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Shelby Steele: White Guilt: How Blacks and Whites Together Destroyed the Promise of the Civil Rights Era
Ein Überblick von Kairos
Teil 1: Die Geschichte der weißen Schuld
Shelby Steele vergleicht die Lewinsky Affäre mit der (vermuteten) Angewohnheit Eisenhowers sporadisch das Wort „Nigger“ zu verwenden. Eisenhower hätte die Lewinsky-Affäre nicht überlebt, weil in den 50ern ein amerikanischer Präsident, was Sex angeht, eine weiße Weste haben musste. Clinton dagegen hätte es nicht überlebt, wenn er öffentlich das Wort „Nigger“ verwendet hätte. So habe die Rassenfrage die Sexualmoral als Anker der Legitimität abgelöst.
Was war passiert?
Nach der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King gab es unter den organisierten Schwarzen eine Radikalisierung. Man wollte nicht mehr nach den Idealen Ghandis mit friedlichen Mitteln eine Aufhebung der Apartheit und Gleichstellung erreichen, sondern militant Rechte und Forderungen durchsetzen.
Steele glaubt nicht, dass die Demütigungen der „rassistisch Diskriminierten“ ursächlich für diese Wut und Militanz gewesen sein können, sondern macht die „weiße Schuld“, den Verlust der moralischen Autorität, mit welcher die „weißen“ amerikanischen Institutionen zu kämpfen hatten, verantwortlich.
Erst nach der rechtlichen Gleichstellung der Schwarzen seien die Rassenunruhen ausgebrochen, sie seien also keine Reaktion auf Unterdrückung gewesen, sondern auf ein Machtvakuum. Da lange die weiße Vorherrschaft die Schwarzen unter der Knute hielt, schluckten diese die Segregation und Apartheit, erst als das weiße Amerika die Zügel locker ließ, gingen die Pferde mit den Schwarzen durch.
Dabei bedienten sich die politisch radikalen Schwarzen eines marxistischen Tricks: Es ging nicht mehr um den alltäglich erfahrbaren Rassismus, der durch die Gleichstellungsgesetze ohnehin kriminalisiert und damit minimiert worden war, sondern um „strukturellen Rassismus“, also die Annahme, dass in den politischen und sozialen Strukturen der USA überall der Rassismus „drinstecke.“ So konnte jeder noch so kleine nach Rassismus riechende Akt unverhältnismäßige Reaktionen hervorrufen, war er doch ein Beweis dafür, dass das ganze System rassistisch war. Black power und white guilt seien insofern genau dasselbe.
Die Schwarzen seien über die Jahrzehnte so gut dabei gewesen, das moralische Vakuum, das die weiße Schuld hinterlasse, zu füllen, dass O.J. Simpson freikam, obwohl es empirische Beweise gab. Dabei könne man von Gleichstellung der Rassen nicht mehr sprechen, denn Simpson hatte ebenso eine „race card“, eine „Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-weil-du-die-richtige-Hautfarbe-hast“ wie vormals Weiße, die Gewalttaten an Schwarzen verübten.
Je progressiver und liberaler sich amerikanische Institutionen gäben – je mehr weiße Schuld sie also verinnerlicht hätten – desto mehr fühlten sich die Schwarzen „rassistisch diskriminiert.“ Steele beschreibt wie Studenten die linksverseuchten Colleges als Ort des Rassismus wahrnehmen, auf ihren Ferienjobs, wo man sich wenig bis gar nicht um Gleichstellung kümmert, aber nicht das Gefühl haben, aufgrund ihrer Rasse benachteiligt zu werden.
Da wir mit unseren Bereichern genau das Gleiche erleben dürfen, will ich Steeles Erkenntnis noch einmal verallgemeinern:
Je mehr Gleichstellungsanstrengungen unternommen werden, desto größer wird die gefühlte Diskriminierung!
Das scheint mir beim Feminismus das Gleiche zu sein. Man hat das Gefühl, die Emanzen bekämen „den Hals nicht voll“, forderten immer mehr, obwohl sie eigentlich fast alle Ziele, die sie sich einst auf die Fahne schrieben, erreicht haben. Überträgt man Shelbys Analyse auf den Geschlechterkampf, so erkennt man, dass die Emanzen in dem Ausmaß neue und immer absurdere Forderungen stellen, wie die mittlerweile völlig gezähmte und gedemütigte Männerwelt weiter zurückrudert, um bloß nicht als „Chauvinisten“ zu gelten. Nur eine entschiedene „Maskulinismus“- Bewegung könnte ein Kräftegleichgewicht wiederherstellen und im Spiel der Kräfte könnte sich vielleicht echte Gleichberechtigung einstellen. Vielleicht. Wahrscheinlicher wäre in Deutschland die Etablierung eines männlichen Gleichstellungsbeauftragten neben der weiblichen in allen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Aber ich schweife ab…
Dem Kommunismus reicht es im Übrigen auch nicht, dass die modernen Demokratien neun von zehn Forderungen des kommunistischen Manifests erfüllt haben und Arbeiter in den westlichen Staaten eine Sicherheit genießen, die sie nirgendwo sonst und niemals zuvor erleben durften (erst Recht nicht in den Staaten, in denen man kommunistische Experimente angestellt hat).
Zurück zu Steele: Die Schwarzenbewegung ging noch weiter: Weil es strukturelle Ungleichheit gebe, könne man den Schwarzen auch nicht die Verantwortung für ihr Weiterkommen überlassen. Stattdessen müssten die Institutionen für Gleichstellung sorgen.
So wurde eben das nicht erreicht, wovon Martin Luther King geträumt hatte (Untertitel des Buches: „Wie Schwarze und Weiße gemeinsam die Versprechen der Bürgerrechtsära zerstörten“). King und den anderen Bürgerrechtsbewegten war die Vision eines Amerika gemein, in dem die Qualifikation und nicht die Rasse entscheidendes Kriterium für das Weiterkommen war. Sie wollten Gleichstellung in dem Sinne, dass Schwarze gegenüber Weißen nicht mehr benachteiligt wären, die Rasse einfach keine Rolle mehr spiele.
Eine Bevorzugung von Schwarzen allerdings, wie sie im Anschluß an die Bürgerrechtsbewegung durch „schwarze Militanz“ und „weiße Schuld“ erreicht worden sei, verewige das Stigma der Unterlegenheit des Schwarzen – denn nicht er selbst, sondern die Institutionen der weißen Mehrheit würden ihm nun den Aufstieg ermöglichen. Ein Wettbewerb, bei dem die Rasse keine Rolle spiele, finde nicht statt, man habe einfach die „Rassenkarte“ umgedreht, so dass es kein Nachteil, sondern ein Vorteil sei, schwarz zu sein. Nach Steele könne man „black power“- bewegte Schwarze am besten damit zur Räson bringen, dass man sie fragt warum denn weiße Institutionen für das Fortkommen des schwarzen Mannes zu sorgen hätten und er das nicht selbst erledigen könne.
Auch hier drängt sich der Vergleich zu unseren Bereicherern und den Feminazis förmlich auf: Nicht nur, dass man immer weiter in die Lücke, die schwindende moralische Autorität hinterlässt, hineindrängt, man geht auch noch davon aus, dass die deutschen, bzw. männlich besetzten Institutionen dazu da seien, das eigene Fortkommen zu beschleunigen. Weil ja überall strukturelle Ungerechtigkeit herrscht, hat der Staat, will er nicht für diese Ungerechtigkeit verantwortlich gemacht werden und damit seine moralische Integrität verlieren, für einen „Ausgleich“ zu sorgen. Damit aber findet tatsächlich auch hier eine Verewigung des Stigmas der Unterlegenheit statt. „Migranten“, bzw. Frauen schaffen es wohl nicht aus eigener Kraft, sich gegen die Deutschen, bzw. Männer durchzusetzen (eine türkische Frau kann in Deutschland also sicher sein, dass Sie einen Job nicht wegen ihrer beruflichen Qualifikation erhält. Wenn sie dazu noch behindert ist, dann gibt es zur Einstellung noch eine Beförderung oben drauf!)
Dabei ist die Folgerung, der Staat müsse für einen Ausgleich der Ungerechtigkeit sorgen aus der Prämisse, die Ungleichheit sei strukturell, stecke also im Staatsapparat selbst, keineswegs logisch zwingend.
Nur ein Staat, der in irgendeiner Weise den „Schuldkomplex“ (hier also statt weißer eben deutsche oder männliche Schuld) als Basis seines gesellschaftspolitischen Handelns verinnerlicht hat, fühlt sich verantwortlich, die „strukturelle Ungleichheit“ durch Gleichstellungsbemühungen zu minimieren.
Dabei geht es in letzter Konsequenz eben nicht um Gleichstellung im Sinne von „gleiche Chancen für alle“ (der Staat setzt die Regeln fest, sorgt für eine freie Laufbahn und dafür, dass alle Teilnehmer von der gleichen Startlinie aus starten dürfen), sondern um Bevorzugung der „strukturell benachteiligten“ Minderheit (da diese eben nicht so schnell rennen kann wie die anderen).

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Einige sprechen ja, wenn sie von Gewalt gegen Weiße reden, von „umgedrehtem Rassismus.“ Ich schließe mich Fjordmans Beurteilung an, dass diese Sprechgewohnheit sehr schädlich ist, weil sie impliziert, der weiße Rassismus sei der „echte“, der „ursprüngliche“ Rassismus, der nur „umgekehrt“ würde (Fjordman schlägt „Kaukasophobie“ als besseres Wort für Weißenhass vor).
Bei der Etablierung von Bevorzugungen einer Minderheit, bei „positiver Diskriminierung“ allerdings kann man tatsächlich von „umgedrehtem Rassismus“ sprechen, weil die jeweilige Rasse, Klasse, Volks- oder Geschlechtsgemeinschaft eben nicht dadurch von ihren Fesseln befreit wird, dass die Sonderregeln, die in Bezug auf sie gelten, aufgehoben werden, sondern dadurch in den Fesseln der „rassistischen Diskriminierung“ gefangen bleibt, dass diese Sonderregeln sie nicht mehr benachteiligen, sondern bevorzugen. Das ist zwar subjektiv gesehen eine „Besserbehandlung“, objektiv gesehen aber immer noch eine Sonderbehandlung.
Die amerikanischen Schwarzen verpassten es, als die äußeren Bedingungen endlich freie Fahrt ins Land der Freiheit gewährten, die mit dieser Freiheit verbundene Verantwortlichkeit anzunehmen. Stattdessen ließen sie sich auf eine andere Art der Abhängigkeit ein, nicht mehr von weißer Überlegenheit, sondern von weißer Schuld. Steele macht die „Furcht vor der Freiheit“, die seine schwarzen Geschwister und auch ihn in der Jugendzeit befallen habe, dafür verantwortlich. Wer ein freier Mensch ist, muss auch die volle Verantwortung für sein Handeln und persönliches Weiterkommen übernehmen, bzw. nur wer die volle Verantwortung für sein Leben übernimmt, ist ein freier Mensch.
Die Angst vor der Freiheit ließ nach Steele den Schwarzen die Opferrolle so attraktiv erscheinen. Als Opfer war man zwar weiterhin abhängig von der Mehrheitsgesellschaft, aber dieser Status verschaffte dem Gruppennarzissmus der Schwarzen enormen Aufschwung. Steele beschreibt, wie er nach seinem persönlichen Erweckungserlebnis „black power“ auslebte, indem er einen eigentlich lukrativen Ferienjob kündigte. Nur nicht mehr Sklave des weißen Mannes sein! Nicht wie Onkel Tom hart arbeiten und auf die Güte des Herren hoffen. Sondern militant und unnachgiebig Forderungen an das „rassistische System“ stellen.
Steele ist der psychologische Mechanismus hinter dieser Denkfigur mittlerweile bewusst, vielen anderen nicht. Dabei gilt wieder, dass die Erkenntnisse, die für das schwarze Amerika aus Steeles Analyse folgen, problemlos auf andere Felder ausgedehnt werden können. Hat nicht der Feminismus die Frauen in eine ewige Opferrolle gedrängt, weil es ihm unmöglich ist zuzugeben, dass die meisten Frauen so wenig Interesse wie Talent für den männlichen Konkurrenzkampf haben? Versucht man nicht das, was man mit fairen Mitteln nicht erreichen kann, durch Quotenregelungen durchzusetzen? Ebenso die Moslems: Was sie am Besten können, ist leiden, ist Opfer sein. Selbst wenn sie unverhältnismäßig reagieren oder gar, wie in vielen Fällen, die eigentlichen Täter sind, jede Beleidigung, jedes getötete Mitglied der Umma, wird ausgenutzt, um das Gruppengefühl in noch höhere Sphären zu katapultieren. Und weil der Westen sich hat einreden lassen, dass er in der Verantwortung ist, reagieren wir darauf, als hätten die empfundenen Beleidigungen und Demütigungen angemessene reale Anlässe.
Dabei überschneidet sich Steeles Beschreibung der schwarzen Militanz in augenfälliger Weise mit Fjordmans Analyse der politischen Korrektheit. Beides sind Auswüchse eines „weichen“, kulturellen Marxismus, der die Grundpfeiler der westlichen Gesellschaften umstürzen will.
Es ist schon eine interessante Frage, ob die christliche Lehre der „Erbsünde“ nachhaltigen Effekt auf unsere westliche Psyche gehabt hat. Vielleicht ist das ja der Grund dafür, dass wir so anfällig für die verschiedenen Spielarten des „Schuldkomplexes“ sind.
Aber ich glaube das nicht. Zum einen hat sich in zweitausend Jahren Christentum tausendneunhundert Jahre lang niemand schuldig genug gefühlt, um in solch suizidaler Art und Weise entgegen seinen eigenen Interessen zu handeln, wie wir das gegenwärtig tun. Zum anderen kennt auch der Islam die Schuld (nur eben nicht die Freiheit, die ja nach christlichem Verständnis als positiver Nebeneffekt beim paradiesischen Apfelessen entstand), ebenso andere Religionen.
Stattdessen scheinen Schuldkomplex und Leugnung der persönlichen Verantwortlichkeit in irgendeiner Weise verknüpft zu sein.
Steele schreibt über die Erleichterung, die er als junger Mann empfand, als er merkte, dass er die Verantwortung für sein Leben nicht selbst schultern, sondern den weißen Institutionen übertragen konnte. Die marxistische These von der „strukturellen Ungerechtigkeit“ geht ja gerade davon aus, dass nicht freie Menschen handeln, sondern gesichtslose Phantome, blinde Strukturen am Werke sind.

Shelby Steele