stimmung findet man in Artikeln wie Europa ist tot, sagen Konservative von Albert Jackson und Der Multikulturalismus ist tot, also wo vergraben wir die Leiche? von Jim Goad.
    Vielleicht treibt man hier ein ähnliches Spiel wie der Kapitän und die Offiziere auf Ted Kaczynskis Narrenschiff. Aber es spricht trotzdem Bände über die ideelle Fäulnis in angeblich konservativen Parteien, wenn die politische Karriere eines ÖVP-Mandatars mit parteiinternen Vorwürfen abgesägt werden kann, weil er Sarrazin eingeladen hat.

    Bei der Erwähnung von Felix Frankfurter oben im Text als einem der Berater Roosevelts, wegen denen sich Offiziere des U.S.-Militärs Sorgen darüber machten, daß sie Roosevelt antideutsch beeinflussen und die Vereinigten Staaten in einen Krieg gegen Deutschland drängen würden (ja, so etwas gab es tatsächlich auch einmal!) ist mir übrigens sofort die Assoziation zu „Frank Furter“ von PI eingefallen…

    Kommentar von Deep Roots — 17. Februar 2012 @ 17:21

  11. Zum letzten Absatz im Kommentar von Deep Roots: apropos Namensvergleiche. Mit fiel kürzlich die Namensgleichheit von Karl Ludwig von Guttenberg (Mitarbeiter von Canaris; massive(r) Subversion/Verrat in der Berliner Abwehrzentrale) und seinem Großgroßneffen Karl-Theodor zu Guttenberg, des plötzlichen Nachkriegsreichtums der Guttenbergfamilie und des überaus rasanten Aufstiegs des Transatlantik-Brücke-Aspen-Institut-Zöglings. Wäre sicher ein sehr ergiebiges Thema für tiefergehende Nachforschungen …

    Kommentar von Licht — 17. Februar 2012 @ 19:43

  12. … ist mir übrigens sofort die Assoziation zu „Frank Furter“ von PI eingefallen…

    Mir fällt dabei höchstens Frank ‘n Furter ein. :lol: Aber im Ernst: Ist dieser ‘Frank Furter’ Jude? Oder scheint er es zu sein – ausweislich seiner Themenwahl und der Art des Schreibens? Ich kenne den Namen nur flüchtig und weiß, daß er wohl mal bei PI geschrieben hat. Hat jetzt wohl einen eigenen Blog oder so …

    Kommentar von Sir Toby — 17. Februar 2012 @ 20:37

  13. Also, um Mißverständnisse zu vermeiden, ich meinte den Frank ‘n Furter:

    Kommentar von Sir Toby — 17. Februar 2012 @ 21:53

  14. Frank Furter heißt Marco Pino und ist stolzer Besitzer eines “Migrationshintergrundes.”

    Der Volldepp (vgl. hier: http://kairostheos.wordpress.com/2011/09/20/dep/) hat es geschafft, sich von PI zu distanzieren und aus der Partei DieFreiheit auszutreten, weil die alle so rechts sind.

    Ja, ich glaube schon, dass er ein Kike ist. Dieses Muster kehrt immer wieder: Man macht irgendwo mit und dann “distanziert” man sich mit viel Getöse davon (vgl. Ulfkotte, der die BPE auf einmal “faschistisch” fand).

    Irgendeiner muss ja die Drecksarbeit (“divide”) machen, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass sich das irgendwann rentiert und man auch an die Fleischtöpfe (“impera”) rankommt.

    Da kriegt man das kalte Kotzen. Dann doch lieber Tim Curry in Frauenklamotten!

    Kommentar von Kairos — 17. Februar 2012 @ 22:25

  15. Die Übersetzug von „Separation And Its Discontents“ ist aber auch wirklich schlecht, und für einen Lektor hats wohl leider auch nicht mehr gereicht, wie man merkt…

    Womit ich Deine Ü., Deep Roots, nicht abwerten möchte, die ist, mit einem Wort, einfach nur professionell. Ich hoffe, dass, wenn Du irgenwann fertig sein wirst, das ganze wirklich in Buchform veröffentlich werden kann!

    (Kairos, Dein Kommentarbereich ist der Hammer!)

    Kommentar von Richard — 18. Februar 2012 @ 08:07

  16. Ob “Frank Furter” alias Marco Pino Jude ist, weiß ich nicht, kann aber sein. Oder er hat mit der Wahl seines Nicks eine gewisse Identifikation mit der Kikerei ausdrücken wollen, entweder mit Bezug auf besagten Felix Frankfurter oder auch auf die Frankfurter Schule. Gewissermaßen als “judaisierter Goy” oder “Jude h. c.”.

    Bei so vielen unappetitlichen Assoziationen fängt man sich zu fragen an, ob man die Frankfurter Würstchen nicht doch auch als Österreicher “Wiener Würstchen” nennen sollte…

    Kevin MacDonald ist sehr erfreut über mein Übersetzungsprojekt und hat mir schon mal mitgeteilt, daß er meine Übersetzungen, die ich ihm immer schicke, auf seiner Webseite veröffentlichen wird (ich vermute, damit meint er seine Übersetzungsseite und nicht “The Occidental Observer”).

    Kommentar von Deep Roots — 18. Februar 2012 @ 12:49

  17. … daß er meine Übersetzungen, die ich ihm immer schicke, auf seiner Webseite veröffentlichen wird (ich vermute, damit meint er seine Übersetzungsseite und nicht “The Occidental Observer”).

    Also das finde ich doch mal eine gute Nachricht. Sollte das Gesamtprojekt irgendwann in trockenen Tüchern sein, das Buch aber in der (Tot-)Schweigespirale verenden, dann hätte man zumindest die Möglichkeit auf die Übersetzung auf KMDs Seite zu verweisen bzw. zu verlinken. Die Verbreitung läuft damit zwar praktisch in der Art der ‘Samisdat’-Literatur (so als ‘Geheimtipp’ unter der Hand … von Hand zu Hand), aber sie läuft eben doch. Ganz bekommen sie die Infos also doch nicht tot…

    Kommentar von Sir Toby — 18. Februar 2012 @ 16:26

  18. [...] [...]

    Pingback von German Thread - Page 298 - Stormfront — 18. Februar 2012 @ 18:40

  19. Hier ist übrigens Kevin MacDonalds Übersetzungsseite (auch in unserer Blogroll zu finden):

    http://www.kevinmacdonald.net/books.htm#German

    Von Kapitel 1 von CofC habe ich derzeit 8 Seiten geschafft.

    Kommentar von Deep Roots — 19. Februar 2012 @ 14:34

  20. [...] Es dauert lange, bis man versteht, wie Aufklärung, Kommunismus, Satanismus, Globalismus und Judaismus zusammenhängen. Ich kann hier nur einige Links setzen und dafür werben, dieses größte aller [...]

    Pingback von Weißer Zorn III — 26. Februar 2012 @ 14:00

  21. [...] Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald Die Kultur der Kritik: Vorwort von Professor Kevin MacDonald zur ersten Paperback-Ausgabe Die Kultur der Kritik (1) – Juden und die radikale Kritik an der nichtjüdischen Kultur: [...]

    Pingback von Die Kultur der Kritik (3) – Juden und die Linke « Archiv des verbotenen Wissens — 13. Dezember 2012 @ 04:33

  22. […] Film ist nichts weiter als Culture of Critique, er ist nichts weiter als reiner 68er-Dekonstruktivismus – angewandt auf den Islam und […]

    Pingback von denn sie wissen nicht, was sie tun — 11. Juni 2013 @ 23:50

  23. Muss auch meinen Dank sagen für die Übersetzung (nach vorerst der Lektüre des Vorworts nur), wenn das nicht tausendfach geschieht und rausgefiltert wird. Endlich mal eine ernstzunehmende Stimme auch aus diesem Jahrhundert. Vielen Dank, Deep Roots!

    Was ich auch wissen will: Darf ich hierher verlinken, akzeptierte/autorisierte der Originalautor die Übersetzung gar, oder ist das rechtlich für den Übersetzer irrelevant?

    Kommentar von blechtrommler — 3. September 2014 @ 19:22


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